Glasfaser-Kabel mit farbigen Einzelsträngen. (Quelle: dpa/Peter Knefel)
Bild: dpa/Peter Knefel

600.000 Anschlüsse bis 2025 - Telekom kündigt Glasfaser-Offensive in Berlin an

Die Deutsche Telekom will Berlin zur "Glasfaser-Hauptstadt Deutschlands" machen. Insgesamt sollen eine Million schnelle Internet-Anschlüsse entstehen, profitieren sollen alle Bezirke. Allerdings dauert der Ausbau noch ein paar Jahre.

Die Deutsche Telekom hat angekündigt, das Berliner Stadtgebiet in den kommenden sechs Jahren mit einer Million Glasfaser-Anschlüssen auszustatten. Wie das Telekommunikationsunternehmen am Freitag mitteilte, soll Berlin die "Glasfaser-Hauptstadt Deutschlands" werden.

Die ersten 600.000 Anschlüsse will der Bonner Konzern bis Ende 2025 fertigstellen, insgesamt soll bis 2027 ein Glasfaser-Netz mit einer Million sogenannter FTTH-Anschlüssen entstehen. Damit startet die Telekom nach eigenen Angaben das größte Glasfaser-Ausbauprojekt im Bundesgebiet. Die neuen Anschlüsse bieten den Nutzern Geschwindigkeiten von bis zu ein Gigabit pro Sekunde, wie die Telekom weiter mitteilte. Nicht nur Privathaushalte sondern auch Unternehmen und Schulen sollen profitieren.

Die Telekom konzentriere sich nicht auf bestimmte Stadtteile, hieß es. Der Ausbau soll in allen zwölf Bezirken erfolgen. "Wir zählen dabei auf Unterstützung aus der Politik, zum Beispiel bei Genehmigungsverfahren oder bei der Erlaubnis, alternative Verlegemethoden zu nutzen", teilte Srini Gopalan, im Vorstand der Telekom für das deutsche Festnetz- und Mobilfunkgeschäft zuständig, mit.

Telekom will auf Leerrohrsystem zurückgreifen

Für die Bauarbeiten in Berlin seien die Voraussetzungen günstig, weil man in weiten Teilen der Stadt auf ein umfangreiches System von leeren Rohren zurückgreifen könne, hieß es weiter. So könne die Belastung durch Baulärm und Verkehrseinschränkungen deutlich gesenkt werden, weil wenig Tiefbau-Maßnahmen erforderlich seien. Als alternative Verlegemethoden will die Telekom Trenching oder Spülbohrungen einsetzen.

Die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) wertete die Ankündigung der Telekom als "gute Nachricht". Sie begrüßte, dass durch effiziente Planung "die Anzahl und das Ausmaß von Baustellen" reduziert werden könnte. Pop sagte, sie sehe "spürbare Vorteile" für alle Seiten.

Bernd Schlömer, Sprecher für Digitalisierung, Netzpolitik und Bürgerrechte der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, sagte, dass der Ausbau zum richtigen Zeitpunkt komme: "Die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet ist unabdingbar für die künftige Datenökonomie in der Stadt", so Schlömer. Der Senat dürfe "keine bürokratischen Hürden" stellen und nicht als "Bremse" wirken. "Es muss einfach mal schnell gehen in der Hauptstadt."

Glasfaserübertragung bis in die Wohnung

In den vergangenen Jahren setzte die Telekom vor allem auf Glasfaser nur bis zum Verteilerkasten, von wo aus das Internet über herkömmliche Telefonkabel weitergeleitet wurde (VDSL). Künftig soll die Glasfaserübertragung bis in die Wohnung gehen, wodurch die Übertragung deutlich schneller und stabiler wird - die maximal Downloadgeschwindigkeit steigt von bis zu 250 MBit pro Sekunde auf 1000 MBit pro Sekunde.

Einige Wettbewerber bieten in Berlin bereits solche schnelle Anschlüsse an. Sie nutzen für den Weg vom Verteilerkasten bis ins Haus relativ dicke TV-Kabel. Vodafone kann nach eigenen Angaben schon 1,4 Millionen Haushalte in Berlin mit Gigabit-Speed versorgen, Tele Columbus knapp 500.000. Die Stadt hat mehr als zwei Millionen Haushalte.

