Mitarbeiter von etwa dreißig Metallbetrieben nehmen im Rahmen eines Warnstreiks an einer Kundgebung vor dem Olympiastadion teil. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Audio: Antenne Brandenburg | 23.03.2021 | Robert Schwaß | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Berlin und Brandenburg - Metaller protestieren mit Autokorso für Tariferhöhungen

Die Gewerkschaft IG Metal hat in zahlreichen Betrieben zu Warnstreiks aufgerufen. Alleine bei Arcelormittal in Eisenhüttenstadt legten am Dienstag rund 650 Beschäftigte die Arbeit nieder. Die Arbeitgeber hingegen verweisen auf Corona - und fordern eine Nullrunde.

Hunderte Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie aus Berlin und Brandenburg sind am Dienstag bei Warnstreiks in der Hauptstadt zusammen gekommen. Per Autokorso aus verschiedenen Richtungen trafen sie am frühen Dienstagnachmittag zur Kundgebung vor dem Olympiastadion ein, wie die Industriegewerkschaft Metall mitteilte.

An den Aktionen beteiligten sich Mitarbeiter unter anderem des Stahlunternehmens Arcelormittal in Eisenhüttenstadt, des Eisenbahnbauers Alstom in Hennigsdorf oder des Elektrostahlwerks BES in Brandenburg an der Havel und aus Ludwigsfelde. Insgesamt hätten Beschäftigte aus mehr als 34 Betrieben teilgenommen, hieß es.

"Es ist hohe Zeit für die Arbeitgeber, sich zu bewegen", teilte die Bezirksleiterin der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, Birgit Dietze, mit. "Wir warten immer noch auf ein ernstzunehmendes Angebot und auf einen vierten Verhandlungstermin mit den beiden Arbeitgeberverbänden in unserem Bezirk."

Am Stahlwerk von Arcelormittal in Eisenhüttenstadt (Landkreis Oder-Spree) versammelten sich am frühen Morgen 650 Stahlwerker zum Warnstreik vor den Werkstoren. Von 6 bis 8 Uhr verliehen sie ihren Forderungen nach einer Tariflohnerhöhung von vier Prozent und sicherer Beschäftigung Nachdruck.

Forderungen nach Angleichungen von Ost und West

Die IG Metall fordert in den Verhandlungen für die insgesamt mehr als 3,8 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie bundesweit unter anderem eine Entgelterhöhung von vier Prozent für ein Jahr. Je nach Situation der Betriebe soll das Geld ausbezahlt oder beispielsweise zur Arbeitszeitminderung genutzt werden, um Beschäftigung zu sichern. Außerdem sollen alle Ausgebildeten unbefristet übernommen und ein "tarifliches Ausgleichsgeld" in Ostdeutschland gezahlt werden.

Der IG Metall im Tarifgebiet Berlin, Brandenburg und Sachsen reicht ein monetärer Ausgleich aber nicht: Sie beharrt auf einem Wechsel von der 38- auf die 35-Stunden-Woche auch in Ostdeutschland.

Streit über Einmalzahlungen

Aus Sicht der Arbeitgeber soll es hingegen in diesem Jahr eine Nullrunde geben; sie verweisen auf die Pandemiebelastungen zahlreicher Unternehmen in der Branche. Mitte Februar legten sie in der dritten Tarifrunde ein Angebot vor, dass "die Zahlung einer Mischung aus Einmalzahlung und Tabellenerhöhung ab 2022" ermögliche, wie der Verband der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg damals mitteilte. Die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen lehnte in einer Mitteilung vom Montag Einmalzahlungen ab; diese seien nicht tabellenwirksam, da sie nur einmalig ausgezahlt und sich so nicht auf die Tariflöhne der Beschäftigten auswirken würden.

Die Gewerkschaft verweist darauf, dass sich die Stahlindustrie nach Einbußen im ersten Lockdown während der Corona-Pandemie wieder erholt habe. Preise und Nachfrage seien so hoch, wie lange nicht mehr. Holger Wachsmann von der IG Metall Ostbrandenburg sagte dem rbb: "Schon im vierten Quartal des vergangenen Jahres ging es deutlich aufwärts. Insbesondere im Flachstahl-Bereich ist die Auslastung sehr gut. Die Preise haben sehr gut angezogen, und deswegen ist unsere Forderung sehr maßvoll. Für das, was jetzt läuft, ist das Angebot viel zu wenig und die Kollegen haben schon seit zwei Jahre keine tabellenwirksame Erhöhung bekommen."

Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen wollen Zugeständnisse machen

Die IG Metall verhandelt deutschlandweit in mehreren Tarifbezirken mit den Arbeitgebervertretern. Für Berlin und Brandenburg wird dabei für rund 110.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg mit dem Arbeitgeberverband VME verhandelt. Der Landesverband der Gewerkschaft vertritt auch Sachsen und verhandelt für den dortigen Tarifbezirk separiert für die rund 180.000 Beschäftigten in Sachsen mit dem Arbeitgeberverband VSME.

