Protest Daimler-Werk Marienfelde (Quelle: rbb/Matthias Bartsch)
Video: rbb|24 | 09.12.2020 | Material: Abendschau | Bild: rbb/Matthias Bartsch

Drohende Stellenstreichungen in Berlin-Marienfelde - Hunderte Daimler-Beschäftigte demonstrieren für ihre Jobs

Dem Berliner Daimler-Werk in Marienfelde droht ein Stellenabbau. Die IG Metall befürchtet sogar eine Stilllegung des ältesten produzierenden Werks des Konzerns. Hunderte Mitarbeiter haben deswegen am Mittwoch für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert.

Hunderte Mitarbeiter des Mercedes-Benz-Werks in Berlin haben am Mittwoch die Arbeit niedergelegt und für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. "Wir wollen eine gelingende
Transformation des Werkes mit zukunftsfähigen Produkten, zum Beispiel in der E-Mobilität", teilte Jan Otto, Erster Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, mit. Zu der Kundgebung in Marienfelde kam auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende Kevin Kühnert. Nach der Kundgebung war am Mittag eine Video-Betriebsversammlung mit der Werksleitung geplant, um über die Zukunft des Standorts zu sprechen.

"Wir Daimler-Beschäftigte werden am Mittwoch nicht arbeiten", hatte der Betriebsratsvorsitzende Michael Rahmel bereits am Montag angekündigt. "Wir nehmen uns diesen Tag, um dem Vorstand klar zu zeigen, dass wir uns von ihm nicht abwracken lassen."

IG Metall spricht von Stilllegungsbeschluss

Weil Daimler, so wie andere Hersteller auch, stärker in alternative Antriebe investiert, stehen dem Betriebsrat zufolge rund die Hälfte der Arbeitsplätze im Berliner Werk auf dem Spiel. Der Daimler-Konzern räumte auf Anfrage ein, dass es Stellenstreichungen geben soll. Derzeit liefen Gespräche mit dem Betriebsrat, zu denen man sich grundsätzlich nicht äußere, teilte eine Sprecherin mit. "Allerdings wird der Anteil der Investitionen in CO2-neutrale Technologien und Digitalisierung steigen." Dazu würden Mitarbeiter umgeschult und weiterqualifiziert. "Die Transformation wird künftig aber auch mit weniger Beschäftigungsumfängen einhergehen", hieß es.

Keine Investitionen mehr in Verbrennungstechnik

Das Werk dürfe nicht "rasiert" werden, sagte der Berliner IG-Metall-Chef Otto. Er sprach von einem Stilllegungsbeschluss, von dem zumindest Teile zurückgenommen werden müssten. Nach Angaben des Betriebsrats soll die Hälfte der Arbeitsplätze abgebaut werden. In die Verbrennertechnik werde dort nicht mehr investiert. Der Konzern hat zwar global einen Sparkurs angekündigt, sich öffentlich aber noch nicht konkret zu Marienfelde geäußert.

Das 1902 gegründete Werk Marienfelde ist das älteste produzierende Werk des Daimler-Konzerns. Die rund 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bauen Komponenten zur Motorsteuerung, außerdem Getriebeteile und -komponenten, Kraftstoffsysteme, Nockenwellen, Pumpen sowie Dieselmotoren. Mit Transparenten forderten die Angestellten deswegen, in die Zukunftsplanung des Konzerns einbezogen zu werden. Für sie fest steht: Verbrennungmotoren sind nicht die Zukunft.

Sendung: Abendschau, 09.12.2020, 19.30 Uhr

28 Kommentare

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  1. 28.

    Tja- wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.

    PS: Einfach mal bei Tesla bewerben Leutz.

  2. 27.

    "Aber was hat Merkel damit zu tun? Kann sie allein denn was dran ändern?" Sie hat in ihrer langen Amtszeit die Weichen falsch gestellt. Mit übereilten und im Ergebnis ruinösen Ergebnissen. Ob nun Atomaustieg, Kohleausstieg, Migrationspolitik, "Energiewende" (ins Nichts lt. Prof. Sinn), der industrielle Kahlschlag von Deutschlands Leit-Industrie oder Euro "Rettung" und jetzt zum krönenenden Abschluss ihrer Amtstätigkeit die gigantische Verschuldung weil das Euro-Konstrukt krank von Anfang ist.
    Übrigens, wo Sie das ansprechen, erste Aufgabe von Merkel in der Politik war die Endlagerfrage als Kohls Umweltministerin vorwärts zu bringen. Wie haben heute noch denselben Stand.

  3. 26.

    Der nichthauptstädtische Unternehmer kritisiert Berlin leichter und konsequenzenfreier als der Berliner Unternehmer. Ein Vorteil allerdings, daß solche "Unternehmer" hier auch nur ein kleines Büro (ver)brauchen.

  4. 24.

    Das ist die Zukunft einer RRG Stadt.

  5. 23.

