Testpflicht im Einzelhandel - Wenig Interesse an Einkauf mit Negativ-Test in Potsdam

Sa 27.03.21 | 21:43 Uhr
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child mit der Aufschrift „Betreten nur nach Vorlage eines negativen Corona-Tests“ vor dem Karstadt-Kaufhaus in Potsdam (Quelle: dpa/Stache)
Video: Brandenburg Aktuell | 27.03.2021 | J. Wochnik | Bild: dpa/Stache

In den Einzelhandelsgeschäften Potsdams ist seit diesem Samstag der Einkauf mit einem negativen Corona-Test möglich, die Resonanz darauf fiel am ersten Tag aber eher verhalten aus.

Bei kühlem Frühlingswetter waren nicht viele Menschen in der großen Fußgängerzone in der Brandenburger Straße unterwegs, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. Auch die Marktplätze waren eher spärlich besucht. Aus Sicht des Handelsverbands Berlin-Brandenburg stellte sich der Start des Einkaufens mit negativem Corona-Testergebnis in Potsdam als "Flop" heraus.

"Betreten nur nach Vorlage eines negativen Corona-Tests"

Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hatte eine Verfügung erlassen, nach der in Potsdamer Einzelhandelsgeschäften ab diesem Samstag der Einkauf nur noch mit einem negativen Corona-Test möglich ist, entweder einem PoC-Antigen-Schnelltest oder PCR-Test, der höchstens 24 Stunden alt sein darf. Das gilt für Personen ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr und für den Zutritt zu Verkaufsstellen des Einzelhandels sowie für Baufachmärkte, Baumschulen, Gartenfachmärkte und Gärtnereien. Ausgenommen sind Läden des täglichen Bedarfs, wie Supermärkte, Bäckereien, Fleischereien und Wochenmärkte. Die Regelung gilt zunächst bis 11. April.

Vor einigen Potsdamer Läden standen Schilder mit der Aufschrift "Betreten nur nach Vorlage eines negativen Corona-Tests". In anderen Geschäften konnten Kundinnen und Kunden per "Click und Collect" ihre Ware vorher im Internet aussuchen und dann an der Ladentür bezahlen. Ein Schuhladen in der Fußgängerzone hatte eine Bank bereitgestellt, damit die Kunden die Ware draußen anprobieren konnten.

"Es ist das eingetreten, was wir befürchtet haben - es war Totentanz"

Mit einer Testpflicht im Einzelhandel solle dafür gesorgt werden, das Einkaufen in Potsdam möglichst sicher zu gestalten, hatte Schubert erklärt. Die Tests würden helfen, Infektionsketten zu erkennen, zu durchbrechen und das Infektionsgeschehen einzudämmen. Die Stadt hatte für ihre Bürger kostenlose Schnelltests angeboten. Die Landeshauptstadt plant nach eigenen Angaben, eine der Modellkommunen im Land zu werden, um eine sichere Öffnung von Handel und Gastronomie zu ermöglichen.

"Es ist das eingetreten, was wir befürchtet haben - es war Totentanz", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Und der erste Eindruck sei meistens der entscheidende. "Terminvereinbarung plus Test - das bringt keinen dazu, sich in die Innenstadt zu begeben", sagte er.

Busch-Petersen kritisierte zudem die Koordinierung vor Ort. Seines Wissens seien die Testzentren der Stadt bereits um 13 Uhr geschlossen gewesen. "So funktioniert das nicht." Stattdessen schlägt er vor, mit flächendeckenden Tests und Corona-Schutzimpfungen die Wirtschaft in "vernünftigen Schritten" wieder hochzufahren, ohne Terminvereinbarung über Quadratmeter-Regelungen. "In den Läden haben wir die Macht und das Hausrecht, zu sortieren und für Ordnung zu sorgen. Das haben wir auch bewiesen, dass das klappt", sagte er.

Corona-Infektionszahlen im Land steigen weiter an

Zudem könne die Luca-App zur Kontaktverfolgung eingesetzt werden. Wie andere Bundesländer will Brandenburg gegen die Ausbreitung des Coronavirus künftig die Luca-App nutzen und hat einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen, wie das Gesundheitsministerium am Samstag mitteilte. Mit dem Landesvertrag könnten noch vor Ostern bis zu sechs und bis etwa Ende April alle Landkreise und kreisfreien Städte die Luca-App anwenden. Die Nutzung der App, die auf allen gängigen Smartphones läuft, ist kostenfrei.

Unterdessen steigen die Corona-Infektionszahlen im Land auch am Samstag weiter an. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag nach Angaben des Gesundheitsministeriums am Samstag bei rund 135 Fällen pro 100.000 Einwohnern, nach knapp 130 am Freitag und rund 129 am Donnerstag.

