Symbolbild: Ein Schuldenberaterin der Caritas, links, und eine Klientin, rechts, waehrend einer Schuldenberatungssitzung in einer Beratungsstelle am 18. Mai 2018. (Quelle: dpa/Christof Schuerpf)
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Schuldneratlas 2020 - Weniger überschuldete Menschen in Berlin und Brandenburg

Etwas weniger Menschen als noch vor einem Jahr hatten 2020 in Berlin und Brandenburg dauerhaft höhere Ausgaben als Einnahmen. Doch die Zahlen von 2020 zeigen vermutlich nicht das wahre Ausmaß der Überschuldung von Verbrauchern. Von Götz Gringmuth-Dallmer

Trotz Kurzarbeit oder fehlender Aufträge in der Corona-Krise ist die Anzahl der Menschen, die überschuldet sind, in Berlin und Brandenburg zurück gegangen. Das zeigen die Zahlen aus dem aktuellen SchuldnerAtlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, die am Dienstag veröffentlicht worden sind.

Demnach ist die Zahl der überschuldeten Berlinerinnen und Berliner um fast 6.000 Personen (-0,3 Prozentpunkte) zurückgegangen. Zum Stichtag 1. Oktober 2020 wiesen 365.978 erwachsene Einwohnerinnen und Einwohner der Hauptstadt Überschuldungsmerkmale auf. Das ist der niedrigste Stand seit 2011. Im Jahr 2019 waren es noch 371.792 Menschen.

Auch in Brandenburg ist die Zahl der überschuldeten Verbraucherinnen und Verbraucher von 9,8 auf 9,6 Prozent weiter zurückgegangen. Zum Stichtag 1. Oktober 2020 wiesen demnach insgesamt 204.576 Personen Überschuldungsmerkmale auf. Somit sank die Zahl der Überschuldungsfälle um rund 3.500 Personen (1,7 Prozent). 2019 waren es noch 208.108 Menschen. Damit ging die Zahl der überschuldeten Menschen in Brandenburg prozentual sogar etwas stärker zurück als im Bundestrend (- 1,0 Prozent).

Ob die Zahlen vom 1. Oktober 2020 exakt die Wirklichkeit abbilden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Denn für Verbraucherinnen und Verbraucher gibt es im Gegensatz zu Unternehmen keine Insolvenzantragspflicht. Dazu kommt, dass es zum 01.01.2021 ein länger angekündigte Gesetzesänderung (bundesregierung.de) gab. Nach dieser können sich Verbraucher und Verbraucherinnen bereits nach drei Jahren anstatt bisher nach sechs Jahren entschulden.

Von den staatlich anerkannten sozialen Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen Berlin heißt es dazu, es könne schon sein, dass durch die Gesetzesänderung die Leute mit dem Antrag auf Privatinsolvenz gewartet haben, da es nun attraktiver sei, sich erst jetzt zu entschulden.

Creditreform erklärt die rückgängigen Zahlen auch damit, dass im ersten Lockdown 2020 weniger Geld ausgegeben wurde und dass durch staatliche Hilfen für Selbstständige und durch das Kurzarbeitergeld die Verbraucher gestützt wurden. Die Firma geht von einer Verdoppelung der Privatinsolvenzen in den kommenden Monaten und einem deutlichen Anstieg der Überschuldungsfälle aus.

Definition überschuldet

Im SchuldnerAtlas wird Überschuldung als eine wirtschaftliche Situation definiert, in der die Ausgaben und Zahlungsverpflichtungen einer Person dauerhaft höher sind als deren Einnahmen oder Vermögen. Ausschalggebend dafür sind juristische Sachverhalte, wie zum Beispiel ein Antrag auf Restschuldbefreiung oder auch unstrittige Inkasso-Fälle.

Die Schuldnerquote misst den Anteil der überschuldeten Personen im Alter über 18 Jahren an der volljährigen Gesamtbevölkerung.

Ebenso wie die Anzahl der überschuldeten Menschen sank in Berlin auch die Schuldnerquote leicht um 0,3 Prozentpunkte auf nun gut 12 Prozent. Damit liegt die Bundeshauptstadt immer noch über zwei Prozentpunkte über dem bundesweiten Durchschnitt von 9,87 Prozent.

Am höchsten ist die Schuldnerquote in Spandau mit 15,46 Prozent, gefolgt von Neukölln mit 14,82 Prozent und Mitte mit 14,19 Prozent. Einstellige und somit die niedrigsten Schuldnerquoten in Berlin haben Steglitz-Zehlendorf mit 7,8 Prozent und Pankow mit 9,2 Prozent.

Große Unterschiede bei den Schuldnerquoten gibt es auch in Brandenburg. Die höchste Quote verschuldeter Verbraucherinnen und Verbraucher gibt es mit 15,8 Prozent in Brandenburg an der Havel. Die geringste Schuldnerquote gibt es mit 7,3 Prozent im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Elf der insgesamt 18 Landkreise und kreisfreien Städte haben eine einstellige Quote, Teltow-Fläming und die Uckermark liegen nur ganz knapp über zehn Prozent.

Eine Gemeinsamkeit beim Thema Schulden von privaten Verbrauchern haben beide Bundesländer. Männer sind deutlich häufiger von Überschuldung betroffen als Frauen. In Brandenburg sind 11,5 Prozent der Männer überschuldet, bei den Frauen sind es 7,5 Prozent. In Berlin liegt die Schuldnerquote bei Männern bei 15,3 Prozent und bei Frauen bei 8,5 Prozent.

Die Hauptursachen für eine Überschuldung bei Verbrauchern sind nach Angaben der Bundesregierung unverschuldete und unvorhergesehene Ereignisse wie Krankheit, Scheidung und Arbeitslosigkeit.

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