Die Investitionspläne sind Teil der Glasfaser-Strategie der Telekom, die auch andere Städte betrifft. Durch massiven Ausbau will das Bonner Unternehmen nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren ihren Beitrag dazu leisten, dass bis 2030 jeder Haushalt im Bundesgebiet über einen hochmodernen Glasfaser-Anschluss verfügt.

Sendung: Abendschau, 12.03.2021, 19:30 Uhr

27 Kommentare

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  1. 27.

    Meine Erfahrung ist, dass kein Anbieter wesentlich besser oder schlechter ist als ein anderer. Zum großen Teil benutzen Sie auch die selbe Infrastruktur. Die letzte Meile gehört bei DSL der Telekom.
    Aus eigener Erfahrung im Rahmen eines Umzuges durfte ich die Sabotageenergie der Telekom erleben, der die letzte Meile gehört. Mein Anbieter hatte mächtige Probleme Termine für die Anschaltung bei der Telekom zu kriegen. Dann hat sich die Telekom trotzdem nie dran gehalten und kam sogar unangekündigt einen Tag früher und begründete am Folgetag auf Nachfrage nach stundenlangem Warten Ihr Fernbleiben damit, dass sie ja schon gestern da gewesen wären aber niemanden antrafen. Das ist Telekom. Geschäftsschädigend für die Konkurrenz. Die ganze Story zog sich rund 2 Monate hin und geschieht 1000fach.

  2. 26.

    Wir hatten Vodafone für zwei Jahre, sehr instabil und unzuverlässig... Wurde gekündigt. Jetzt leben wir übergangsweise mit mobilem Internet und beobachten gespannt unseren Anmeldestatus bei der Telekom. Ich denke, einige werden gern bereit sein für vernüftiges, stabiles Internet mehr zu zahlen und wechseln.

  3. 25.

    Gut, der Berliner lebt von Ankündigungen. Ob es etwas wird, werden wir Jahrzehnte später sehen.

  4. 24.

    In der hiesigen Neubauanlage liegt Glasfaser. Die T. war innerhalb von 8 Monaten nach Bezug nicht in der Lage überhaupt einen Auftrag anzunehmen. Die Anlage sei nicht im System und dokumentiert. Trotz Beschriftung und Enddose. Ausreden ohne Ende. Beamte und Planer mit 50 in den Ruhestand schicken, aber kein Personal.
    Zum Schluss bin ich zu KDG gegangen, wie alle Nachbarn auch. Wechseln zu Wettbewerb ist bei Glasfaser nicht möglich.

  5. 23.

    Also auf dem Land läuft schon einiges aber weniger durch die Telekom als durch andere Anbieter. Stadtwerke Schwedt sind in Ostbrandenburg gut dabei. Einige Kollegen aus Dörfern können über die Möglichkeiten für Firmen und Schulen in FF nur schmunzeln. Da blinkt es schon aus dem Glas.

  6. 22.

    Leider hat bei der Digitalisierung seit 2011 die Bundesregierung komplett verschlafen. Mittlerweile haben wir Glasfaser. Wir hatten schon zuvor Kabel TV inkl. Internet. Ich kann bis 1 Gigabit buchen. Meine 200 MB kommen mit 230 MB an. Leider bekommen manche Einrichtungen kaum vernünftiges Internet, da sie nicht im Kabelnetz eingebunden waren und sind. Es gibt nur teure Einzellösungen die für soziale Einrichtungen unerschwinglich sind. Was die soziale Arbeit stark erschwert. Jetzt im Homeoffice ist das ein Wohltat für diese Einrichtung die Webseite aktuell zu halten. Was in der Einrichtung nur schwierig ist, da dort nur analoge Geschwindigkeit wie vor 20 Jahren ein ordentliches Arbeiten verhindert.

  7. 21.

