Interview | Verband Pro Agro - "Ein bisschen schwierig wird es bei den Discountern"

Tomaten stehen in den Hallen der Werder Frucht GmbH in Groß Kreutz (Brandenburg) zur Auslieferung bereit. (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Audio: Inforadio | 14.01.2021 | Stefan Oszváth im Gespräch mit Kai Rückewold | Bild: dpa/Bernd Settnik

Immer mehr Menschen legen Wert auf Regionalität ihrer Lebensmittel - das spiegelt sich auch im Angebot der Supermärkte wider. Für die regionalen Erzeuger ist das erstmal gut - aber da ist noch Luft nach oben, sagt Kai Rückewold vom Brandenburger Verband Pro Agro.

rbb: Für gutes Essen sind die Menschen auch bereit, mehr zu zahlen. So steht es im Ernährungsreport der Bundesregierung, über den am Donnerstag beraten wurde. Was merken Sie davon?

Kai Rückewold: Wenn man über Regionalität spricht, muss man erstmal die Grundlagen klären. Reden wir über einen Radius, reden wir über die Rohstoffe? Reden wir über einen Standort? Das ist immer alles sehr offen und sehr groß gehalten.

Das sieht man auch in den Discountern, da sind ja auch mittlerweile regionale Produkte zu finden. Haben denn die Hersteller was davon?

Grundsätzlich muss man erst einmal sagen, dass die Lebensmittelvollsortimenter Edeka und Rewe schon seit Längerem mit dem Thema Regionalität arbeiten, dort auch relativ offen oder auch sehr gut auf unsere regionalen Erzeuger zugehen und diese dort auch mit ins Sortiment reinnehmen. Ein bisschen schwierig wird es bei den Discountern, die natürlich auch bei regionalen Produkten immer über den Preis werben, was wir natürlich nicht wollen. Wir wollen die Geschichten, wir wollen die Gesichter, wir wollen die Qualität und wir wollen die Themen hinter den Produkten haben. Das machen die Lebensmittelvollsortimenter besser als die Discounter. Aber wenn nachher auch da der Preis stimmt, unsere Erzeuger damit leben können und davon leben können, ist es natürlich auch ein Thema.

Wenn die Nachfrage nach Regionalem steigt, kommen die Hersteller denn mit dem Produzieren hinterher? Reicht das Angebot aus Brandenburg?

Grundsätzlich reicht das Angebot aus Brandenburg nicht, um Berlin und Brandenburg mit den Produkten zu versorgen. Aber wir haben ja auch Potenziale: Wenn die Unternehmen wissen, was sie wann für wen produzieren können und sollen, welchen Preis sie nachher auch kriegen… das sind ja oftmals auch die Themen. Sie können ja nicht mit einem Jahr Vorlauf planen und produzieren und dann – schauen wir mal, was kriegen wir denn für einen Preis? Das sind Themen, die muss man auch im Handel oder in der Partnerschaft mal besprechen beziehungsweise auf den Weg bringen, um da auch mehr Regionalität in den Handel zu bekommen.

Ihr Verband vermarktet und vernetzt ja nicht nur Bauern in Sachen Essen, sondern auch in Sachen Landtourismus. Das sieht ja im Moment wahrscheinlich eher mau aus wegen Corona. Was erwarten Sie in dieser Saison?

Wir hoffen, dass ab Frühjahr oder im frühen Sommer auch das Tourismusgeschäft wieder angeht. Was wir feststellen konnten ist, dass viele unserer Betriebe sicherlich sehr hart getroffen sind: Gerade die Unternehmen, die Pferdehöfe haben, die Pferde zu versorgen haben. Aber viele schauen auch positiv nach vorn. Und da hoffen wir natürlich, dass die Politik unsere Betriebe weiterhin unterstützt, im Großen wie im Kleinen. Im Endeffekt heißt es da auch: Durchhalten und schauen, was man machen kann.

Wie stellen Sie sich die Unterstützung vor?

Die Politik muss einfache Regelungen finden, um die Betriebe durch die Krise zu bekommen, aber sich auch darüber Gedanken machen: Was passiert, wenn alles wieder halbwegs normal läuft. Wie kann man da den Tourismus unterstützen?

Das macht man normalerweise mit Messen, aber die fehlen ja jetzt…

Genau, aber man kann auch mit Handelspartnern kooperieren, Reisebroschüren auslegen, man kann viel Marketing über Radio und Internet machen, dass man dort den Tourismus in Brandenburg findet und positiv nach vorn stellt. Das wäre eine erste Unterstützung für unsere Betriebe: Eine Perspektive aufzustellen, dass es dann auch weitergeht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Stefan Oszváth, Inforadio.

