Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Video: rbb|24 | 10.03.2021 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Interview | Flughafenchef Lütke Daldrup - "Meine Aufgabe ist weitestgehend erledigt"

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hört im September auf - einige Monate früher als geplant. Die CDU mutmaßt, er mache sich wegen der Finanzlage am BER frühzeitig vom Acker. Im Interview erläutert Lütke Daldrup seine Gründe - und was er nun vorhat.

rbb: Herr Lütke Daldrup, Sie haben angekündigt, zum September dieses Jahres vorzeitig zu gehen, ein halbes Jahr vor dem Ende Ihres Vertrages. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Engelbert Lütke Daldrup: Ich werde in diesem Jahr 65. Ich glaube, wir haben die wesentlichen Aufgaben, die ich vor vier Jahren übernommen habe - den BER ans Netz zu bringen - geschafft. Wir haben auch das Unternehmen ordentlich durch das erste Jahr der Corona-Krise gesteuert. Im letzten Jahr haben wir 80 Millionen Euro einsparen können durch eine große Kraftanstrengung. Die wesentlichen Dinge, die ich für das Unternehmen tun kann, habe ich in den letzten vier Jahren organisiert. Ich bleibe ja noch ein halbes Jahr, es wird einen sehr guten Übergang geben, und dann ist auch mal Zeit, Adieu zu sagen.

Sie haben die Finanzen angesprochen: Hat es etwas mit der desaströsen Finanzlage zu tun? Die CDU mutmaßt schon, Sie machen sich jetzt vom Acker und ziehen sich aus der Verantwortung - was sagen Sie dazu?

Das finde ich sehr wohlfeil. Ich habe die Themen in den letzten Jahren immer auf den Tisch gelegt. Ich habe immer transparent darüber informiert, dass der BER sehr knapp finanziert worden ist. Ich habe schon vor einem Jahr gesagt: Wir brauchen mehr Eigenkapital. Wir haben dem Unternehmen einen strengen Sparkurs verordnet. Wir haben sehr viele Investitionen gestrichen und verschoben, und wir haben jetzt ein fertiges Finanzierungskonzept. Ich werde die Umsetzung noch ein halbes Jahr begleiten, und dann kann ich das guten Gewissens in andere Hände legen.

Interview mit Lüdke Daldrup (Quelle: rbb)
Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH | Bild: rbb

Nun fällt dieser Zeitpunkt, zu dem Sie gehen wollen, zufällig auch auf den der Abgeordnetenhauswahl in Berlin. Sie sind ehemaliger Politiker, Städtebauexperte, Sie waren Staatssekretär in der Bundesregierung und in der Berliner Landesregierung. Spielen Sie mit dem Gedanken einer Rückkehr in die Politik?

Ich spiele mit gar keinen Gedanken, das ist reiner Zufall. Nein, meine Aufgabe ist weitestgehend erledigt, die Grundlage ist gelegt für eine nächste Periode der Flughafenentwicklung. Wir werden jetzt drei, vier, fünf Jahre vor uns haben, wo wir uns wieder an die alten Zahlen herankämpfen. Und dann wird der BER vielleicht als Nummer zwei in Deutschland seine Rolle als Hauptstadtflughafen wahrnehmen und auch mehr Verbindungen von Berlin und Brandenburg in die Welt entwickeln.

Im Oktober gehen Sie also ins Rentendasein - ist das eine realistische Vorstellung oder kommt da noch was?

Also, ich strebe keine Ämter an, keine neuen Funktionen. Ich freue mich ein bisschen darauf, mehr Zeit zu haben. Und wenn das eine oder andere noch nebenbei zu tun ist, stehe ich natürlich zur Verfügung.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Boris Hermel.

Sendung: rbb24, 10.03.2021, 21:45 Uhr

14 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 14.

    Na er hat sich doch ganz wacker geschlagen. Endlich zuende gebracht, was Heerscharen vor ihm nicht geschafft haben.

    Und unter uns, der BER ist nicht "pleite". Er wird auch nicht "pleite" gehen, wenn schon, dann eher die FBB als Betreiber. Diese wiederum ist ein gemischtöffentliches Unternehmen und deren Gesellschafter haben für kritische Infrastruktur-Projekte und -Unternehmen immer ziemlich gefüllte Geldsäckel im Keller liegen.
    Und selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass die Gesellschafter Bund, Brandenburg und Berlin den Finanzbedarf der FBB nicht mehr decken wollen, gibt es eine Reihe anderer Betreibermodelle für den BER, z.B. in Form einer PPP. Also ganz düstere Zeiten für Schrot-TXL-Liebhaber und BER-Schwarzmaler. ;-)

  2. 13.

    Mal ganz unter uns..

    Der Schuppen ist bald Pleite. Da auf diesem Hobbyflugfeld noch nicht einmal Luftfracht bearbeitet wird, ist damit also auch kein Schilling zu holen. Die paar Touribomber, die noch vielleicht starten, werden nix retten. Von Billigheimers und Co kommt noch nüscht.

    Man hätte ja glatt mal bei Fraports "abschreiben" können.

