Spatenstich für Wiederinbetriebnahme - Bahnhofsbau für die Heidekrautbahn in Wilhelmsruh gestartet

Fr 11.12.20 | 15:45 Uhr | Von Stefan Ruwoldt
  20
Stillgelegte Bahnstrecke soll wieder in Betrieb gehen. Bahnhof Wilhelmsruh, Heidekrautbahn (Quelle: imago images/Jürgen Ritter)
Audio: rbb | 10.12.2020 | Maximilian Horn | Bild: imago images/Jürgen Ritter

Eine alte Bahnverbindung im Norden Berlins wird reaktiviert und ist am Freitag in die Bauphase gestartet. In rund drei Jahren soll die alte Heidekrautbahn dann wie einst auf ihrer ursprünglichen Stammstrecke von Wilhelmsruh Richtung Basdorf rollen. Von Stefan Ruwoldt

Mit einem symbolischen Spatenstich am Bahnhof Wilhelmsruh (Berlin-Pankow) sind am Freitag die Arbeiten für die Wiederinbetriebnahme der sogenannten Heidekrautbahn im Berliner Norden gestartet.

Nach den Planungen des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) sollen von dort in drei Jahren Züge über das weitgehend erhaltene Gleisbett der alten Stammstrecke bis zum Wandlitzer Ortsteil Basdorf (Barnim) und zurück fahren. Für den Wiederaufbau des neuen Regionalbahnhofs Wil­helmsruh sind rund 16 Monate Bauzeit veranschlagt.

Rund 30 Jahre nach dem Mauerfall wird für Pendler im Norden damit nun eine Bahn-Lücke geschlossen. "Im wahrsten Sinne des Wortes erleben wir hier einen historischen Moment", sagte Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) am Freitag.

Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) erklärte, der Spatenstich zeige, "dass man es ernst meine" mit diesem Projekt. Entlang der Strecke gibt es Widerstand von Anwohnern gegen das Vorhaben. Sie fürchten Schienenlärm und Schadstoffe aus dem Dieselantrieb von Zügen.

Direktverbindung aus Berlins Norden nach Brandenburg

Die Heidekrautbahn verband bis zum Mauerbau Wilhelmsruh und Basdorf. Ihre Reaktivierung soll Pendlern aus den wachsenden Berliner Umlandgemeinden den Umstieg vom Auto auf den Zug erleichtern. In Wilhelmsruh können Fahrgäste dann in die S-Bahn-Linien 1 und 26 umsteigen. Der künftige Betreiber, die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), betreibt bereits seit mehreren Jahren unter dem Namen Heidekrautbahn eine weiter östlich verlaufende Verbindung von Karow nach Basdorf auf einer Strecke, die zu Beginn der 50er Jahre infolge der Berlin-Blockade entstanden war.

Die nun wieder entstehende alte Heidekrautbahn soll nach ihrer Fertigstellung im Halbstundentakt auf der 14 Kilometer langen Strecke von Wilhelmsruh über Rosenthal, Blankenfelde (alle Bezirk Pankow), Schildow, Mühlenbeck (Oberhavel) und Schönwalde (Barnim) auf die dort bereits aktuell betriebene Strecke nach Basdorf (Barnim) treffen. Von Basdorf aus unterhält die NEB bereits jetzt Verbindungen hoch nach Groß Schönebeck (Barnim) und Schmachtenhagen (Oberhavel).

Eine Karte der Stammstrecke Heidekrautbahn (Bild: rbb24/Dave Rossel)

Wichtige Anbindung für Beschäftigte in Wilhelmsruh und für Ausflugsverkehr

Der Ausbau soll den Zügen ein Tempo von 80 Stundenkilometern ermöglichen, hieß es in der Ankündigung der Bauarbeiten. Die Anrainergemeinden in Branden­burg (Mühlenbecker Land und Wandlitz) erhalten so eine weitere Verbindung in die Berliner City. Außerdem soll so das Gewerbegebiet PankowPark auf dem ehemaligen Gelände von Bergmann Borsig in Wilhelmsruh für den Verkehr aus und in die Region erschlossen werden. Der Schienenfahrzeughersteller Stadler erweitert seinen Standort Wilhelmsruh derzeit umfangreich, unter anderem mit einer Produktionshalle.