In Nordrhein-Westfalen, das häufig zum Pilotbezirk wird, haben die Arbeitgeber inzwischen angekündigt, eine Einmalzahlung und für 2022 eine tabellenwirksame Tariferhöhung anzubieten. Dieses Angebot sei aus Sicht der Gewerkschaft aber "beim Thema Entgelt und der Laufzeit unzureichend", hieß es am Dienstag erneut. Weitere Warnstreiks sollen folgen.

Sendung: Inforadio, 22.3.2021, 20.40 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    Sie unterschlagen wie so viele das Ziel der 35 Stunden Woche - mehr Menschen in Arbeit bringen. Da hat der Arbeitgeber natürlich nicht mitgespielt sondern es folgte Leistungsverdichtung und die hält bis heute an in Form von Produktionssteigerungen. Bis zu einem gewissen Grad kann man das mitmachen aber irgendwo ist eine natürliche Grenze. Es steht Ihnen doch frei, auch für 35 Stunden auf die Straße zu gehen so wie ich das tat damals.

  2. 11.

    Und schon geht die Neid-Debatte wieder los. - Wer gegen Lohnforderungen, -verhandlungen und Streik ist, sollte Seine Arbeitsleistung kontrollieren, korregieren und wenn der Chef/in immernoch knauserig ist, den Fehler beim Arbeitsleistungs-Nehmer suchen, finden und den Betrieb wechseln. - Kollegen bleibt standhaft !

  3. 10.

    Da hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Den Unternehmen geht es ja nicht schlecht, also kann es auch Lohnerhöhungen geben.

  4. 9.

    Wäre schon happy mit 38 WStunden und die wollen 35... Ehrlich, die Metaller haben leider Schuh oder das Maß verloren.

  5. 8.

    Wenn die Arbeitgeberforderung nach einer "flexiblen" Urlaubs- und Weihnachtsgeldzahlung hier auch mal berichtet werden würde, würden viele nicht mehr beim Thema "mehr Geld" meckern. Flexibel heißt hier nämlich, dass die Betriebe je nach Wetterlage variabel mal Urlaubsgeld zahlen, mal weniger, mal gar nicht, weil ihnen geht es ja so schlecht – wie man immer überall lesen darf. Dabei brummt das Geschäft. Rekordumsätze noch und nöcher, jährlich werden gute Dividenden gezahlt an die Aktionäre, die den Hals nicht voll genug bekommen können. Ich bin selber einer, wenn auch im kleinen Bereich. Es geht einzig um Gewinnmaximierung und um nichts anderes bei den AG.
    38 statt 35 Stunden weil die Infrastruktur ja so schlecht sei... ja ne iss kla, der Staat hat eine Meisterleistung hingelegt nach der Wende und den Osten hochgepäppelt, hat dabei aber den Westen vergessen. Wo es im Osten mangelt? Fachkräfte – aber das ist ein hausgemachtes Problem.

  6. 7.

    Ist das die richtige Zeit für Lohnerhöhungen zu
    streiken. Tausende von Menschen kämpfen ums
    Ueberleben.

  7. 6.

    noch vor 3 Wochen wurde uns für ein Rekordergebnis beim Umsatz, mit warmen Worten gedankt. Wir haben ordentlich Termine und reichlich zu tun. Ja wir geben unser Bestes. Und wie sieht das "Angebot" der Arbeitgeber aus???

  8. 5.

    Sven; gib dem saurus. Mein Vater hat auch schindern müssen, dass ihm der Schweiß die A...backen runter lief. Ich war mal im EKO zu DDR-Zeiten. Nicht auszuhalten und die Kollegen schufteten dort den ganzen Tag. Wer Arbeit nicht achtet ist für mich zum wegschnippen.

  9. 4.

    Seit wann ist ein Gehalt ein luxusproblem? Mein arbeitgeber hat in Corona mehr verdient als vor Corona. Warum darf der Arbeitnehmer von diesen Kuchen nichts abhaben.?

  10. 3.

    Luxusproblem? Also wir Stahlarbeiter können uns mit unseren Löhnen keinen Luxus leisten. Wenn du möchtest, wir suchen immer Personal. Und glaub mir nach ein paar Wochenendschichten oder nach der Nachtschicht schreibst du sowas nicht mehr.

  11. 2.

    Viele fürchten um ihre Jobs und Existenzgrundlagen, andere haben ein Luxusproblem Gehalt.

  12. 1.

    Viel Erfolg Kollegen. Die veröffentlichten Unternehmenszahlen zeigen was anderes als das Gejammer der Unternehmen.

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