Eine Familie bei einer Baustellenbesichtigungen (Quelle: rbb|24/Mitya)
Audio: Interview mit Florian Becker, Bauherren-Schutzbund | Bild: rbb|24/Mitya

Reportage | Berliner Bauträgerprojekt - Wenn der Traum von der Eigentumswohnung zum Albtraum wird

Als Käufer M. 2015 den Kaufvertrag unterschreibt, existiert seine Berliner Eigentumswohnung zunächst nur im Prospekt. Der Bauträger verspricht, sie bis Ende 2016 fertigzustellen. Doch Jahr für Jahr wird die Fertigstellung verschoben. Wer ist nun verantwortlich? Von Wolf Siebert

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Das Bauprojekt muss nun von den Käuferinnen und Käufern fertiggestellt werden

Ein Gutachter hat ermittelt, dass die Fertigstellung des Gemeinschaftseigentums mehr als zwei Millionen Euro kosten wird. Auch M. wird sich an diesen Kosten beteiligen müssen. Zum Glück hatte er Kaufpreisraten immer dann einbehalten, wenn der Bauträger seinen Teil der Verabredung nicht eingehalten hatte. Auch den möglichen Schadenersatz hatte er bereits abgezogen. Wer aber bereits alle Kaufpreisraten bezahlt hatte, muss nun wohl noch Geld nachschießen.

Inzwischen ist es Herbst 2020 geworden. Zwar hält M. der Bauträgerfirma und den C.-Firmen zugute, dass die Baukosten in den letzten Jahren gestiegen sind. Dadurch habe sich die Kalkulation verändert. Aber hier sei nicht nur "mal was schief gegangen. Ich bin kein Jurist. Ich weiß nicht, ob das Verhalten des Bauträgers und der C.-Firmen strafrechtlich relevant ist." Aber er hätte gerne eine Antwort und wünscht sich, dass sich ein Staatsanwalt das mal genauer anschaut.

Wie Sie wissen, ist die Firma nicht Eigentümer der Immobilie. Eine Stellungnahme verbietet sich daher allein aus diesem Grund.

Immobilienfirma

Ich schreibe den Bauträger A. und seine Gesellschafterin B. an und will wissen, wie es dazu gekommen ist, dass dieses Projekt "steckengeblieben" ist. Keine Antwort. Ich frage auch den damaligen Geschäftsführer der Firma D., der seit 2016 für dieses Bauprojekt Verantwortung trug, nach den Gründen des Scheiterns. Auch dem Chef der C. selbst stelle ich Fragen. Auf meinen Brief erhalte ich eine kurze Antwort – unterschrieben vom damaligen Geschäftsführer der Firma D., der auch in der Firma C. eine Führungsposition bekleidet: "Wie Sie wissen, ist die Firma C. nicht Eigentümer der Immobilie. Eine Stellungnahme verbietet sich daher allein aus diesem Grund." Und dann folgt noch der Hinweis, dass man gegen "falsche, rechtswidrige Berichterstattung vorgehen" werde.

Eine Antwort, die keine Antwort ist. Denn niemand hat behauptet, dass die C. Eigentümer der Immobilie ist. Aber aus dem Schriftverkehr mit M. entsteht für diesen eindeutig der Eindruck, dass es sich bei diesem Bauprojekt um ein Projekt der "C.-Unternehmensgruppe" handelt. Das Konstrukt selbständiger Firmen ist schwer zu durchschauen. Rechtlich ist die Firma C. nicht verantwortlich. Denn rechtlich betrachtet ist nur der Bauträger Ansprechpartner für die Käuferinnen und Käufer – und der hat kein Geld mehr.

Bei der Recherche habe ich weitere Käuferinnen und Käufer aus anderen Bauprojekten kennengelernt. Sie haben mit der C. Ähnliches erlebt. Ich stoße auf eine Facebook-Gruppe. Sie hat das Ziel, juristisch gegen C. vorzugehen.

Infos und tipps

Die Grundstruktur dieses Projekts ist in der Immobilienbranche üblich: Immobilienfirmen bieten auf einem Grundstück sowohl Bestandswohnungen als auch Neubauwohnungen zum Verkauf an. Für dieses Bauvorhaben gibt es eine Projekt- oder Bauträgergesellschaft, mit der die Interessenten den Kaufvertrag schließen. Dieser Bauträger sucht sich Firmen für den Roh- und Innenausbau. Die Käufer zahlen je nach Baufortschritt vertraglich festgelegte Raten. Ein Einzugstermin wird festgelegt.

Im Reportage-Beispiel ist ein ganzes Geflecht von Firmen am Bauprojekt beteiligt. Rechtlich verantwortlich bei Problemen ist aber nur die Bauträgerfirma. Die hat im beschriebenen Fall kein Geld mehr. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es zwar im Baugeschäft nie. Aber der Bauherren-Schutzbund [externer Link], ein gemeinnütziger eingetragener Verein und Mitglied des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, empfiehlt dringend, einen Makler- und Bauträgervertrag vor der Unterzeichnung von Fachleuten überprüfen zu lassen. Die Kosten dafür sind gering. Denn es gibt laut Bauherren-Schutzbund für Käuferinnen und Käufer keine relevante Rechtsschutzversicherung, die solche Bau-Probleme abdeckt. Aus Sicht des Bauherren-Schutzbundes müssten Käufer vor allem bei einer drohenden Insolvenz des Bauträgers auch politisch besser geschützt werden. Zudem müsse die Wohneigentümergemeinschaft (WEG) mehr Rechte bekommen und früher handlungsfähig sein, um sich bei Streitfällen behaupten zu können.

