Fahnen vor dem Messegeb‰ude der ITB Internationalen Tourismus-Börse am Palais am Funkturm am 29.02.2020 in Berlin. (Quelle: imago images)
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Start der virtuellen ITB - Fernweh im Konjunktiv

Die Internationale Tourismusbörse Berlin war im Frühjahr 2020 die erste Großveranstaltung in der Region, die wegen Corona ausfallen musste. Am Dienstag startet sie nun rein virtuell - und muss in Pandemiezeiten das Netzwerken und Reisen neu denken. Von Lydia Jakobi

Die virtuelle ITB beginnt mit einer Motivationsrunde: Erstmal tief durchatmen, rät die Autorin und Trainerin Syd Atlas in ihrer Videobotschaft. Das Leben mache sowieso was es wolle und finde aktuell eben nur in Zoom-Fenstern statt: "Now, what do you do, when your entire world is reduced to a Zoom-Window?"

Die Organisatoren der Internationalen Tourismusbörse haben sich darauf eingestellt. Keine Bienenkorb-Atmosphäre in riesigen Hallen, keine Häppchen oder Tanzdarbietungen. Stattdessen sei die Messe in diesem Jahr eine Mischung aus Netflix, Zoom und LinkedIn, erklärt Direktor David Ruetz: "Unser Ziel ist es, dass wir unseren Ausstellern, Fachbesuchern, Einkäufern und den Medien möglichst viele der Kernelemente einer physischen ITB zur Verfügung stellen. Das heißt Geschäfte anbahnen, Netzwerken, Wissensvorsprung und Branchennews teilen sind auf dieser Plattform möglich."

Auch kleine Anbieter kommen zum Zuge

Für das digitale Branchentreffen haben sich mehr als 3.500 Aussteller aus 120 Ländern angemeldet. Das sind lange nicht die Größenordnungen einer physischen ITB, die im Jahr 2019 zum Beispiel rund 10.000 Austeller und über 160.000 Besucher zählte. Dafür haben in diesem Jahr aber auch Unternehmen zur ITB gefunden, die sonst nicht dabei sind, meint Ruetz: "Die Hemmschwelle ist für viele etwas kleiner geworden. Die ITB ist auch in diesem Jahr traditionell sehr stark im Bereich Destinationen, Hotellerie und Technologie-Anbieter. Aber es kommen auch kleinere Anbieter jetzt in den Genuss einer gleichberechtigten Messeteilnahme. Es ist so etwas wie eine Demokratisierung eingetreten."

So stehen 2021 alle Anbieter auch vor demselben Problem: Die Corona-Pandemie hat den Tourismus einbrechen lassen. 2020 gab es auf der ganzen Welt gut 70 Prozent weniger internationale Ankünfte als im Vorjahr.

Klimafreundliche Urlaube im Fokus

Viele Diskussionsrunden der ITB drehen sich deshalb um die Frage, wie der Neustart nach der Krise gelingen kann. Daneben behandelt die Messe Trendthemen wie Medizin- und Wellnesstourismus – und beschäftigt sich intensiv mit dem Osten Deutschlands: Sachsen ist erste offizielle Kulturdestination der ITB. Sehr zur Freude von Tourismusministerin Barbara Klepsch: "Denn es sind eben nicht nur Dresden, Leipzig und Chemnitz als baldige Kulturhauptstadt Europas, was wir zu bieten haben. Es sind auch Städte wie Torgau, Annaberg-Buchholz, Meißen, Freiberg, Görlitz, die sächsische Schweiz, das Erzgebirge, das Vogtland oder das Lausitzer Seenland."

Von der Lausitz ist es auf der virtuellen ITB nicht weit nach Georgien, das in diesem Jahr Partnerland für nachhaltigen Tourismus ist - eines der großen Themen der Messe. Von der Zukunft des Flugverkehrs über den CO2-armen Urlaub bis hin zu mehr Inlandsreisen stehen viele Fragen auf der Agenda. Dass diesmal kein Aussteller nach Berlin kommen muss, ist dabei schon ein erster Schritt.

Sendung: Abendschau, 09.03.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Lydia Jakobi

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ich wäre schon weg, wenn es keine Pandemie gäbe.
    Ehrlich ... so'n Satz zieht einen runter.

    Ist ähnlich wie Ge ni tiv ins Wasser. Wieso? Ist da tiv?

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