Eine unsanierte Häuserfassade in Berlin-Pankow am 12.10.2020. (Quelle: rbb|24/Sabine Prieß)
Audio: Inforadio | 13.10.2020 | Michael Ernst | Bild: rbb|24/Sabine Prieß

Bericht der Investitionsbank - Bezahlbare Mietwohnungen bleiben knapp in Berlin

Bezahlbare Mietwohnungen bleiben in der Hauptstadt knapp. Ein aktueller Bericht der Investitionsbank Berlin (IBB) zeigt, dass von einer deutlichen Entspannung des Marktes vorerst nicht auszugehen ist.

Das folgerte IBB-Vorstandschef Jürgen Allerkamp aus einer Befragung von rund 200 Immobilien-Experten. Günstige Wohnungen im Segment mit Quadratmetermieten von monatlich weniger als sieben Euro kalt sind demnach in nahezu allen Bezirken Mangelware. Dazu trage bei, dass Bauland als knapp und der Widerstand gegen Bauvorhaben als groß wahrgenommen werde.

Mit weniger Bauanträgen wird gerechnet

Zwar erwarten viele der befragten Experten, dass in Folge der Corona-Krise weniger Menschen nach Berlin ziehen. Es werde aber auch eher mit weniger Bauanträgen gerechnet. Die Nachfrage nach Mietwohnungen dürfte nach dem "IBB-Wohnungsmarktbarometer 2020" also dennoch eher zu- als abnehmen.

Besonders häufig gefragt seien in Berlin vor allem Wohnungen mit 45 bis 100 Quadratmetern Wohnfläche. Daneben suchen Mieter dem Bericht zufolge vor allem Wohnungen mit Balkon oder Terrasse, in gut angebundener Lage und mit stabilem sozialen Umfeld. Andere Merkmale wie ein Aufzug oder eine Einbauküche, so die Einschätzung der Experten, seien hingegen weniger wichtig.

Regierender Müller will "mit Hochdruck" bauen

Der Berliner Regierende Michael Müller (SPD) hatte Ende August erst das Ziel des Senats unterstrichen, so schnell wie möglich neue Wohnungen zu schaffen. "Wir realisieren weiterhin mit Hochdruck Neubauprojekte, damit Wohnen in Berlin bezahlbar bleibt", hatte der der SPD-Politiker erklärt.

Die entsprechenden Investitionen würden auch in der Corona-Pandemie nicht verringert. "Bauen bleibt neben dem Kauf von Wohnungen und der Deckelung von Mieten das wichtigste Instrument für bezahlbares Wohnen", so Müller.

Sendung: Inforadio, 13.10.2020, 11:00 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    @Radlerin. Stimmt leider. Die Gründe für Immobilienspekulationen sind vielfältig. Das sinkende Rentenniveau zwingt auch viele Kleinvermieter dazu ,als Altersabsicherung eine Immobilie zu erwerben, zum größten Teil mit Kredit finanziert. In diesen Fällen ist der Mietendeckel besonders tragisch, weil die Finanzierung häufig nicht mehr gesichert ist. Keine Zinserträge, unsichere Vermietung, Riesterrente ist Murks, Edelmetalle auf hohem Niveau. Wie soll man heutzutage privat fürs Alter vorsorgen, wenn man Angst vor Aktien hat? Zuerst die Empfehlung von Politikern privat vorzusorgen und dann lässt man die Leute im Regen stehen. Pensionen sind im Schnitt 3x (!!!) so hoch wie Renten. Abgeordnete erwerben nach 4 Jahren Rentenansprüche über 4000€. Da sollte mal der Deckel drauf! Das wäre mal ein Grund auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren, um den sozialen Frieden zu erhalten.

  2. 13.

    Die Spekulation mit "Betongold" explodierte, als die Zinsen weltweit gegen 0 gingen und das Kapital andere Wege zur Gewinnmaximierung suchte. Z.B. auch durch den Aufkauf von Senioren- und Pflegeheime als Immobilie samt Insassen, die es ausquetschen kann - oder schließen.

  3. 12.

    @Ost-Berliner. Ich hoffe, Sie haben nicht vergessen wie der bezahlbare Wohnraum im Osten vor der Wende aussah. Es mussten Milliarden in die verfallenen Bauten investiert werden, damit man darin wohnen kann.

  4. 11.

    @Webansen. Richtig! Vor allen Dingen kann ein 'Zwei-Mieten-Markt', vor und nach 2014 nicht funktionieren. Die Preise für Bestandsmieten vor Baujahr 2014 mögen zwar gesunken sein ( das Angebot aber auch um 50%), dafür sind die Preise von Neubauten ab 2014 explodiert. Neuen Wohnraum kann man nur durch Neubau schaffen, jedoch wird es dann keine günstigen Mieten geben, sondern ab 12€ pro m3 aufwärts. Was hat man also mit diesem Mietendeckel gewonnen? Nix!

  5. 10.

    @Olli. Ich stimme Ihnen zu. Einen spürbaren Anstieg der Kaufpreise gab es besonders in der Finanzkrise, weil viele ausländische Investoren ihr Geld in Sicherheit über die Grenze bringen wollten und im billigen Berlin massenhaft kleinere Wohnungen gekauft haben. Vorher waren die qm Preise für größere Wohnungen teurer, plötzlich waren die qm Preise für kleinere Wohnungen genauso hoch, weil sie knapp wurden. Dann fingen die Ferienwohnungen an zu boomen.....80% der Mietwohnungen sind in privater Hand. Spätestens wenn wir ein Mietenkataster haben wird erkannt, dass nicht der deutsche Kleinvermieter Schuld an den gestiegenen Mieten hat, sondern die ausländischen Investoren die Hauptverursacher sind. Erstens, weil sie das Angebot an Mietwohnungen verknappt haben und zweitens, weil sie hohe Mieten fordern, die europäische Hauptstädte nun mal haben. Eine Verdopplung der Grunderwerbsteuer für ausl. Investoren und eine Streichung der GES für Einheimische wäre wünschenswert.

  6. 9.

    Sie haben nun wirklich keine Ahnung wer hier noch Ost und West Mieten vor der Wende vergleicht ist schon daneben.

  7. 8.

    Das ist schlicht falsch. Der Grund für hohe Preise und Knappheit sind Massenzuzüge aus dem gesamten Bundesgebiet und auch international, weil Berlin lange Zeit bis heute viel zu billig war und daher entsprechende Menschen anzieht.
    Meine erste Wohnung im Friedrichshain 90er Jahre hat 107,- DM warm (Heizung Gas selber gezahlt) gekostet (Schnee, Hausreinigung etc ging von der Warmmiete noch ab) bei 67 m². Das sind umgerechnet 50 Euro oder 74 Cent je m². Zu der Zeit wollte niemand im Friedrichshain wohnen. Da hat auch niemand den Mund aufgerissen, wie man ein Haus mit so wenig Miete instand hält.
    Als sozialistische, billige Enklave zieht Berlin noch mehr Selbstverwirklicher mit gerigem oder/und unsicherem Einkommen in die Stadt und die laden ihren ganzen Sozialfrust dann Konzentriert in Berlin ab. Dabei ist Berlin mit Abstand eine der günstigsten Großstädte weltweit.

  8. 7.

    Die Wohnungsmiserer herrscht doch nicht erst seit heute dieses haben schon viele Senats in der Vergangenheit mit zu verantworten und jeder schiebt die Schlud auf den anderen. Fehler aus der Vergangenheit können nicht von heut auf morgen behoben werden und dieser Senat RRG hat mit großen Worten geglänzt aber nicht mit großen Taten.

  9. 6.

    Vor der Wende gab es im Westen und im Osten fast nur bezahlbaren Wohnraum. Selbst Eigenheime waren mit einem (!) normalen Gehalt bezahlbar. Es bedurfte also nicht 2 Gehälter um ein Haus zu finanzieren und schon gar nicht um nur eine Mietwohnung zu finanzieren. Heute braucht man oft 2 Gehälter um allein eine Mietwohnung zu halten.

  10. 5.

    Hieran erkennt man, dass der Senat keine Planungspolitik in der Bauwirtschaft wünscht. Man muß viel mehr und viel schneller zu günstigeren Konditionen Grundstücke zur Verfügung stellen.

    Seit Jahren wird dies aber mit aller Macht versucht zu verhindern. So ist natürlich viel zu wenig bezahlbarer Wohnraum entstanden. Die Politik macht es sich dann einfach, indem auf die Vermieter eingeprügelt wird und sie mietpreisregulierend stark einzuschränkt. Der Vermieter befindet sich somit mietpreistechnisch in einer Planwirtschaft und kostentechnisch im Kapitalismus.

    So ein System kann auf Dauer nicht funktionieren und führt zu noch weniger bezahlbaren Wohnungsbau.

  11. 4.

    Na wer hätte das gedacht - bezahlbare Mietwohnungen wird immer ein Dauerthema bleiben. Kann da regieren wer will.

  12. 3.

    Was hat rotrotgrün nicht alles versprochen zu Beginn der aktuellen Regierungszeit.

  13. 2.

    Spekulation, Deregulierung und Privatisierung haben die Mietpreise steigen lassen. Das sind die üblichen 3 Kennzeichen der Korruption und des organisierten Verbrechens. Spekulation, Deregulierung und Privatisierung.

  14. 1.

    Wird bezahlbare Miete mit einem baufälligen Zustand der Immobilie gleichgesetzt, wie das Bild fälschlich zu vermitteln versucht?
    Also die für mich und Pankower Verhältnisse bezahlbare Miete erlebe ich in einem sanierten Haus mit gutem Standart und sogar einer funktionierenden Zentralheizung.

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