Protest vor Mercedes-Benz-Werk in Berlin-Marienfelde (Quelle: rbb)
Audio: Inforadio | 12.11.2020 | Peter Klinke | Bild: rbb

2.000 Jobs bedroht - Berliner Mercedes-Mitarbeiter protestieren vor Werk in Marienfelde

Mitarbeiter des Mercedes-Werks in Berlin-Marienfelde haben am Donnerstag gegen eine drastische Reduzierung von Arbeitsplätzen protestiert. Laut Gewerkschaft IG Metall nahmen rund 1.200 Beschäftigte teil.

Etwa 2.000 Jobs will Mercedes der Gewerkschaft zufolge in Marienfelde abbauen. Bei insgesamt 2.500 Mitarbeitern käme das einer Schließung gleich. Mercedes hatte verkündet, die Produktion des V6-Dieselmotors dort einzustellen und sich stattdessen auf die Elektromobilität zu konzentrieren.

Das Mercedes-Benz-Werk in der Daimlerstraße in Berlin-Marienfelde (Bild: imago images/Schoening)
Bild: imago images/Schoening

Werksleiter soll zu Tesla wechseln

Für Verärgerung der Belegschaft sorgte auch der angekündigte Wechsel des Mercedes-Werksleiters zu Tesla in Grünheide. Die Beschäftigten der Motorenwerke empfänden das als Verrat, so die IG Metall. Es gehe den Mitarbeitern um ihren Standort und ihre Existenz. Der Vorstand aber wolle sich wie der Werksleiter "vom Acker machen".

Die Gewerkschaft fordert vom Vorstand ein Konzept, wie es mit dem Werk weitergehen soll. Berlin sei Innovationshauptstadt, sagte der IG-Metall-Geschäftsführer Jan Otte: "Hier könnte man viele tolle Sachen machen. Und dafür werden wir kämpfen, dafür werden wir eigene Konzepte vorlegen."

Das 1902 gegründete Werk in Berlin ist nach Unternehmensangaben der älteste produzierende Standort von Daimler.

Sendung: Abendschau, 12.11.2020, 19:30 Uhr

29 Kommentare

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  1. 29.

    Der RBB hat den Artikel in großen Teilen verändert und die IG Metall rudert in den sozialen Medien auch zurück. Der Gegenwind war ihr zu groß

  2. 28.

    Nicht der Werksleiter ist Schuld, sondern das Management will den Standort stark verkleinern.
    Scheinbar ist die neue Aufgabe so interessant, das er auf einen vorgezogenen Ruhestand verzichtet.
    Das bedeutet z.B. auch, das er seine Arbeit wirklich ernst nimmt hat und nicht nur für die Ruhebezüge zur Arbeit gekommen ist.
    Hätte er seine Pläne vor dem Vertrtagsabschluss mit Tesla bekannt gegeben, hätte ihm Mercedes vielleicht ans Bein gepinkelt.

  3. 27.

    Also ich würde das tote Pferd Verbrenner reiten bis es stinkt!

    Die Gewerkschaft sollte sich auf jeden Fall der Realität verschliessen und rückwärtsgewandte Rituale praktizieren. Das ist genau das, was die Mitglieder jetzt brauchen.

    Nein, Spass beiseite.
    MMn. ist die Chance für den Standort sehr gering. Deshalb sollten auf keinen Fall freiwilligen Lohnabschläge vereinbart werden. Das bedeutet nur weniger Einkommen bis der Standort doch geschlossen wird. Opel Bochum z.B. hat Verzicht oder höhere Leistung auch nicht gerettet.

    Vielleich könnte es aber auch helfen, jetzt verstärkt in der zukünftige Teslabelegschaft für die Gewerkschaft und einen Betriebsrat zu werben.

  4. 26.

    Es gibt in der Tat Studien, deren Sinn (in doppeltem Sinn) sich bei näherem Hinsehen aber nicht erschließt, die eine Vorteil für den Diesel gegenüber dem Battereiauto sehen, weil die z.B. den Strommix von anno dunnemals angesetzen, was dann die Verbrennerfraktion dennoch begierig weiterverbreitet.

