Auf einem der Traktoren vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium steht ein Banner mit der Aufschrift "No Farmers, No Food, No Future!". Die Landwirte demonstrieren für höhere Preise für Agrarprodukte und weniger Regulierung. (Quelle: dpa/F. Sommer)
Video: rbb|24 | 26.01.2021 | Material: NonstopNews, ARD aktuell | Bild: dpa/F. Sommer

Bauern gegen Preisverfall - Protest-Korso mit rund 100 Traktoren fährt durch Berlin

Es war ein Auftakt für eine ganze Protestwoche: Landwirte aus ganz Deutschland sind am Dienstag mit ihren Traktoren durch Berlin gefahren. Ihr Protest richtet sich gegen sinkende Preise in Discountern und gegen zu schleppende Auszahlungen von Corona-Hilfen.

Bauern fordern seit Dienstag mit Kundgebungen in Berlin politische Kursänderungen und sichere Einkommen für ihren Berufsstand. Die Protest-Aktionen sollen noch bis kommenden Sonntag fortgesetzt werden.

Mit rund 100 Traktoren zogen Demonstranten am Dienstagvormittag vor mehrere Bundesministerien. Die Landwirte verlangen Regelungen für kostendeckende Preise für ihre Erzeugnisse und mehr heimische Nahrungsmittel im Handel. Strengere Vorgaben, wie etwa beim Düngen, sollen ausgesetzt werden, Corona- und Schweinepest-Hilfen sofort fließen. Weitere Demonstrationen in Berlin sind bis Sonntag angekündigt.

Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt

Viele politische Entscheidungen bedeuteten eine bewusste Zerstörung der Betriebe, hieß es in einem Papier, das die Initiative "Land schafft Verbindung" verbreitete. "Wir sind gleichermaßen von der Corona-Krise/Preisdumping betroffen und sind durch politisch ausgelöste Marktverwerfungen in Folge immer höherer Standards nicht in der Lage, kostendeckend diese Lebensmittel zu erzeugen."

In den vergangenen Wochen hatten Bauern immer wieder Zentrallager großer Lebensmittelhändler blockiert. Damit protestierten sie gegen die Preispolitik der Supermärkte und Discounter.

In Berlin muss in den kommenden Tagen wegen der Bauernproteste immer wieder mit Verkehrsbehinderungen gerechnet werden. Vor allem der Bereich Alexanderplatz mit der Karl-Liebknecht-Straße, der Alexanderstraße und der Karl-Marx-Allee ist von Einschränkungen und Sperrungen betroffen. Zusätzlich sind Kundgebungen im Bereich Stresemannstraße sowie in der Wilhelmstraße vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium geplant.

"Wir haben es satt" demonstrierten vor zwei Wochen

Bereits am Samstag vor zwei Wochen hatten Landwirte sowie Klima-, Umwelt- und Tierschützer für eine grundlegende Wende in der Agrar- und Ernährungspolitik demonstriert.

Das Bündnis "Wir haben es satt" forderte vor dem Kanzleramt symbolisch mit rund zehntausend Fußabdrücken auf Papier eine bäuerliche, ökologische und klimafreundliche Landwirtschaft. Im sogenannten Superwahljahr 2021 mit Bundestagswahl und sechs Landtagswahlen müssten die Weichen dafür gestellt werden.

Auch eine Demonstration mit nach Veranstalterangaben rund 30 Traktoren, die hupend durch das Berliner Regierungsviertel fuhren, gehörte zu dem Protest.

Sendung: Inforadio, 26.01.2021, 10:00 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Bin vorhin an so'nem Graffiti vorbeigelaufen. Finde der Spruch passt hier:
    Wer Fehler sucht soll zuerst den Spiegel und dann erst das Fernglas nutzen.

  2. 16.

    Die ganzen Auflagen welche von weltfernen **** erdacht werden, werden die Landwirtschaft in Deutschland kaputt machen. Kommt dann auch schon alles von sonst wo. Da werden dann ganz - doch wirklich - da wird dann ganz bestimmt die hohen Standards der Deutschen im Ausland eingehalten. Ein grossteils unserer Lebensmittel kommt schon jetzt aus den Ausland. Bio ist auch keine alternative, da Ertrag zu gering und der Einsatz der Pestizide verschwiegen wird. Aber zum Glück nicht in hier. Oder doch?

