Kritik an Geflügelschlachtbetrieb - Tierschützer beklagen unnötig lange Wege der Wiesenhof-Transporte

Ein Blick auf das Gelände des Wiesenhof-Hähnchenschlachthofs. (Quelle: dpa/Mohssen Assanimoghaddam)
Video: SUPER.MARKT | 16.02.2021 | Maja Helmer / Ana Pecanic | Bild: dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Damit Tiere auf Transporten in die Schlachtanlagen nicht zusätzlich leiden, gibt es strenge Vorschriften. Tierschützer werfen der Firma Wiesenhof vor, diese nicht befolgt und Hühner auf unnötig lange Reisen geschickt zu haben - auch nach Niederlehme.

Unnötig lange Transporte und vermeidbares Leid – so lauten Vorwürfe gegen den Geflügelgroßproduzenten Wiesenhof. In Niederlehme bei Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) werden immer wieder Hühner geschlachtet, die anders als in der Werbung suggeriert nicht aus der Region stammen, wie Tierschützer gegenüber dem rbb-Verbrauchermagazin Super.Markt kritisieren.

Dr. Michael Marahrens vom Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit berät die Bundesregierung und weist auf Verordnungen hin, nach denen "quasi immer der kürzest mögliche Weg zum Schlachthof zu suchen ist. Das heißt: möglichst kurze Transporte zum möglichst nächstgelegenen Schlachthof."

Streit um lange Transportdauer

Dem rbb-Verbrauchermagazin Super.Markt vorliegende Unterlagen dokumentieren für den Zeitraum Februar bis Dezember 2020, dass bei etwa jedem zweiten Geflügeltransporter nach Niederlehme einkalkuliert war, an mindestens einem näher gelegenen Wiesenhof-Schlachthof vorbei zu fahren. Mit der Kamera begleitet wurde unlängst ein langer Tiertransport mit 5.800 Hühnern bei winterlichen Temperaturen von Niedersachsen bis Brandenburg.

Wegen offensichtlich tierschutzwidriger Praktiken eines Vertragslandwirts beim Einfangen der Hühner ermittelt die zuständige Behörde in Niedersachsen. Auf dem anschließenden Transport starben nach Angaben des zuständigen Veterinäramtes Dahme-Spreewald in einem Lkw mehr Tiere als üblich (30 Stück, 0,52 Prozent). Die Anzahl sei "nicht normal" und überschreite die Toleranzschwelle von 0,5 Prozent, deshalb werde eine Untersuchung des Falls angeordnet. Wiesenhof hingegen beruft sich auf eine "durchschnittliche Todesrate für den gesamten Transport", der aus mehreren Lkw bestand.

Die unter der Marke Wiesenhof produzierende PHW Gruppe rechtfertigte die Transporte gegenüber dem Verbrauchermagazin Super.Markt: "Sowohl Corona- und marktbedingte Situationen als auch Tierwohlaspekte [machen es] erforderlich, dass das Geflügel in bestimmten Fällen nicht zum nächstgelegenen Schlachthof transportiert wird." Auch bleibe man unter der maximal erlaubten Fahrtdauer für Tiertransporte von zwölf Stunden.

Wöchentlich 4,5 Millionen Hähnchen geschlachtet

Die PHW-Gruppe betreibt u.a. in Niederlehme bei Berlin eine Geflügelzuchtanlage und einen Schlachthof mit Kapazitäten von 120.000 Tieren am Tag und achtet nach eigenen Angaben "auf das Tierwohl und auf Nachhaltigkeit der Wiesenhof-Produkte".

Unter der Marke Wiesenhof erwirtschaftete die PHW-Gruppe eigenen Angaben zufolge einen Gesamtumsatz von 2,7 Milliarden Euro im Jahr 2018/2019, unter anderem mit der Produktion "hochwertiger Geflügelspezialitäten". Man plane gerade die Kapazitäten in Niederlehme auszubauen, so dass künftig sogar 230.000 Tiere am Tag geschlachtet werden könnten. Die PHW-Gruppe ist der größte deutsche Geflügelzüchter und- verarbeiter. Pro Woche schlachtet die PHW-Gruppe 4,5 Millionen Hähnchen.

Sendung: SUPER.MARKT, 15. 2. 2021, 20.15 Uhr

23 Kommentare

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  1. 20.

    Das viel schlimmere Übel, das geschätzte 50Prozent das in den Verkauf geht zusätzlich entsorgt wird durch das Überangebot.
    Dann inklusive Verpackung ein weiterer Schaden entsteht für Mensch und Natur. Bin jetzt über 25Jahre im Lebensmittelhandel und habe schon zig Tonnen entsorgen müssen....


    Aber warum Gedanken machen, sind ja soviele Arbeitsplätze. Und solange das Argument zählt kein sinnvolles Verwenden von Menschen, zahlen von Grundeinkommen wird sich nix ändern eher noch verschlimmern.

  2. 19.

    Gut das es Wiesenhof u n d die Tierschützer gibt. Des Streit um die besten Bedingungen ist etwas gutes. Was gut ist, bestimmt wer? Weder die Tierschützer noch Wiesenhof alleine. Haustiere sind nie freie Tiere in freier Wildbahn gewesen. Sie würde es ohne den Menschen gar nicht geben, könnten nicht überleben und wir würden nicht so alt werden können (ausgewogene Ernährung). Die Bestimmung und was artgerecht ist, muss immer wieder neu erstritten werden, und das ist gut so...nur das Militante/Aufzwingen von Meinungen statt Wissen, ist dabei mehr als hinderlich und erzeugt immer das Gegenteil.