    Also - bevor man also die Pleite anmelden muss, geht man lieber. Das passt schon.

    Im übrigen, hat er seine Aufgabe schon erledigt, bevor er angefangen hat. Städteplaner baut Flughafen - iss ja wie in.......naja

  3. 12.

    Ja, der BER ist erledigt, eine Erfolgsgeschichte. Auch Herr Daldrup hat seinen Anteil daran. Bitte als Prämie einen Freiflug auf den Mond für den Herrn.

  4. 11.

    Warum sollte Herr Lücke Daldrup sich irgendwo zur Ruhe setzen. Er hat doch wohl ein zu Hause und er erscheint mir recht fit und braucht daher noch kein Alterssitz!

  5. 10.

    Richtig, er soll einen Lebensruheabend in der Siedlung Hubertus verbringen- da kann er mal stauen, was Menschen für Menschen leisten können. Auch das Hotel Hecke in Waltersdorf wäre als Altersitz ideal.

  6. 9.

    Herr Müller übernehmen Sie. Sie möchten doch nicht mehr als regierender Bürgermeister kandidieren, das wäre die ideale Stelle für Sie.

  7. 8.

    Auch ich denke er hat seinen Job unter dem Strich gut gemacht. Aber ich rate ihm (wenn er erlaubt) trotzdem ein klares Wort dazu sagen, warum er um ein halbes Jahr verkürzt. Aufgabe seiner Meinung nach erledigt, ist nicht eingängig. 6 Monate sind keine Zeit ... Denn so lässt es viel zu viel Spielraum für wilde Spekulationen, oder (schlimmer für ihn) wird sonst für ihn von Anderen (unschön) beantwortet.

  8. 7.

    Die CDU sollte mal ganz still sein. Sie hat als ehemalige Regierungspartei die Situation beim BER mit zu verantworten. Und man sollte auch nicht vergessen, dass sie uns Steuerzahler den hunderte Millionen teuren Weiterbetrieb Tegels überhelfen wollte.

  9. 6.

    Und wenn ich dazu im RBB Teletext Seite 125 die abwertenden Bemerkungen der Herren Gräff und Czaja lese, dann kann einem die Galle hochkommen. Hätte doch einer dieser Herren BER ans Netz bringen sollen.
    Herr Lütke Daldrup ist doch eigentlich Städteplaner. Nun mit 65 in die Rente ist doch legitim. Nach seiner vollbrachter Leistung kann nun auch ein anderer für die Folgezeit den Flughafen leiten.

  10. 5.

    Sehe ich genauso. Der Flughafen ist eröffnet. Job erfüllt. Dafür wurde er eingestellt. Und immer die Kommentare von wegen Steuergelder. Ich will gar nicht wissen wieviel von den Kommentartoren überhaupt Steuern zahlen.

  11. 4.

    Ich kann Herrn Lütke Daldrup sehr gut verstehen. Er hat im Gegensatz zu seinen Vorgängern den BER an den Start gebracht und wird ständig mit den Versäumnissen seiner Vorgänger konfrontiert und verantwortlich gemacht. Das hat er nicht nötig. Wenn ihm seine Gesundheit lieb ist, genießt er seinen verdienten Ruhestand.

  12. 3.

    Abend!
    Ich schließe mich meinem Vorgänger an. :) ELD hat ein guten Job gemacht und ich gönne Ihn auch den Ruhestand und ich hoffe das man sich wie das letze mal reimzufällig sieht, und mal plaudern und einfach mal Grüßen und bye bye sagen ;) Alles gute ELD!

  13. 2.

    Der Gedanke, dass die Ratten das sinkende Schiff verlassen, liegt schon nah. Bin mal auf die BER-Jahresbilanz gespannt. Praktischerweise wurde der BER im Oktober eröffnet, wo ELD dann schon im Ruhestand sein wird.

    Und zum Thema Rente: Wenn er jetzt in Rente geht und das sein Argument ist, ist das schön für ihn, jeder Otto Normal muss inzwischen jedoch deutlich länger als mit 65 arbeiten. Na ja, die Rente muss nur hoch genug sein, dann machen die Abzüge einem natürlich nichts...
    Es wäre gut gewesen, ihn noch etwas zu halten, denn er hat es geschafft, den (Eröffnungsdatums-) Karren aus dem Dreck zu ziehen, vielleicht könnte er den BER auch zukunftsfähig machen. Aber ich denke, er ist so ein gewissenhafter Typ, dass er im nächsten Hj. noch einige Weichen stellt.
    Persönlich sei ihm das Altenteil freilich gegönnt, vielleicht wird er dann auch ein bisschen lockerer. Meinem Empfinden nach wirkt dieser Mann immer sehr angespannt und verkniffen, war auch bei der BER-Eröffnung so.

  14. 1.

    Ich gönne Herrn Lütke Daldrup seinen Ruhestand nach der harten Arbeit, den BER an den Start zu bringen. Er hat einen tollen Job gemacht, was man von seinen Vorgängern nun wirklich nicht behaupten kann. Und an all die Meckerer - hört einfach auf zu meckern und kümmert Euch um Euren Krams ;-)

Nächster Artikel