Regierungsterminal am Flughafen Berlin-Brandenburg BER in Berlin-Schönefeld (Bild: IMAGO / photothek)
Video: Brandenburg aktuell | 12.03.2021 | Hanno Christ | Bild: IMAGO / photothek

Finanzplan für die nächsten Jahre vorgestellt - Flughafen BER braucht weitere 1,9 Milliarden Euro Staatshilfe

4,5 Milliarden Euro Schulden hat die Flughafengesellschaft FBB bereits - und für den nach legendären Pannen eröffneten BER werden die Steuerzahler wohl noch deutlich mehr Geld hinlegen müssen. Wann er schwarze Zahlen schreiben könnte, wurde am Freitag deutlich.

Der Flughafen BER braucht weitere 1,9 Milliarden Euro vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg. So steht es im Finanzplan des Betreibergesellschaft FBB für die kommenden Jahre, den der Noch-FBB-Chef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag bei einer Sitzung des Aufsichtsrats erklärte. Das entspricht fast der Summe, die der Flughafen ursprünglich einmal kosten sollte.

Die Flughafengesellschaft hat bereits etwa 4,5 Milliarden Euro Schulden. Dafür fallen alleine rund 200 Millionen Euro Zinsen jährlich an. Der Plan der Flughafenleitung: Die drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund tilgen einen Teil der Schulden in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro. "Wir werden in den nächsten Jahren Zuwendungen der Gesellschafter brauchen", sagte der Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider.

Gesellschafter sehen Teilentschuldung als kleineres Übel

Um weitere 800 Millionen Euro bittet die Flughafengesellschaft als Liquiditätsunterstützung, um nach der Krise wieder auf den Beinen zu stehen und selbständig wieder Kredite aufnehmen zu können, sagte Lütke Daldrup am Freitag. Maßgeblich schuld an der Misere sei die Corona-Krise und die dadurch desaströs gesunkenen Fluggastzahlen, argumentiert die Flughafengesellschaft. Für 2021 erwartet Lütke Daldrup rund 10,7 Millionen Fluggäste - und damit nur 30 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019 mit 35,6 Millionen.

Doch Wirtschaftsprüfungs-Experten mahnen: Die Planungen seien schon vor der Krise nicht seriös gewesen. "Man muss sagen, das ist eine Finanzplanung im Blindflug. Die Glaubwürdigkeit der Zahlen die von der Geschäftsführung geliefert werden, ist meines Erachtens nicht sehr hoch - weil sich gezeigt hat, dass in der Vergangenheit immer zu optimistische Annahmen gemacht wurden", sagte Hansrudi Lenz dem rbb, er ist Professor am Lehrstuhl für Wirtschaftsforschung an der Universität Würzburg.

Weil eine Insolvenz den Steuerzahler aber noch teurer kommen würde, tendieren die Gesellschafter zu einer Teilentschuldung, als das kleinere Übel. So erklärte es auch Brandenburgs Finanzministerin Katrin Lange (SPD) am Freitag Brandenburg Aktuell. Für eine Zustimmung müssten allerdings noch Teilberechnungen und die Gesamtkonzeption vorgelegt werden. Die Bundesregierung kündigte an, dass die Eigentümer bei einem Gesellschaftertreffen am 19. März den Finanzbedarf beraten. "Der Bund wird seiner Verantwortung als Miteigentümer der FBB entsprechend der Beteiligungsverhältnisse im Gleichlauf mit den anderen Gesellschaftern nachkommen", erklärte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Berlins Finanzsenator Kollatz (SPD) sagte, es gehe um "das Überbrücken einer Durststrecke, die mehrere Jahre dauern wird."

Aufsichtsrat stimmt vorzeitigem Abschied von Lütke Daldrup zu

Die Flughafengesellschaft weist diese Vorwürfe zurück. Doch auch für die Opposition im Landtag verschwimmen inzwischen die Grenzen zwischen den Folgen der Corona-Krise und hausgemachten Problemen. "Natürlich ist der Flughafen schwer getroffen. Aber das jetzt auseinanderzuhalten, was tatsächlich an Corona-Hilfen wo reinfließt, welche Kosten eigentlich für die einzelnen Terminals, die Betriebskosten, die Stillegung des Terminals 5 auflaufen - das ist für uns nicht ganz ersichtlich", sagte Marlen Block, Landtagsabgeordnete der Linken.

