Symbolbild/Archiv - Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) stehen am 01.04.2019 vor einer Geschäftstelle des Unternehmens im Bezirk Mitte und nehmen an einem ganztägiger Warnstreik teil. (Bild: dpa/Wolfgang Kumm)
Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Tarifstreit im Öffentlichen Dienst - Warnstreik im ÖPNV in Berlin für gesamten Freitag angekündigt

Am Freitag müssen sich Kunden von Bus und Bahn auf massive Einschränkungen einstellen: Die Gewerkschaft Verdi hat die Mitarbeiter von Verkehrsbetrieben in Berlin zu einem 24-stündigen Warnstreik aufgerufen. In Brandenburg soll der Warnstreik kürzer ausfallen.

Im bundesweiten Tarifkonflikt für den öffentlichen Nahverkehr soll am Freitag auch in Berlin und Brandenburg gestreikt werden. Für Freitag, den 9. Oktober 2020 hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft die Beschäftigten der BVG und die der Berlin Transport GmbH zu einem ganztägigen Streik aufgerufen. Das geht aus einer Pressemitteilung vom Dienstag hervor.

Der Streik soll am Freitag mit Betriebsbeginn (gegen 3 Uhr) starten und 24 Stunden dauern. Den Angaben zufolge werden alle BVG-Bereiche – U-Bahn, Straßenbahn und Bus - betroffen sein. In Brandenburg sind am Freitag folgende Unternehmen von Betriebsbeginn bis 12 Uhr zum Streik aufgerufen: ViP Verkehrsbetriebe Potsdam GmbH, Regiobus Potsdam Mittelmark GmbH, Havelbus Verkehrsgesellschaft mbH und die Verkehrsbetriebe an der Havel GmbH.

Bei allen anderen brandenburgischen Verkehrsunternehmen wird der Betrieb voraussichtlich normal laufen. Nicht vom Streik betroffen sind in Berlin die Buslinien, die an private Busfirmen vergeben sind. Der S-Bahn- und Regionalbahnverkehr wird nicht bestreikt.

BVG-bietet am Streiktag einige Linien an

Die BVG kündigte an, dass während des Warnstreiks nur die Linien, die in ihrem Auftrag durch private Unternehmen betrieben werden, angeboten werden können. "Diese verfügen über eigene Fahrzeuge und eigene Betriebshöfe, die nicht bestreikt werden", teilten die Berliner Verkehrsbetriebe am Dienstag mit.

Nach BVG-Angaben fahren folgende Linien komplett: 106, 112, 140, 161, 163, 168, 175, 179, 184, 234, 275, 284, 334, 341, 349, 363, 369, 370, 371, 380, 399, 740, 744, N12, N23, N34, N35, N39, N40, N52, N53, N56, N58, N60, N61, N62, N67, N68, N69, N77, N84, N88, N90, N91, N95, N97. Die Linien 218, 283, 395, 398 fahren demnach mit Einschränkungen.

Angesichts steigender Corona-Werte komme der Warnstreik zu einem völlig falschen Zeitpunkt, kritisierte die BVG. Die Fahrgäste würden einem unnötigen Gesundheitsrisiko ausgesetzt.

Verdi beklagt hohe Krankenstände wegen hoher Belastung

In dem Tarifkonflikt geht es unter anderem um die Arbeitsbedingungen. "Derzeit führen die schlechten Arbeitsbedingungen regelmäßig zu hohen Krankenständen. Diese haben auch Auswirkungen auf die Linienleistung und führen zu Fahrausfällen", teilte Jeremy Arndt, Verdi-Fachbereichsleiter Verkehr Berlin und Brandenburg am Dienstag mit.

Im Vergleich zum Jahr 2000 sei die Zahl der Beschäftigten um 18 Prozent geschrumpft, während die Anzahl der Fahrgäste im gleichen Zeitraum um ein Viertel zugenommen habe.
Neben den bundesweiten Verhandlungen würden derzeit auch die Verhandlungen stocken, erklärte die Gewerkschaft Dienstag in einer Pressemitteilung.

Sendung: Inforadio, 06.10.2020, 15 Uhr

128 Kommentare

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  1. 128.