Umgekehrt sollen mit der neuen Strecke die Wohngebiete Märkisches Viertel, Wilhelmsruh und Rosenthal für den Frei­zeitverkehr einen direkten Anschluss Richtung Schorfheide bekommen. Für eine spätere Verlängerung der Strecke innerhalb Berlins zum Bahnhof Gesundbrunnen wird ein zweigleisiger Ausbau der bestehenden Regionalverkehrsstrecke geprüft.

Der Mauerbau 1961 beendete den Betrieb der Bahn

Der entscheidende Einschnitt für den Betrieb der Heidekrautbahn war 1961 der Mauerbau. Ein großer Teil der Strecke auf dem Berliner Stadtgebiet liegt unmittelbar zwischen den Bezirken Pankow und Reinickendorf im damaligen Grenzstreifen. Die DDR-Behörden stoppten für den Mauerbau und die Grenzschließung den Zugverkehr. Die Gleisanlagen wurden stillgelegt und zum Teil gar abgebaut oder verschüttet. Die DDR-Behörden verfügten später den teilweisen Abbau für einen Abschnitt der Strecke im Bereich Wilhelmsruh, der alte Regionalverkehrsbahnhof Wilhelmsruh wurde gar abgerissen.

Lediglich auf einem nördlichen Reststück der ursprünglichen Strecke zwischen Blankenfelde über Schildow und Mühlenbeck nach Basdorf verkehrten werktags noch bis 1983 einige Züge.

Der Name Heidekrautbahn geht auf die ersten Jahre nach der Entstehung der Strecke 1901 zurück, in denen zunächst sehr viele Berliner die Bahn zu Ausflügen in die Schorfheide nutzten. Groß Schönebeck gilt als Tor zur Schorfheide. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten viele Berliner die Bahn für Hamsterfahrten aufs Land, wobei sie in den Dörfern und Kleinstädten bei den Bauern Lebensmittel kauften oder gegen anderen Besitz eintauschten.

Querungen sollen gewachsene "Wegebeziehungen" erhalten

Entlang der jahrzehnte ungenutzen Stammstrecke sind in den vergangenen 30 Jahren viele Wege über die Trasse entstanden. Die NEB teilte in einer Erklärung zur Neuaktivierung der Strecke mit, dass sie nun bei den Arbeiten beachten werde, dass sie viele der über und entlang der Strecke entstandenen Wege erhalten wolle oder Ersatz schaffen werde, um die "seit der Wiedervereinigung entstandenen Wegebeziehungen" zwischen Reinickendorf und Pankow nicht wieder ver­schwinden zu lassen: "Zwar kann – schon aus Gründen der Sicherheit – nicht jede bisher genutzte 'wilde Querung' bestehen bleiben", doch sollen nach Unternehmensangaben allein zwischen der Kopenhagener Straße in Wilhelmsruh und der Quickborner Straße im Märkischen Viertel auf einer Strecke von lediglich 2,5 Kilometern fünf oder sechs Bahnübergänge geschaffen werden.

Weil die Wiedererrichtung der Strecke einen erheblichen Eingriff in Natur und Landschaft bedeutet, gehören zu den baugebleitenden Maßnahmen der NEB zufolge auch umfangreiche
landschaftspflegerische Ausgleichs­ und Ersatzmaßnahmen. So würden rund 4.700 Quadratmeter Fläche entlang der Strecke neu bepflanzt, hieß es.

NEB stellt Betrieb mit Wasserstoffzügen in Aussicht

Für die Zukunft des Betriebs der Heidekrautbahn winkt die NEB gar mit einem besonders attraktiven Betriebssystem: sehr leise und schadstoffarme Wasserstoffzüge. Bereits in Februar 2019 fuhr der künftige Betreiber der neuen alten Heidekrautbahn in einer Sonderfahrt den Brennstoffzellenzug "Coradia iLint" und kündigte an, ab 2022 auf ihrer aktuellen Heidekrautbahn-Strecke RB 27 Wasserstoffzüge einzusetzen.

Sendung: rbb88,8, 10. 12. 2020, 14 Uhr

Beitrag von Stefan Ruwoldt

20 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 20.

    Von Untertunnelung war nicht die Rede. Mit Brücken überbrückt man Trassen die im Einschnitt liegen! Wer richtig lesen kann ist im Vorteil

  2. 19.

    Bin der gleichen Meinung. Aber...in Schönholz sollte ein Umsteigebhf. entstehen,hier treffen später incl.RB27 fünf Linien aufeinander: S1,S25,S26,RE6. Aber das fällt den Planern erst auf,wenn alles verbaut ist! Da muss natürlich DB Netz aktiv werden und damit ist die zuständige Abteilung wahrscheinlich überfordert.

