Passanten steigen vorn beim Fahrer in einen Bus der BVG ein. Vor der Pandemie war dies ein gern gesehenes Ritual. (Quelle: DPA/Maurizio Gambarini)
Audio: Inforadio | 29.03.2021 | Michael Ernst | Bild: DPA/Maurizio Gambarini

Pilotprojekt ab April - BVG kündigt Einstieg beim Fahrer und kontaktloses Zahlen an

In Berlin sollen die Busse schon bald wieder ihre Vordertüren öffnen. BVG-Chefin Kreienkamp kündigt in einem Interview außerdem an, dass sich beim Bezahlen künftig einiges ändern soll. Die Zeiten von klimpernden Bargeld könnten bald der Vergangenenheit angehören.

Die Busse der BVG sollen bald wieder wie vor der Corona-Pandemie die vorderen Türen für den Einstieg öffnen. Das kündigte Vorstandsvorsitzende Eva Kreienkamp im Interview mit der "Berliner Zeitung" an. Allerdings sollen Fahrscheine dann anders als früher nicht mehr mit Bargeld im Bus gekauft werden können. Voraussichtlich Mitte April sollen die vorderen Türen wieder geöffnet werden. Dann soll auch ein Modellprojekt zum bargeldlosen Bezahlen starten.

"Dann soll ein Pilotprojekt beginnen, bei dem wir im gesamten Busnetz die kontaktlose Zahlung testen. Für die Fahrgäste wird das bedeuten, dass sie in allen BVG-Bussen mit EC- und Kreditkarten Fahrscheine kaufen können", teilte die Chefin des größten deutschen Nahverkehrsunternehmens mit. "Bargeld wird in den Bussen nicht mehr angenommen, schon um in Corona-Zeiten unnötige Kontakte zu vermeiden. Nach unseren Vorstellungen soll aus der vorläufigen eine dauerhafte Lösung werden."

Zahl der Umweltkarten-Abos um zehn Prozent gesunken

Die BVG-Chefin kündigte an, dass die BVG eine aufladbare Prepaidkarte herausgeben wird, mit der Fahrgäste Tickets im Bus und anderswo kaufen können. "Die Ausschreibung ist abgeschlossen und wir gehen davon aus, dass die Guthabenkarte vom zweiten Quartal 2021 an gekauft werden kann", so Kreienkamp. Zunächst soll es sie bei den Vertriebsstellen der BVG geben, später auch in Drogeriemärkten.

Die BVG-Chefin berichtete auch über Überlegungen für ein neues Ticketsystem, das bereits seit Längerem im Gespräch ist. Damit sollen Kunden gehalten und neue gewonnen werden. Seit Beginn der Pandemie 2020 ist die Zahl der Umweltkarten-Abos bei der BVG um mehr als zehn Prozent gesunken. Einer der Gründe ist, dass zahlreiche Berliner derzeit im Homeoffice arbeiten.

Eine Bahncard für die BVG?

"Wir denken über eine ÖPNV-Card nach, die wie eine Bahncard funktionieren würde", so Kreienkamp. "Die Kundin oder der Kunde zahlt eine Grundgebühr, die sich preislich im Bereich eines Netflix-Abos bewegen würde. Dafür können dann Tickets zum ermäßigten Preis gekauft werden." Einen Termin dafür gibt es aber noch nicht.

Die landeseigenen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) betreiben in Berlin für den öffentlichen Nahverkehr Busse, Straßenbahnen und die U-Bahn sowie einige Fähren.

Sendung: Inforadio, 29.03.2021, 7 Uhr

74 Kommentare

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  1. 74.

    Vielen Dank für Ihren Kommentar!

    Hier wird erst einmal über alles neue gemeckert - ohne sich nur ein wenig zu informieren.
    Stimmt der Datenschutz?
    Abzocke?
    Die Älteren werden ausgegrenzt, weil sie sich nicht auskennen!
    (Womit eigentlich? Karte kaufen - vorzeigen/piepsen - fertig)
    Ich kann - ohne Internet - nicht mehr mit den Öffis fahren!

    Manchmal kann man glauben, Berlin ist ein Dorf und soll auch so bleiben!

  2. 73.

