Eva Kreienkamp, Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (Quelle: dpa/Kira Hofmann)
Bild: Audio: Inforadio | 3.12.2020 | Thorsten Gabriel

Milliarden-Investitionen in Berliner ÖPNV - BVG-Chefin Kreienkamp rechtfertigt Schuldenaufnahme

Die neue Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, Eva Kreienkamp, will neue U- und Straßenbahnen und Busse für die BVG anschaffen. Aber auch in neue Linien und Betriebshöfe soll Geld fließen. Offen ist bislang, womit der Wachstumskurs der BVG finanziert wird.

Die Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Eva Kreienkramp, hat neue Schulden gerechtfertigt. Sie seien nötig, damit die BVG wachsen könne, sagte die neue Unternehmenschefin dem rbb. Im Rahmen des Verkehrsvertrags mit dem Land Berlin will die BVG in den kommenden 15 Jahren rund sechs Milliarden Euro investieren. Finanziert werden damit unter anderem neue U- und Straßenbahnen und Busse. Aber auch in neue Linien und Betriebshöfe soll Geld fließen. Außerdem will die BVG ihre Busflotte komplett auf Elektromobilität umstellen.

In Berlin ist der Ausbau des U-Bahn-Netzes seit Jahren ein Politikum. Denn die grüne Verkehrssenatorin bevorzugt Straßenbahnen, der Koalitionspartner SPD hat sich in die U-Bahn verguckt. Und Kreienkamp legt sich fest: "Ich würde mir natürlich wünschen, dass wir dort, wo wir über erhöhte Verkehrsvolumina reden, auch wieder U-Bahnen bauen."

Koalition diskutiert neue Geldquellen für Berliner ÖPNV

Aber das ist bekanntlich teuer - sehr viel teurer als etwa der Straßenbahnausbau. Fest steht, dass Geld für alles benötigt wird - für neue Schienen ebenso wie für Fahrzeuge. Neue U-Bahnen und Busse sind geordert, neue Straßenbahnen dann demnächst. In den nächsten 15 Jahren sollen sechs Milliarden Euro investiert werden, so sieht es der neue Verkehrsvertrag vor. Dass die BVG dafür auch wieder neue Schulden aufnehmen soll, hält Kreienkamp für gerechtfertigt: "Wir wollen wachsen und die Frage ist natürlich: Wo kommt das Geld her für so einen Wachstumskurs? Im Rahmen von Unternehmensentwicklungen ist es durchaus statthaft sowas auch mal fremdzufinanzieren."

Gleichzeitig wird in der rot-rot-grünen Koalition diskutiert, wie für den Nahverkehr neue Geldquellen erschlossen werden können. Über eine City-Maut, ein Pflichtticket oder höhere Parkgebühren?

Sie blicke sehr gespannt in die Zukunft, sagt Kreienkamp: "Wenn wir uns klar darüber sind, dass 'Klima' nächstes Jahr und auch die Jahre drauf wieder Thema sein wird, haben wir natürlich eine große gesellschaftliche Verantwortung auch für die Weiterentwicklung des ÖPNV. Und es reicht nicht aus, das über Ticketpreise zu machen. Das schaffen wir nicht."

Bus und Bahn in der Zeit nach der Corona-Pandemie

Die BVG muss nach Ansicht von Kreienkamp jetzt schon an die Nach-Corona-Zeit denken und sich verschiedene Fragen stellen: Wie muss das Angebot aussehen, wenn es weniger Pendler gibt, weil mehr Leute künftig von Zuhause arbeiten? Welche Rolle kann künstliche Intelligenz bei Betrieb, Wartung und Instandhaltung spielen?

Sie sei der Politik dankbar dafür, dass es für die Einbrüche bei den Einnahmen weiterhin Corona-Hilfen vom Staat gibt, sagt Kreienkamp. Die sollen aber langfristig nicht nur helfen, Verluste auszugleichen, sondern sie sollen auch Investitionen in die Zukunft sein.

Fürs erste sind aber immer noch Corona-Maßnahmen angesagt: Die Busse werden mit gläsernen Fahrerkabinen ausgestattet, damit Fahrgäste wieder die Vordertüren nutzen können. Die Hälfte der Flotte ist schon umgerüstet. Und es wird auch mit Traditionen gebrochen: Auf der 100er-Buslinie werden künftig nicht mehr nur Doppeldecker unterwegs sein. Die werden anderswo dringender benötigt, sagt Eva Kreienkamp: "Wenn zu viele Menschen in einem Bus sind, hat niemand was davon. Damit wir mehr transportieren können, haben wir gesagt: Wir machen Doppeldecker da, wo es notwendig ist und die müssen wir natürlich von irgendwo herkriegen. Das kann dann durchaus sein, dass der 100er mal nicht Doppeldecker ist."

Beitrag von Thorsten Gabriel

7 Kommentare

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  1. 7.

    ÖPNV ist öffentliche Daseinsvorsorge.
    Also sind Bahnen und Busse mit Steuergeld zu finanzieren. Aber bitte nur die zuverlässig funktionierenden ! - Hat der Senat von Berlin nicht groß getönt und Geld versprochen ? - Was ist übrigens mit den vom Senat eingefädelten Lohnerhöhungen "2019" zahlt der Senat oder wird das Geld mit den vom Senat bestellten und nicht bezahlten Leistungen verrechnet LOL.