Wegen der steigenden Zahlen müssen in immer mehr Landkreisen die jüngsten Corona-Lockerungen zurückgenommen werden. Zehn Kreise sowie die Städte Cottbus und Frankfurt (Oder) lagen demnach am Samstag mit ihrer Sieben-Tage-Inzidenz mindestens 3 Tage hintereinander über 100. Damit greift die Notbremse aus der Verordnung des Landes in Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Oberhavel, Oder-Spree, Teltow-Fläming, Spree-Neiße, Potsdam-Mittelmark, Havelland, Ostprignitz-Ruppin, Barnim und den kreisfreien Städten Cottbus und Frankfurt (Oder). Dort dürfen sich nach den aktuellen Regeln nur noch ein Haushalt und eine weitere Person treffen, Geschäfte und Museen dürfen nicht mehr für Termin-Einkäufe öffnen. Supermärkte und andere Läden für den täglichen Bedarf sind davon ausgenommen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 27.03.2021, 19:30 Uhr

33 Kommentare

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  1. 33.

    Sind die Diversen Tests und Med. Masken eigentlich Umsatzsteuerpflichtig

  2. 32.

    Lt. Website des Bundesgesundheitsministeriums (https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronatest/faq-schnelltests.html) sind pos. PoC-Schnelltests durch die durchführende Einrichtung (durch geschultes Personal) meldepflichtig. Es besteht Anspruch auf einen PCR Test zur Verifikation des Schnelltests. Der Schnelltest sagt immer nur aus, daß zum Testzeitpunkt nicht genügend Material für einen Nachweis vorhanden ist; den Schluß, daß man nicht mit C. infiziert ist, kann man daraus nicht ableiten. Deshalb ist aber auch der Umkehrschluß, daß ein pos. Ergebnis eine Infektion bedeutet, unzulässig, denn es kann durchaus sein, daß der Schnelltest positiv, der PCR Test hingegen negativ ausfällt.

  3. 31.

    Man hat mich zum Internetshopping gezwungen, nun habe ich mich daran gewöhnt.

  4. 30.

    Gut zu wissen, dass wir als Nicht-Potsdamer von den Tests in Potsdam ausgeschlossen sind. Lieber RBB, berichten Sie doch bitte darüber, ob wir als Nicht-Berliner auch in Berlin von diesen Tests ausgeschlossen sein werden. Aus meiner Sicht werden die Tests nur dann in größerer Zahl angenommen, wenn die Testeinrichtung vor dem Einkaufszentrum oder am Anfang der Einkaufsstraße steht und alle Einkaufsinteressenten gleich behandelt werden. Und selbstverständlich muss auch geregelt sein, wie es für die positiv getesteten weitergeht. Es kann ja gerade nicht damit gerechnet werden, dass alle negativ sind.

  5. 29.

    Auf dem "Zertifikat" steht wörtlich:
    "Das Testergebnis war negativ. Daraus ergibt sich kein Hinweis auf eine Infektion. "
    Sprich das ganze ist sinnlos und nichtssagend. Der Satz ist im Video nur kurz zu sehen und wird vom RBB auch nicht erwähnt. Der wichtige Satz "Daraus ergibt sich kein Hinweis auf eine Infektion" ist entscheidend. Sprich: Getestet haben wir die Person, der Test war negativ aber ob die Person infiziert ist wissen wir durch diesen Test nicht.

  6. 28.

    Es ist, wie Sie sagen, @Marion.
    Ich arbeite im handwerklich-gestalterischen Bereich. Bislang versuchte ich, meinen Kunden die multiplen Versandkosten zu ersparen und auch natürlich Wartezeit aufs Produkt, indem ich eben spontan zum analog-Geschäft fuhr, um das Gewünschte zu erstehen.
    Ein durchaus bewusster Nebenaspekt war der, die örtlichen Geschäfte zu unterstützen und dem Monopolisten mit dem A nicht zu sehr in die Hand zu spielen.
    Mit dieser Testpflicht ist das hinfällig. Denn soll ich die Ansteherei meinen Kunden als Stundensatz aufbrummen?
    Das kann ich niemandem vermitteln. (Die Versandkosten schon eher.)
    Ich hoffe noch ein kleines bisschen, dass click and collect nicht betroffen ist von dieser Pflicht. Eine Antwort habe ich daraus bislang auch nicht.

  7. 27.

    Und genau das gleiche Verfahren will nun Berlin. Wenn Tests, dann direkt am Geschäft und auf dessen Kosten. Kein Kunde ist verpflichtet, in ein Ladengeschäft zu gehen und dazu Eintrittsgeld zu bezahlen. So funktioniert das nicht.
    Es ist nur der Versuch, die Verantwortung für den Bankrott des Einzelhandels den Kunden zuzuschieben nach dem Motto: "Wir haben den Handel aufgemacht, aber die Kunden boykottieren die Geschäfte. - Die sind Schuld!"