    Für ein 100 kWh Akku z.B. eines Mercedes EQS würden z.B. rd. 10 kg Li benötigt. Wie weit kommen man mit 10 kg Benzin mit einer S-Klasse und hat das danach ein "Second-Life"? Das Batterierecycling hat aktuell vor allem ein Massenproblem: Es fallen zu wenig Traktionsbatterien an, um es großtechnisch zu betreiben. Pilotanlagen gibt es längst.

    Die Brandgefahr ist bei einem BEV nicht größer als bei einem Verbrenner. Was ist das Akku eins E-Auto "explodiert"?Berufsfeuerwehren haben längst die Technik dafür entwickelt, freiwillige haben nichtmals Online-Zugriff auf die Sicherheitsdatenblätter, die mit den Airbags eingeführt worden sind.

  5. 25.

    Ein Großteil der realen MIV-Bedürfnisse lässt sich bereits heute mit E-Autos abdecken. Mit Reichweiten deutlich über 200 km würden sehr viele über die Runden kommen. Wenn es mal längere Strecken sein sollten, genügt je nach Ladegeschwindigkeit eine Kaffeepause zu nachladen. 'Nen E-Smart taugt mit seiner bescheidenen Ladeleistung nicht für die Langstrecke, ein id.3 schon und erst Recht Limousinen ab der Mittelklasse aufwärts.

    Was wollen Sie als Energieträger im Verbrenner verfeuern? Audi war so innovativ und hatte (Vergangenheit) G-Tron samt e-Gas angeboten. Der Gesamtwirkunsgrad ist aber schlechter als bei einem Brennstoffzellen-PKW und der ist schon grusselig im Vergleich zu einem reinen Batterieauto. Mercedes hat den GLC FCELL auslaufen lassen. Dabei hatten die '94 das erste FCEV vorgestellt und die A-Klasse anno dunnemals mit Sandwichboden für alternative Antriebe vorbereitet. Die Zeit war dafür aber noch nicht reif, geblieben ist nur das serienmäßige ESP.

  6. 24.

    Bei diesem Vorhaben wünsche ich viel Erfolg. Hoffentlich können dann auch ein paar der bestehenden Mitarbeiter auf Zukunftsprodukte umgeschult werden.

  7. 23.

    Was für aufgeklärte Kommentare es hier gibt!
    Fangen wir doch einmal damit an das der Daimler jahrzehntelang DER Innovationsmotor der Automobilindustrie war. Und auch jetzt noch Maßstäbe setzt. Weiter geht es damit, das EAuto wird gerade in De. niemals flächendeckend als Alternative zu gebrauchen sein. Das ist rein physikalisch schon nicht möglich. Man wird immer Verbrenner brauchen,nur halt nicht auf Basis fossiler Brennstoffe. Das möchten unsere links/grünen Agendepolitiker vielleicht nicht wahrhaben, das sind aber Tatsachen. Des Weiteren stellt sich der Daimler Berlin keineswegs hin und sagt ,wir wollen aber weiter großvolumige Diesel bauen. Sondern werden der Konzernführung, durch die Vertreter des Werkes und der IG Metall neue Konzepte vorgelegt.
    Was denken die Leute eigentlich worauf der Wohlstand in diesem Land begründet ist??
    Kleiner Tip,es sind keine grünen Fantastereien von Windkraft und Veganismus. Es sind Industrie und Forschung. Für beides steht der Daimler in Berlin!

  8. 22.

    Und welche Zukunftsprodukte sollen das sein? Alle Werke im Daimler-Konzern wollen ihre Zukunft retten, aber Berlin hat nun mal die schlechtesten Karten. Die Nachfrage nach Motoren und Komponenten für Verbrennungsmotoren werden sich reduzieren und die Kosten für geringere Stückzahlen steigen. Die Konzernführung muss reagieren. Der Werkleiter und andere Mitarbeiter aus dem Werk machen genau das Richtige- sich neu orientieren und nach vorn blicken. Das Theater der Gewerkschaft ist nachvollziehbar, aber mit großer Sicherheit wird das Werk geschlossen.

