Ein E-Auto an einer Ladesäule in Berlin
Bild: dpa/Andrea Warnecke

Elektromobilität in Berlin - Verkehrssenatorin rechnet mit starkem Wachstum bei E-Autos

Der Ausbau der Elektromobilität ist erklärtes Ziel des Berliner Senats. Verkehrssenatorin Günther nennt nun optimistisch stimmende Zahlen, muss aber gleichzeitig zugeben, dass es noch viel Luft nach oben gibt - vor allem bei den Ladesäulen und der Modellauswahl.

Umwelt- und Verkehrssenatorin Regine Günther rechnet mit einem baldigen Durchbruch für E-Autos in Berlin wie auch in Deutschland insgesamt. "Wir befinden uns am Anfang einer exponentiellen Wachstumsphase", sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Sie sehe den Durchbruch "schon sehr deutlich kommen".

"Der Anteil von E-Autos steigt aktuell sehr stark", erläuterte Günther: "Im Jahr 2017 hatten in Berlin nur knapp 0,8 Prozent der neu zugelassenen Pkw einen rein elektrischen Antrieb, in 2018 waren es 1,4 Prozent, 2019 bereits drei Prozent, und 2020 werden mehr als sechs Prozent erreicht."

Ladeinfrastruktur noch zu wenig ausgebaut

Gleichzeitig wies sie auf Faktoren hin, die die Entwicklung noch ausbremsen. So komme der Ausbau der Ladeinfrastruktur zu langsam voran. "In Berlin stehen wir beim Verhältnis Ladesäule je E-Auto momentan noch gut da. Aber auch bei uns gilt, dass es zu wenig Ladesäulen gibt, wenn die Zahl der E-Autos weiter sprunghaft zunimmt. Da dürfen wir uns nichts vormachen."

Eines der wichtigsten Themen der nahen Zukunft sei es deshalb, die Infrastruktur zu schaffen, die eine deutliche Beschleunigung ermögliche. Inzwischen gebe es in Berlin fast 1.400 öffentliche und für alle zugängliche Ladepunkte. "Berlin ist damit derzeit im Vergleich zu allen anderen deutschen Städten führend." Bis 2022 kämen noch rund 1.000 Laternenladepunkte hinzu.

Günther: Mangel an unterschiedlichen E-Auto-Modellen

Als zweiten Bremsfaktor für die E-Mobilität sieht Günther das zunächst weiter überschaubare Fahrzeugangebot. "Es gibt noch immer zu wenige elektrische Fahrzeugmodelle, die das klassische Segment des Mittelklassewagens mit einer vernünftigen Reichweite bedienen", sagte sie. "E-Autos sind zu oft entweder Kleinwagen oder dann gleich große Limousinen beziehungsweise SUVs."

Wichtig für eine breite Akzeptanz sei zudem, die Batterien leistungsfähiger zu machen, um die Reichweiten zu erhöhen. "Für viele kommt ein E-Auto erst ab einer elektrischen Reichweite zwischen 400 und 500 km in Betracht. Und das ist leider auch in Großstädten kaum anders."

Gleichwohl ist Günthers Rat an Menschen klar, die den Kauf eines Autos planen: "Wenn ein Auto benötigt wird, sollte es ein Elektroauto sein." Benziner oder Dieselautos seien für sie "Relikte aus dem letzten Jahrhundert". "Sie sind schmutzig, laut und klimaschädlich", so die Grünen-Politikerin.

Günther lehnt Hybridautos ab

"Ich rate aber auch vom Kauf der sogenannten Hybridfahrzeuge ab. Die elektrische Reichweite ist vielfach sehr gering, oft nur 20 bis 40 Kilometer - und die restliche Zeit fährt man dann ganz klimaschädlich mit fossiler Verbrennungstechnik." Hinzu komme, dass solche Fahrzeuge im Verbrenner-Modus häufig 12 oder 13 Liter Benzin schluckten. "Insgesamt also eine klimaschädliche Mogelpackung", so Günther.

"Bei den Bussen der BVG ist uns der Einstieg in die Komplettumstellung auf Elektromobilität bereits gelungen", ergänzte sie. "Sie soll 2030 abgeschlossen werden." Zum Jahresende verfügten die Verkehrsbetriebe in Berlin bereits über 137 Elektrobusse, davon 17 E-Gelenkbusse. Weitere 90 kämen bis Ende 2022 hinzu. Im neuen Verkehrsvertrag seien der Ausbau der Ladeinfrastruktur auf den Betriebshöfen vereinbart und weitere 140 E-Busse finanziert.

Sendung: Inforadio, 03.01.2021, 11:00 Uhr

73 Kommentare

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  1. 73.