Der BER wurde nach jahrelangen Verzögerungen wegen Problemen am Bau Ende Oktober 2020 eröffnet. Die Kosten stiegen von geplanten rund 2,7 Milliarden Euro auf knapp sechs Milliarden Euro. Der 64-jährige Lütke Daldrup hat noch einen Vertrag bis März 2022, will aber schon Ende September aufhören. Der Aufsichtsrat stimmte dem am Freitag zu. Schwarze Zahlen wird der BER wegen des Corona-Einbruchs voraussichtlich erst in fünf Jahren schreiben, wenn er entschuldet wird, so der Finanzplan.

19 Kommentare

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  1. 19.

    Ja, hier sind wir ausgeliefert; man macht alles mit uns; es gibt ja keine Gesetze gegen diese Verschleuderer. Aber wehe eine ALDI-Verkäuferin gibt einen gefundenen Flaschenbon nicht ab. Die fliegt. Moderne Sklaverei.

  2. 17.

    In diesem Staat wird von den Politikern und Managern keiner zur Verantwortung gezogen. Wie heißt es dann immer: haben sie ja nicht mit Absicht gemacht. Schuldigung. Dafür gibt es die kleinen Steuerzahler die Trottel der Nation.

  3. 16.

    Der Herr Flughafenchef weiß schon, warum er vorzeitig geht.

  4. 15.

    4,5 Mrd +1,9 Mrd macht 6,4 Mrd Euro fehlenden Geldes also Schulden für alle Steuerzahler. Und was hatte dieses Supermoderne Flughafenprojekt, das jetzt schon über ein Jahrzehnt veraltet und nicht funktioniert, bisher gekostet?
    Die unglaubliche Summe von weiteren 6,5 Mrd Euro... BER muß geschlossen und vom Flugnetz genommen werden. Der gesamte Vorstand muß zurücktreten und streng zur Rechenschaft gezogen werden mit Rückzahlung der Vorstandsgelder. Dieser hat mitnichten die Aufgaben erfolgreich erledigt, wie das Vorstandsmitglied vorgibt, das jetzt als erster das sinkende Schiff verlassen will.
    Der wirtschaftliche Schaden dieses Bruchflughafens ist für die gesamte Region immens. Dieses Flughafenprojekt ist nicht systemrelevant, sondern systemzerstörend - wurde zum Kollateralschaden größer als der CoronaWirtschafteinbruch.

  5. 14.

    Sehr gut angemerkt. Sehe ich ganz genauso.
    Ich würde mir darüber hinaus aber sehr wünschen, dass endlich mal Schuldige festgestellt und bestraft werden für dieses Dauer-Desaster bzw. für dieses Fass ohne Boden.

  6. 13.

    4,5 Mrd +1,9 Mrd macht 6,4 Mrd Euro fehlenden Geldes also Schulden für alle Steuerzahler. Und was hatte dieses Supermoderne Flughafenprojekt, das jetzt schon über ein Jahrzehnt veraltet und nicht funktioniert, bisher gekostet?
    Die unglaubliche Summe von weiteren 6,5 Mrd Euro... BER muß geschlossen und vom Flugnetz genommen werden. Der gesamte Vorstand muß zurücktreten und streng zur Rechenschaft gezogen werden mit Rückzahlung der Vorstandsgelder. Dieser hat mitnichten die Aufgaben "erfolgreich" erledigt, wie das Vorstandsmitglied vorgibt, das jetzt als erster das sinkende Schiff verlassen will.
    Der wirtschaftliche Schaden dieses Bruchflughafens ist für die gesamte Region immens. Dieses Flughafenprojekt ist nicht systemrelevant, sondern systemzerstörend - wurde zum Kollateralschaden größer als der CoronaWirtschafteinbruch.

  7. 12.

    Hier wären Ausführungen interessant gewesen, welche Zuschüsse andere Flughäfen in Deutschland erhalten (haben). Die Zahlen ließen so manches besser vergleichen und relativieren.

  8. 11.