  9. 21.

    Es werden noch für Jahre Verbrenner benötigt. Die E-Mobilität ist noch absolut in den Kinderschuhen. E-Autos sind heute noch wesentlich größere CO2 Schleudern als Diesel(!) Fahrzeuge. Auf dem Markt beginnt mit Tesla und u.a. Renault eine Schlacht, ohne Plan a.) woher und wie lange bekommen sie (umweltgerecht!) das benötigte Lithium, wo und wie werden die alten Batterien entsorgt, wie werden verunfallte E-Autos gehändelt (und bei Brannt gelöscht-> absolute Explosionsgefahr). Mal so einfach reinsetzen und los ist hier nicht...!!!

  10. 20.

    Der politisch gewollte Wechsel zur E Mobilität hat nun mal wirtschaftliche Konsequenzen, auch wenn die politische Entscheidung unsinnig ist. Durch die Verweigerung zur Anerkennung der technischen Kraftstoffe als zukunftsweisende Technologie ist der Verbrennen ins Hintertreffen geraten. So wie der Automobilwirtschaft auf allen medialen Kanälen attestiert wird, die Wende zur E Mobilität verschlafen zu haben, so gilt dies auch für die Beschäftigten die unbedingt weiter der Umweltverschmutzung durch Produktion von Verbrennen huldigen wollen. Diese Beschäftigten haben offensichtlich die Botschaft der hüpfenden Teenies nicht richtig verstanden, auch wenn es deren berufliche Existenz kostet. Für die Klimaaktivisten sind dies nur zu verkraften Kolateralschaeden. Den Mitarbeitern von Marienfelde kann man schon den Vorwurf machen, dass sie nichts gesagt haben als die Klimaterroristen den Feldzug gegen den Verbrennen begonnen haben. Sie haben ihren Arsch erst hoch gekriegt als sie von den Auswirkungen konkret eingeholt wurden. Gorbatschow hat dazu gesagt, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben (wird mit den Konsequenzen leben müssen).

  11. 19.

    Niemand sagt,das wir weiter am Verbrenner festhalten wollen,es sollen neue Zukunftsprodukte nach Berlin kommen ,so sieht es aus !!!

  12. 18.

    Sehr guter Kommentar ,stimme voll zu ,hier schieben uns Werkern so ein paar Superschlaue den schwarzen Peter zu.Das ist absolut unakzeptabel !!!

  13. 17.

    Die von Ihnen aufgezählte Produktpalette klingt nicht besonders innovativ angesichts der sich beschleunigenden Verbreitung der E-Mobilität. Mercedes war mal innovativ, auch im Bereich alternativer Antriebe. Die letzte herausragende Errungenschaft waren aber Abschaltsysteme für die Abgasreinigung, die das Aus des Diesels erst auslösten. Bei der elektrischen B-Klasse musste ein Neueinsteiger dem Erfinder des Automobils aber schon Nachhilfe geben.

  14. 16.

    Berlin mag vielleicht Innovationshauptstadt sein. Nur finden die jenseits der verkrusteten Strukturen der meisten Firmen und Funktionäre sondern eher auf kleinerer Ebene statt.

    Dem Zeitgeist entsprechend ist dieses Werk aber nicht linksalternativ sozial, sondern wird vom bösen Klassenfeind betrieben, der Automobile baut, hier im Speziellen sogar große PKW-Diesel-Motore.

  15. 15.

