Die Seilbahn in den Gärten der Welt in Marzahn-Hellersdorf vor Wohnhäusern in Marzahn-Hellersdorf. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa/Jens Kalaene

FDP schlägt Seilbahnen für ÖPNV vor - Wenn der Berliner Nahverkehr an den Seilen hängt

Geht es nach der FDP, fährt Berlin bald Seilbahn. Die Liberalen sehen das bislang meist in den Bergen übliche Verkehrsmittel als Ergänzung zum ÖPNV in der Stadt. Im Abgeordnetenhaus gab es dazu überraschend viel Zustimmung. Von Sebastian Schöbel

Die Frage ist nicht, ob Berlin bald Seilbahnen als Teil seines ÖPNVs bekommt, sondern wann. Dieser Eindruck drängte sich am Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus jedenfalls auf: Denn ein entsprechender Antrag der FDP bekam über die Parteigrenzen hinweg durchaus Zuspruch – auch wenn es bis zur ersten Gondelfahrt wohl noch eine Weile dauern wird.

Fünf Strecken sind im Gespräch

Geht es nach der FDP-Fraktion, soll der Bau von insgesamt fünf Seilbahnstrecken geprüft werden: Vom S-Bahnhof Tempelhof über das Tempelhofer Feld bis zum Columbiadamm, vom Hansaplatz über den Tiergarten bis zum Potsdamer Platz, zwischen dem Kurt-Schumacher-Platz und der neuen "Urban Tech Republic" auf dem ehemaligen Flughafen Tegel, und zwischen Tegelort und Kladow, mit Zwischenstopp am Rathaus Spandau. Die FDP in Spandau denkt zudem über eine Seilbahn zwischen dem Rathaus Spandau und der westlichen Landesgrenze im Falkenhagener Feld nach.

Schneller und günster gebaut als Straßenbahntrassen

Seilbahnen seien gut geeignet, um Gewässer oder Parks zu überbrücken, sagt der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Henner Schmidt, in der rbb-Sendung "Heute im Parlament". Zudem seien sie mit Baukosten von sechs Millionen Euro pro Kilometer und einer Bauzeit von 13 Monaten günstiger und schneller zu errichten als etwa Straßenbahnen.

Die Linke ist stolz auf die Marzahner Seilbahn

Schmidt gegenüber steht in der rbb-Sendung Kristian Ronneburg, der Verkehrsexperte der Linken und zeigt sich offen für den Vorschlag der Liberalen, was eher selten vorkommt: "Wir haben nichts gegen Seilbahnen", so Ronneburg, Abgeordneter für den Bezirk Marzahn-Hellersdorf. "Wir haben bereits eine Seilbahn bei uns im Bezirk und sind sehr stolz darauf", sagt Ronneburg in Anspielung auf die IGA-Seilbahn. Die würden die Linken auch gerne in den restlichen ÖPNV integrieren. "Und wir können uns durchaus weitere Seilbahnverbindungen vorstellen." Baulich jedenfalls sei das eine "realistische Vision", sagt er.

Seilbahnen Berlin ÖPNV Spandau Tempelhof Moabit Tiergarten (Quelle: rbb|24)

Die Linke plädiert für einen "Masterplan Seilbahnverbindungen"

Allerdings fehle bislang die "Grundlagenarbeit", so Ronneburg. "Wir wären für einen 'Masterplan Seilbahnverbindungen'." Ob sich Rot-Rot-Grün bis zur Wahl darauf einigen kann, sei unklar, räumt Ronneburg ein.

Der SPD-Verkehrsexperte Tino Schopf verweist auf den Nahverkehrsplan, in dem Seilbahnen zumindest perspektivisch als Verkehrsmittel der Zukunft schon erwähnt sind. "Der Prüfauftrag, den sie fordern, ist bereits erteilt", sagt Schopf Richtung FDP.

Für die Grünen stimmt die Kostenrechnung der Seilbahnbefürworter nicht

Trotzdem wird es wohl noch Überzeugungsarbeit brauchen – allerdings nicht nur bei der BVG, sondern auch bei der Berliner Verkehrsverwaltung. Die wird bekanntlich derzeit von der Grünen-Politikerin Regine Günther geführt. Und während sich ausgerechnet Linke und Liberale für die Gondeln im ÖPNV begeistern können, sind die Grünen eher skeptisch. "Ich bezweifle, dass Seilbahnen Stadtteile nach unseren Standards erschließen könnten", wendet der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Harald Moritz, ein. Und ob sie günstiger zu bauen wären, sei auch zu bezweifeln, schon mit Blick auf den Kauf von Grundstücken und die behördliche Auflagen. Priorität müsse zunächst der Ausbau des vorhandenen ÖPNVs haben.

Die CDU nutzt die Seilbahnskepsis der Grünen für eine Breitseite auf deren Verkehrspolitik: Die würde Berlin nur "verzwergen", so der Verkehrspolitiker Oliver Friederici, und forderte die drei Koalitionsfraktionen auf, "dass sie sich klar dazu bekennen, dass wir in Berlin ein neues Verkehrsmittel einführen: Die Seilbahn!".

