Ein ICE fährt über die Goerzbahn in Berlin Lichterfelde (Bild: DB/Volker Emersleben)
Bild: DB/Volker Emersleben

Enge Trasse im Südwesten Berlins - Bahn schickt ICE zum Testen über die alte Berliner Goerzbahn

Eine nicht mehr genutzte Bahstrecke mit hundertjähriger Geschichte kommt - vielleicht - zu neuen Ehren. Die Deutsche Bahn hat entdeckt, dass die Straßen- und Schrankenhindernisse auf einem Lichterfelder Bahnabschnitt bestens zum Üben geeignet sind.

Die Bahn prüft derzeit ICE-Züge auf einer bislang kaum noch genutzten Eisenbahnstrecke in Berlin-Lichterfelde (Steglitz-Zehlendorf). Nach einer Mitteilung des Unternehmens soll mit den Fahrten erprobt werden, ob sich der Abschnitt der sogenannten Goerzbahn dauerhaft für Erprobungen neuer Entwicklungen im Eisenbahnbetrieb eignet.

Dafür habe unter anderem am Freitag ein Versuchszug der Deutschen Bahn, das hausintern so genannten "Advanced TrainLab", Testfahrten auf der Strecke absolviert. Der Zug fuhr demnach auf dem kurzen Streckenabschnitt zwischen dem Bahnhof Lichterfelde West und dem Bahnhof Schönow.

Die Besonderheit der kurzen Strecke - 40 Bahnübergänge

Die 2,5 Kilometer lange Strecke bietet laut Bahn sehr gute Voraussetzungen, um verschiedene Systeme zur Objekt- und Hinderniserkennung sowie zur Umfelderkennung zu erproben. Mit diesen Technologien solle der Bahnbetrieb noch zuverlässiger und sicherer werden. Eine Besonderheit der Strecke sei die große Zahl an Bahnübergängen: Es gibt rund 40 Stellen, an denen Autoverkehr die Schienen queren kann. Auch der Abstand zum Verkehr auf dem direkt daneben verlaufenden Dahlemer Weg sei so gering wie fast nirgends in Deutschland. Verliefen die Tests erfolgreich, könnte dieser Erprobungszug immer wieder auf der Goerzbahn unterwegs sein, hieß es.

Die Strecke ist mehr als 100 Jahre alt. Sie beginnt am Bahnhof Lichterfelde-West und führt parallel zum Dahlemer Weg bis zum Bahnhof Schönow. Bis zum Jahr 2018 gab es dort regelmäßigen Güterverkehr. Seitdem fuhr auf der Goerzbahn kein Zug mehr.

Das "Advanced TrainLab" ist ein dieselgetriebener "ICE TD" der Baureihe 605. Der Zug sei ein "rollendes Labor für neue Zug-Technologien", teilte die Bahn mit. Das Unternehmen nutzt ihn in Kooperation mit Industriepartnern, um technische Eisenbahnsysteme zu verbessern.

Sendung: rbb 88,8, 12. 2. 2021, 12 Uhr

29 Kommentare

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  1. 29.

    Na ja, das ist eben die interessante Frage: wieviele Lenkungsmöglichkeiten hat eine demokratische, sozial-marktwirtschaftlich geprägte Gesellschaft hinsichtlich der gefertigten Produkte? Natürlich kann Deutschland kaum bestimmen, was anderswo entwickelt wird. Aber wir können beeinflussen, welche Forschungen hier staatlich gefördert werden - und welche nicht. Und natürlich können wir z.B. bei öffentlichen Verkehrsmitteln durchaus festlegen, ob die ohne menschliche* Fahrer* betrieben werden sollen. Auch in anderen Bereichen sollten wir uns von Anforderungen "der Globalisierung" nicht mehr das komplette Leben diktieren lassen: Es ist kein Naturgesetz, dass Produktionsarbeit dort geleistet wird, wo die Leute am wenigsten dafür kriegen: das ist einfach nur der Wunsch einer geldgierigen Elite. Das muss man nicht hinnehmen. Ein großer Schritt ist hier das Lieferkettengesetz. -- Arbeitszeit: gern 25 h/W. Aber nicht null! Wäre öde - und zwingend unfair.

  2. 28.

    Wie schon jemand anders bemerkte, entspannen wäre schön... :-))) Haben wir als Kinder vor gut vierzig Jahren bei der Straßenbahn gemacht - was ja nicht hieß, dass dort "spielende Kinder auf dem Gleis" gewesen wären. Bei freier Fahrbahn ist man eben zur Schiene gegangen, hat seinen Pfennig hingelegt, zurück und nachher die plattgefahrene Münze wieder abgeholt... :-)

  3. 27.

    Guter Mann, das ist 65 Jahre her, da sah die Welt noch ein wenig anders aus - da haben die Lokführer, die da mit Schrittgeschwindigkeit langfuhren, uns manchmal sogar ein paar Bonbons zugeworfen, und auf dem Dahlemer Weg fuhr ungefähr alle 10 bis 20 Minuten ein Auto. Immerhin, aus einigen Ruinen waren schon wieder Häuser geworden. Entspannen Sie sich!