  3. 15.

    Einen Freifahrtsschein für Jenes, was sich in den Jahrzehnten der Nachkriegszeit angesichts von Wegschauen und bloßem Ärmelaufkrempeln recht fragwürdig etabliert hat, werden die Bauern nicht bekommen. Die Kundschaft scheint gespalten zwischen der einen Hälfte, denen es nicht billig genug sein kann, die per Schnäppchenjagd faktisch einem auskömmlichen landwirtschaftlichen Leben den Boden entziehen und jener anderen Hälfte, die zumindest eine Ahnung von Wertschätzung hat.

    Der Anteil der Kosten für Lebensmittel ist in den Nachkriegsjahrzehnten rapide gesunken - bis ins Bodenlose hinein. Was sich Menschen per Hand in den Mund stecken, das hat größere und vor allem direktere Auswirkungen auf das persönliche Wohlbefinden als die Tatsache, welche Art von Computerspiel ins Zimmer geholt wird, ob der fahrbare Untersatz nun 60, 100 oder 150 PS hat.

  4. 14.

    Erkenne den Widerspruch. Forderung nach Lockerung der „strengen“Düngevorgaben und Forderung nach „ökologischer und klimafreundlcher“ Agrarpolitik. Ihr solltet euch erstmal klar werden, wofür ihr nun seid liebe Landwirte. Und bitte. Lasst dies Fahrzeuge daheim... Demo mit Arbeitsgerät finde ich schon bei Taxifahrern echt unnötig.

  5. 13.

    Warum betteln die konventionellen Bauern bei den Grünen (Hofreiter)? Die können schön zu ihrer Lobby gehen und dort betteln. Frau Klöckner und ihren Vorgängern.

  6. 12.

    Ein sehr ähnliches Szenario findet gerade in Polen statt.
    Dort streicht der Staat nun die Subventionen für die Bauern. Es gab diverse Demonstrationen in Warschau und anderswo. ...
    Ich denke, es wird nichts ändern an der schlechten Gesamtsituation für Bauern.

    Es gibt nur die Möglichkeit, dass die Bauern eigene Handelsketten eröffnen und die Preise selbst bestimmen.
    Ihr müsst raus aus der Abhängigkeit von den Discountern.
    Aber; 2 Millionen Schweine jährlich nach China schippern, wird nicht mehr gehen...

  7. 11.

    Kritik unerwünscht,merk ich grade,hier geht es nicht um Spaß sondern um das überleben von Agrarunternehmen die Investitionen getätigt haben um Deutschland ernähren und sogar exportieren zu können und diese Leute müssen jetzt mit Traktoren zum Betteln nach Berlin fahren .Eigentlich würden sie am Morgen ihr Vieh füttern,aber müssen betteln in einer Stadt wo Grüne im Parlament(Hofreiter)im Parlament ganz ruhig schlafen Das Maß,glaub ich voll . Wird wahrscheinlich auch nicht gedruckt;aber lesen SIE es wenigstens und überleb bitte.Danke,wir sind fast am Ende ,trotz gleichbleibend harter Arbeit !

  8. 10.

    Ich bin noch nicht alt, aber Fleisch gab es in meiner Kindheit fast ausschließlich Sonntags,
    Milch wurde mit der Kanne vom Bauern geholt und es gab saisonale und regionale Produkte auf unserem Tisch. Alle gehen darüber weg, wenn es um Tierquälerei geht, Hauptsache billig, keiner ist bereit mehr Geld auszugeben (für die Bauern, für mehr Tierwohl). Jeder kann seinen Beitrag leisten, damit es unseren Bauern und auch den Tieren besser geht.

  9. 9.

    Ich dachte die Preise sind gestiegen. Für HartzIVer ist doch deswegen eine Regelsatzerhöhung gefordert worden,

  10. 8.

    Der Bauer vergiftet seine eigenen Äcker weil man damit kurzfristig den Ertrag steigern kann und die Konkurrenz das tut. Wenn man das nicht macht ist man also nicht wettbewerbsfähig und macht pleite. Dass dann in naher Zukunft nur noch deutlich geringere Erträge möglich sind, weil die Ökosysteme kaputt sind ist Aldi und Co ja egal, da hat der Bauer der heute schon Geld verdienen muss keine große Wahl.