    Ich bin ja auch seit Jahren Rentnerin und über 70. Ich finde es auch bedauerlich, dass hier digital alles so unterentwickelt ist. In S gildt Ihnen auch niemand in der Bankfiliale, weil es gar keine mehr gibt,kann man alles am Automaten machen- überweisen mit Papier gibts nicht. Das ist doch nicht arrogant..ist doch in Norwegen oder Finnland nicht anders und auch in Teheran kann man im Basar per App bezahlen - dort geht aber auch noch Bargeld.
    In S gab es auch schon 1995 per Kamera übertragenen Schulunterricht z.B. für krebskranke Kinder. Mit riesigen Kameras und riesigen Bildschirmen, die das halbe Kinderzimmer ausfüllten. Hier gibts das gerade mal seit ein paar Monaten. Aber man kann das alles lernen....auch das mit dem Ticket in der Tram

  3. 72.

    "... Ganz abgesehen davon ist es eine Unding, dass ich Menschen ohne EC und Kreditkarte vom öffentlichen Nahverkehr der BVG ausschließe. ..."
    Lesen Sie doch bitte noch einmal den Text!

  4. 71.

    Sie können eine Guthabenkarte im Späti kaufen, steht im Text. In ganz Holland läuft das übrigens auch längst so, und zwar ziemlich gut

  5. 70.

    Ich hoffe die BVG ist sich bewusst, dass es einen gesetzlichen Annahmezwang von Bargeld gibt. Am Ende geht es hier auch nicht im Schutz des Personals, sondern einzig und allein darum, dass damit alles schneller gehen sol. Jetzt ist schnell nicht immer schlecht, aber wer in den letzten Jahren mit der U und S Bahn gefahren ist und älter als 25 ist, der weiß, dass es früher zwar "langsamer" gibt, jedoch dennoch besser war. Heute ist es doch so, dass der Zug einfährt und man kaum Zeit hat zum Einsteigen und Aussteigen. Wenn die Züge dann voll sind, dann kann es auch mal vorkommen, dass Ältere, Langsamere oder ungünstig Stehende Pech haben und leider nicht mehr aus dem Zug kommen. Das führt übrigens auch beim Einstieg zu mehr Unruhe. Früher hatte man deutlich mehr Zeit zum Ein,-und Aussteigen und dennoch kamen die Züge oft in kürzeren Abständen und pünktlich. Ganz abgesehen davon ist es eine Unding, dass ich Menschen ohne EC und Kreditkarte vom öffentlichen Nahverkehr der BVG ausschließe.

  6. 69.

    Schön das Sie das 20 Jahre üben konnten. Dann kommen Sie mal in meine Filiale einer Genossenschaftsbank. Am RentenTag also heute:80 Jährige stehen vor den Geldautomaten um Überweisungen zu tätigen. Wegen der Coronaregeln hilft keiner der Bankangestellten. Vorgänge werden DutzendeMale abgebrochen. Das selbstständige Einlesen eines Überweisungsträgers wird zum Staatsakt und kostet zusätzlich Geld von einer KleinRente. Das ist eine Arroganz der Jüngeren gegenüber den Älteren die für viel Frust sorgt. Diese Älteren dürfen aber Wählen.

  7. 68.

    In Deutschland sind Euro-Banknoten das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel. Das heißt, grundsätzlich müssen Händler und Dienstleister Bargeld akzeptieren.
    Nach meine Info.

  8. 67.

    Einige Metalle sind desinfizierend, weil zB auf Cu Ag sich Vieren und Bakterien nicht halten können. Insofern ist die Aktion der ÖPNV Betriebe höchst fragwürdig. Hier soll durch Corona die Akzeptanz für bargeldloses BeZahlen erhöht werden. Wer will/kann schon dem Shitstorm der verängstigten Bedenkenträger genug entgegen setzen.

  9. 66.

    Die Europäische Zentralbank hat bestätigt :
    Von Bargeld geht keine relevante Ansteckungsgefahr aus !
    Trotzdem muss man lesen, dass man kontaktlos zahlen soll,
    hierzu die EZB : Das wird nur als Vorwand benutzt, um Leuten ein schlechtes Gewissen zu machen,
    es geht einfach darum an die Daten zu kommen = Wer kauft hier ? Wie alt war dieser Mensch ?
    Wo wohnt dieser Mensch ? Was ist nötig damit, dieser Mensch beim nächsten Besuch erneut kauft ?
    = Daten sind goldwert, denn dadurch entstehen Wettbewerbsvorteile
    Ihre Aussage mit kontaminierten Münzen ist also hirnfreier Mist !
    Des Weiteren spart man sich so menschliches Personal = wenn alle mit Karte zahlen, braucht man
    viel weniger Kontrolleure !

