Symbolbild: Eine Frau arbeitet in ihrer Wohnung vor einem Computer an einem Stehtisch (Bild: dpa/Uwe Anspach)
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Datenauswertung zum Equal Pay Day - Lohnlücke in Brandenburg liegt unter Bundesdurchschnitt

Frauen haben im Jahr 2020 in Deutschland 18 Prozent weniger verdient als Männer. Etwas besser sieht es in Brandenburg aus. Dort ist die Lohnlücke geringer als im Bundesschnitt. Teilweise verdienen Frauen hier sogar mehr als Männer. Von Götz Gringmuth-Dallmer

Frauen haben 2020 in Brandenburg pro Stunde durchschnittlich 17,18 Euro brutto verdient - und damit rund sechs Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, die im Schnitt 18,23 Euro erhielten. Berlinerinnen erzielten einen durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 20,37 Euro. Sie erhielten rund 10 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen mit 22,60 Euro. Das zeigen neue Zahlen vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg.

Das Amt hat aus Anlass des Equal Pay Day (Tag des gleichen Lohns) am 10. März die Brutto-Stundenverdienste ausgewertet, die in der Region gezahlt werden. In diese Berechnung fließen auch die Einkommen von Menschen ein, die Teilzeit arbeiten. Das gezahlte Kurzarbeitergeld fließt allerdings nicht in diese Statistik mit ein.

Größere Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern hat das Amt für Statistik vor allem im früheren Bundesgebiet beobachtet. In den östlichen Bundesländern bleibt der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied hingegen relativ gering. Im deutschlandweiten Vergleich weist Thüringen demnach mit fünf Prozent die geringste Lohnlücke auf, dicht gefolgt von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Unterschiedliche Berufswahl spielt eine Rolle

Michaela Fuchs vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erklärt die Verdienstunterschiede damit, dass grundsätzlich die unterschiedliche Berufswahl von Frauen und Männern eine große Rolle dafür spiele, warum Frauen in Deutschland weniger Lohn erhielten als Männer. "Frauen arbeiten eher in Dienstleistungs-, Gesundheits- und Sozialberufen, Männer hingegen eher in Produktions- und Fertigungsberufen. Die Nachfrage nach diesen Berufen unterscheidet sich aber sehr stark auf der regionalen Ebene", so Fuchs.

In Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch eine weitere Auffälligkeit bei der Einkommensstatistik: In den drei Bundesländern verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen im Median mehr als Männer. In Brandenburg ist die Differenz mit 103 Euro im Monat am größten, 2018 waren es noch 107 Euro. So erhielten Frauen mit einem sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjob in Brandenburg im Jahr 2019 im Median 2.779 Euro, Männer 2.676 Euro. Das zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2019, die rbbI24 anläßlich des Equal Pay Day ausgewertet hat.

Größte Lücke in Baden-Württemberg

In Berlin erhalten vollzeitbeschäftigte Männer im Median 112 Euro mehr als Frauen, bundesweit sind es sogar 443 Euro. Die größte Lücke gibt es in Baden-Württemberg. Dort liegt der Median für Männer 782 Euro über dem der Frauen.

In Sachsen-Anhalt beträgt der Unterschied 38 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern sind es sieben. Median bedeutet: Eine Hälfte liegt über dem Wert, die andere darunter. Die beiden Auswertungen sind nicht unmittelbar miteinander vergleichbar, weil beide Statistiken unterschiedliche Berechnungsgrundlagen haben. So sind zum Beispiel in den Zahlen der Arbeitsagentur im Gegensatz zu den Daten der statistischen Ämter auch Berufe in der öffentlichen Verwaltung und der Sozialversicherung enthalten, dafür aber keine Teilzeittätigkeiten.

Den größten Abstand beim Medianeinkommmen zwischen Frauen und Männern gibt es in Brandenburg in Frankfurt (Oder). Hier beträgt die Differenz 388 Euro. 2018 lag noch Cottbus mit 405 Euro an der Spitze. In insgesamt elf Landkreisen und kreisfreien Städten lag 2019 das Medianeinkommen der vollzeitbeschäftigten Frauen über dem Männer. In Oberspreewald-Lausitz war es mit 2.700 Euro gleich.

