Ein Streik von den Beschäftigen im öffentlichen Dienst (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)
Bild: dpa-Symbolbild/Julian Stratenschulte

Tarifverhandlungen - Arbeitgeber im öffentlichen Dienst legen Angebot vor

Vor der dritten Verhandlungsrunde für den öffentlichen Dienst hat die Arbeitgeberseite nun ein Angebot vorgelegt: 3,5 Prozent mehr Geld über drei Jahre. Die angebotene Lohnsteigerung und auch die Laufzeit gefällt den Gewerkschaften gar nicht.

Die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen haben in den Tarifverhandlungen ein Angebot vorgelegt.

Es umfasst für die zweieinhalb Millionen Beschäftigten insgesamt 3,5 Prozent mehr Geld in drei Jahresstufen. Das haben Bundesinnenministerium und kommunale Arbeitgeberverbände am Freitag in Berlin mitgeteilt.

Gewerkschaften fordern mehr Geld und kürzere Laufzeit

"Es wird eine Erhöhung der Entgelte in drei Schritten angeboten, und zwar zum 1. März 2021 um 1,0 Prozent, zum 1. März 2022 um weitere 1,0 Prozent und zum 1. März 2023 um weitere 1,5 Prozent. Der erste Erhöhungsschritt wird mit einem Mindestbetrag von 30 Euro verbunden", heißt es in einer Mitteilung.

Die Gewerkschaften fordern 4,8 Prozent mehr, mindestens aber 150 Euro im Monat. Sie haben das schon mehrfach mit Warnstreiks untermauert. Am Freitag haben in Brandenburg an der Havel Mitarbeiter der Stadtverwaltung, des Klinikums, der Wasser- und Abwassergesellschaft und der Schleuse die Arbeit niedergelegt.

Verdi und dbb: Angebot völlig unzureichend

Die Verhandlungsführer von Verdi und dem Beamtenbund (dbb), Frank Werneke und Ulrich Silberbach, bezeichneten das Arbeitgeberangebot als völlig unzureichend. Die angebotenen Lohnsteigerungen seien zu gering und die Laufzeit zu lang. Die Gewerkschaften seien sich im Klaren, dass eine Tarifeinigung nicht ohne Entgegenkommen beider Seiten zu haben sein wird, so dbb-Chef Silberbach. "Das heute vorgelegte Angebot reicht aber hinten und vorne nicht."

Die dritte Verhandlungsrunde zwischen den Arbeitgebern von Bund und Kommunen sowie den Arbeitnehmervertretern von Verdi, dbb und Tarifunion ist am Donnerstag und Freitag kommender Woche (22. und 23. Oktober) angesetzt.

Sendung: Inforadio, 16.10.2020, 14:20 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    Im Frühjahr wurde geklatscht. Nun kommt die Klatsche. Jetzt zeigt sich die wahre Wertschätzung für die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Nämlich nicht Mal der Inflationausgleich, sondern ein Reallohnverlust.
    Das ist bitter.

  2. 20.

    @Heike
    ich habe gar nicht vor irgendjemand zu Missionieren .

    Und sicher , man kann alles privatisieren ( heißt übrigens nicht das der Wirtschaftsteil nicht mit Steuergeldern subventionierten werden muss .... ÖPNV lässt grüßen )
    . Nur mal ehrlich : ist denn nach einer Privatisierung irgendwas besser und preiswerter geworden ?
    Für nachvollziehbare Beispiele bin ich sehr dankbar .

  3. 19.

    @Thomas aus Berlin
    Ihre Kritik richtet sich an die Falschen. Und sie ist wie die Ausspielung von Niedriglöhnern gegen Hartz4-Empfänger sehr unglücklich.
    Bereits heute ist das Bundeskanzleramt mit 25.347 Quadratmetern die größte Regierungszentrale der westlichen Welt und achtmal größer als das Weiße Haus. Der Deutschen Regierung aber immer noch nicht groß genug: Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett haben beschlossen, das Bundeskanzleramt bis zum Jahr 2028 durch einen westlichen Neubau auf der anderen Seite der Spree auf eine Fläche von 5.000 Quadratmeter zu verdoppeln. Kosten über 500 Mio. Euro. Solange dafür Steuerzahlergeld vorhanden ist muss es auch für Arbeitnehmer vorhanden sein.