    übrigens mit der Aussage : "Nach unseren Vorstellungen soll aus der vorläufigen eine dauerhafte werden", verrät sich die Frau selbst, denn es wird eine Zeit nach Corona geben, trotzdem soll das extra wegen Pandemie eingefürhte bleiben ?

  10. 65.

    Ja, es sind ja schon unzählige Infektionen und ganze Leichenberge verursacht worden durch den Gebrauch von "kontaminiertem" Bargeld. Sie haben da doch sicher genaue, auf wissenschaftlicher Basis erhobene Zahlen und das nicht nur einfach mal so im Gefühl?

  11. 64.

    Großartig. Was halten Sie von folgender Superidee, die doch auch sehr modern und fortschrittlich und sooo bequem ist: Sie zahlen einfach jeden Monat ein paar hundert Euro im Voraus und können dann nach Lust und Laune in Supermarkt X oder auch bei Discounter Y einkaufen - sagen wir mal für zehn Euro am Tag?

    Dieses schöne Modell lässt sich natürlich noch auf viele andere Lebensbereiche ausdehnen. Ein feuchter Traum für alle Unternehmer. Zumal man mit den so per Überwachung der Kunden (idealerweise folgsame Untertanen und naive Konsumenten) gewonnenen Daten auch noch prima Kasse machen kann.

  12. 63.

    Warum werden ältere Menschen hier hier immer als dumm bezeichnet und sollen kein Smartphone bedienen können, keine ecKarte haben ( 15.) usw.? In meiner schwedischen Heimatstadt zahlt man sein Ticket für Bus und Tram seit fast 20 Jahren (2003) bargeldlos. Entweder mit Aufladekarte am Kartenleser oder seit ein paar Jahren mit Smartphone über die app von västtrafik oder per swish. Das können auch ältere Menschen und die Aufladekarte per swish oder bankapp aufladen , können wir auch. Warum sollten Berliner Senioren das nicht können?
    Hier wird aus Kleinkram ein Problem gemacht und sich das Recht genommen, alte Menschen für unfähig zu halten. Und wer es nicht weiß: die entsprechenden Apps sind dort auch in leichter Sprache oder zum Anhören abrufbar. Damit kann das jeder.

  13. 62.

    Mit Überwachung? Nö - das geht auch nach Schottinnen-Art (Ann o'Nym). Die BVG muss ja gar nicht so weit entfernt suchen. Hamburg / Kiel zum Bleistift ... dat lüppt bei den Nordlichtern.

  14. 60.

    Weil die Karte 65+ nicht nur in Berlin, sondern im gesamten VBB-Gebiet, also in Berlin und Brandenburg gilt. Schon allein Berlin ist erheblich größer als Hamburg. Der Vergleich hinkt also erheblich.

  15. 59.

    Na ,ich freu mich schon auf die Schlange am Einstieg des Busses( natürlich dichtgedrängt), ein Drängeln und Gemecker, weil der Kauf des Fahrscheins ja eine gewisse Zeit am Automaten mit Kartennutzung dauert. Die Fahrpläne können gleich in den Wind geschrieben werden. Super Idee!!!

  16. 58.

    Es ist wie vor Corona mit den zur Gewaltprävention immer wieder geforderten (und verhinderten) Trennscheiben im Taxi: immer schön auf die lange Bank schieben. Hoffentlich machen die Gewerkschaften, Personal- und Betriebsräte, sowie Berufsgenossenschaften genug Rabatz gegen die lächerlichen "sicherheits"-scheibchen im Fahrerbereich!

  17. 57.

    In Chinas Städten ist es mindestens seit 10 Jahren so. Bei jedem Einstieg vorne beim Busfahrer die Prepaidkarte ranhalten und Mitfahren. Es gibt 3 Tarife Senioren, Berufstätige und Schüler. Pro Fahrt werden im Schnitt knapp 2Yuan (0,25 Euro, für ne Pfandflasche Busfahren) fällig. Barzahlen kostet volle 2 Yuan. Läuft super! Übrigens ist wie mit Gutschein einkaufen, ich lade Geld auf eine Gutscheinkarte und bezahle damit.
    PS welche Banken geben jetzt noch attraktive Guthabenzinsen?!!!??

  18. 56.

    Stimmt. Es heißt nicht Malle, sondern Schinkengasse, Koma saufen und Zehn nackte Frisösen... Zumindest bei denen, die mir am meisten Angst machen, wenn man sie wieder ins Land lässt ... sogar ganz ohne Pandemie.

  19. 55.

    kennen vielleicht einige von Mallorca (die Insel heißt nicht Malle) schon. Funktioniert prima.

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