Umgekehrt erhielten Männer im Landkreis Teltow-Fläming bei einem Medianeinkommen von 2.711 Euro im vorletzten Jahr 237 Euro mehr als Frauen (2.474 Euro).

Frauen profitieren von der öffentlichen Verwaltung

In Berlin betrug die Differenz zwischen Männern (3.441 Euro) und Frauen (3.329 Euro) 112 Euro, im Geschlechtervergleich der zweitschlechteste Wert in der Region.

Arbeitsmarktforscherin Fuchs weist darauf hin, dass Frauen mehr als Männer von einem starken Dienstleistungssektor profitieren würden, zu dem auch die öffentliche Verwaltung und Bildungseinrichtungen gehörten. "Männer profitieren dagegen eher, wenn eine Region eine starke industrielle Basis besitzt", so Fuchs. "Diese Besonderheiten bestimmen auch maßgeblich die Einkommensunterschiede zwischen den Kreisen Brandenburgs", so Fuchs weiter.

Allerdings darf bei der Betrachtung der oben genannten Zahlen nicht vergessen werden, dass es sich dabei ausschließlich um sozialversicherungspflichtige Vollzeitarbeitsplätze handelt. In beiden Bundesländern arbeiten deutlich mehr Frauen als Männer in Teilzeit. Wie aus einer aktuellen Auswertung im Mikrozensus erhobenen Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hervorgeht, haben im Jahr 2019 im Land Brandenburg 37,2 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit gearbeitet. Gegenüber 2009 ist das ein Anstieg um 5,1 Prozentpunkte.

In Berlin betrug dieser Anteil 36,6 Prozent. Damit hat er sich in der Hauptstadt gegenüber 36,4 Prozent im Jahr 2009 kaum verändert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind 71 Prozent des Verdienstunterschieds [destatis.de] zwischen Männern und Frauen strukturbedingt erklärbar – also unter anderem darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger in Branchen und Berufen arbeiten, in denen schlechter bezahlt wird und sie seltener Führungspositionen erreichen.

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Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer

12 Kommentare

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  1. 12.

    Noch oder gewissermaße schlimmer finde ich, das nach
    wievor die Löhne zwischen Ost und West nicht angepasst sind. Nach der Wende zogen viele Firmen, wenn auch nur wie in Berlin ins Umland, stellten den Arbeitnehmer vor die Wahl weniger zu verdienen oder zu gehen.
    Das Arbeitsamt und somit der Staat hat mit seiner Politik dafür gesorgt, daß man auch diese niedrige Loehne annahm, obwohl nicht Tarif
    Nehmst heute nicht mehr erwünschtem Pendlertum, niedrigen Renten, zusaetzlichem Hartz 4 etc.
    Heute wollen die Parteien die das zu verantworten
    hatten, sich wieder beim Bürger anbiedern und viele Arbeitnehmer haben leider ein viel zukurzes Gedächtnis.

  2. 11.

    Die Forderung ist seit Jahrzehnten ganz einfach:
    Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - Ost wie West, Frau wie Mann!

  3. 10.

    Niemand redet über eine Brandenburgquote in Chefetagen. Komisch.
    Und wo wir schonmal beim Thema sind.. warum gründen Frauen nicht auch Unternehmen oder übernehmen bestehende. Es gibt Massen an Betrieben, die kaum Nachfolger finden.
    Und wenn Quoten.. warum dann nur in Chefetagen? Nicht im Bergwerk, auf dem Bau??? Oder Männerquoten in Kitas.. immerhin sollen Kinder doch von beiden Geschlechtern erzogen werden. In der wichtigsten Phase ihres Lebens werden Kinder überwiegend nur von Frauen geprägt.

  4. 9.

    Also beim Median sehe ich jedenfalls für Ostdeutschland überhaupt kein Problem.
    Viel eher sollten doch mal die Gehaltsunterschiede zwischen oben und unten thematisiert werden. Da tut sich eine viel größere Lücke,ähh ich meine gap auf.

  5. 8.

