Gasometer in Berlin-Schöneberg (Bild: imago images/Frank Sorge)
Bild: imago images/Frank Sorge

Neuer Mieter auf dem Euref-Campus - Deutsche Bahn zieht mit 2.000 Mitarbeitern in den Gasometer

Der Euref-Campus rund um den Gasometer in Berlin-Schöneberg gilt als klimaneutrales Prestige-Projekt. Bis 2023 soll er umgebaut werden. Ein künftiger Mieter steht jetzt fest: Die Deutsche Bahn will mit tausenden Beschäftigten einziehen – und neue Jobs schaffen.

Die Deutsche Bahn zieht in den neugestalteten Gasometer in Berlin-Schöneberg. Das gab die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft am Freitag bekannt.

Bis 2023 will der Bahnkonzern insgesamt 28.000 Quadratmeter zwölf Etagen im Gasometer auf dem Euref-Campus beziehen, mit rund 2.000 Mitarbeitern der Bahnsparte "Digitale Schiene" der Bahn. In dem Bereich wird die Digitalisierung und Vernetzung des Bahnverkehrs umgesetzt. 800 der Arbeitsplätze werden neu geschaffen.

Denkmalpfleger und Anwohner kritisieren Umbaupläne

Der historische Gasometer mit seinem markanten, runden Stahlgerüst soll in ein Büro- und Konferenzzentrum umgebaut werden. Dabei bleiben die Streben des Industriedenkmals bestehen, die Räume sollen in das Gerüst hineingebaut werden. Die gläserne Fassade soll mit einer lichtdurchlässigen Lamellenkonstruktion verkleidet werden, die an den historischen Gasometerbau erinnert. Die Baukosten werden mit insgesamt 200 Millionen Euro veranschlagt.

Denkmal- und Naturschützer hatten sich zuletzt allerdings gegen die Pläne ausgesprochen. Ihnen ist der Innenausbau des Gasometers zu massiv, auch die geplante Skylounge auf dem Dach stößt auf Ablehnung. Auch eine Bürgerinitiative von Anwohnern hat sich mit dem Namen "Gasometer retten!" gegründet. Sie kritisiert vor allem die hohe Bebauung des Gasometers. Aktuell misst er 78 Meter, eine Bebauung auf 71 Meter ist vorgesehen. Damit würde nur ein Feld des Stahlgerüsts frei bleiben.

Senatorin Pop: "Richtiger Ort für die Ansiedlung"

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sprach von einem "großen Gewinn für Berlin". Ihre Verwaltung hatte mehr als ein Jahr lang mit der Bahn verhandelt. "Der Euref-Campus ist mit zahlreichen Unternehmen der Energie- und Mobilitätswende der Zukunftsort für Green Economy und damit der richtige Ort für die Ansiedlung", sagte Pop.

Zuvor hatte eine Berliner Zeitung berichtet, dass Tesla auf den Euref-Campus ziehen werde mit seinem geplanten Innovationszentrum.
Diese Information stellte sich allerdings als Falschmeldung heraus.

Seit 1994 unter Denkmalschutz

Der Gasometer ist fester Bestandteil der Berliner Skyline. 1910 wurde er erbaut und versorgte bis in die 1990er Jahre hinein, als Gasspeicher, hunderte Berliner Haushalte und Straßen. 1995 wurde der Gasspeicher stillgelegt und entkernt, seit 1994 steht er unter Denkmalschutz.

Inmitten des übriggebliebenen Stahlgerüsts wurde 2011 eine Veranstaltungskuppel gebaut, aus der bis zum 29. November 2015 Sonntagabends Günther Jauch seinen gleichnamigen ARD-Polit-Talk ausstrahlte und damit dem Gasometer zu bundesweiter Bekanntheit verhalf.

Sendung: Inforadio, 05.03.2021, 16:20 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    Haben zufällig auch ekne Link, der Ihre Aussage belegt? Ist Ihnen aufgefallen, dass zudem laut diesem Artikel 800 neue Arbeitsplätze entstehen sollen?

  2. 11.

