Symbolbild: Gurkenernte im Spreewald. (Bild: imago-images/ imagebroker)
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Brandenburger Marke "Spreewaldhof" - Größter Spreewälder Gurken-Produzent an französischen Konzern verkauft

Sauer eingelegt, mit Gewürzen oder Senf: Spreewälder Gurken sind das bekannteste Produkt der Region. Der größte Hersteller "Spreewaldhof", der seit 75 Jahren in Golßen produziert, wird jetzt von einem französischen Konzern übernommen.

Der größte Hersteller von Spreewaldgurken im Glas wird von einem französischen Lebensmittelkonzern aufgekauft. Die Firma "Andros" mit Sitz im südfranzösischen Biars-sur-Cère hat am Freitag angekündigt, das Brandenburger Unternehmen "Spreewaldkonserve" mit seiner vor allem für eingelegte Gurken bekannten Marke "Spreewaldhof" zu übernehmen.

Schon seit 1946 werden in Golßen (Dahme-Spreewald) Konserven mit lokalen Obst- und Gemüseprodukten hergestellt. Nach der Wende übernahmen die Geschwister Karin Seidel und Konrad Linkenheil 1991 das Werk und präsentierten die Produkte unter der neuen Marke "Spreewaldhof". Mittlerweile werden an zwei Standorten im Landkreis Dahme-Spreewald - Golßen und Schöneiche sowie im ungarischen Szigetvár 32 unterschiedliche Obst- und Gemüsesorten produziert und zu 250 verschiedenen Produkten verarbeitet.

Die Geschäftsführer - beide Geschwister sind Mitte 60 - haben in einem Facebook-Post von Freitag angekündigt [facebook.com], sich ins Privatleben und in den Ruhestand zurückziehen zu wollen. Das sei der Grund für den Verkauf der "Spreewaldkonserve".

Keine Nachfolger in der Familie gefunden

Über den Preis für den Verkauf des Unternehmens wurde nichts bekannt. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen, hieß es in der Mitteilung von "Andros".

Die Inhaber der "Spreewaldkonserve" sind Konservenhersteller in dritter Generation mit einer über 100-jährigen Firmengeschichte, die im späten 19. Jahrhundert am Niederrhein begann. Im Jahr 2000 wurde die gesamte Produktion von dort in den Spreewald verlegt. Die aktuellen Geschäftsführer, Karin Seidel (67) und Konrad Linkenheil (66), hätten in der nachfolgenden Generation der Familie keine Nachfolger gefunden, hieß es.

Derzeit beschäftigt die "Spreewaldkonserve" rund 200 Mitarbeiter und 220 Saisonkräfte. Im Geschäftsjahr 2018/2019 machte das Unternehmen einen Umsatz von 109 Millionen Euro. In Ostdeutschland ist die Marke "Spreewaldhof" bei Gurken im Glas marktführend, bundesweit die Nummer 3.

Immer mehr ostdeutsche Marken bei internationalen Konzernen

Der französische Lebensmittelkonzern "Andros" ist seit 1991 in Deutschland aktiv und hierzulande vor allem bekannt für die Marmeladen der Marke "Bonne Maman". Zu "Andros" gehört bereits seit 30 Jahren der westdeutsche Hersteller "Odenwald Früchte", der spezialisiert ist auf eingewecktes Obst und Produkte wie Apfelmus. Der Umsatz von "Andros" wird nach Angaben von tagesschau.de auf 2,2 Milliarden jährlich geschätzt [tagesschau.de].

"Spreewaldhof" folgt damit anderen ostdeutschen Marken, die sich bereits im Besitz von Großkonzernen befinden - zum Beispiel "Bautz'ner Senf", "Halloren Schokoladenfabrik" oder "Wernesgrüner Bier".

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.01.2021, 17 Uhr

24 Kommentare

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  1. 24.

    Ja Paula, das ist ihr gutes Recht andere Gurken zu kaufen. Allerdings verstehe ich nicht, was der Dünger mit den Gewürzen oder Aromen im Glas zu tun hat. Oder denken Sie wirklich das andere Bauern ohne Dünger auskommen? Bei anderen Herstellern finden Sie nicht einmal Dill oder andere Gewürze im Glas, da sind dann wahrscheinlich "natürliche" Aromen vorhanden. Und wo habe ich von Apfelmus geschrieben? Aber bei manchen Kommentatorinnen wundere ich mich schon lange nicht mehr über die geistigen Ergüsse. Viel Spaß beim Gurken kaufen und passen Sie auf die Gurken nicht mit Apfelmus zu verwechseln.

  2. 22.

    "Großkonzerne kaufen die kleinen Betriebe auf. Das kommt von der 'Corona-Politik'!"
    Irrtum. Das nennt sich (Monopol-)Kapitalismus. Und den gibt's bekanntlich schon etwas länger als Corona.

  3. 21.

    Bravo! Mit dieser Aussage ist der Tiefpunkt erreicht. Noch schlichter geht es jetzt wirklich nicht mehr.

  4. 20.