    Ist so nicht richtig. Es geht um einen Vertrag für "alle" Verkehrsbetriebe Bundesweit und der Festlegung von Grundbedingungen. Die Putzfrau verdient nen 10er und der Fahrer in Brandenburg 13,49€ pro Stunde Einstiegsgehalt. Die Putzfrau fängt um 5Uhr an zu arbeiten und geht um ca. 14Uhr nach Hause (Arbeitszeit + Pause) der Busfahrer ist bis 17Uhr noch am Fahren auf Grund von unbezahlten Pausen und Wendezeiten bei einigen Diensten werden ohne Spinne von 10h nur 5,5h bezahlt also darf er am Wochenende auch noch ran um auf 39h zu kommen. Es geht Nicht ums Geld! Der Altersdurchschnitt liegt bei 49 Jahren weil keiner es mehr machen möchte. Corona hin oder her der ÖPNV hat mehr Arbeit denn je.

  2. 127.

    Wo ist das Problem, jeder hatte eine Woche Zeit gehabt sich auf Freitag zu vorzubereiten.

  3. 126.

    Viele, auch ich gehöre dazu, finden die Sperrstunde richtig, müssen sich aber mit einer Party in der S-Bahn abfinden, unverantwortlich.

  4. 125.

    Die Müllabfuhr sei nicht betroffen, habe ich gehört. Tatsächlich lässt sich die Müllabfuhr diese Woche hier im Viertel nicht blicken. Kein Streik, aber vielleicht eine rein zufällige Häufung von Krankmeldungen zur selben Zeit. Ich finde es unangenehm, aber ich möchte diesen Job auch nicht machen. Ein Lohn, der anerkennt, dass auch die Müllabfuhr systemrelevant ist, das hielte ich für gerecht.

  5. 124.

    Der Senat hat hier weder was zu erlauben noch zu verbieten. Streik ist ein Grundrecht! Und solange der Arbeitgeber nicht endlich ein Angebot vorlegt (er weigert sich nämlich weiterhin), wünsche ich den Beschäftigten im öD viel Erfolg bei Ihrem Arbeitskampf! Lasst Euch nicht unterkriegen!

  6. 123.

    "Und falls es das Gehalt ist, dann kündigt doch uns sucht euch einen besser bezahlten Job. Es steht jedem frei, sich in der Arbeitswelt umzusehen. "
    Klasse! Absolute k.o.-Argumentation, welche sich mühelos auch auf alles andere anwenden lässt.
    Beispiele:
    Die Miete bei der Deutschen Wohnen ist Ihnen zu teuer, suchen Sie sich eine andere Unterkunft!
    Sie vermissen in Berlin Radwege, ziehen Sie nach Münster!

  7. 122.

    Geht es Ihnen noch gut. Glauben Sie das, was sie dort schreiben, wirklich? Ich bin blind. Meinen Sie, da steht mir der Arbeitsmarkt offen und ich kann eben mal so meinen Job wechseln? Was denken Sie eigentlich, wo wir uns befinden. Viele Menschen haben gerade jetzt ihren Job verloren. Sollen es noch mehrere werden und wollen wir vielleicht noch eine zweite Welle riskieren. Dieser Streik ist absolut falsch, weil er zur falschen Zeit Kommt. Ich habe dafür kein Verständnis. Ich habe so schon genug mit Geräuschen und mit anderen Dingen am Tag zu kämpfen. Ich komme mit der S-Bahn hier nicht weg. Das hat nichts mit Angst zu tun, sondern mit Vernunft.

  8. 121.

    Bin doch sehr erstaunt, das hier auf den Streik gemeckert wird , wegen der vollen Busse und Bahnen ist das Coronarisiko unzumutbar, aber gleichzeitig wird in einem anderen Artikel sich doch darüber aufgeregt das man eine Sperrstunde einführt und alles einschränkt an Feiern.Merwürdige Doppelmoral .

  9. 120.

    Drei Euro für den Einzelfahrschein ist eine runde Sache. Bahnpreiserhöhung genügt. Werde keinen extra Fahrschein kaufen, sondern , wie bisher, vom Bahnhof zu Fuß zur Arbeit gehen , da ich nicht jeden Tag in Berlin eingesetzt werde. Laufen ist gut für die Gesundheit, besonders in Corona-Zeiten.

