Luftaufnahme von Berlin-Kreuzberg (Bild: imago-images/ A. Tamboly)
Video: Abendschau | 11.11.2020 | Studiogespräch mit Christoph Trautvetter | Bild: imago-images/ A. Tamboly

Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung - Fast die Hälfte der Berliner Wohnungen gehört Multimillionären

Verschachtelte Eigentümerverhältnisse machen es in Berlin schwer, Immobilien immer einem Besitzer oder einer Besitzerin zuzuordnen. Laut einer Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung sind ein Großteil der Vermieter "Multimillionäre".

Immer mehr Wohnungen in Berlin gehören Großunternehmen und Finanzmarktinvestoren. Ihr Bestand hat sich zwischen 2012 und 2017 mehr als verdoppelt. Das ergab eine Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung [rosalux.de], die der Partei "Die Linke" nahesteht.

Der Autor der Studie "Wem gehört die Stadt", Christoph Trautvetter, sagte am Mittwoch im rbb-Inforadio, der Mythos vom armen kleinen Privatvermieter als Hauptakteur auf dem Berliner Immobilienmarkt sei falsch: "Der Großteil der Berliner Vermieter und Vermieterinnen sind Multimillionäre, die Mietendeckel und Regulierung ohne weiteres verkraften können."

Von den rund zwei Millionen Wohnungen in Berlin gehört etwa die Hälfte Immobilien-Millionären und börsennotierten Wohnungskonzernen, heißt es in der Studie [rosalux.de | pdf].

"Bereich der Privatvermieter ist sehr intransparent"

Der Wirtschaftswissenschaftler erklärte, dass der Miet- und Kaufpreisboom außerdem dafür gesorgt habe, dass diese Multimillionäre in kurzer Zeit und ohne eigenes Zutun noch viel reicher geworden seien. Viele von ihnen blieben anonym, so Trautvetter: "Besonders der Bereich der Privatvermieter ist sehr intransparent. Bisher habe man 65.000 Wohnungen den großen Privatvermietern zuordnen können. Wir schätzen, es sind ungefähr 470.000."

Über Aufrufe will Trautvetter jetzt mehr über die anonymen Vermieter herausfinden, um diese Wohnungen zuordnen zu können. Zudem ist er unter anderem auf Angaben von Verwaltungen und Mieterinitiativen angewiesen.

Der Studie zufolge sind die Mieten in den vergangenen zehn Jahren in Berlin um mehr als 150 Prozent gestiegen. Dadurch sei das Verdrängungspotential enorm gestiegen.

Sendung: Inforadio, 11.11.2020, 07:05 Uhr

62 Kommentare

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  1. 62.

    Na dann ist ja alles gut ... oder nicht?
    Nur so ein Gedanke damit nicht sehr viele "Investoren" uns zunehmend verdraengen ... vielleicht ein bisschen zu radikal erstmal an die eigenen Leute zu denken ... Mea Culpa

  2. 61.

    Es gibt unzählige Länder auf der Welt die seit langen Immobilien an Ausländer verkaufen, auch ohne festen Wohnsitz.
    Darüberhinaus ist Deutschland ist ein Eu - Mitglied also Binnenmarkt, Freizügigkeit und Niederlassungsfreiheit sind ein MUSS!!!

  3. 60.

    Es gibt kein Land der Welt, indem es ausländischen privaten Investoren nach wie vor so leicht gemacht wird ihr Geld in Immobilien zu investieren wie bei uns. Das Ergebnis reflektiert dieser Beitrag, nämlich das sich niemand mehr diese Preise (sowohl Kauf als auch Miete) leisten kann. Vielleicht einfach mal einen Riegel davor schieben wie z.B. Vorraussetzung für den Kauf einer Immobilie ist ein fester Wohnsitz in D oder ähnlich ...

  4. 59.

    Gut zu wissen. Die ganzen Jobs, Ausbildungs- und Studienplätze gibt es natürlich auch in Luckenwalde, Großkuhdorf oder Kleinarschhausen. Es gibt wirklich keine Gründe in Berlin zu sein. Lehrer, pfleger, Erzieher etc. Braucht man eh nicht. Wozu sollten die also bezahlbar hier wohnen. Richtige Einstellung. Wer reich ist fliegt eben mit dem Heli zum Krankenhaus. Der Rest geht unter

  5. 58.