    Das Gros der Kommentare, zeugt leider nur von der Unwissenheit dessen, was hier im Werk seit Jahren vor sich geht.
    Diverse Produktverlagerungen in Billiglohnländer hat zu einem systematischen Ausbluten des Werkes geführt.
    Gewiss: Das Thema E-Mobilität haben wir nicht erst seit gestern auf'm Schirm. Aber es wurde seitens der Konzernleitung sowie der Berliner Werkleitung versäumt, rechtzeitig die Weichen zu stellen.
    Ich wage auch zu behaupten, das es nie die Absicht der Konzernleitung war, das Werk Berlin jemals in diese Richtung zu lenken.
    Nichtsdestotrotz halte ich es für eine Frechheit , die Mitarbeiter des Werkes Berlin und deren Kampf um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, derart zu verhöhnen.

  16. 14.

    Verbrennungsmotor ist halt out. In absehbarer Zeit werden die keine Neuzulassungen mehr bekommen. Warum sollte man da jetzt noch entwickeln? Wer umgeschult werden kann und noch gebraucht werden kann soll natürlich umgeschult werden, und die Gewerkschaft soll auch gut Druck machen für gute Abfindungen, aber auf Teufel komm raus an einer toten Technik festhalten macht doch keinen Sinn.

  17. 13.

    Ich arbeite seit 31 Jahren im Werk,gehe in einer Woche in Rente und war heute natürlich bei der Demo.
    Vor ca.6 Wochen bei der Betriebsversammlung hat der Werkleiter noch grosse Töne gespuckt:Wir kämpfen gemeinsam für den Erhalt des Werkes und für neue Produkte .
    Dann vor 3 Wochen die Nachricht, er geht zum Jahres ende in den Ruhestand......Nun ist die Katze aus dem Sack,er desertiert und lässt das Werk mit 2500 Mitarbeitern im Stich ! Es geht nicht nur um das Ende der V6 Dieselmotoren,ausserdem werden im Werk noch viele Komponenten für andere Verbrennungsmotoren ( Nockenwellen,Camtronik,Teile für Automatikgetriebe )
    produziert .Wir in Berlin haben im Konzern den geringsten Krankenstand,das Knowhow für neue Produkte,das soll nun alles plattgemacht werden.
    Danke an unseren neuen Vorstandsvorsitzenden
    Ola Kallenius !!!

  18. 12.

    Hat man nicht freie Arbeitswahl in Deutschland? Darum verstehe ich nicht diesen Protest der IG-Metall!

  19. 11.

    So so , man ist irritiert! Vielleicht sollten es sich die Mitarbeiter von Mercedes überlegen ob sie sich, anstatt zu protestieren, auch bei Tesla bewerben. Die Bezahlung soll ja nicht schlecht sein und möglicherweise macht ja die eine oder andere Motorenfertigung sowieso bald dicht. Zu protestieren weil der Chef nach dem Ausscheiden eine neue Stelle beim "Wettbewerber" antritt. Dies ist in der Automobilbranche allgemein üblich.

  20. 10.

    GG ist nicht Ihr Ding. Dass Tesla sich an der Entgelttabelle der IG Metall orientieren möchte, konnte man gerade wieder in den Medien lesen und beim RBB bereits im September:
    https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/tesla/2020/arbeitsagentur-frankfurt-schult-mitarbeiter-tesla.html

    Sie kennen sich offensichtlich ebenso wenig mit den Mobilitätsbedürfnissen in der Fläche aus wie der IG Metall die Angestellten (als Gegenstück zu den Arbeitern) links dran vorbei gehen. Letzteres war zumindest bei dem Funktionär, der meinen ehemaligen Arbeitgeber betreut hatte, der Fall.

    Was mit Sicherheit auf Grund des gesellschaftlichen und politischen Konsens keine Zukunft hat, ist das Verbrennen fossiler Kraftstoffe beim MIVen. Die DGB-Gewerkschaften müssen sich zudem anstrengen, dass die nicht den selben Weg gehen. Der Anteil der Arbeitnehmer mit Tarifvertrag ist ebenso in Sinkflug wie die Zahl der Mitglieder, auch wenn die IG Metall sich nach deutlichen Verlusten etwas stabilisiert hat.

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