  2. 6.

    In dieser Weltstadt Berlin wird seit vielen vielen Jahren nur gelabert, es passiert einfach nichts. Vorrangschaltung für Bus und Bahn ? Wenn Sie einmal ausgeschaltet ist dauert es Monate bis Sie eventuell wieder eingearbeitet wird oder Sie entfällt gänzlich. Busspuren sollte es schon lange geben. Wenn Sie geschaffen werden , fragt man oft nach dem Sinn wo Sie angelegt werden. Völlig unbedacht,statt die Leute zu fragen die diese nutzen sollen. Egal. Sehen wir uns doch mal nur die Baustellen in Berlin an, es wird angefangen zu bauen und dann sieht man plötzlich monatelang keine Bauarbeiter mehr. Ich hätte mit jedem Tag Verzögerung Geldstrafe verhängt an die Baufirmen , Berlin hat einen Baustellenkoordinator , was macht der ? In Berlin wird nur gelabert und nichts aber auch nichts umgesetzt und schon garniert schnell

  3. 5.

    Ja, klar. "Denn die grüne Verkehrssenatorin bevorzugt Straßenbahnen". Die Straßenbahn wird uns seit bald 30 Jahren versprochen, nur ist davon in Kreuzberg nichts zu sehen. Sogar die Schienen auf der Brücke wurden wieder rausgerissen, ebenso in der Leipziger. Also bisher nur Pustekuchen. Im ehemaligen "West-Berlin" ist noch kein Straßenbahnnetz erkennbar. Das braucht es aber, wenn der ÖPNV Vorrang vor den Autos bekommen soll. Klimaneutralität mit der U-Bahn klappt dann vielleicht in 100 Jahren oder im Jahre 2150 ;)
    Vergleiche: www.tagesspiegel.de/berlin/u-bahn-in-berlin-als-klimakiller-gutachter-stellen-katastrophale-co2-bilanz-fuer-neue-tunnel-auf/26679718.html
    Apropo ÖPNV Vorrang, wann werden endlich die ewig versprochenen 100km neue Busspuren markiert?
    Noch ganz kurz vor den Wahlen - also Frühjahr/Sommer 2021?! Sind die Planungen "bereits" fertig?

  4. 4.

    "Doppeldecker müssen dort eingesetzt werden, wo es notwendig ist"... ich lache herzlich, wenn ich sehe, dass sich in Schlenkis oder Solobussen in der Innenstadt die Massen quetschen - während auf Linien wie dem 172er DDs mit einer Handvoll Fahrgäste unterwegs sind. Mal abgesehen davon, dass Berlin auch bei Touristen für seine Doppeldecker bekannt ist - die Enttäuschung dementsprechend groß, wenn auf 100 oder 200 nur noch Gelenkbusse fahren (v.a. auch bei Familien mit Kindern). Auf dem Platz Hertzallee sieht man inzwischen oft keinen einzigen DD mehr. DIe BVG hat die MAN DD auf Verschleiß gefahren und mustert aktuell großzügigst aus. Ich hoffe immer noch darauf, dass die angekündigten Enviro Doppeldecker von Alexander Dennis tatsächlich beschafft werden - und dann wieder auf den Innenstadtlinien eingesetzt werden. Wo sie hingehören - auch als Wahrzeichen und Touristenmagnet dieser Stadt.

  5. 3.

    Da stelle ich mir die Frage, warum Regine Günther die Werbung von den Bussen entfernen möchte? Natürlich, Werbung ist nicht schön und ich weiß auch nicht, wieviel die BVG dadurch bisher einnimmt. Aber angesichts der geplanten Investitionen sollte man sich doch über jede zusätzliche Einnahmequelle freuen.

  6. 2.

    "Ich würde mir natürlich wünschen, dass wir dort, wo wir über erhöhte Verkehrsvolumina reden, auch wieder U-Bahnen bauen."

    Na dann bleibt abzuwarten ob den Worten der BVG Chefin auch Taten folgen .

    Es gib bereits mehrere Gutachten bzw. Untersuchungen über neue U Bahn Netz Erweiterungen in Berlin und überall wurden für die U 9 Nord von Osloer Straße nach Pankow die mit Abstand meisten Fahrgäste vorausgesagt nämlich ca. 40000 !! Auf dem 2. Platz liegt die U 7 zum BER mit ca. 35000 bis 38000 Fahrgästen . Und dann kommt erst mal sehr lange nichts bevor auf dem 3. Platz die U 8 Nord zum Märkischen Viertel liegt mit ca. 12000 bis 15000 zusätzlichen Fahrgästen !! Die U 9 Nord und die U 7 zum BER sind natürlich auch die mit den höchsten Kosten aber eben auch die mit den größten Nutzen im ÖPNV Netz . Aber auch ich bin neben einen U Bahn Ausbau auch parallel für einen deutlichen und schnellen Straßenbahn Ausbau !!

  7. 1.

    Schön,was die neue BVG Cheffin alles vor hat....sie sollte sich mal um die Tram kümmern....die Realität.....Stop an jeder Ampel...wegen fehlender Vorrangschaltung....überall Geschwindigkeitsbeschränkungen (10kmh)über lange Zeit.......und,und,und.....

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