  3. 18.

    Die gehts darum, dass euch die Industrie vor der Nase stört, nicht um das Tierwohl. Viele Brandenburger wollen keine Industrie in der Nähe. Aber eine bessere Infrastruktur usw... Also, benutze jetzt hier nicht die Emotionen der Menschen wenn es um Tiere geht für eure eigentlichen Anliegen.

  4. 17.

    Der „Idiot“ (Ihre Wortwahl) sind wohl eher Sie. Bitte informieren Sie sich. Tiere haben keine Rechte. Ja, sie sind keine Sachen mehr. Rechtlich gesehen haben sie aber keine Rechte.

  5. 16.

    Worum gehts Ihnen dann? Vegane Lebensweise ist mehr als Verzicht auf essen tierischer Produkte. Aber Sie behaupten ja auch, Menschen „fressen“. Daher haben Sie offenbar schon genug Vorurteile

  6. 15.

    Weder noch. Ich bin Realist. Und idiotisch ist eher Ihr Kommentar, von dem ich mich beleidigt fühle. Tiere sind Tiere. Die Rechte reichen aus. Lesen Sie den Artikel mal unbefangen und ohne ideologische Scheuklappen. Sie glauben der einen Seite und ignorieren die Erklärung der anderen. Und wie gesagt, es sind nur Tiere.

  7. 14.
    Antwort auf [Reimann] vom 16.02.2021 um 04:41

    Das einzige was uns nervt, sind Belehrungen von Vegatariern. Eure Penetranz geht mir auf die Nerven.

  8. 13.

    Als Bürgerinitative seit 4 Jahren gegen Wiesenhof aktiv haben wir die Schlachtzahlen. Es sind 1 Mio Tiere im Jahr, die es nicht bis zur Schlachtung schaffen, weil sie nach dem Ausbrüten qualgezüchtet werden und zwischendurch verrecken, 1 Million Lebewesen!!!

  9. 11.

    @Oleg sind Sie ein Idiot oder wissen Sie es nicht besser? Tiere haben auch Rechte, wenn sie schon für den Menschen sterben müssen.

  10. 10.

    Es reicht langsam. Tierschutz hin und her. Aber diese Radikalität einiger sog. Tierschützer nervt. Das Unternehmen hat sich erklärt und gut ist. Bleibt bitte mal alle auf dem Boden der Realität. Und jeder kann und darf für sich entscheiden, wie er sich ernährt. Ich zB steh auf Bioprodukte. Und Qualität ist mir wichtiger als Regionalität usw....Und Tiere werden nunmal auch verarbeitet. Meine Güte...

  11. 9.

    Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das andere Lebewesen zwangszüchtet und bewusst quält, um sie dann irgendwann zu fressen. Einfach mal drüber nachdenken. Und nein, bin kein militanter Veganer, überlege nur, wann und welche tierischen Produkte ich esse.

  12. 8.

    Die Meldungen zu Tiertransporten häufen sich. Ich finde gut, dass darüber so viel berichtet wird, weil ich mir erhoffe, dass durch medialen Druck Verantwortliche gezwungen werden, Änderungen zum Wohl der Tiere schneller umzusetzen und Behörden, engmaschiger zu kontrollieren.
    Den Artikel vom Wochenende habe ich mir gespart, nachdem neulich vom Rindertransport gen Tartastan bei bitterster Kälte berichtet worden war- meine Grenze war damit erreicht. Heute habe ich wieder reingeschaut:
    Bitter, zu lesen, dass 0,5% Transport-Todesrate als normal gelten und solche Sachen. Was müssen die Tiere alles aushalten. So eine Scheiße, ey. Nur, weil sie Wirtschaftsgut und eben leider nicht auf einem Kinderbauernhof zur Welt gekommen sind.
    Gut, dass hier die Veterinärämter (wegen der Todesrate und des Einfangens) bereits tätig geworden sind.

  13. 7.

    Wie ich auf einem unnötig langen Weg im überfüllten Vierenbrut-ÖPNV zur Arbeit komme interessiert auch niemanden. Mich grauts schon vor dem Sommer mir mit 50 ungeduschten und durchgeschwitzten Natur-Fahrgästen, die ihre Wäsche mit Waschnüssen waschen, den Bus zu teilen, wenn wir bei jeder Bodenwelle, Kurve und Bremsvorgang aneinander ditschen.
    Zu Kommentar 4: wie wäre es, nicht mehr so viele Verbraucher in die Welt zu setzen? Wir sind 8 Milliarden Konsumenten, Müllerzeuger, Ressourchenverbraucher, CO2-Produzierer, Flächenverbraucher... etc. auf der Welt und werden immer mehr.
    Wären wir 40 Mio Bundesbürger statt 80, dann flielen 50% der Tiertransporte und deren Haltung/ Gülle/ Nitrat etc. weg. Richtig? Richtig!
    Wären wir 2 Mio Berliner, gäbe es bezahlbaren Wohnraum und um zum Thema zurück zu kehren... einen benutzbaren ÖPNV.

  14. 6.

    Meine Güte. Es sind nur Tiere ... Was für ein Aufstand

  15. 5.

    Habe die Sendung gesehen.Bei so hohen Transportkosten hat man die toten Tiere doch bestimmt auch geschlachtet. Wer noch die echten Goldbroiler kennt, der mußte sich weder ekeln oder fremdschämen, dass er so etwas kauft. Wiesenhof vom Hof jagen ; weniger ist sinnlos.

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