  4. 18.

    Danke Thomas, sie sprechen mir aus der Seele.

    Wir Selbstständigen versuchen gerade nicht unterzugehen, man kann auch sagen...ich versuche gerade nicht zu verrecken und alles zu verlieren was ich für meine Familie Jahrelang hart erarbeitet habe.

    Und jetzt jammern alle die, die 0 Gehaltsverlust hatten bzw haben.
    Bei Krankenschwestern kann ich das alles noch verstehen ... beim Rest eher nicht.

  5. 17.

    Auch, wenn Sie es nicht hören wollen, während Sie um den Prozentsatz feilschen haben Millionen Menschen ihre Existenz verloren. Und diese Menschen hätten für ihre Arbeit auch Wertschätzung verdient. Und scheinbar erwarten Sie wie selbstverständlich, dass diese Menschen Ihre Lohnsteigerungen auch noch finanzieren.

  6. 16.

    Wer ein so unverschämt niedriges Angebot vorlegt provoziert damit neue Streikankündigungen. Die Laufzeit ist eine Frechheit. Besonders die Menschen, die in Wechselschichten nachts und Sonntags arbeiten verhöhnt man damit. Man zeigt ihnen was sie sind: Arbeitssklaven.
    Miet-, Stromerhöhungen und frische, gesunde Lebensmittel kann man nur von seinem Nettogehalt bezahlen. Ebenso die steigenden Versicherungs- und Unterhaltskosten für einen bescheidenen Kleinwagen. Von 30 Euro Brutto bleiben einer Arbeitnehmerin mit bescheidenem Einkommen in der Steuerklasse 1 etwa 17,40 Euro netto im Monat. Bedingt vor allem durch die hohen Sozialabgaben.
    Es wird Zeit dass in Deutschland endlich mal wieder massiv gestreikt wird.

  7. 15.

    Für die im April noch beklatschten, wie mich ( Krankenpfleger) ist das AG- Angebot ein Schlag ins Gesicht!!!

  8. 14.

    Die Klatten-Klasse wirds mit Wohlgefallen sehen, daß sich die abhängig Beschäftigten gegenseitig die Margarine auf dem Brot nicht gönnen.

  9. 13.

    Wenn es dem ÖD so schlecht geht, wie Sie hier Glauben machen wollen, dann steht es ja jedem frei es genau so zu machen, wie Sie und ihn zu verlassen. Ich glaube ALBA übernimmt den Großauftrag sicher gerne. Man könnte damit anfangen erste Bezirke europaweit auszuschreiben.
    Der Laden sollte froh sein, ungeschröpft durch Corona gekommen zu sein. Während viele ums Überleben kämpfen oder diesen Kampf verloren haben und ihrerseit auf viel verzichten, und der Staat deswegen auch weniger Einnahmen hat, bedient sich der ÖD schamlos wie im Schlaraffenland, als wäre nichts passiert.
    Branchen mit soviel Druckpotential in der Daseinsvorsorge sollten wie Beamte kein Streikrecht haben.

  10. 12.

    Sie kennen sich ja richtig gut aus ;-)
    Ich kenne einige (mich mit eingeschlossen ) die vom ÖD in die freie Knechtschaft.... ähhh Wirtschaft gewechselt sind weil man "nicht nur" ein ganzen Stück besser bezahlt wird , sondern auch bessere Arbeitsbedingungen und Anerkennung für seine Arbeit vorfindet/erhält .
    Die Zeiten die sie meine , wo man seine Zeit bis zur Rente abgebummelt hat , sind schon seit der Wiedervereinigung vorbei .
    Ich frage mich eh wie man darauf kommt den ÖD als das Paradies für alle Leistungsverweigerer zu sehen .
    Der Personalmangel kommt ja nicht von ungefähr . Einfach mal darüber nachdenken .

  11. 11.