    Neben der Ankündingung Werbewirksamer Ziele wurde auch gleich der Schuldige mit benannt wenn es denn nicht klappt. Und dann melden es gleich noch werbewirksam mehrere Medien der Stadt obwohl die Telekom immer noch einer der teuersten Anbieter ist.

    Nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte Netzausbau habe ich folgende Prognose: Ziel wird nicht erreicht. Die Telekom wird den Senat verantwortlich machen, selbst wenn er Sonderregelungen zum beschleunigten Netzausbau und Wettbewerbsverzerrungen zu Gunsten der Telekom erlässt. Zur Not fehlt einfach Geld vom Steuerzahler zum Ausbau dieser privaten Infrastruktur mit dem man fest gerechnet hat.

    Mein Frust zu der Thematik ist sogar schon so stark, dass ich auf Grund dieser Ankündigung erwarte bis 2030 vielleicht 500000 mehr Glasfaseranschlüsse von der Telekom in der Stadt zu haben, aber auch nur vielleicht da es inzwischen Kupfertechnologien gibt die den Gigabit erreichen können.

  8. 20.

    Was nicht so alles angekündigte wird dieser Tage.
    Der Senat, die Bundesregierung, die Telekom und Gott und die Welt kündigt an. Nur, dass keiner*ne die Ankündigungen umsetzt. Wahlzeit ist's!

  9. 19.

    Hoffentlich bewegt sich die Howoge dann auch mal. Haben hier Nähe Ring (nicht im Ring) nur eine 16tausender Leitung. Meist dümpeln wir bei 7-8000 rum. Wenn überhaupt. Mehr ist nicht machbar laut Telekom und Howoge, die sich am Anfang sogar ganz dumm gestellt hat. Vergesse nie das Telefonat mit einer schnippigen Howoge-Mitarberin, wo mir gesagt wurde, ich soll mir halt einen besseren Laptop anschaffen, dann wird’s Internet auch schneller. Homeoffice, Streaming und Co.für einen 5 Personen Haushalt durchweg schwierig. Zum Glück guten LTE Empfang. Aber teuer.

  10. 18.

    Also wieder wird bei einer Ankündigung laut gejubelt darin sind wir ja mittlerweile Weltmeister.
    Und dann kommt die Ernüchterung, erstens ist die Telekom ein Profit orientiertes Unternehmen
    Die wird das nicht umsonst machen. Also geht da nichts unter 100 Euro im Monat. Und zweitens legt die Telekom die Glasfaser nur bis Haustür. Und im Haus müssen dann neue Leitungen auf Kosten der Mieter gelegt werden. Tja so ist das Leben ohne Geld geht da gar nichts.

    .

  11. 17.

    Die Telekom ist nun einmal privatwirtschaftlich und in einer Stadt mit Wohnungen über oft 5 bis 11 Etagen kann man pro Euro mehr Leute mit FTTH versorgen als in einer Einfamilienhaus-Siedlung. Mal ganz abseits der deutlich einfacheren Kommunikation. In der Stadt sind es oft Genossenschaften oder Großvermieter, die dann wiederum ihre Vermieter über Umbaumaßnahmen o.ä. informieren können. Auf dem Land muss sich jeder Haushalt einzeln für den Anschluss entscheiden.

  12. 16.

    1.) Artikel lesen (Alle Bezirke)
    2.) Aktuell wird z.B. großflächig in Karlshorst und Pankow FTTH verlegt.

  13. 15.

    Haushalte über 2 Mio. - Glasfaseranschlüsse Vodafone 1,4 Mio + Telecolumbus 0,5 Mio = 1,9 Mio + Telekom 1Mio = 2,7 Mio im Jahr 2027 ? Die Telekom bedient wohl eher Büro-Neubauten. Leer-Rohr-System ? Wem gehört das ? Abwasserrohr, Gasrohr ? Wer hat Geld Rohrleitungssysteme auf Vorrat, Reserve zu bauen ? Was am Schluß übrig bleibt sind alte Elektrolyt-KUPFER-Kabel. 97-99 %. Die sind das Ziel, die Kupferminen der Hauptstadt zu einem einträglichen Schrottpreis.