    RRG wirkt. Wenn ich als Unternehmer (bin aber keiner) die Wahl hätte, würde ich Berlin auch verlassen bzw wenn, dann zuerst in Berlin abbauen und allenfalls ein kleines Außenbüro hier betreiben. Wir haben Glück, dass Immobilien immobil sind, sonst wären schon etliche Wohnungen und Betriebe weg, das wäre spannend zu wissen, wo die Menschen dann alle wohnten und arbeiteten.
    Also Leute, wählt weiter RRG, die schaffen euch das Paradies auf Erden.

  6. 22.

    BLOHM & VOSS hatte in den 60er 12.000 Werftarbeiter, heute 800 . Sind die Zeichen der Zeit.
    Mit Tradition kann ich keine Arbeitsplätze erhalten.

  7. 21.

    Ähm ... 'ne Gute. Den Eimer Dreck bitte für die Manager und Vorstände aufsparen.

  8. 20.

    Bezogen auf die fehlenden Endlager hätte der Atomstrom erst garnicht ans Netz gehen dürfen und die hochgejubelte deutsche Autoindustrie hat schlicht den Anschluß verpasst. Irgendwann kommt halt "Murphy" um die Ecke.
    Mir tun die Leute leid, die jetzt die Fehlentscheidungen der Manager Ignoratius und Profitfix ausbaden müssen. Aber hauptsache die Aktionäre und Vorstände gehen nicht leer aus.
    Aber was hat Merkel damit zu tun? Kann sie allein denn was dran ändern?

  9. 19.

    Der Strom muß ja dafür auch irgendwie vom Norden in den Süden. Warum sich nicht die eine oder andere Trasse sparen? Daimler geht und Tesla kommt? Fragen über Fragen...

  10. 18.

    Ein E Motor hat wesentlich weniger Teile als ein Verbrennen. Das bedeutet man benötigt weniger Motorenfertigungskapazitaeten. Die in Süddeutschland vorhandenen Kapazitäten reichen vielleicht aus. Nur weil es ein Traditionswerk ist, macht es keinen Sinn Ueberkapazitaeten aufrecht zu erhalten

  11. 17.

    "ein paar Kiefern gefällt werden" - typisch Neumann; wie ich schon bemerkte; sie können es wie Schnitzler und der war Demagoge und verachtet . Nur traute es sich keiner offen zu sagen. Was Tesla dort bisher anrichten durfte hat ja nun mit der heutigen Mitteilung zur Wasserlieferungsmöglichkeit aus EHSt. hoffentlich eine Besinnung bei den Durchdrückern bewirkt. Es wäre zudem logisch wenn sie mit nach China gehen würden und dort wie hier gegen die Stinker politisieren würden. Seltsam, dass sie die heutige WSE-Mitteilung nicht kommentieren.

  12. 16.

    Die IG Metall betreibt mit diesen sogenannten Protestaktionen das übliche falsche Spiel. Die Postkarten- und Fotoaktionen sind nur Begleitmusik für einen Deal, den die IGM und ihre Betriebsräte mit dem Daimler-Vorstand ausarbeiten. Teil davon ist der letzte Woche vereinbarte "Transformationsfonds" in Höhe von 1 Milliarde. Er wird von der IG Metall als Erfolg gefeiert, weil sie damit Verfügungsmittel in der Hand haben, um vor Ort den Arbeitsplatzabbau bzw. die Werksschließung durchsetzen zu können. www.wsws.org/de/articles/2020/11/18/merc-n18.html

  13. 15.

    Ist das jetzt eine gute oder schlechte Demo? Muss ich den Demonstranten jetzt zujubeln oder einen Eimer Dreck über sie ausschütten?

  14. 14.

    Ich finde das wichtig, was die Kollegen da machen! Es geht einfach nicht dass man einen Standort schließen will statt da neue Produkte zu fertigen, die auch in Zukunft noch gebraucht werden.
    Macht weiter so!

  15. 13.

    Die Erfindung des Automobils war eine Revolution.
    Und wie wir alle leidlich wissen, werden ehemalige Revolutionäre träge...

  16. 11.

    Pferdekutschen-Hersteller haben sich auch umorientiert. Warum geht das jetzt nicht? Sind die alle zu bequem? Keine eigenen Ideen? Die Welt verändert sich, bleibt nicht stehen!

  17. 10.

    Tja, liebe Daimlers, zuviel linksgrün in BaWü und Berlin gewählt. Beim Klimaschutz steht Deutschland in Europa praktisch alleine da. Schreibt die WELT. Der übereilte Ausstieg aus Atom und Kohle, das schlagartige Abwürgen der Autoindustrie in Deutschland wird zusammen mit Corona im Frühjahr eine fürchterliche Pleitewelle eintreten, denn dann hat Merkel kein Geld mehr.

  18. 9.

    Danke für den Hinweis und sorry für den Fehler - ist korrigiert!

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