Der Text ist eine redigierte Form des Gesprächs. Das komplette Interview können Sie hören, wenn Sie auf das Audiosymbol im Titelbild des Beitrags klicken.

7 Kommentare

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  1. 7.

    Ja, vor sich hin nölen. Es gibt eh nicht genügend Bioware, Ihre Haltung nützt also eher denen, die es zu schätzen wissen. Dann ist für die mehr da. Ich esse seit fast 40 Jahren mit einem Anteil von 90% Bioprodukte. 10 Jahre davon hatte ich ein geringes Einkommen, unter dem Sozialhilfesatz(wie Hartz) und habe dann eben kaum Fleisch oder Convenience gegessen, gab es eh kaum in Bioqualität. Und regionales Obst und Gemüse ist auf den Märkten im Angebot, zwar nicht zeritfiziert, aber trotzdem gut. Allein die Gemüse- und Obstsorten aus Polen, der Fisch und und und... Ja und der Etikettenschwindel, ist wie mit den Hütchenspielern, man muss nicht mitspielen. "veggi" "sogar bei Honig": veggi heißt nicht vegan, sondern auch vegetarisch und Honig ist vegetarisch, Die Bienen werden nicht mitgegessen, Herr Mythenmetz!

  2. 6.

    Neulich bei Lidl: Gehacktes für 2,70€ durchgestrichen und dann 3,20€ "für unsere Bauern". Es gab also das Preiswertere gar nicht mehr. Was kein guter Weg sein kann, wenn andere nicht mitmachen. Die Bauern müssen in der Lieferkette für bessere Preise kämpfen, was sehr sehr schwer ist, wenn man nicht in einer Liefergemeinschaft organisiert ist, die ein Verhandeln auf Augenhöhe (nicht) möglich macht. Was kann Pro Agro da machen/unterstützen wenn man nicht mit am Tisch sitzt?
    Inflationäre Produktbezeichnungen wie "Bio" oder "veggi" (sogar bei Honig!, den es gar nicht vegan geben kann) und wenn es ganz schlecht läuft, sogar kombiniert mit engl. Marketing-Buzz-Worten ohne Inhalt, die nur ein Gefühl anregen sollen, laufen Gefahr, das Gegenteil zu erreichen: man wendet sich mit "Bluthochdruck" ab und greift erst recht nicht zu.

  3. 5.

    Ich achte auf Ernährung, aber mein Portmonee entscheidet mit was auf den Teller kommt : BASTA
    Mein Tipp: Saisonal einkaufen ist das Beste.

  4. 4.

    Icke mach um bio oooch nen großen Bogen. Regionale Produkte der Saison entsprechend reichen vollkommen. Allerdings fällt es wirklich schwer beim Discounter solche zu finden. Das Gefälle des Angebotes ist schon groß. Wenn man bedenkt was für Südfrüchte es bei Kaufland gibt. Oder frische Himbeeren, Brombeeren......Muß dit sein?

  5. 3.

    #1 und 2
    Wenn Sie Verbandsware kaufen bekommen Sie durchaus "geschützte" Qualität die oft sogar bei Äpfeln, Kartoffeln und Möhren günstiger ist als normale Supermarkt- Ware. Lidl bietet zu günstigen Preisen zertifizierte Bioland Produkte an. Da kann man sich selbst bei Hartz IV einen Teil der Ernährung in "Bio" leisten.
    Ansonsten zahlen Sie halt über die Steuern quasi genau so viel wie im Bioladen denn die Schäden (nicht nur Wasser) die die industrielle Landwirtschaft verursacht zahlt eben die Allgemeinheit. Da gebe ich persönlich lieber ein klein wenig mehr aus als üblich, schone die Umwelt und der Landwirt kann von seinen Produkten auch vernünftig leben.

  6. 2.

    Warum Bio? Ist kein geschützter Begriff. Ich will bezahlbare Ware und die such ich mir in den laden, der das anbietet. Bei Bio such ich das Weite.

  7. 1.

    Kauf bei Bananen die preiswerten, muß nicht Bio darauf stehn, bei Kiwi und co auch nicht und verdammt der Bauer um die Ecke baut keine an. Meinen Lohn verdiene ich leider hier in Berlin, nicht in Luxemburg oder so und somit teures Gemüse aus der Umgebung???

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