  4. 26.

    Ein netter Blick nach hinten, ja. Aber nun schauen wir mal nach vorn bzw links u rechts. Und da scheint mir das bereits benannte Motto "Looft schon" eben nicht mehr passend. Klar hat in der Vergangenheit die industrielle Revolution und das auch damit verbundene Bevölkerungswachstum viele traditionelle Jobs abgelöst und neue geschaffen. Auch die digitale Revolution hat sich durchaus nicht nur negativ auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Irgendwann aber sind eben Grenzen erreicht. So, wie die Rohstoffe, mit denen die jeweiligen Revolutionen befeuert und materialisiert wurde, nun zur Neige gehen, nähern wir uns auch Grenzen hinsichtlich beruflicher Tätigkeiten. Und in beiden Bereichen müssen wir für die Zukunft den Kopf einschalten, um Nachhaltigkeit zu erzielen. Denn viele haben inzwischen keine oder unbefriedigende Jobs mit wenig Lohn. Eine gute Versorgungslage haben wir vor allem noch, weil Menschen, Natur u Tiere hier, vor allem aber in "Billiglohnländern" hemmungslos ausgebeutet werden.

  5. 25.

    Zum Glück gibt es noch Menschen die den technischen Fortschritt vorantreiben, auch mal unkonventionelle Wege gehen und sich hoffentlich nicht von Leuten beirren lassen, die den eigen Beitrag 4 mal posten, blaue Planen bevorzugen oder anmerken, dass der Diesel wohl ja nicht fortschrittlich ist (um den Antrieb geht es bei dieser Innovation auch nicht). Experimentieren und auch mal in eine Sackgasse laufen, weil es (noch) keinen Sinn macht, kann zu Erkenntnisgewinn führen und vielleicht auch erst in Jahren zu Verbesserung oder Erfolg führen. Und bitte nicht nur auf die Ingenieure schimpfen: wie unsere Gesundheitssenatorin ja erst kürzlich bewies, ist der nichttechnische Einfluss gerade bei Großprojekten nicht zu unterschätzen - das Management ist gerade bei Politiker-Mitwirkung einfach nur unterste Kategorie und offenbart eklatante Defizite!

  6. 24.

    Ich wohne dort gleich um die Ecke und habe mich schon als KInd immer über die vorbeifahrenden Züge gefreut. Es ist schon trairig, dass die Strecke seit 2018 nicht mehr genutzt wird, daher hatte ich immer gehofft, dass die Hobby- Eisenbahner an der Goerzallee die Gleise für Museumsfahrten nutzen können. Vielleicht ist die Nutzung durch die Deutsche Bahn ja ein Anfang die Strecke als aktive Bahn zu erhalten. Es würde mich jedenfalls freuen wenn auch in vielen Jahren dort noch regelmäßig die Schranke runtergeht und eine Dampflok oder ein ICE vorbeituckert!

  7. 23.

    Das Problem ist aber nicht der technische Fortschritt, sondern wie geht die Gesellschaft damit um. Den Fortschritt in einer Globalisierung Wirtschaft wird man kaum lenken können. Aber was macht man mit der Dividende? Solange Automaten und Roboter keine Lohnsteuer und Sozialabgaben zahlen, wird es für viele Menschen schlechter und nur für einige besser. Arbeitszeitverkürzungen wäre der Weg, um mehr Menschen in Beschäftigung zu halten. Da ist die Gesellschaft und Politik gefordert auch neue Perspektiven zu öffnen.

  8. 22.

    Schade, das haben wir verpasst. Wird das jetzt öfter gemacht?

  9. 21.

    Es gibt unzählige Berufe, die irgendwann obsolet geworden sind. Müller und Schmidt sind die häufigsten Nachnamen. Wie viele arbeitslose Schmiede und Müller gibt es aber?

    Unzählige Berufsbilder sind überflüssig geworden, dafür sind andere neu entstanden. Wann ist Ihnen zuletzt ein Abtrittsanbieter oder Rietzenschieber begegnet? Früher sind die Stadtbild alltäglich gewesen.

  10. 20.

    Genau Herr Haase, dieser Supertipp führt zu den sogenannten "Störungen im Bertriebsablauf" und ist zudem - ohne es böse gemeint zu haben - ein Eingriff in den Bahnverkehr. Spielende Kinder, auch nur am Rande einer Fahrbahn (Gleis) wird dem nächsten zuständigen Fahrdienstleiter gemeldet und hat enorme Auswirkungen auf den nachfolgenden Verkehr. (Kennen Sie vielleicht die Ansage "Personen im Gleis"?) Also Bitte von Gleisen einen respektvollen Abstand halten. Nicht alles muss immer eingezäunt werden.