    Der z.Z. eingeschränkte Flugbetrieb ist ein Segen für das Flughafenumfeld. Dass man später sein Steuergeld für die Vernichtung seiner Heimat zahlen soll, sehe ich nicht ein. Wer für seinen Urlaub zahlt, soll auch die echten Flugpreise ausgleichen. billigflüge und Kurzflüge sollten verboten werden.

  9. 10.

    Ein Glück für die Verursacher, im Land der Lämmer und Treudoofen zu leben. In China wäre das strafrechtlich anders ausgegangen.

  10. 9.

    Das ist nicht nur, daß eine Unmenge Geld für den Berliner Flughafen vorhanden ist und weiter die Hand aufgehalten wird.

    Merkel verteilt doch sonst auch immer weltweit unser hart erarbeitetes Steuergeld und verteilt es weltweit. Jetzt erst wieder vor kurzem 1,5 Milliarden Euro für Impfstoff außerhalb der EU. Die vielen Armen und besonders auch die armen Rentner interessiert doch Merkel und unsere Regierung nicht, andere sind doch viel wichtiger.

  11. 8.

    Wofür brauchen wir noch einen Flughafen, wo wir doch wegen Corona & Klimaschutz umerzogen werden zum Urlaub im Stadtpark oder Wohnzimmer und Dienstreisen längst im Internet stattfinden? Ab in die Insolvenz!

  12. 7.

    Ganz einfach. Der eine geht auf sein Handeln bzw.äußere Umstände in die Insolvenz, der andere übernimmt die "politische Verantwortung"

  13. 6.

    Seit Jahren schreibe ich das der Abriss das beste ist... nun hoffe ich das der tolle Flughafen noch viel mehr Geld „verbrennt“, Viren verbreitet und dann stillgelegt wird.

  14. 5.

    Ich bin fassungslos. Für die Armut in Deutschland wird nicht locker gemacht aber hier darf es ein wenig mehr sein.
    Wie konnte so etwas passieren?!

  15. 4.

    Für Flugausfälle durch Corona ist eine Hilfe ok. Mir scheint es so, das da doch ein wenig mehr aufgerechnet wird. Sind die prognostizierten Flugmengen realistisch, oder vielmehr ein Wunsch um den BER in Größe und Umfang im Nachhinein zu rechtfertigen?
    Ob wir das erfahren werden? Da müssen Prüfer genau hinsehen, und es müssen auch endlich einmal alles offengelegt werden.
    So jedenfalls nicht, mit „Prinzip Gießkanne“ muss jetzt Schluss sein.

  16. 3.

    Davon Anteil Berlins: 709 Millionen Euro, also ca. 2 Wochen aller Steuereinnahmen.
    Aber dafür, dass beteiligte Herrschaft, inkl. von Baufirmen mit teils fragwürdigen Rechnungen, in Goldmünzen baden kann, dafür arbeitet die Arbeiterschaft natürlich gerne mehr bzw. ärmer. Denn da wo eine Person 100 Millionen hat, und 99 Personen gar nichts haben (auch wenn unter was für auch immer Arbeitsbedingungen zu arbeiten, mit heftigen Sanktionen wenn gemeckert bzw. gekündigt wird, während Abzocker im besten Fall gerade mal bißel Tadel bekommen, wohl weil sich haben erwischen lassen und nun mal jemand ggf. schaut woher denn z.B. nur bei CDU-Bundestagsabgeordneten mehr als 8 Millionen Euro gemeldete Nebeneinkünfte, und auch bei anderen Parteien Verflechtungen mit privaten Firmen, welche Geld sogar ohne Auftrag bekommen), da wird halt so getan als ob allgemeiner Wohlstand, wo doch im Schnitt von 100 Personen jede eine Million Euro hat, und nur zum Spaß z.B. Pfandflaschen in Mülleimer sucht.

  17. 2.

    Also ist der Konkurs nicht mehr abzuwenden.
    Die FB B ist verpflichtet einen Antrag zu stellen.
    Zur Entschuldung sind vom Treuhänder alle verwertbaren Grundstücke filetiert zu verkaufen.
    Aus SXF, TXL und THF macht man Wohn - und Mischgebiete, das bringt Geld in die Kassen. Die FBB kann dann neu starten oder wir fliegen von HAJ, der hat kein Nachtflugverbot und ist in 1.20 per ICE zu erreichen.

  18. 1.

    Hier also steckt die fehlende HartzIV-Kohle.

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