9 Kommentare

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  1. 9.

    Die Logik dahinter ist bestechen und meine Großeltern sahen das genauso. Ich, bis ich in die Situation kam mir eine familientaugliche Mietwohnung nicht mehr sinnvoll leisten zu können, auch. Frei verfügbare 4,5 Zimmer-Wohnungen kosten monatlich knapp 2000€, da denken Familien mit zwei „guten“ Einkommen schon über Alternativen nach. Was günstiger ist braucht nämlich meist nen WBS.
    Die von Ihnen vorgeschlagenen „fertig gebauten“ Wohnungen sind dann aber entweder heruntergekommener Altbestand für 500-600t oder kosten knapp unter 1Mio. Da hörts dann auch für Höhere Beamte, Lehrer, Architekten, leitende Angestellte,... auf. Bleibt also nur der Kauf beim Bauträger...

  2. 8.

    In einem gesunden Immobilienmarkt hat man Auswahl und kann zwischen verschiedenen Projekten wählen. In Berlin muss man quasi jedem Mist akzeptieren, um überhaupt an eine Neubauwohnung zu kommen. Das ist das Grundproblem.

    Wir haben unseren Bauvertrag unterschrieben, da gab es noch nicht mal eine Baugenehmigung. Haben aber alles vorher rechtlich prüfen lassen und es hat alles ohne Probleme geklappt.

  3. 7.

    Eine Eigentumswohnung zu kaufen funktiniert ganz profan, man sucht, besichtigt und kauft.
    Wer sich auf ein " Bildchen " mit viel Bla Bla verlässt, der ist völlig fern der Realität.
    Das hat nichtmal mehr was mit Naivität zu tun.

  4. 6.

    Leider: So ist das. Trifft die deshalb bösartig irreführende Parole "bauen, bauen..." sowie "mehr Eigentum statt Miete" auf Realität. Man muss nicht nur Geld, oder Kreditwürdigkeit in den Augen von Banken haben. Muss auch noch über Fähigkeiten und Weitblick verfügen, in Anwälte für Vertragsrecht zu investieren. Den meisten ist nicht wirklich klar: Die private Immobilien- und Bauwirtschaft hat natürlich nicht wirklich das Ergebnis, also Interesse der Kunden im Auge. Sondern sein Geschäftsmodell. Der Kapitalismus, gerne wie der Gemüse- "Markt" genannt, ist dem Wesen nach immer ein Pyramidenspiel: Andere zahlen lassen.
    Ich stell´ mir mal nicht den einfachen Menschen, die durchschnittliche Familie vor, die ein Recht darauf hat, von nix ne Ahnung zu haben und der trotzdem bezahlbar guter Wohnraum zusteht.
    Ich stell mir "M" als Menschen vor, der einen gut bezahlten, ausbildungsgewichtigen, fürs Gemeinwesen "systemrelevanten" Job macht. Seit Jahren nun schlechter weil...Eigentumswohnung!

  5. 5.

    Nichts kaufen, was noch nicht existiert oder erst produziert werden soll. Erst die Ware, dann das Geld. Anders herum ist immer schlecht. Es kann gut gehen oder auch nicht. Das ist das Risiko.

  6. 4.

    Wenn man Forderungen stellt, wie bspw. besagte Bürgschaft, die der Bauträger nicht leisten kann/will, dann findet sich leider immer ein anderer „dummer“ Käufer. Es ist teilweise erschreckend, wie auf dem Immobilienmarkt die Leute über den Tisch gezogen werden. Das Gleiche gilt auch Mietobjekten. Friss‘ oder stirb! Ich weiß nicht genau, wann das passiert ist, aber seit geraumer Zeit traue ich Vermietern oder auch Bauträgern (über die Stadtgrenzen hinaus) alles zu.

  7. 3.

    Hatte M. keine unbefristete Fertigstellungsbürgschaft im Bauvertrag vereinbart? Ich finde, dass eine umfassende Fertigstellungsbürgschaft eines großen, im Inland ansässigen Kreditinstituts sehr wichtig ist. Schwache Bauträger können solche Bürgschaft kaum beibringen. Ohne Bürgschaft braucht man als Käufer keine Zahlungen an der Bauträger leisten bzw. kann den Vertrag wegen nicht erfüllter Bedingung rückabwickeln. Zu den Bedingungen gehört auch der späteste Termin zudem die pos. Baugenehmigung gem. Projekt vorzuliegen hat.

  8. 2.

    Ein Alptraum.

  9. 1.

    Wenn das mit den Verflechtungen und vielen anderen, nicht wirklich transparenten involvierten Firmen beworben wird und dadurch Verwirrung besteht, kaufe ich da definitiv nichts.
    Augen auf beim Eierkauf.

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