  10. 119.

    Ich habe kein Verständnis mehr für den Streik jetzigen Streik . Hat der letzte Streik nicht gereicht ????
    Da werden die S Bahn Züge wider voll bis zum geht nicht mehr sein und wie soll man den in einen vollen S Bahn Zug gegeben über den anderen Abstand halten ???
    Und die Corona zahlen werden immer hör Steigen .
    Anstatt sinken .

  11. 118.

    Ich hoffe unsere Reinigungskräfte und Toilettenfrauen streiken jetzt auch.
    Die verdienen viel weniger und sind viel System relevanter!"
    Jede Berufsgruppe sollte organisiert für ihre Rechte einstehen.
    Vielleicht hilfts bei der Motivation:
    Wie heute zu lesen war, ist die Führungsriege der Milliardäre in der Krise deutlich reicher geworden.

  12. 117.

    Wenn man in der Pflege arbeitet, hat man keine Probleme mit dem Vorgesetzten, sondern mit den Pflegebedürftigen. Sie brauchen immer unsere Hilfe, da kann man nicht so einfach streiken. Überaus unverantwortlich finde ich es, jetzt zu streiken, aber gut, vielleicht hilft ja die Sperrstunde und die übervollen S-Bahnen, die Coronazahlen zu senken.

  13. 116.

    Ich hoffe unsere Reinigungskräfte und Toilettenfrauen streiken jetzt auch.
    Die verdienen viel weniger und sind viel System relevanter!

  14. 115.

    Ich kann den Streik nur befürworten. Natürlich bin ich auch betroffen und muss mir was für den Freitag überlegen aber das ist kein Weltuntergang. Im übrigen sollten sich die Arbeitnehmer, die wegen sowas Probleme mit ihrem Vorgesetzten bekommen, vielleicht mal überlegen auch für bessere Arbeitsbedingungen zu streiken oder den Arbeitsplatz zu wechseln. Leider sind die meisten nur zu feige - man will dem Chef schließlich gefallen und bloß nicht unangenehm auffallen.

  15. 114.

    Unverantwortlich ist der BVG Streik am Freitag dem 9.10. auch deshalb, weil die S-Bahn auf Grund einer Brandstiftung auch bis Freitag nicht planmäßig fährt.Da sind auch Ersatzbusse im Einsatz, werden die dann auch bestreikt?
    Es ist ein Chaos!!! Hätte man den BVG Streik auch eine Woche verschieben können, Aber soweit denkt ja keiner.

  16. 113.

    Jetzt heißt es wieder auf FAHRRAD steigen, am S Bahnhof anschließen und mit der S Bahn seine Fahrten erledigen

  17. 112.

    Im Moment ist die Verkehrslage der Öffies so schlecht, dass das Ansteckungsrisiko enorm steigt. statt 53 Minuten habe ich diese Woche schon 2,30 bzw 1,50 gebraucht. Wir haben bald Londoner Verhältnisse. Wenn gestreikt wird, dann doch bitte für die dringende Sanierung unseres ÖPNV!

  18. 111.

    Ich ich ich.... Egoistentum in der Endphase! Klar gönnt der deutsche dem anderen kein Cent. War schon immer so. Hauptsache mir geht es gut, der Busfahrer soll mich ja nur zur Arbeit bring, das er dafür kaum Kohle verdient ist mir doch egal.

  19. 110.

    Na dann Fahrpreise rauf. So wird das alles Nix mit der Verlagerung des Autoverkehrs zum ÖPNV.
    Der Nebeneffekt in S-Bahnen drängeln sich die Fahrgäste. Hr. Müller angeblicher Reg.Bürgermeister von Berlin sie sind doch so schnell bei Einschränkungen wg Corona. Kann man den Streik wegen Covit19 nicht auch verbieten.

  20. 109.

    Das Verdi in der derzeitigen Situation - Coronakrise - ans Streiken denkt, finde ich unverantwortlich. An Abstandsregeln kann man sich schon im Normalbetrieb des ÖPNV´s nicht halten, da die Züge übervoll sind.
    Sollen die Infektionszahlen noch höher werden oder gar ein zweiten Shutdown?
    Denkt mal drübern nach!!!

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