Warnstreiks im öffentlichen Dienst (Quelle: imago images/Christoph Reichwein)
Audio: rbb 88,8 | 19.10.2020 | Peter Klinke | Bild: imago-Symbolbild/Christoph Reichwein

BSR und Krankenhäuser - Verdi: Mehr als 4.000 Beschäftigte in Berlin im Warnstreik

Kurz vor neuen Tarifverhandlungen haben sich am Dienstag in Berlin nach Angaben der Gewerkschaft Verdi mehr als 4.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes an Warnstreiks beteiligt.

Betroffen waren - wie schon am Vortag - die großen kommunalen Krankenhäuser Charité und Vivantes, aber auch die Berliner Stadtreinigung (BSR), wie die Gewerkschaft mitteilte.

Die BSR-Recyclinghöfe blieben demnach den ganzen Tag über geschlossen. Auch Straßenreinigung und Müllabfuhr wurden zum Teil bestreikt. Außerdem legten Beschäftigte etwa von Rentenversicherung und Arbeitsagenturen "aktive Pausen" ein und beteiligten sich an Kundgebungen.

Gewerkschaften fordern mindestens 150 Euro mehr im Monat

Mit den Aktionen wollte die Gewerkschaft vor der dritten Runde der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen noch einmal Druck auf die Arbeitgeber machen. Die Verhandlungen sind für Donnerstag und Freitag in Potsdam angesetzt.

Die Gewerkschaften fordern bei einer einjährigen Laufzeit des neuen Tarifvertrages ein Lohn- und Gehaltsplus von 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeber haben für die bundesweit rund 2,5 Millionen Beschäftigten insgesamt 3,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt in drei Jahresstufen angeboten.

Viele Beschäftigte seien vom Angebot der Arbeitgeberseite "sehr enttäuscht", erklärte der Verdi-Landesbezirksleiter Berlin-Brandenburg, Frank Wolf. "Ich sehe, dass die Tarifparteien in dieser Tarifrunde noch sehr weit voneinander entfernt sind." Sollte es bei den Verhandlungen ab Donnerstag keine Einigung geben, seien auch die Berliner Beschäftigten weiterhin streikbereit.

Arbeitgeberverband äußert Unverständnis

Die Arbeitgeberseite kritisierte die Warnstreiks in der laufenden Tarifrunde im öffentlichen Dienst scharf. Der Präsident und Verhandlungsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, Ulrich Mädge, äußerte am Dienstag im rbb sein Unverständnis über die Maßnahmen und verwies auf die nächste Verhandlungsrunde ab Donnerstag. Es sei schizophren, dass jetzt auch Kindertagesstätten in den Krankenhäusern bestreikt würden, sagte er auf Radioeins vom rbb.

Bei der BSR werde gestreikt, "weil das die sogenannte Kampfeinheit von Verdi ist", sagte Mädge weiter. "Dahinter steckt doch wie jedes Mal der Versuch, Mitglieder zu gewinnen."

In den vergangenen Wochen hatte es wegen des Tarifkonflikts in Berlin immer wieder Warnstreiks gegeben, auch bereits bei der BSR oder in den kommunalen Kliniken.

6 Kommentare

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  1. 6.

    Das ist die alte Leier aller (privaten wie öffentlichen) Unternehmen: Die Personalkosten seien zu hoch. Dabei steigen Gewinne und Reichtum am oberen Ende ständig an und die Schere zwischen Reichen und arbeitender Bevölkerung geht immer weiter auf. Fakt ist: in den Krankenhäusern sind die Personalkosten zu niedrig. Deshalb herrscht Personalmangel auf Kosten der Gesundheit von Pflegekräften wie der Allgemeinheit. Was man an den Gewerkschaften kritisieren kann, ist eher, dass sie Streiks nicht zusammenführen und z.B. heute eine Streikkundgebung nur der Krankenhäuser (ohne BSR) vor dem Roten Rathaus stattfand.

  2. 5.

    Ich finde es als eine Frechheit Mitarbeiter im Gesundheitswesen zum Warnstreik aufzurufen in dieser Zeit. Die Gewerkschaft Verdi sollte mal daran denken daß dieses eine Kette ohne Ende ist.

  3. 4.

    Die Gesamtbevölkerung hätte mit Sicherheit Verständnis für den Streik, wenn bei der BSR Hungerlöhne gezahlt würden. Meines Wissens werden die Mitarbeiter gut bezahlt. Und was ist fair, was angemessen? Sicher eine Frage der Perspektive. Ich verstehe, dass eine Gewerkschaft das Beste für ihre Mitglieder rauszuholen versucht. Sonst stünde ihre Existenzberechtigung in Frage. Aber in einer Zeit der großen Herausforderungen, die uns alle stressen, in der wir auf alles mögliche verzichten sollen, Menschen in Kurzarbeit geschickt oder sogar gekündigt werden, halte ich so eine Aktion für ausgesprochen unsensibel und auch unangebracht. Kosten steigen übrigens auch wegen höherer Personalkosten, Personal wird auch eingespart, weil die Personalkosten zu hoch sind.

  4. 3.

    Mehr Geld auf dem Konto der Beschäftigten ist schön. Trotzdem haben für mich die Gewerkschaft jeden Bezug zur Realität verloren mit ihren Forderungen und den Warnstreiks.

  5. 2.

    Der Gesamtbevölkerung würde aber auch nicht interessieren wenn die BSR Hungerlöhne zahlen würde. Eine Gewerkschaft ist seinen Mitgliedern verpflichtet. Diese erwarten vernünftige Arbeitsbedingungen und faire Löhne. Dazu gehören auch Gehaltssteigerungen. Nicht vergessen nächstes Jahr steigt Strom, Das Kraftstoffe und so weiter. Warum muss man sich hier ständig rechtfertigen wenn man für vernünftige Löhne auf die Straße geht. Wir leben nicht in einen Land wo jeder nur das gleiche verdienen darf

  6. 1.

    Es wäre angebracht wenn die Gewerkschaften sich ein wenig mehr an der realen Lebenssituation der Gesamtbevölkerung orientieren würde und in diesen ohnehin schwierigen Zeiten auf Streiks verzichten würde.
    Leider geht es Verdi nur noch um ideologische Grabenkämpfe mit dem Versuch den jahrelang andauernden Mitgliederschwund zu stoppen.

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