Deutlich kleinere Demo wegen Corona - "Wir haben es satt"-Bündnis protestiert in Berlin gegen Agrarpolitik

16.01.2021, Berlin: Teilnehmer eines Protest unter dem Motto «Wir haben es satt!» gegen die aktuelle Agrar- und Ernährungspolitik Deutschlands stehen mit einem Banner vor dem Bundeskanzleramt (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Video: rbb|24 | 16.01.2021 | Material: ARD-aktuell, Abendschau | Bild: dpa

Jedes Jahr demonstrieren vor der Grünen Woche in Berlin Landwirte und Umweltschützer für eine andere Agrarpolitik. Normalerweise ist das eine Großveranstaltung. Doch in der Corona-Pandemie fiel die Demo am Samstag deutlich kleiner aus.

Landwirte sowie Klima-, Umwelt- und Tierschützer haben am Samstag in Berlin für eine grundlegende Wende in der Agrar- und Ernährungspolitik demonstriert.

Vor dem Kanzleramt wurde symbolisch mit rund zehntausend Fußabdrücken auf Papier eine bäuerliche, ökologische und klimafreundliche Landwirtschaft gefordert, wie das "Wir haben es satt!"-Bündnis mitteilte. Im sogenannten Superwahljahr 2021 mit Bundestagswahl und sechs Landtagswahlen müssten die Weichen dafür gestellt werden.

Auch eine Demonstration mit nach Veranstalterangaben rund 30 Traktoren, die hupend durch das Berliner Regierungsviertel fuhren, gehörte zu dem Protest.

Größte Demo in Berlin 2020 - wegen Corona dieses Jahr vor allem digital

Den Angaben zufolge hatten rund 60 Organisationen von Landwirten, welt- und Tierschutzverbänden sowie kirchlichen und entwicklungspolitischen Organisationen unter dem Motto "Agrarindustrie abwählen, Agrarwende lostreten!" zu dem Protest aufgerufen. Die "Wir haben es satt!"-Demonstration findet traditionell anlässlich der weltgrößten Agrarmesse Grüne Woche in Berlin statt. Wegen der hohen Corona-Infektionszahlen wird die Agrarmesse in diesem Jahr rein digital am 20. und 21. Januar durchgeführt. Im nächsten Jahr ist dann vom 21. bis 30. Januar wieder eine Besucherveranstaltung geplant.

Im vergangenen Jahr war die Veranstaltung laut Polizei mit rund 27.000 Teilnehmern die größte Demonstration in Berlin. In diesem Jahr wurden die Messe und der Protest wegen der Corona-Pandemie vor allem digital veranstaltet.

"Normalerweise rufen wir immer zu einer Großdemo auf", sagte Saskia Richartz vom "Wir haben es satt"-Bündnis dem rbb. "Wir denken aber, dass das im Moment mit den aktuellen Infektionszahlen nicht durchführbar ist." Statt wie in den vergangenen Jahren mit zehntausenden Teilnehmern wollte das Bündnis in diesem Jahr mit etwa 150 Demonstranten und 15 bis 25 Traktoren zur CDU-Parteizentrale und Bundeskanzleramt ziehen.

Forderungen: Mehr Platz für Tiere und weniger Fleischkonsum

Konkret fordert das Bündnis, die Zahl der Tiere in den Ställen und den Fleischkonsum deutlich zu senken. Neben mehr Tier- und Klimaschutz in der Landwirtschaft soll die Politik eine Zukunft für die bäuerlichen Betriebe in Deutschland sichern.

Für mehr Insektenschutz seien ein Ausstieg aus Pestiziden und ein Gentechnik-Stopp nötig. Das Bündnis macht sich zudem für weltweite Menschenrechte stark und fordert einen Stopp des EU-Mercosur-Abkommens.

Klöckner warnt vor "Alles-oder-Nichts-Forderungen"

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner wandte sich derweil gegen pauschale Vorwürfe der Demonstrierenden. "Alles-oder-Nichts-Forderungen polarisieren", sagte die CDU-Politikerin am Samstag. Dass die Wirtschaftsweise permanent nachhaltiger werden müsse, sei selbstverständlich. Daher spielten Forschung und Modernisierung bei den Landwirten selbst, aber auch in der deutschen und europäischen Förderpolitik und Gesetzgebung eine große Rolle.

"Wer seit Jahren die gleichen polarisierenden Feindbilder pflegt, will diese Veränderungen nicht wahrhaben", sagte Klöckner. "Das ist schade und wird den vielen Bauernfamilien nicht gerecht, die sich auf große Veränderungen eingelassen haben."

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.01.2021, 11:30 Uhr

41 Kommentare

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  1. 41.