    Verzichten ist ihr gutes Recht, aber hören sie auf Lügen und Halbwahrheiten zu verbreiten. Wir haben genug Leute die sich nur dann wohlfühlen wenn sie Stimmung machen können.

  5. 19.

    Es ist schon erstaunlich:
    Jahrzehntelang hat man uns erzählt, der Staat solle sich gefälligst aus der Wirtschaft raushalten.
    Heute schreien alle plötzlich nach dem Staat.
    Und dies selbst, wenn es um das hohe Kulturgut der (ost)deutschen Gurke geht.
    Die Zeiten ändern sich.
    Einiges bleibt allerdings immer gleich.

  6. 18.

    Großkonzerne kaufen die kleinen Betriebe auf.
    Das kommt von der "Corona-Politik"!

  7. 17.

    Natürliche Zutaten ohne chemische Aromen...nun Paul, da empfehle ich einen sommerlichen Ausflug ins Gurken-/Gemüse-Anbaugebiet rund um den Spreewaldhof, um bei feinstem Sternenhimmel dem dumpfen Brummen der Traktoren zu lauschen, die nachts "natürliche Düngemittel ohne chemische Zusätze" versprühen.

    Und klaro, im Apfelmus sind natürlich nur Äpfel...

    Ich bin dort aufgewachsen und verzichte aus sehr guten Gründen seit Jahren auf Produkte dieser Firma.

  8. 16.

    Oh,oh Oliver. Claudia hat völlig recht. Es gibt nicht viele junge Menschen die in einem handwerklichen Beruf arbeiten möchten. So ist es dann auch schwierig einen gut laufenden Betrieb zu übernehmen ohne entsprechend junge Arbeitnehmer für die Zukunft zu haben. Schade eben. Demonstrieren oder studieren steht auf der Tagesordnung vieler junger Menschen. Übrigens in der genannten Branche ist ein aufstehen morgens um 02:00 Uhr in der Regel nicht notwendig.

  9. 15.

    Hallo Claudia, ich kann Deinen Beitrag nachvollziehen. Was mich interessieren würde: bist Du in einem Job tätig, in dem Du regelmäßig nachts um 2 aufstehen musst? Wenn ja, wirst Du Deine Kinder mit Kusshand an die Uni geben, vermute ich. Dann müssen sie das vielleicht nicht mehr.

  10. 14.

    Bei Champagner was Sie wahrscheinlich meinen wird dies höchst wahrscheinlich nie passieren.

    Bei den Verträgen nach dem Ersten Weltkrieg wurde gerade der Champagner besonders geschützt. Innerhalb von Frankreich darf sich aus einer anderen Weinregion auch keiner Champagner nennen, das ist dann der CREMANT, der aber genauso gut schmeckt wie der Champagner. Und auch der deutsche Winzersekt ist nicht zu verachten.

  11. 13.

    Kauft den Mist einfach nicht mehr!! Selbst is(s)t der Mensch! Ich esse, was im Wald, auf der Wiese und in meinem Garten wächst..

  12. 12.

    Das ist kein „Deal", sondern ein Unternehmensverkauf! Die Verlotterung des Journalismus zeigt sich in der Verlotterung der Sprache.

  13. 11.

    Am besten jetzt noch Original Spreewaldgurken kaufen. Halten sich ja. Aus: "Good by Lenin".

  14. 10.

    Welche politischen Steine erkennen Sie in der Aussage: "Die aktuellen Geschäftsführer, Karin Seidel (67) und Konrad Linkenheil (66), hätten in der nachfolgenden Generation der Familie keine Nachfolger gefunden, hieß es." ?? Und wie wichtig Auflagen sind, erkennen Sie z.B. am aktuellen Tierhaltungsskandal oder anderen Lebensmittelskandalen. Und zum Thema 'Steuern': Sie nutzen hier gerade ein gemeinschaftlich finanziertes Angebot. Das tun Sie Z.B. auch dann, wenn Sie auf der Straße unterwegs sind oder wenn Ihre Kinder wieder in die Schule gehen können. - Claudia, gern differenzierte Kritik, aber bitte kein pauschales Bashing. Danke.

  15. 9.

    Hoffentlich wird die Produktion in gleicher Qualität weitergeführt. Mit den gewohnten natürlichen Zutaten und nicht mit irgendwelchen chemischen Aromen. Bisher waren die Gurken einfach nur Klasse und Spitze. Danke für die bisherige gute Qualität. Und den beiden Geschäftsführern wünsche ich einen angenehmen und auch wohlverdienten Ruhestand.

  16. 8.

    Die Franzosen wissen was Qualität ist. Qui. Ils sont tres delicieuse. Ja, sie sind sehr lecker.

  17. 7.

    Daß die Landespolitik nicht willens und in der Lage ist, solche Traditionsfirmen in regionaler Verwaltung zu halten ist traurig. Wo gehen dann die Steuern hin??

  18. 6.

    Ich hätte das gerne übernommen... hätte aber das erforderliche Geld nicht.

  19. 5.

    Geht nicht: Champagner darf sich nur nennen, wer in der Champagne hergestellt wurde... Eigentlich ist es mit der Spreewaldgurke auch so.

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