    Das sind jetzt zwei unterschiedliche Paar Schuhe.
    Niemand wird „Schwarzgeld“ in den Fonds waschen, die ich meinte. Diese Fonds sind nur Treuhänder für die vielen kleinen oder großen Vermögen der Anleger, zu denen letztendlich auch wir gehören mit Altersvorsorge etc. (ich kann es nur wiederholen).
    Das ist Ausdruck der Geldpolitik. Wer sich keine Eigentumswohnung leisten kann, möchte auch nicht, daß sein Geld zinslos herumliegt. Daher der Anlagedruck in Immobilienfonds. Hier wird auch die Rendite für betriebliche Altersvorsorge und Pensionsfonds verdient.
    Das sind alles rechtmäßig erworbene Vermögen (ehrlich erworben wäre der falsche Ausdruck, da moralisch geprägt).
    Am Immobilienmarkt findet sicherlich auch Geldwäsche statt, aber dafür ist die Staatsanwaltschaft zuständig. Das wird wohl diese Studie kaum aufdecken.

  6. 57.

    Vor 20 Jahren war ich Grundschüler, also wie hätte ich Immobilien kaufen sollen? Ich wohne zwar nicht in Berlin, aber hier in Hamburg ist die Situation vergleichbar. Und ich wohne hier in erster Linie wegen der Arbeit, weil das Pendeln aus dem Umland dank verkehrspolitischer Versäumnisse der letzten Jahre kaum zu ertragen ist.
    Dass die Immobilienpreise in astronomische Höhe geschossen sind, ist für junge Leute eine Katastrophe. Und das sage ich als überdurchschnittlich gut verdienender Akademiker — wenn es für meine Freundin und mich so schwer ist eine bezahlbare Immobilie zu finden, die halbwegs verkehrsgünstig liegt, wie geht es dann normalen Arbeitern? Für die Generationen vor uns war ein Eigenheim noch drin. Wenn ich dann noch an meine Rente und die verkorkste Umwelt denke, fühle ich mich komplett verarscht.

  7. 56.

    Hallo Mike,

    richtig. Wir sind schon wieder beim Klassenkampf angekommen, statt eine politisch einende Lösung zu suchen, da der Wahlkampf ja wieder vor der Tür steht.

    Aber ganz so schlecht wie bei Brecht geht es uns ja nun doch noch nicht.

  8. 55.

    Ich kann den vorherigen Kommentaren gar nicht widersprechen. Aber ist es im Grunde nicht weniger wichtig, wem die Häuser gehören? Ob Millionär oder Milliardärin, Stiftung oder Investmentfonds, Häuser so verkommen zu lassen, wie in dem Beitrag gezeigt (auch wenn das zum Glück nicht die Regel ist), ist doch unzumutbar! Eigentümer*innen sollten gesetzlich dazu gezwungen werden so etwas nicht zuzulassen. Auch die bis vor kurzem noch grenzenlose Wertsteigerung von Immobilien und damit Mieten, die durch reine Spekulationen entstanden sind, darf es nicht geben. Das geht doch nur auf Kosten der ziemlich machtlosen Mieter*innen. Das geht nicht nur auf deren Geldbeutel, sondern auch auf die Psyche.
    Wenn ich wüsste, dass mein Geld in irgendeinem Fonds liegt, durch dessen dubiose Machenschaften am Ende Menschen auf so eine Weise gequält werden, würde ich es so schnell wie möglich zurückziehen. Das könnte ich nicht verantworten. Nur oft weiß man das leider gar nicht.

  9. 54.

    Viele von uns sind über ganz kleine Beträge über diese Fonds eben auch beteiligt,"
    Das ist jetzt das Äquivalent zu dem kleinen Häuschen der Omma, welches die sich mühsam durch abendliches Stricken ztusammengespart hat und das jetzt auf gar keinen Fall mit solch neumodischem Kram wieder Erbschaftssteuer belegt werden darf,
    Man findet eben immer die "ganz kleine(n) Beträge", mit denen sich die Milliardensummen aus Steuerhinterziehung oder Geldwäsche verdecken lassen.

  10. 53.

    Brecht: "... 3. In Erwägung, daß da Häuser stehen, während ihr uns ohne Bleibe laßt
    haben wir beschlossen, jetzt dort einzuziehen weil es uns in uns'ren Löchern nicht mehr paßt.
    In Erwägung, daß ihr uns dann eben mit Gewehren und Kanonen droht
    haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben mehr zu fürchten als den Tod...."

  11. 52.

    Sorry, aber niemand muss in Berlin wohnen, Die meisten von euch sind freiwillig her gekommen und haben ihrerseits Berliner gentrifiziert, weil es hier so cool ist. Wenn IHR nicht mehr hier wohnen wollt, dann sind die Wohnungen wertlos. So einfach sieht es aus. So einfach war es auch vor 20/30 Jahren. Da hättet ihr selber kaufen können. Hätte hätte Fahrradkette. Nun wollt ihr euren "Fehler" nicht einsehen und einfach andere dafür zur Verantwortung ziehen, was ihr selbst vergurkt habt.
    Damals mussten die Wohnungen verkauft werden, weil ihr so wenig Miete gezahlt habt, dass man mit dem Geld ein Haus nicht unterhalten konnte und sie verfielen. Das gleiche wiederholt sich heute. Meint Ihr etwa z.B. in den Zuckerbauten kann man für 300 kalt wohnen? Träumt weiter. Da steht jede einzelne Kachel unter Denkmalschutz und muss extra angefertigt werden. Alle ca. 30 Jahre Dach, Fenster, Strang, Fassade, Heizungsanlage, Hausflur. Wer meint ihr bezahlt das von den Dumpingmieten. Kommentar 49 ! ! !