    Was mir bei diesen Ladestationen wirklich fehlt, ist die Möglichkeit der (anonymen) Barzahlung. Oder wenigstens die mit einer Art Guthabenkarte. Ich hasse es, wenn Hinz und Kunz in irgendwelchen IT-Abteilungen noch jahrzehntelang nachverfolgen können, wo ich wann war.

  2. 72.

    Was mir bei diesen Ladestationen wirklich fehlt, ist die Möglichkeit der (anonymen) Barzahlung. Oder wenigstens die mit einer Art Guthabenkarte. Ich hasse es, wenn Hinz und Kunz in irgendwelchen IT-Abteilungen noch jahrzehntelang nachverfolgen können, wo ich wann war.

  3. 71.

    Bin auf der Autobahn gefahren-im Ökomodus ( gesittet ) Fast 4 L- kein bissel mehr. Ich schaffe aber auch 5 L. Vermeide ich aber so es nur geht. Importwagen gab es schon vor der Globalisierungspsychose. Es ist doch nicht normal, dass so viele Ausgangsstoffe für Pharmazeutika aus China kommen.

  4. 70.

    Ich verstehe, was sie meinen. Bitte schauen sie sich die Planungen an. Es wird mehr Wald betroffen sein als das, was gerade zu sehen ist. Zumal selbst das Tesla Gelände noch nicht komplett gerodet ist. Gerade einmal die Hälfte. Irgendwie müssen Zulieferer und die geplanten 40.000 Arbeitnehmer pro Tag auch dorthin und zurück. Kann natürlich sein, dass sie lieber in einem Ballungsraum leben wollen als in einem Naherholungsgebiet. Denn das wird es werden. Das anliegende Naturschutzgebiet wird nach und nach an Vielfalt der Flora und Fauna verlieren. Abgesehen von der Austrocknung des löcknitztals, den industrieabgasen aus den Vielen Schloten der Fabrik. Das hat Grünheide wirklich nicht “verdient“.

  5. 69.

    Mit dem Dienstwagen von Frau Günther könnte man vor dem Jobcenter keinen Stich mache, weil Autos wie eine C-Klasse oder eine 3er BMW schnell mehr kosten. Die Kumpels würden auch wegen der geringeren Unterhaltskosten schnell glauben, dass man pleite sei.

    Andere bedienen sich eher auf dem Gebrauchtwagenmarkt - vergl. dazu #33

  6. 68.

    Das müsste im Nahverkehrsplan oder von Frau Günther oder in deren Mobilitätsbericht stehen.

  7. 66.

    Kommen Sie nach Grünheide und schauen sich an, wieviel Wald es hier gibt. Der ist viel größer als das kleine Stück in Freienbrink. Vergleichen den Kiefernwald mit der Natur im Löcknitztal.

  8. 65.

    "Erwähnt hatte ich auch schon, dass knapp die Hälfte der PKW in Berlin auf privatem Grund stehen."
    Wo kann man das eigentlich nachprüfen?

  9. 64.

    Nicht jeder Landesbetrieb hat es so dicke wie die Verbrennerfahrer:
    https://presse.adac.de/meldungen/adac-ev/technik/vw-id3-guenstiger-als-golf-mit-verbrenner.html

  10. 63.

    Sie wissen es genau. Auch wenn der Wald durch den Menschen gepflanzt wurde, kann nach teilweise fast einhundert Jahren kaum noch die Rede von “wertloser“ Monokultur sein. Diese Aussage ist für mich reine Propaganda.

  11. 62.

    Die landeseignen Betriebe kurbeln den E-Markt mächtig an, kostet ja nichts... nur Steuergelder.

  12. 61.

    Wenn Ihre Annahme zur Unterstützung durch Günther richtig wäre, warum weist die dann auf das Thema Ladesäulen hin, wo dass doch die Hausaufgaben sind, die der Senat machen muss. Die Laternenladesäulen sind schon lange vor der Entscheidung von Tesla angekündigt worden wie auch die Position der Grünen zu BEV seit Jahren bekannt ist.

    Genau wie das für Sie neu zu sein scheint, scheint auch Günther von der Absatzententwicklung bei den BEV überrascht. Dabei gibt es das starke Absatzwachstum auch schon länger:
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/244000/umfrage/neuzulassungen-von-elektroautos-in-deutschland/
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/681259/umfrage/absatz-von-elektroautos-in-ausgewaehlten-maerkten-weltweit/

    Dass es sich im Industriegebiet Freienbrink um eine beliebige und für Brandenburg typische artenarme Kiefernmonokultur von geringem ökologischem handelt, ist naturfernen Menschen wie Ihnen nach über einem Jahr Diskussion immer noch nicht bewusst.