Die AfD will in keiner Seilbahn schweben

Komplett abgelehnt werden die Seilbahnvisionen derweil von der AfD. Deren verkehrspolitischer Sprecher, Frank Scholtysek, zitierte Fachliteratur, wonach Seilbahnen eher etwas für "Dritte-Welt-Regionen" ohne richtigen ÖPNV seien. Für den FDP-Vorschlag hatte er nur Polemik übrig: "Das gemeine Volk bleibt unten im Straßenverkehr und die FDP-Fraktion schwebt darüber in der Czaja-Schaukel."

Nun soll sich zunächst einmal der Verkehrsausschuss mit dem Vorschlag beschäftigen. Wegweisende Entscheidungen dürfte es allerdings in dieser Legislaturperiode nicht mehr geben. Hören aber wird man das Wort „Seilbahn“ sicherlich in den kommenden Wochen und Monaten öfter: Als Wahlkampfthema.

Sendung: Heute im Parlament, 11.03.2021, 15 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 12.03.2021 um 16:39 Uhr geschlossen

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Beitrag von Sebastian Schöbel

57 Kommentare

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  1. 57.

    In La Paz in Bolivien stehen Autofahrer jeden Tag stundenlang im Stau. Zum Glück gibt es dort seit 2014 mehrere Seilbahnen. Ein überraschender Anblick: die Gondeln befördern rund 100.000 Personen täglich über die Stadt.

    https://www.youtube.com/watch?v=m7J6XvMS2pc

  2. 56.

    New York, Rio de Janeiro, La Paz, Köln, und wenn Sie Google bemühen, dann finden Sie noch mehr Städte mit Seilbahnen als teil des ÖPNV.

  3. 55.

    Wie wäre es denn mit einer Seilbahn als Alternative zur U3-Verlängerung von Krumme Lanke nach Mexikoplatz ? Wäre doch eine super Strecke für eine Seilbahn! Wurde hier noch garnicht diskutiert...

  4. 54.

    Hallo FDP ! Neue Spitzenksndidaten mit alpinen Wurzeln ? Die S Bahn braucht noch Brücken in Lankwitz, Jungfernheide. Nach Strausberg und Potsdam fehlen 2. Gleise. Der Hauptbahnhof hat noch keine Ringanschlüsse, Flughafen Tegel wartet auf S- und U-Bahn, MV, Spandau-Heerstr. Adlershof, Gbf Pankow, Betriebshöfe für Tram und Bus gegen häufige Leerfahrten, für längere Busse und Züge. Wenn die Herschaften von der FDP Zuviel Freizeit haben..., ach nee, Keine Ideengeber, die Stammkneipe ist ja zu.

  5. 53.

    Warum nicht Schi-Schlepplifte, wenige Masten, geringes Verkehrsaufkommen, 9 Monate im Jahr Außer Betrieb ? Immer wenn die Wahl kommt wird es bei Berlins Politikern dunkel im Kopf. Wer macht die gesetzlich vorgeschriebene Wartung ? Grün-Linke HobbyBergsteiger ? Wer baut mal schnell die Straßen für den Dieselbus-Ersatzverkehr ? Warum ist noch Geld übrig, wenn die neuen Fahrzeuge für S- U- und Straßenbahn wirklich bestellt wurden ? Ah Masten für Strom-Trasse für E-Fahrrad-Ladestationen ! Müßten dass nicht 100tausend mehr sein ? Warum nicht Seilbahn im Regierungsviertel ? Mit Anschluß an die Botschaften ? Weil selbst der Bundesverkehrsminister darauf nicht reinfällt.

  6. 52.

    So ein unausgegorener Unsinn kann nur von der FDP kommen!!!

  7. 51.

    Wer in den Gärten der Welt die Seilbahn schon mal genutzt hat, weiß wie langsam die ist. Als ernstzunehmendes Verkehrsmittel für den Berufsverkehr ist sie daher nicht geeignet, eher als Freizeitgaudi. Von Marzahn bis in die City gondeln, könnte ich mir ganz nett vorstellen, aber die vorgeschlagenen Strecken scheinen mir ziemlich sinnlos. Was macht man am Columbiadamm, wenn man übers Tempelhofer Feld gegondelt ist? Da gibt es nur ne Bushaltestelle.

  8. 50.

    Seilbahnen sind auch eine Alternative, dort wo es passt und man sollte durchaus darüber nachdenken. Auch Schiffsverbindungen auf Spree und Havel könnte man einrichten.

  9. 49.

    Es gibt in Singapur EINE Seilbahn. Die verbindet einen Hügel mit einer Touristeninsel, vergleichbar mit der Seilbahn in Marzahn. Da ist Singapur also nicht weiter als Berlin.

    Seilbahnen werden nur dort errichtet, wo die Topografie es erfordert. Berlin ist nicht La Paz. Hier werden Seilbahnen weder gebraucht noch können sie die Verkehrsströme bewältigen. Es geht der FDP nur darum, Straßenbahnen zu verhindern. Die würde eher den ÖPNV auf Raketen umstellen als ihm Straßenraum zu geben.