    Der Gehaltsunterschied liegt auch in den Branchen begründet, in denen die Frauen und Männer typischerweise arbeiten: "Frauen arbeiten eher in Dienstleistungs-, Gesundheits- und Sozialberufen, Männer hingegen eher in Produktions- und Fertigungsberufen." S. https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2021/03/equal-pay-day-berlin-brandenburg-einkommen-frauen-maenner-ungleichheit-lohnluecke.html

    Brandenburg und Frankfurt sind verbliebene Industriestandort, was deren Ausreißer erklärten könnte. BaWü ist ein starker Industriestandort.

  6. 7.

    Wenn im linksgrünen Brb. sogar auf Mindestbezahlung im öffentlichen Dienst (überwiegend Frauen) erfolgreich geklagt werden muss, dann zeigt das was genau...? Und jetzt das "Beste": die Lücke zwischen Mann und Frau wird so verringert, dass die Männer bei Neueinstellung weniger angeboten bekommen? Was das unter linksgrünen Arbeitgebern, nicht nur für die Rente, auch für Familien bedeutet..? Wahnsinn!

  7. 6.

    "Equal Pay besagt, dass zwei Menschen, die genau den gleichen Job machen, dasselbe Gehalt dafür bekommen sollten. "

    Genau. Ich meine auch, dass sich die, die sich für die Abschaffung / Verringerung des Gap einsetzen, keinen Gefallen tun, wenn sie den unbereinigten Wert von 18% herumtragen.
    Die Originalveröffentlichung (link im letzten Absatz des Artikel) unterscheidet da ganz klar. Bereinigt kommen eben 6 % heraus. Früher waren es 7%.
    Echte 6 % weniger für Frauen bei gleichem Job und gleicher Qualifikation finde ich genauso schlimm und dagegen muss vorgegangen werden. Die 18...20% werden (teilweise eben zu recht) zerpflückt und die ganze Thematik nicht ernst genommen.

  8. 5.

    Also wenn Frauen hier in Brandenburg mehr verdienen als Männer sollte sofort eine Bürgerinitiative gegründet werden und zeitnah an der Planung von Demonstrationen in Fehrbellin, Nauen und Michendorf gearbeitet werden. *Ironie off*

  9. 4.

    Diese Vergleiche kann ich immer nicht nachvollziehen. Das ist doch Äpfel mit Birnen vergleichen. Und mit Equal Pay hat das nichts zu tun. Equal Pay besagt, dass zwei Menschen, die genau den gleichen Job machen, dasselbe Gehalt dafür bekommen sollten. Und ja, da ist es leider oft so, dass die Frauen für denselben Job weniger verdienen. Das ist ungerecht!

    Aber zu sagen, dass Frau weniger verdient, weil sie als Sekretärin nunmal nicht so viel verdient wie der Chefarzt, das ist Unsinn. Natürlich verdient sie dann weniger. Oder wenn ich nur 30 Std. arbeite und mein männliches (oder auch weibliches) Pendant 40 Std., ja, dann verdiene ich eben weniger. Solche Vergleiche hinken.

  10. 3.

    Klar, wenn alle wenig verdienen, ist der Unterschied auch kleiner. Statistische Augenwischerei. Man sollte endlich energisch gegen den größten billiglohnsektor in Europa vorgehen (gemessen an Produktivität).

  11. 2.

    Die um fast ein Fünftel günstigeren Frauen, müssten doch bei den kapitalistischen Ausbeutern, also den Arbeitgebern, einen echten Marktvorteil auf dem Arbeitsmarkt haben. Denn jeder Arbeitgeber will nicht nur, sondern muss auch sparen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Warum beschäftigen die bösen Arbeitgeber die Männer dann aber für ein Fünftel mehr? Wieder so eine ungeklärte Frage im linksgrünen Narrativ von der nimmer enden wollenden Benachteiligung der Frauen.

  12. 1.

    Man sollte erst einmal die Lohnungleichheit zwischen Ost und West schließen . Ich komme aus Hessen und hätte hier in Berlin in meinem Beruf als Speditionskaufmann 30 % weniger verdient , obwohl ich dazwischen sogar noch 6 Jahre Selbstständig war !! Die Lohnlücken zu Bayern und Baden -
    Würtenberg wären noch grösser gewesen .

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