  13. 60.

    Sie als überzeugter Amazon-Kunde und Käufer eines asiatischen Neuwagens wollen ernsthaft über Globalisierung sprechen? Wie süß! Das ist fast so glaubwürdig wie der angebliche Verbrauch Ihrer CO2-Schleuder von weniger als 4 l/100 km.

  14. 59.

    ...ach so, und sie meinen, dann gibt es auch keine Giga Produktion, nur weil noch nicht beantragt? Kommt wahrscheinlich zusammen mit der Baugenehmigung für die andere giga Produktion. Warum sollte dann diese weitere Genehmigung verwehrt werden? Gleich nach den Anhörungen wurden die Wasser Verbrauchsmengen im übrigen nach oben Korrigiert. Bei dem Einsatz einer Task Force bestehend aus den Politikern Brandenburgs kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen für Herrn Musk. Warum sollten Berliner Politiker nicht auch unterstützend wirken für die Brandenburger Politik? Für wie dumm halten sie die Menschen? Habe es ihnen ja schon oft vorgeschlagen endlich selbst mal nach Grünheide zu fahren und sich die Vernichtung des Waldes selbst anzusehen die im übrigen gerade erst begonnen hat. Bei den Plänen für Infrastrukturausbau und Wohnprojekte wird nichts mehr übrig bleiben. An dieser Stelle nochmal Grüße an die “Grünen“

  15. 57.

    Ist doch wirklich alles lächerlich; diese Salamitaktik mit grün-demokratischen Anstrich. Die bauen dort auch die Weltmeisterstinkeakkufabrik in diese schutzwürdige Gegend. Sogar Musk spricht von der Notwendigkeit einer Atomstromversorgung. Polen und Frankreich werden die Versorger sein. Mit e-Autos rettet niemand das Klima; macht aber Tesla und die Aktionäre reich. Wer über Klima spricht sollte über die derzeitige Globalisierungspolitik nachdenken und so vieles korrigieren. Machen die aber nicht. Fischer hat uns bewiesen was ein Grüner so alles drauf hat. Man macht aus Berlin auch keinen Molloch. Alles klimafeindlich.

  16. 56.

    Der ADAC ist auch nur ein "Anglerverein". Ich schrieb schon mal, dass ich den i-10 sogar unter gerade 4 L fahren kann. Die TRAM fährt weder zum Kaufland noch zu Hornbach. Als so vieles SELBERMACHER bin ich oft im Baumarkt. Mitunter ist die Ware schwer. Der Bus fährt alle Stunde und jetzt wahrlich kein Vergnügen. Die Hst. ist nicht mal überdacht; auch keine Bank o.ä. Könnte mir ja auch einen VOLVO-SUV kaufen-will ich aber nicht. Der Autoverkäufer hat mir die Hyundaifabrik nun mal nicht beschrieben. In so kurzer Zeit 2 U-Bahnprobleme ist doch nicht normal. TESLAS brennen besonders intensiv-warten wir mal ab. Schon wieder wurden in B. Autos angesteckt. Was wollen sie mir eigentlich vorwerfen ? Aus Polen kommt soviel Kraftwerksdreck bis weit hinter Berlin. Lesen sie die MOZ ! Teslas brauchen auch polnischen Kohlestrom.

  17. 55.

    Sie wissen aber schon, dass man die Windkraft in einen um ein vielfaches größerem Umfang benötigt, wenn man grünen Wasserstoff und daraus dann synthetische Kraftstoffe herstellen will? Verbrenner mit Wasserstoff haben sich bei der BVG / MAN und bei BMW eh als Irrweg erwiesen.

  18. 54.

    Dass Sie Grünheide bestenfalls vom Hörensagen kennen, haben Sie gerade erneut bewiesen. Das Industriegebiet Freienbrink liegt in Brandenburg, Frau Günther ist aber Senatierende in Berlin und damit nicht zuständig. Besondere Werbung für die aktuell in Bau befindliche Fabrik sind ihre Aussage auch nicht, da a) bekanntlich dort zunächst nur das Model Y gebaut werden soll und b) sie auf ihrer Aufgaben bei der Ladeinfraktur hinweist.

    Wenn Sie sich zudem etwas mehr als nur mit den Überschriften befasst hätten, wüssten Sie, dass eine Zellproduktion zwar angekündigt, derzeit aber nichtmals beantragt worden ist. Eine Rechtfertigung zur Erteilung der beantragten Genehmigung kann es dafür deshalb noch gar nicht geben, auch nicht aus anderen Bundesländern.

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