  12. 50.

    ...ja, da hätte man meinen Beitrag mal richtig lesen sollen. Viele von uns sind über ganz kleine Beträge über diese Fonds eben auch beteiligt, aber eben um 5 Ecken. Das muss man erst einmal verinnerlichen.

    Die betriebllcihe Altersvorsorge ist dort investiert, die Versicherungen, die die Rendite der Vertragsinhaber erwirtschaften müssen, wer Anteile an Immobilienfonds hat, sowieso.

    Wo sollen die sonst bei der Nullzinspolitik auch die erforderliche Rendite erwirtschaften. Ist eben nun mal nicht so wie im Weltbild von klein Fritzchen.

    Und ich warne ausdrücklich davor, sich einzubilden, daß Immobilien bei städtischen Wohnungsbaugesellschaften langfristig in guten Händen sind. Dann gibt es nämlich wieder politische Entscheidungen - wie Anfang der 2000er Jahre - daß diese die Immobilien zur Entlastung der kommunalen Kassen verkaufen müssen. Das hatten wir alles schon einmal. Dann lieber Genossenschaften. Die arbeiten langfristg und ohne politische Interessen.

  13. 49.

    Das eine Unterstellung der Linken zu einer solchen Aussage kommt (die Studie genügt im Übrigen handwerklich wissenschaftlichen Standards nicht) ist wirklich nicht verwunderlich, hat aber ( weil eben parteilich) keine Konsequenzen.
    Wer bei der bspw. gestzlich rentenversichert ist, gehört auch zu den bösen Vermietern und Immobilienkonzernen, weiß es bloß wahrscheinlich nicht. Die Beiträge nahezu aller Versicherungen liegen bei diesen Firmen, in deren Fonds. Von den Gewinnen werden die Renten bzw. Lebensversicherungen etc. bezahlt. Wer die Renditen beschneiden will, kürzt eventuell seine künftige Rente...

  14. 48.

    Wenn man erstmal ein paar Immobilien hat, geht es nur noch aufwärts. Immobilien sind auch krisensicher.

  15. 47.

    Was soll uns denn die Studie sagen? Alle Chefs der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaften verdienen ca. 300.000 € pro Jahr, Herr Scheel mindestens 200.000 € Euro pro Jahr, verzichten die denn dann auch einfach Mal auf einen Teil Ihrer Bezüge? Es wäre doch toll, wenn die kommunalen Großverdiener mit einem Teil Ihrer Einnahmen auch Berliner Mieter unterstützen würden. Wasser predigen und selbst Wein trinken ist natürlich einfacher.

  16. 46.

    die Besitzverhältnisse sind zumeist klar(98%) da reicht ein Blick aufs KlingelSchild
    die Eigentumsverhältnisse sind aber zumeist unklar, denn im Grundbuch stehen oft keine Namen von realen Menschen sondern eher juristische Personen. Dahinein Klarheit zu bringen hat kaum eine Partei Interesse. Die Schwarzen, die Sozen, die Grünen und selbst die Roten waren bereit und dabei ganze WohnblocksQuartiere zu verscherbeln.

  17. 45.

    "Investoreneigentum ist Privateigentum. Es ist weder staatlich noch kommunal oder genossenschaftlich."

    Investoreneigentum ist kein Privateigentum, da es keiner Privatperson(also natürlicher Person, sondern Unternehmen gehört. Hätten Sie sich die Studie angeschaut, wüssten Sie, dass ein Großteil der Berliner Immobilien in der Hand von professionellen Finanzmarktakteuren sind. Das hat mit Privateigentum nichts zu tun. Genau das werfen hier viele durcheinander. Es geht nicht um Onkel Otto, der sich für die Rentensicherung eine oder zwei Eigentumswohnunge oder vielleicht sogar ein Mietshaus zugelegt hat.

  18. 44.

    Viele Kommentare machen den Eindruck,als würden Leibeigene ihre Herren verteidigen."
    Das gleiche Phänomen kann man beobachten wenn es darum geht die oberen 10 % höher zu besteuern.
    Dann tummeln sich die Millionärsversteher in jedem Forum.
    Man könnte zu der Meinung kommen, daß die INSM bei solchen Gelegenheiten mobilisiert.

  19. 43.

    Wieso ?
    Gibt`s in Berlin kein Grundbuch ?
    Soll das etwa besagen das Berliner Grundbuch ist ein Märchenbuch ?

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