    Die Berliner Universitäten HU, TU, FU haben alle Institute dort und Campus HU ist genauso bekannt wie Campus TU. Manche Studies haben einen längeren Weg als andere es vor Jahren hatten. Bis 2019 waren die Busse und Ubahnen zur TU und FU auch ständig überfüllt und werden es nach corona wieder sein.

  3. 10.

    Im Umkreis sind die Mieten schon explodiert. Ich habe bis vor drei Jahren da gewohnt und bin gegangen, nachdem auch unser Haus von einer österreichischen Investorengemeinschaft gekauft wurde. In der Nachbarschaft wurden Wohnungen zu teurem Eigentum oder nach der Sanierung wesentlich teurer vermietet, z. B. 2.000 € für 100 Quadratmeter oder 700 € für 28 Quadratmeter.

  4. 9.

    Ja, dass stimmt schon in Adlershof ist was los.
    Die Infrastrucktur lässt dort aber zu wünschen übrig. Die Uni ist keine Uni, sondern eine Hochschule und sie ist im Öffentlichen Nahverkehr nur mit der Straßenbahn die ständig überfüllt ist erreichbar. Es fahren auch Busse, aber die Studenten kommen aus ganz Berlin und Umgebung.Es dauert selbst wenn man im Osten wohnt 1-2 Stunden bis man zu Hause ist. Es wäre wünschenswert wenn auch im übrigen Osten so etwas entstehen würde.
    In Marzahn gibt es den Cleartech Business Park, diese Fläche ist seit Jahren fast ungenutzt. Sie würde sich zum Beispiel eignen. Nur so als ein Beispiel.

  5. 7.

    ADLERSHOF ! Wirtschaft, Wissenschaft, Universität, Technologie usw. Zusätzlich Wohnungsbau. Dort sind sehr viele Arbeitsplätze entstanden. Gegen das Investitionsvolumen in Adlershof ist jetzt mal der Gasometerumbau - egal wie man das findet- eher ein Klacks.

  6. 6.

    Was haben die Vermögensstrukturen mit dem Gasometer zu tun? Viel interessanter ist die Verkehrsinfrastruktur. 2000 weitere Fahrgäste (hin u zurück) am SBhf Schöneberg, denn die Bahnmitarbeiter/innen werden ja ihr Unternehmen für den tägl. Weg nutzen. Um den Gasometer herum gibt es nur kleine Straßen und PKW Verkehr innerhalb des Rings sollte ja flach gehalten werden.
    Übrigens gibt es auch schicke Eigentumswohnungen in Schöneberg oder in Wilmersdorf. Was ist der Unterschied zu Prenzlauer Berg/Pankow?
    Anders gefragt: wo werden denn Bewohner von ihren Hausbesetzernachbarn beeinträchtigt und ständig irgendetwas demoliert ? " Im Osten in Friedrichshain".
    So ist das in EINER Stadt: viel Gleiches und viel Verschiedenes.

  7. 5.

    Klar sind wir eine Stadt, aber mit unterschiedlichen Branchenlöhnen, Rentenpunkten und Vermögensstrukturen. Leider sind da immer noch enorme Unterschiede zwischen Ost und West. Wem gehören denn die schicken Eigentumswohnungen in Prenzlauer Berg?

  8. 4.

    Wir sind EINE Stadt, es gibt kein politisches Osten und Westen. Man kann von Lichtenberg nach Schöneberg ohne Grenzkontrollen fahren.
    Schönen Abend noch.

  9. 3.

    Billige Büros für die Deutsche Bahn die vom Potsdamer Platz geflohen ist als die dortigen Mieten den Marktwert erreicht hatten. - Billig einziehen, Prestige spenden und die Nachbarn mit explodierenden Mieten zurücklassen. Mehr davon ?

  10. 2.

    Wo bitte bleiben denn die Nachhaltigen neuen Arbeitsplätze im Osten von Berlin? Es wäre doch Sinnvoll nach über 30 Jahren auch dort endlich mal zu investieren!

  11. 1.

    Schon wieder wird Geld aus dem Fenster geschmissen. Und zwar völlig unnötig.

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