  11. 7.

    Blöd ist, wenn man als Verbraucher "unschönere" Ware kaufen würde , wenn sie denn regional und nur minimalst vergiftet ist-aber das alles nur erfunden ist. Vielleicht sollten sich alle für stärkere Kontrollen und genauere Kennzeichnung mit dem Recht zu klagen einsetzen. Und mal die Gewinne der Discounter zu Coronazeiten veröffentlichen. Da ist Luft nach unten.

  12. 6.

    Bei kostendeckenden Preisen für die Bauern, die natürlich gerechtfertigt sind. da dafür gearbeitet wird und der Bauer auch ein Recht zu Leber hat, muessen natürlich auch die Grundloehne anderer Arbeitnehmer und Sozialleistungsempfaenger, nebst Rentnern steigen. Sonst können diese sich diese Waren gar micht mehr leisten und sie landen auf dem Müll, was dann wieder den Preis eventuell drückt.

  13. 5.

    Ihr Wissen über die Landwirtschaft scheint sehr begrenzt zu sein! Warum soll der Bauer bitten sein Acker vergiften zu dürfen. So ein Blödsinn! Sie unterstellen den Bauern pauschal, dass sie ihren Acker vergiften. Warum sollten sie das tun? Im Biobereich sind auch Pflanzenschutzmittel zugelassen. Was meinen Sie womit das Obst und Gemüse außerhalb von Deutschland bzw der EU behandelt wird. Ich glaube das möchten Sie auch nicht wissen. Hauptsache es sieht schön aus und ist vor allem billig.

  14. 4.

    Welch provokante Frage! Die Konkurrenz mit Saatgut und darauf abgestimmtem Pestizid gegen einen "gemäßigt ökologisch nachhaltigen" Landwirtschaftsplan, der unter der Freßsucht der Gesellschaft ächzt und an der eigenen Gülle erstickt:
    "Not macht erfinderisch."

    Offensichtlich ist die Not noch nicht groß genug, um wirkliche Umbrüche zu starten. Produktionssteigerungen gut und schön, aber irgendjemand muß "den Mist" ja auch essen. Derzeit wird ein recht beträchtlicher Teil unserer Nahrungsmittel "entsorgt". Das kann daher logischerweise nicht die Lösung sein.

    Angebotsverkürzung? Na, zumindest so weit, daß die Lebensmittelentsorgung nur noch ein erträgliches Maß an Peinlichkeit erzeugt.

  15. 3.

    Zu kurz gedacht. Der Preisverfall resultiert zu einem beträchtliche Maße daraus, dass unsere Bauern auch für den Weltmarkt produzieren. Und da ist es nun mal so, dass Preise fallen (Schwein, Milch) oder steigen (Weizen, Raps). Angebot und Nachfrage uns so. Das wollten aber auch "die" Bauern so.

    Regelmäßig kommen dann noch Infektionskrankenheiten dazu; wie aktuell die Schweinpest.

  16. 2.

    Sie überschätzen zwar die Erstklässler, aber ansonsten haben Sie recht.
    Ich frag mich, wie groß die Not eines Bauern sein muss, dass er aktiv drum bittet, seinen Acker vergiften zu dürfen.

  17. 1.

    Einem Preisverfall kann man nur wirksam entgegenwirken, wenn man den Ärmsten der Gesellschaft die relative Kaufkraft zumindest erhält, was zum gleichen Ergebnis in der Mittelschicht führt. Alles andere führt nur zu weiteren die Gesamtsituation verschärfende Verschiebungen der Reichtumsverteilung. Das Prinzip ist seit 170 Jahren bekannt und niedergeschrieben. Wenn "das Kapital" sein Verantwortungsbewußtsein für und das Vertrauen in die Gesellschaft verliert, reißt es alles andere mit in den Abgrund. Wenn über längere Zeit die Feinjustierung der Politik "nicht optimal" funktioniert, schreitet man dem Abgrund Schritt für Schritt näher.

    Wenn "Milch und Butter" trotz Inflation "gleich teuer" bleiben, kann der "Preisverfall" von jedem Erstklässler berechnet werden. Die Frage ist, wie lange man diese Entwicklung unterstützen will.

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