    Übernahme des Ergebnisses auf Bundesbeamte und Versorgungsempfänger. Damit könnte ich zunächst leben, bevor die Inflation steigen wird und der Abschluss gerade diese ausgleicht.
    ....
    Wovon träumen Sie nachts?
    Genau wegen der Versorgungsempfänger wird der Abschluss niedrig sein oder es werden wieder neue Abgaben im Versorgungsgesetz erfunden oder erhöht.
    Ich wäre schon froh, wenn ich 7 Jahre nach Pensionierung aus DDU endlich die erdiente Pension erhielte. Vier Klagen gegen die Pensionskasse habe ich bereits gewonnen. Und nach Rechtskraft kommt gleich ein neuer Bescheid mit Drohungen.

  12. 10.

    Dieses Gejammere über die angeblich schlechtere Bezahlung der Mitarbeiter im öD hat weder Hand noch Fuss, wer im öD arbeitet und geldgierig auif die freie Wirtschaft schielt, möge doch dort in der freien Wirtschaft anfangen, aber viele aus dem öD würden aus bestimmten Gründen dort gar nicht angenommen werden.

  13. 9.

    Bleibt doch mal entspannt! Die Arbeitgeber starten (!) mit diesem Angebot. Am Ende kommt sicherlich mehr raus, bei einer vermutlich kürzeren Laufzeit. Sicherlich wird es aber auch nicht die Forderung von Verdi werden.

  14. 8.

    Danke für die Wertschätzung !
    Bis Ende 2023 wird der Lohn nicht weniger.
    Vorausgesetzt, die Inflation steigt nicht über 1 % pro Jahr.
    Bei einer Inflation unter 1% wäre das bestimmt ein wahnsinnig hoher Lohnzuwachs !
    Wenn dann ALLE, auch die Politiker, bis zum vollendeten 80. Lebensjahr arbeitengehen, sind auch die Sozialkassen saniert !
    Die Lebenserwartung steigt ! Wenn jeder die 3% für 10tausend Jahre auf der Bank lässt kann sich jeder einen ganzen Planeten kaufen, nun gut, nur einen kleinen Planeten.
    Danke für die Wertschätzung !

  15. 7.

    Das ist kein Angebot, sondern eine Frechheit, eine Provokation. Jedes Jahr werden Milliarden an Steuergeldern mit vollen Händen aus dem Fenster geworfen (BER, Scheuers Mautdebakel). Aber wehe, die eigenen Beschäftigten verlangen mal ein paar Euro mehr. Ich bin fürs Streiken bis es quietscht. Auch in den Krankenhäusern. Kommt bestimmt gut bei der derzeitigen Corona Welle!

  16. 6.

    Mit den 3,5%auf 3 Jahre ist man nur dann zufrieden, wenn wir auch die Diätenerhöhungen der Abgeordneten bekommen... Umgekehrt ist es ja schließlich auch so.

  17. 5.

    Das ist kein Entgegenkommen der AGs. Die Mitarbeiter im öD werden seit Jahren schlechter bezahlt als in der freien Wirtschaft. Auch die Arbeitsbedingungen werden immer unzumutbarer. Da muss sich keiner wundern, dass immer weniger Stellen besetzt werden. Und die Argumentation, dass im öD Stellen unbefristet und sicher sind, ist schon lange nicht mehr der Fall. Jeder der dort arbeitet weiß das auch.

  18. 4.

    Das sollte Minimum schon dabei herauskommen:

    2 % vom 01.10.20 - 30.09.21
    2 % vom 01.10.21 - 30.09.22

    und mindestens 75,00 €
    Übernahme des Ergebnisses auf Bundesbeamte und Versorgungsempfänger. Damit könnte ich zunächst leben, bevor die Inflation steigen wird und der Abschluss gerade diese ausgleicht.

  19. 3.

    Wann wird endlich die Arbeiszeit im Osten an West angepasst?
    30 Jahre gemeinsame Bundesrepublik und Ungleichbehandlung darf nicht mehr sein...

  20. 2.

    Dieser lächerliche Vorschlag der AG ist wieder mal ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst.
    Streikt weiter - meine 100 % Unterstützung habt ihr!

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