  11. 19.

    Oder anders gesagt, wenn man kein Geld für ordentliche Testsoftware hat, dann einfach alte Strecken wiederbeleben ubd Gegebenheiten die nur dort auftreteten testen. Es ist ja nicht so als könnte man z. B. Testsoftware im echten Tagesgeschäft parallel mitlaufen lassen und anlernen, nervt man lieber Anwohner die hofften der Schienenverehr sei dort Geschichte. 40Übergange an denen echte Menschen für Testzwecke warten müssen? Ist ja wie bei der aktuellen Impflage xD

  12. 18.

    Als Auto- oder Radfahrer würde ich beim Anblick dieses Zuges wahrscheinlich anhalten, aussteigen (absteigen) und einen Passanten bitten, mich kräftig zu kneifen - ein ICE auf diesen Gleisen?! Aber es werden Kindheitserinnerungen wach: vor ungefähr 65 Jahren zog es uns oft zu den Gleisen, damals fuhren dort viele Industriebahnen. Hatten wir einen Pfennig übrig (was nicht oft geschah), dann wurde er auf die Schiene gelegt und wir warteten auf den nächsten Zug, der uns das Glück einer plattgewalzten Münze bescherte - denn die hatte einen hohen Tauschwert. Ob das heute auch noch gemacht wird?

  13. 17.

    Ich persönlich arbeite in der Aufbereitung technischer Informationen und habe ergo keine Probleme mit technischem Fortschritt - wenn er sinnvoll ist. Ich bin jedoch klug genug, nicht alles als Fortschritt zu bejubeln, was gerade irgendeinem zufälligen oder aus Profitsucht initiierten Trend entspricht. Es war schon immer so, dass diejenigen, die solchem allzu blauäugig folgen, auf der Strecke bleiben. - Was ist Ihr Beruf? Können Sie sicher sein, nicht mal einem Trend zum Opfer zu fallen? Letztlich: Hochmut kommt vor dem Fall. (Hab ich jedenfalls mal in einem Buch gelesen.)

  14. 16.

    Sie werden den technischen Fortschritt nicht aufhalten. Gesellschaften entwickeln sich auch weiter und es war schon immer so, dass diejenigen, die nicht bereit wären, sich auch weiter zu entwickeln, bleibt auf der Strecke. Auch wenn Letzteres bedauerlich ist, ändern wird man es kaum. Letztlich: Augen auf bei der Berufswahl.

  15. 15.

    Danke für den Bericht. Die Goerzbahn steht aber auch dafür, dass Verkehr mal wieder nicht auf der Schiene bleibt, und das trotz ständig steigender Verkehrsdichte v.a. auf den Straßen. Bis 2018 lief hier ja noch Güterverkehr. Dass der abgewickelt wurde mit wahrscheinlich guter kaufmännischer Begründung, hilft bei der Verkehrswende nun gar nicht. Hoffentlich wird die Strecke als Pseudo-Versuchsstrecke wenigstens erhalten bleiben(was ich nicht wirklich glaube)!

  16. 14.

    "Berufsbilder verändern sich" klingt toll nach Zukunft. Aber wohin sollen sich viele hunderttausende Bus-, LKW-, Taxifahrer*, Lokführer*, Binnenschiffer*... denn verändern? Sollen sie bei DSDS eine neue Karriere beginnen? Aus dem Callcenter Fahrgästen Tickets verkaufen? Oder vielleicht alle Website-Gestalter werden? Klar sind selbst tiefgreifende Veränderungen generell möglich und oft auch sinnvoll. Aber hier kann ich keinen Sinn erkennen! Und die primitive "Looft schon"-Attitude, mit der schon seit Jahrzehnten ganze Branchen entweder nach Fernost verlagert oder komplett abgebaut werden, kommt irgendwann zwangsweise an ihre Grenzen, wenn "Wirtschaftspolitik" weiterhin nur durch Profitmaximierung und SciFi-Fantastereien bestimmt wird. Für "ständig zunehmende Verkehrsdichte" sehe ich übrigens keine Anzeichen. Für steigenden Mangel an erfüllender Arbeit dafür umso mehr!

  17. 13.

    ...neu für mich das Diesel schluckende Expresszüge ne neue zugtechnologie ist...

  18. 12.

    Na das ist doch mal ein ungewohnter Anblick: Ein ICE als fast wie Straßenbahn... ;-)

  19. 11.

    Weil es eben auch viele schlechte Fahrer gibt und die Verkehrsdichte stetig zunimmt. Maschinen drängeln nicht, missachten nicht die Vorfahrt und können einfach effizienter fahren. Berufsbilder verändern sich.

  20. 10.

    Augenfällig auch bei der neuen S-Bahn, BER, der "Kanzler-Bahn", dem Kulturforum, an diversen Schleusen in und um Berlin u.v.m.
    Ja, die deutsche "starke Ingenieursleistung" ist international beachtet.

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