  14. 14.

    "bis 2030 jeder Haushalt im Bundesgebiet" ist schon 1. April?

  15. 13.

    noch besser. Ich wurde von der Telekom angerufen,ob ich nicht einen besseren Anschluss möchte als 50 MB.
    So wird die Telekom ihre Vorgabe erfüllen.

  16. 12.

    Das kommt davon, wenn man die Netze in private Hände gibt. Bei der Bahn (Netz) hat man das zum Glück noch rechtzeitig korrigiert. Ist zwar eine Aktiengesellschaft aber 100% hält der Bund (noch). Die Firmen installieren dort Innovation, wo es sich rechnet. In der Stadt, wo alles schön dicht beieinander ist, die Installationskosten gering und die Kunden in Masse sind.
    Dabei gibt es genug weiße Flecken im lande. Im Land Berlin natürlich nicht.
    Ich bin mit meinen 50 Mbit bei 5 Personen gut am Start, ich bräuchte nicht uuuunbedingt 1000 oder mehr. Abder die Betriebe in ländlichen gegenden, die dort Arbeitsplätze halten und wo Homeoffice kaum möglich ist, die bräuchten das viel dringender. Im Hintergrund höre ich gerade Nachrichten und es geht um Impfreihenfolge.. so einen Plan sollte man auch mal für die Internetversorgung festlegen.

  17. 11.

    Bis jetzt liegtbei uns in Charlottenburg das Glasfasernetz
    auf der Strasse om grauen Kasten vor der Haupteingang
    tuer. Im Haus dann altes Kupferkabel für Telefon und Tv. Die Hausverwaltung ist dafür zuständig und ist auch nicht daran interessiert was dran zu aendern. Soe mueste die Verträge machen, da z. B Kabelamschluss mit in der Miete ist. Wir müssen uns mit langsammen Internet Geschwindigkeit und mauem Kabeltv begnügen. Ist ja auch nur teurer Sozialwohnung wo der Mietendeckel ni ht gegolten hat.

  18. 10.

    Den gleichen Gedanken wie Sie hatte ich auch . Nachdem wir hier innerhalb des Berliner S Bahn Rings lange mit maximal 20 Mbits leben mussten was beim Streaming von HD Filmen und gleichzeitigen betreiben von PC oder Internetradio schon hin und wieder mal an seine Grenzen gestoßen war bekommen wir jetzt seit dem Jahr 2019 an unserer Adresse bis zu 250 Mbits und das finde ich zumindest für private Haushalte für die nächsten Jahre mehr als ausreichend . Mann sollte lieber die vielen Orte mit neuen Anschlüssen versorgen wo es wenig bis gar keine Geschwindigkeit in Sachen Internet gibt und davon gibt es noch eine ganze Menge in Berlin und im Umland .

  19. 9.

    Ist ja unglaublich...
    Glasfaser wurde in unserer damaligen Wohngegend 1992/93 (?) verlegt und dann im Keller auf Kupferleitungen für Telefon umgeleitet. Jahrelang haben wir gestritten und diskutiert, es führte kein Weg dahin für die Telekom, Internet nur per ISDN-Modem. DSL...? Nein, nein, dazu mussten erst Kupferleitungen (Zukunft !) verlegt werden (um 2002 herum...), da waren die ursprünglich schon verlegten Glasfasern nicht im Konzept....

  20. 8.

    So liebe Politik, dann nutzt doch gleich die Chance wenn wieder Straßen, Radwege, Bürgersteige und Hauseinfahrten aufgerissen werden auch die Voraussetzungen für eine passable Ladeinfrastuktur zu schaffen. Nicht dass ein paar Jahre später die Stromversungsleitungen zu unterdimensioniert sind.
    Übrigens - 1Gbit/s ist ja toll, bloß was bringt es, wenn die Telekom bewußt Peering-Points zu Content-Anbietern nicht oder nur schleppend ausbaut, horrende Transferkosten im Backbone für den Rest der Welt bezahlt haben möchte? Schnachrlangsame Videokonferenzen werden dadurch auch nicht schneller.

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