  10. 48.

    Klar, nach der Stadt stauen wir jetzt auch noch unsere Gewäser zu, gehts noch? Wir müssen weg vom MIV und brauchen Lösungen die umsetzbar und praktikabel sind, also in erster Linie Straßenbahnen und Busse, dazu müssen private KfZ raus aus der Stadt.

  11. 46.

    Typisch Autofahrerpartei: Jedes Verkehrsmittel ist recht, solange es nicht auf der Straße fährt. Egal, ob teure U-Bahnen, die erst in 15 Jahren fertig werden, oder Seilbahnen, deren Transportkapazität viel zu klein ist – Hauptsache freie Fahrt für freie Audis!

  12. 45.

    Nur mal zwischendurch: La Paz hat ne Seilbahn, weil es ne Stadt mit grossen Steigungen ist.
    Die Mexico City Seilbahn ist keine 5 Kilometer lang und überbrückt auch bergiges Gelände.
    Wo bitte sollen also in Berlin grosse Distanzen überbrückt werden, ohne alle paar Meter riesige Masten aufzustellen?
    Das klingt mir alles nach einem Sahnestückchen, aber nicht nach einem ernstzunehmenden Blick auf den Ausbau des ÖPNV in Berlin.
    Wie wäre es, wir sprächen mal über eine Schnellbootverbindung zwischen Köpenick und Spandau?
    Aber die Nullen die uns die Bayern seit Jahrzehnten ins Bundesverkehrsministerium schicken, sprechen ja auch gerne über Hubschrauber in der Stadt. Statt sich um Infrastruktur Schiene, Brücken und digitale Netze zu kümmern.
    Finde es ehrlich gesagt...Kindergarten.

  13. 43.

    Für alle die es interessiert. Ein Video zum Thema:
    https://youtu.be/oV1YhfjDDjw

  14. 42.

    Entschuldigung wenn ich mal lachen muss. Vor Jahren gab es einen Vorschlag eine Seilbahn vom Müggelturm nach Rübezahl zu bauen oder nach Grünau. Der Vorschlag wurde abgelehnt weil man keine Seilbahn über die Strasse bauen kann.

  15. 41.

    Seilbahnen sind in vielen großen Städten weltweit schon fester Besrandtril der Verkehrsinfrastruktur, so z.B. in Singapur, wo die Seilbahn zudem noch von der Tiroler Firma Leitner ist wie die Seilbahn in den Gärten der Welt, zumal Leitner auf städtische Seilbahnen spezialisiert ist.

    Man sollte auch mal über den Tellerrand bzw. über den Grenzland hinaus ins Ausland gucken, denn dort gibt es einiges, das Deutschland anwenden könnte.

    Aber bei der typisch deutschen Borniertheit, dem krankhaften Drang, alles erst einmal gefühlt zehntausende diskutieren und prüfen zu müsen und der maßlosen Überregulierung (über sie sichvdie ganze Welt schon köstlich amüsiert) fehlen einfach der nötige Weitblick und sie nötige Flexibilität.

  16. 40.

    Für die Sterecke ziwshchen Kurtschumacher Platz und dem Flughafen Gelände sehe ich das nicht wirklich als sinvoll. Da muss entweder eine Ubahn oder zurnot eine Straßenbanverbindung her. Die Sollte aber dann auch von Wittenau aus entlang der ollenhauer, über den Kutschi und UrabnTEch bis runter zur Jungferheide, damit man eine Regio Verbindung hat.

    Aber zwischen Tegel und Kladow finde ich die gut, vor allem wenn es über Flüsse und Seen geht.

  17. 39.

    Als vorübergehende Insellösung sicher eine nachdenkswerte Idee. Schließlich funktionieren in einigen Ländern Seilbahnen als ÖPNV auch sehr gut, z.B. La Paz und Mexico City. Beide Städte haben auch das Problem des mangelnden Verkehrsraumes und U Bahnen wären für den etwas niedrigeren Bedarf zu teuer.
    Ach übrigens: Bei diesen ÖPNV Seilbahnen braucht niemand im Fahren rein- und rausspringen. Die Goldeln halten an bzw. werden vom Zugseil entkoppelt und an jeder Station gibt es eine Aufsichtsperson, die im Bedarfsfall eingreifen kann. Nur eben auch... in diesen erprobten ÖPNV-Seilbahnen sind Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle kein Thema. Anders als die gesetzlichen Anforderungen hier bei uns.

  18. 38.

    Es gibt Seilbahnen, bei denen jede Kabine durch eine Kupplung individuell von Zugseil abgekoppelt und durch einen geeigneten Mechanismus am Bahnhof gebremst und fixiert werden kann.
    Bei einer solchen Bahn können die Gondeln am Bahnhof halten, ohne die ganze Bahn anhalten zu müssen.
    Eine barrierefreie Gestaltung ist technisch möglich und rechtlich und sozialpolitisch sicher auch zwingend.

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