    Und hat sich jemand mal Gedanken über die Testanzahl gemacht? Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat 2018 ca. 50 Mio. Kundenkontakte pro Tag gezählt. Selbst wenn sich daraus nur 5 Mio Personen ergeben würden (10 Kontakte pro Person und Tag) mit Test, dann bräuchte man 5 Mio. pro Tag oder 1,5Mrd. Tests (ca. 300 Öffnungstagen) pro Jahr allein in Deutschland! Wo sollen die herkommen? Und wer entsorgt den ganzen Testmüll?

  8. 25.

    Brandenburg versagt beim Impfen und schiebt die Verantwortung auf die Bevölkerung ab. Natürlich geht kaum ein Mensch unter diesem Umständen was anderes als Lebensmittel einkaufen. Auch die Maskennpflicht trägt dazu bei. Es gibt nun gleich mehrere hocheffektive Impfstoffe. Wenn der Staat da versagt, darf er nicht weiter die Bevölkerung in die Pflicht nehmen!

  9. 24.

    Gilt eh nur noch 3 Tage. Ich bin gespannt ,was dann kommt.

  10. 23.

    Diese Testerei macht keinen Sinn, da man diesen jeden Tag aktualisieren müsste. Besser wäre Eintritt im Geschäft mit Mindestanzahl von Person, Mundschutz und Desinfektion.

  11. 22.

    Es sind die Stunden der Bürokraten, nicht der Pragmatiker.
    Darin war Deutschland schon immer ganz groß, Entscheidungen per Dekret vom Tisch zu diktieren.

  12. 21.

    Ich werde mich an diesem Schwachsinn auch nicht beteiligen. Das ist Zweckaktionismus und Geld verbrennen.
    Dieses Geld wäre in Impfstoff besser angelegt. Das aber wird in Deutschland noch lange Utopie bleiben.
    Diese Handlungsfähigkeit der Politik wird langsam unerträglich. Aber nicht mal durch die Wahl kann man was ändern, denn in keiner Partei sind Politiker, denen ich das besser zutraue.

  13. 20.

    Sehr geehrter Herr Dwilling-Haß,
    die von Ihnen zuletzt gestellte Frage wer lügt, trifft es voll ins schwarze. Nur sind es m.M. noch zu wenige die sich die gleiche Frage stellen. Und von Seiten der Politik kann man leider nicht erwarten bis jemand einen Fehler macht und die Wahrheit ans Licht kommt. Und das die Politik nichts gelernt hat innerhalb eines Jahres, stimmt auch zu 100%.
    Mit freundl. Grüßen

  14. 19.

    Fakt ist, dass das Einkaufen so einfach keinen Spaß macht. Wer nicht unbedingt dringend etwas benötigt, der tut sich das sicherlich nicht an. Nirgends kann man zwischendurch mal gemütlich sitzen, um etwas zu essen oder zu trinken und mit Freunden zu schnacken. Nein, das törnt einfach nur ab.

  15. 18.

    Ist nicht mehr zeitgemäß... das shoppen in der City. Macht endlich zu Eure Geschäfte, wandelt diese in Wohnungen um, vermietet diese. Umweltverträglicher kann man anders nicht Leben anstatt immer mehr Wald und Flur vernichten für weitere Neubausiedlungen.

  16. 17.

    Das war doch klar. Selbst Click&Meet sorgt ja nicht für die notwendigen Umsätze.

    Es wird der online-Handel sein, der weiterhin als Sieger aus dem Rennen geht. Der Politik sei dank.

    Sätze wie „ Die Tests würden helfen, Infektionsketten zu erkennen, zu durchbrechen und das Infektionsgeschehen einzudämmen.“ bringen mich immer zur Verzweiflung. Denn damit zeigen Politiker, dass sie offensichtlich in einem Jahr nichts gelernt haben.

    Nichts wird erkannt und offensichtlich wird auch nichts eingedämmt. Wäre es so, dann wären die Zahlen ja nicht so hoch.

    Da ja gleichzeitig die zusätzlichen Tests nicht der entscheidende Punkt für die hohen Zahlen sein soll, bleibt die Frage: wer lügt? Politik, Experten oder das Zahlenwerk?!

  17. 16.

    Handwerker sind oft auf den Besuch eines Baumarktes angewiesen. Planen lassen sich diese Einkäufe nicht immer. Brauchen Firmenmitarbeiter auch einen Test oder bleibt die alte Regelung des Gewerbescheins bestehen? Alles andere würde noch mehr Handwerker finanziell schwächen.

  18. 15.

    Und Berlin macht es nun auch so kompliziert. Sogar Friseur nur mit Test. Wo soll man bitte morgens einen Test herbekommen? Oder sollen die Läden \ Friseure dann erst ab mittags arbeiten? Ist doch nicht durchdacht das ganze

  19. 14.

    Na da wird der Hr. Müller mit seiner Testpflicht für fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens gehörig auf die Nase fallen! Wenn es hier im kleinen Brandenburg schon nicht klappt, wie soll das denn im großen Berlin funktionieren? Träume!

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