    Einige Kommentare treiben mir schon die Sorgenfalten auf die Stirn. Zum einen wird hier eine völlig nutzlose Neiddebatte gegenüber den Landwirten begonnen. Wer geistig und körperlich dazu in der Lage ist, kann doch Landwirt werden, aber bitte mit allem drum und dran. Außerdem stört mich die ganze Biodiskussion. Wer das Zeug essen möchte kann es doch gern tun. Wer gern vegan essen möchte soll es tun. Ich finde es aber unmöglich das auf Landwirten die diesem
    Trend nicht folgen wollen ein gedroschen wird. Wir Verbraucher sind es doch die den Markt beeinflussen. Jede Woche werden die Prospekte der unterschiedlichen Anbieter studiert und dann geht es ab, kreuz und quer durch die Gegend zu dem Anbieter wo es am billigsten ist. Scheiss auf die Kilometer. Und noch etwas finde ich erschreckend. Finanzinvestoren und sonstige Vermögende kaufen Landwirtschaftsflächen in großem Umfang und diese dann zu verpachten. Wenn dieser Trend nicht gestoppt wird, gibt es mal ein ganz böses Erwachen.

  2. 40.

    Beschimpft die Bundesministerin die Bauernfamilien, die seit Jahren im "Wir haben es satt"-Bündnis mitmachen? Meint sie, diese Bauernfamilien bewirtschaften ihren Hof nach einem Schwarz-Weiss-Schema?

    Und wie ist die Bilanz der Agrarministerin im Klimawandel: Hat sie ein einziges Kilo Kohlendioxid eingespart oder das Klima noch mehr aufgeheizt?

  3. 39.

    Na dann schauen sie mal genauer hin.
    Die Regierung schließt nicht die Verträge mit den Landwirten ab, sondern mit den Konzernen. Eigentlich gibt es ja nur einen. Haha

  4. 38.

    Ich habe es auch satt, dass man mir ständig erzählen will, dass die Einhaltung der §§ 1 und 2 des Tierschutzgesetztes dazu führen würde, dass die (derzeit) durchschnittlichen Preise für Fleisch erhöht werden müssten.
    ...
    Noch jeder Wirtschaftszweig hat es (bei den Mengen die alleine der nationale Markt hier abnimmt) bisher geschafft, gesetzliche Bestimmungen weitgehend einzuhalten und dabei seine Herstellungsprozesse soweit zu rationalisieren, dass daraus günstige Stückpreise resultieren. Insbesondere dann, wenn der Zweig auch noch subventioniert wird.
    ...
    Fangt endlich an (Demeter-)Bio konsequent zu industrialisieren, ihr Viehzüchter. Zeit gelassen hat man Euch dazu (gefühlt) schon ewig.

  5. 37.

    Na , da übertreiben Sie ja gewaltig. Seit wann schließt die Regierung Verträge für die Landwirte mit den Chemiekonzernen ab.? Also ihrer Meinung nach werden die Pflanzenschutzmittel für die Bauern gekauft und diese haben die dann zu verwenden! Welch ein Blödsinn! Auch im Bioanbau sind PSM zugelassen und werden verwendet.

  6. 36.

    Ich habe in Nordhessen einen Bauernhof kennen gelernt, der Vorbild sein könnte. Da gibt es aber einen Hofladen. Was man da kauft wird auch vom Bauer selbst in der Qualität gegessen. Wer im Discounter ein kg Schweinefleisch unter 10e kauft kauft nur Massenzucht mit Tierquälerei. Bauer sein ist ein schwerer Job und wer diesen Job macht darf auch gut leben; zumindest besser als ein x-beliebiger Büromensch. Verwaltung u.dgl. Niemand beantwortet meine Frage wozu wir hier den Wolf brauchen, der statt krankes Wild lieber eine ganze Schafe oder Damwild reißt. Warum wird unser Wild nicht marktgerecht gehalten und geschossen ? Inuits mögen das Discounterfleisch auch nicht. Sie sind Jäger und schätzen ihr Wild als wertvolle Nahrung. Warum züchtet man hier nicht Hirsche wie in Neuseeland ? Wir essen nur wenig Fleisch; toll schmeckt Straußenfleisch. Nähe Buckow mal nachsehen.

  7. 35.

    Habe ich zu dessen Ausführungen etwas anderes behauptet?
    Ergänzt habe ich die Statistik, dass die Neugeborenensterblichkeit in der Viehhaltung erheblich höher ist ohne den Einsatz von Antibiotika.
    Oder Kurz: Keine Antibiotika = mehr tote Ferkelchen und Rinderchen
    Jetzt klar?

  8. 34.

    "In der Mast" ist etwas anderes als um kranke Tiere zu behandeln. Das Problem ist ja nicht dass jedes zehnte Schwein in seinem Leben mal eine Spritze vom Tierarzt braucht, sondern dass die Antibiotika tonnenweise prophylaktisch verfüttert werden, weil die Tiere dann schneller fett werden und man es sich mit weniger Sorgen leisten kann die lebenslang auf winzigsten Flächen einzuzwängen. Dann kostet das Nackensteak halt keine fünf Euro das Kilo mehr, sondern vielleicht fünfzehn, aber man muss auch nicht 90kg Fleisch im Jahr verdrücken wie der typische Deutsche, vielleicht tun's auch nur 50 wie ein Bulgare, oder 25 wie ein Ägypter.

  9. 33.