  3. 18.

    Wenn man hier einige Kommetare liest, kommt man sich vor, als lese man den Eulenspiegel bzw. TITANIC.
    Die Strecke sollte tiefer gelegt und überbrückt werden. Gut, dann wäre es eine U-Bahn, die dann, siehe die 2,2km Kanzlerbahn, die 10 (!) Jahre brauchte.
    Und, überspitzt, die Gefahr vor einer "Wasserstoffbombe", die im Märkischen Viertel explodieren könnte.
    Das aber kommentiere ich nicht, weil da die Netiquette greifen würde.

  4. 17.

    Wasserstoff explodiert nicht. Nur im Gemisch mit Sauerstoff. Und dann muss auch eine Zündquelle diese auslösen.

  5. 16.

    Wasserstoff kann überall explodieren - warum nicht im Märkischen Viertel

  6. 15.

    Ohne eine direkte Anbindung an den Umsteigebahnhof Gesundbrunnen macht diese Strecke für mich überhaupt keinen Sinn! Was soll denn ein Pendler aus Basdorf oder Schildow in Wilhelmsruh? Die pendelnden Nutzer der S1 werden sich über volle Bahnen ab/bis Wilhelmsruh ganz sicher freuen..

  7. 14.

    Der S-Bahnhof Wilhelmsruh liegt in Reinickendorf. Der nördliche Ausgang befindet sich aber bereits in Pankow. Da der neue Bahnhof für die Heidekrautbahn nördlich der S-Bahntrasse entsteht, liegt er dann also in Pakow.

  8. 13.

    Icke fahre seid meiner Kindheit von Karow aus rüber nach Wandlitz! Hm, dann vermutlich erst nach Gesundbrunnen und dann wieder raus aus Berlin! Paris,Rom,Erkner. Heul!

  9. 12.

    Eine gute Nachricht! Endlich bewegt sich etwas zugunsten der Bahn als leistungsfähigstes und umweltfreundlichstes Verkehrsmittel.

  10. 11.

    Ist der Kommentar nicht etwas dick aufgetragen? Handelt es sich nicht um eine privilegierte Prestigebahn?
    Der Bus deckt den Bedarf in vollem Umfang jetzt und in absehbarer Zukunft ab
    Bei der Kosten Nutzen Analyse ist sicherlich der Bleistift abgebrochen.

  11. 10.

    Es wird Zeit, dass sich hier mal 30 Jahre nach emMauerfall etwas tut. Hoffentlich muss nicht weitere 30 Jahre bis zur Eröffnung gewartet werden.

  12. 9.

    Also, wenn es provinziell ist, vor der eigenen Tür zu kehren, dann ist Berlin die Metropole aller Metropolen. *heul*

  13. 8.

    "Bahnhof Wilhelmsruh (Berlin-Pankow)". Der Bahnhof liegt in Reinickendorf.

  14. 6.

    Herzlichen Glückwunsch! Hoffe mal der zweigleisige Ausbau bis Gesundbrunnen kommt recht "zügig" und nicht sofort (frühestens in 30-40 Jahren - @Gerd Straßenbahn "kommt" - hätte lieber gebaut ... ;).

  15. 5.

    die Senatorin hätte ja lieber eine Straßenbahn durch den Görlitzer Park gebaut , aber hier drängt die Zeit.

  16. 4.

    Klar doch - haben die "Neuberliner" im Norden endlich ihre so sehr herbeigesehnte Provinzialität durch die Schließung von TXL bekommen.
    Pankow ist jetzt noch dörflicher geworden - bald ha´m wa hier die Kehrwoche *lol*

  17. 3.

    Bahnübergänge in einer Großstadt! Warum wird die Trasse nicht tiefer gelegt und überbrückt? Der dörfliche Charakter Berlins soll also erhalten bleiben

  18. 2.

    ja das ist mir so im Gedächtnis verblieben. Es müssen noch mehrere Mio's für Studien zum Fenster rausgeworfen werden, damit die Bauarbeiten auf der GesamtenStrecke beginnen können. Quasi Baubeginn auf eigenes Risiko, weil abschließende Genehmigungen wegen der fehlenden Studien noch fehlen.

  19. 1.

    Ist das der Bahnhof, bei dem das Baurecht bald abgelaufen wäre, wenn man jetzt nicht begonnen hätte?

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren