Die Pattarina App für Schnittmuster (Bild: rbb/Franziska Ritter)
Audio: Inforadio | 08.10.2020 | Franziska Ritter | Bild: rbb/Franziska Ritter

DeGut 2020 - Gründermesse in Berlin beginnt trotz Corona

Bei den Deutschen Gründer- und Unternehmertagen gibt es zwei Tage lang Tipps, wie man ein erfolgreiches Unternehmen aufbaut. Die DeGut findet bereits zum 36. Mal in Berlin statt, doch wegen der Pandemie ist in diesem Jahr einiges anders. Von Franziska Ritter

Auch in diesem Jahr findet in der Arena Berlin in Treptow wieder die Gründermesse DeGut statt. Zu den knapp 80 Veranstaltungen, Seminaren und Workshops, die am Freitag und Samstag angeboten werden, müssen sich Besucher vorab anmelden. Eine Ausnahme: das Beraterforum. Hier kann man kostenlos und ohne Voranmeldung mit Experten und Coaches ins Gespräch kommen. Thematisch wollen die DeGut-Organisatoren alle Bereiche abdecken, die Unternehmer interessieren: von der Ideenfindung und Entwicklung tragfähiger Geschäftsmodelle über Marketing und Vertrieb bis hin zu rechtlichen und steuerlichen Fragen.

Judith Domberg und Nora Baum, die Gründerin der Schnittmuster-App "Pattarina" (Bild: rbb/Franziska Ritter)
Nora Baum (re.) aus Cottbus hat eine App für Schnittmuster entwickelt | Bild: rbb/Franziska Ritter

Aus Gründen des Corona-Infektionsschutzes dürfen sich in den Hallen maximal 1.000 Personen zur gleichen Zeit aufhalten. Deshalb gibt es in diesem Jahr nur Halbtagestickets, die Besucher ausschließlich online über die Website der Gründermesse buchen können. "Das ist bis 17.30 Uhr am zweiten Messetag möglich, so dass man sich auch kurzfristig für einen DeGut-Besuch entscheiden kann", erklärt Christina Arend von der Investitionsbank des Landes Brandenburg, die die Gründermesse gemeinsam mit ihrem Pendant aus Berlin veranstaltet.

Schnell einen Prototyp entwickeln

Wer selbst ein Unternehmen gründen will, bekommt auf der DeGut Tipps von Unternehmern, die bereits ihre eigene Firma aufgebaut haben. Nora Baum aus Cottbus rät angehenden Firmengründern, so schnell wie möglich einen Prototyp ihrer Geschäftsidee zu entwickeln und ihn mit echten Kunden zu testen. So hat sie es mit "Pattarina" gemacht – einer Anwendung fürs Smartphone, die es Designern und Hobbynähern ermöglicht, Schnittmuster direkt auf Stoff zu übertragen. Hinter der App steckt "Augmented Reality", eine Technologie, die realen Aufnahmen virtuelle Elemente hinzufügt.

Christian Kroll, der Gründer von "Ecosia" (Bild: rbb/Franziska Ritter)
Christian Kroll hat Ecosia gegründet | Bild: rbb/Franziska Ritter

"Ich nähe selber schon ganz lange und war immer genervt von den Schnittmustern. Das ist eine ziemliche Bastelei, die abzupausen oder auszudrucken und zusammenzukleben", sagt die frühere Unternehmensberaterin. Sie und ihr Mitgründer haben eine Lösung fürs Smartphone gefunden. Ihre App blendet Nutzern die gewünschte Vorlage auf dem Bildschirm ein. Per Stift übertragen sie die virtuelle Linie auf den Stoff, schneiden anschließend alle Teile aus und nähen sie zusammen. Ein Jahr nach dem offiziellen Start von Pattarina erreicht die App in Spitzenmonaten schon 20.000 Nutzer.

Es muss nicht immer um Profite gehen

Christian Kroll spricht auf der Gründermesse über Unternehmen mit Verantwortung. Der Berliner hat einen Suchmaschinendienst "Ecosia" aufgebaut, der vom Prinzip genauso funktioniert wie Google und Co. Nutzer können nach allen möglichen Dingen suchen. Klicken sie auf Werbeanzeigen, zahlen die Unternehmen, zu denen sie über einen Link gelangen, "Ecosia" eine Provision. Der Unterschied ist nur: Die Berliner nutzen dieses Geld, um Bäume damit zu pflanzen. "Wir haben schon über 100 Millionen Bäume gepflanzt und das Schöne ist: Da kommen wöchentlich fast Millionen neue dazu."

Auf die Idee, eine grüne Suchmaschine zu entwickeln, ist Christian Kroll nach seinem BWL-Studium gekommen, als er sich auf eine Weltreise begab. Dort sah er, wie rücksichtslos Wälder in Südamerika abgeholzt werden. "Da war für mich eigentlich klar, dass es - für mich persönlich zumindest - im 21. Jahrhundert nicht mehr darum geht, Profit zu maximieren, sondern unseren Planeten zu reparieren." Christian Kroll verzichtet darauf, Gewinne aus der Firma zu ziehen und hat dafür gesorgt, dass "Ecosia" - inzwischen die größte Suchmaschine Europas - nicht an Investoren verkauft werden kann.

Oliver Goetze (Bild: rbb/Franziska Ritter)Sein Unternehmen hat Oliver Goetze zunächst aus Erspartem finanziert

Finanzierung oft schwierig

Oliver Götze aus Potsdam hat eine Firma aufgebaut, die Möbelzubehör für Kommoden, Regale und Schränke von Ikea verkauft. Seit zweieinhalb Jahren ist "New Swedish Design" laut dem Firmengründer profitabel, doch der Weg dorthin war schwer. "Auf der einen Seite gibt es eine super Beratung für Firmengründer, überall Gründerzentren. Aber die Finanzierung ist wirklich ein Problem", klagt er.

Anfangs hat er sein Unternehmen mit seinem Ersparten finanziert. Auf der Suche nach zusätzlichem Kapital gelangte er zur Investitionsbank des Landes Brandenburg. Sie bot ihm eine Finanzierung über 600.000 Euro an, sofern er zwei private Investoren findet, die sich an dem Deal beteiligen. "Bei dem einen stellte sich heraus, dass er völlig pleite ist und trotzdem den Gesellschaftervertrag beim Notar unterschrieben hatte", erinnert sich Oliver Götze. "Das hat uns in große Schwierigkeiten gebracht."

Mit Mühe und Not fand sich eine Lösung, die ILB sprang mit einer stillen Beteiligung ein. Doch anstelle der vereinbarten 600.000 Euro gab es nur die Hälfte des Kredits, weil die Voraussetzungen für die zweite Charge nicht erfüllt waren. Oliver Götze hat aus all den Rückschlägen und Fehlern, die ihm beim Aufbau seines Unternehmens passiert sind, gelernt. Sein Rat an angehende Firmengründer: "Wenn ihr meint, ihr hättet einen super Businessplan fertig, dann halbiert den Umsatz und verdoppelt die Kosten. Es passiert immer etwas Unvorhergesehenes."

Sendung: Inforadio, 08.10.2020, 10:35 Uhr

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