    Wenn Biolandwirtschaft genauso subventioniert würde, könnten sich alle diese Produkte leiste.
    Leider hat sie Regierung Verträge mit Chemiekonzernen,die die konventionelle Landwirtschaft mit diversen Spritz und Düngemitteln versorgt.
    Konventielle Landwirte werden regelmäßig von Bayer und Co zu besonderen Anlässen eingeladen wo sie Reisen und ähnliches geschenkt bekommen. Als Gegenleistung müssen die Bauern nur jede Menge Spritzmittel kaufen.
    Pervers aber ist leider so. Mein Nachbar fuhr regelmäßig zu diesen Bayer Veranstaltungen.
    Also System ändern.
    Denke ich.

  10. 32.

    Lieber klausebrause.
    Das ist natürlich klar,das Massentierhaltung nicht geht.
    Davon habe ich auch nicht gesprochen.
    Ich bin selbst Biobauer. Demeter
    Weniger ist immer mehr.
    Und wie gesagt.
    Von biolandwirtschaft würden wir alle satt werden.
    Und auch noch exportieren können!
    Leider wird diese Form der Landwirtschaft nicht so sehr gefördert.
    Dafür gibt es viele verschiedene Gründe. Gucken Sie mal bei Bayer in die Akten.
    Wir müssen jetzt umdenken.
    Jetzt!

  11. 31.

    Der Verbraucher beweist im Lebensmittelgeschäft tagtäglich millionenfach was er tatsächlich verzehren möchte bzw. was er sich leisten möchte oder kann. Nur das zählt und keine Umfragen.

  12. 30.

    "Mit CO2 wird überhaupt nichts verpestet, das atmen Sie sogar selber aus. "
    Ja, das mit dem CO2 ausatmen liegt nunmal in der Natur der Dinge. Problematisch wird es, wenn sie zuviel CO2 einatmen. Dann atmen sie irgendwann nicht mehr aus. Das wäre eine Art von Klimaschutz den sie nicht wollen. ;-)

  13. 29.

    Also Adrians Ausführungen sind absolut in Ordnung, aber was haben Jungen damit zu tun?

  14. 28.

    Hätten wir keine Landwirte, gäbe es auch nix zu futtern."
    Und damit wird alles gerechtfertig:
    z.B. die riesigen Tierhallen, in denen in Quälhaltung Schweine für den Export nach China in kürzester Zeit tönniesreif gemästet werden.
    Nichts gegen eine bäuerliche Landwirtschaft, die der Versorgung der Bevölkerung dient-alles gegen den industriealisierten Verbrauch von Landschaft und das organisierte Tierwohl um die Profite einiger Großer zu pampern.
    Es ist wie mit der Vermögenssteuer-wenn es darum geht die Klattens dieser Welt zu besteuern wird die arme Omma vorgeschoben. So auch hier.

  15. 27.

    Als Rentnerin habe ich auch nicht viel. Ich hole meine Fleisch trotzdem nur beim Neuland-Metzger. Aber ich esse auch nicht viel Fleisch und wenn dann muss es was Gutes sein. Lieber nur einmal im Monat und dann mit Appetit, als das Minderwertige aus dem Supermarkt. Und es muss ja auch nicht immer das hier erwähnte Schweinefilet sein. Kochen Sie doch mal ein Eintopf mit richtig gutem und durchwachsenen Biofleisch! Lecker!!!

  16. 26.

    Ich finde auch, dass Frau Klöckner viel versucht, das möchte ich auch wertschätzen. Ich finde es gut, dass alle sehen können, wie wichtig uns ökologische Landwirtschaft ist, wie wichtig es uns ist, dass Landwirte von ihrer Arbeit leben können und dass wir bereit sind auf Fleisch zu verzichten und mehr zu bezahlen für Lebensmittel, die im Einklang mit der Natur wachsen.

  17. 25.

    Ich esse seltener Fleisch und dafür bio, auch wenn das 3x teurer ist.
    Versuche grundsätzlich Bioprodukte zu kaufen.
    Aber... da gibt es leider auch schon wieder Beschiss.
    Bin auf dem Land aufgewachsen. Mein Onkel hatte einen kleinen Hof.
    Die paar Schweine hatten noch ein okayes Schweineleben bis zur Schlachtung.
    Hab die Ferkel immer in meinem Puppenwagen spazieren gefahren.
    Fanden sie gut! ;-)
    Der Massenwahn ist das Problem.
    Beim Metzger gab es früher einmal die Woche frisch Geschlachtetes.
    Es gab das, was da war. Auch Innereien. Danach war es eben alle.

  18. 24.

    Mit Häme und Sarkassmus kommen wir nicht weiter - Kooperation und Solidaridät ist das Zauberwort

  19. 23.

    Hätten wir keine Landwirte, gäbe es auch nix zu futtern.
    Es sei denn, man will das Zeug aus dem 3D Drucker essen.
    Das kommt bestimmt auch bald auf den Markt.

  20. 22.

    Was sollen die Bauern denn machen? Durch ihre Dörfer fahren sie den ganzen Tag. Also müssen sie in die Städte, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Berlin ist zufällig noch Hauptstadt, da muss man das als Einwohner aushalten dass die Bürger dahin kommen wo die Spielregeln geschrieben werden.

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