Die Forscher bereiten Proben in einem Labor vor (Quelle: imago images)
Audio: Inforadio | 29.03.2021 | Franziska Ritter | Bild: imago images

Alternativen zu tierischen Produkten - Wenn Milch und Käse nicht mehr von der Kuh kommen

Rund um den Globus suchen Forschende nach Nahrungsmitteln, die Produkte tierischen Ursprungs ersetzen. Berlin ist ganz vorne dabei. Einige Ideen haben es schon in die Supermärkte geschafft – andere sollen folgen. Von Franziska Ritter

Der Markt für Lebensmittel, die Milch, Eier, Käse, Fleisch und Fisch ersetzen, wächst rasant. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting könnte er bis zum Jahr 2035 rund 290 Milliarden US-Dollar schwer sein. Das wäre mehr als das Siebenfache dessen, was die Branche heute erwirtschaftet. Doch was kommt dann anstelle von Schnitzel und Frikadelle auf unsere Teller?

Lebensmittelhersteller suchen nach pflanzlichen Alternativen. Auch die Technische Universität Berlin forscht in diesem Bereich. Wissenschaftler*innen des Fachgebiets für Lebensmitteltechnologie und Materialwissenschaften experimentieren zum Beispiel damit, ob Haferprotein den Job von Joghurtbakterien übernehmen kann und was sich mit den Resten, die beim Pressen von Johannisbeersaft übrigbleiben, anstellen lässt.

Nicolas Hartmann, Gründer von dem Start-up "Vly" (Quelle: rbb/Ritter)
Nicolas Hartmann, Gründer des Start-ups "Vly". | Bild: rbb/Ritter

Schmeckt nach Milch, besteht aus Erbsen

Ein Forschungsobjekt hat es sogar in die Supermärkte geschafft: Milchersatz aus Erbsenprotein. Nicolas Hartmann und Moritz Braunwarth beschäftigten sich zwei Jahre lang intensiv an der TU Berlin mit der Hülsenfrucht, bis sie das passende Herstellungsverfahren für ihren Pflanzendrink fanden. Jetzt steht er bundesweit in den Regalen von Händlern wie Edeka, Rewe und Rossmann.

Das Besondere daran: Der Drink – Vly – schmeckt nicht nach Erbse. "Das ist aus unserer Sicht ein fundamentaler Unterschied, weil wir etwas kreieren können, was Kuhmilchtrinkern schmeckt und nicht einen eigenartigen Geschmack mit sich bringt", betont Nicolas Hartmann. Das Getränk ist frei von Soja, Nüssen und Gluten. Außerdem lassen sich Erbsen gut in unseren Breiten anbauen und binden Stickstoff – das freut den Acker.

Wenn Mikroben echte Milchproteine herstellen

Ein anderer Ansatz, den Wirtschaft und Wissenschaft verfolgen, geht noch weiter. "Wir arbeiten an einer Zukunft, in der wir tierische Produkte ohne Tiere herstellen können", erläutert Raffael Wohlgensinger. Der gebürtige Schweizer hat in Berlin ein Start-up gegründet, das mit der TU und anderen Forschungseinrichtungen kooperiert, um Milchproteine ohne Kuhmilch herzustellen.

Die Wissenschaftler identifizierten, welche Gene bei den Tieren für die Produktion von Casein und Molkenprotein zuständig sind und bauten sie auf Mikroorganismen nach. Füttert man beispielsweise Hefezellen mit einem Nährstoff, wandeln sie ihn in Proteine um, die denen von Milch identisch sind. Zusammen mit pflanzlichem Fett und Kohlehydraten lässt sich daraus eine Masse herstellen, die zu Käse heranreift.

Raffael Wohlgensinger, Gründer von Legendairy Foods (Quelle: rbb/Ritter)
Raffael Wohlgensinger, Gründer von "Legendairy Foods" | Bild: rbb/Ritter

Investoren wittern ein Milliardengeschäft

Im kommenden Jahr will Legendairy Foods, das Unternehmen von Raffael Wohlgensinger, seinen Käse präsentieren. "Auf der Geschmacksseite braucht es noch ein bisschen Arbeit", so der Gründer. Für den Anfang versuchen er und sein Team sich an Mozzarella und Ricotta. Später sollen länger gereifte Käse, Joghurt und andere Milchprodukte – auch aus Schafs- und Ziegenmilch – folgen.

Noch ist die Herstellung alternativer Proteine teuer, doch Investoren aus aller Welt pumpen Geld in den Markt. "Wir denken, dass dieser Bereich mit das Spannendste ist, was die nächsten Jahre auf uns zukommt, weil wir hier eine grundlegende Transformation sehen", sagt Björn Witte, Geschäftsführer der Blue Horizon AG aus Zürich, die mehr als 500 Millionen Euro in die junge Branche investiert hat. Seiner Einschätzung nach wird es aus Mikroorganismen erzeugter Käse spätestens in vier Jahren preislich und geschmacklich mit den tierischen Originalen aufnehmen können.

Sendung: Inforadio, 03.04.2021, 6:30 Uhr

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Beitrag von Franziska Ritter

47 Kommentare

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  1. 47.

    Unsere 3 Kinder verbrachten jeder die gewisse Zeit im "DDR-Ausschuss"-Kinderwagen. Das hat scheinbar gut getan. Alle 3 intelligent und stets Schulspitze. Mathelehrer sagte sogar bei Hausbesuch: Er könne Sohn..... nix mehr beibringen; der kann mehr als ich. Das war Ende 11. Klasse. Alle studiert. Was nutzte bei ihnen der Westkinderwagen oder Luxus-DDR-Import ? Los; ich lese.

  2. 46.

    Grüble schon so intensiv darüber, dass ich nur Kohleabfälle in den Tank fülle damit es nicht wie bei Herrn Neumann erst per Stromerzeugung in seine Teslabatterie geht. Hinten dran bei mir ein Hänger mit Gewächshausaufbau und Tomatenzucht. :=)

  3. 45.

    Endlich kommt mal Benzin in die Milch. Bei mir fing es mit einer Kreidler Florett an :-).

  4. 44.

    1996 war Kaffee mit Erbsen allerdings auch schon so lange Geschichte wie ihr politsch und wirtschaftlich gescheiterter Staat. Deshalb gab es auch keine Häftlinge mehr, die billig Möbel für den Export in den Westen hergestellt hatten.

    Nett auch neulich die Reportage auch auf ZDF Info über die verschiedenen Qualitätsstufen an Kinderwagen
    - für den Export in den Westen
    - für den grossen sozialistischen Bruder
    - für den eigenen Bedarf

  5. 43.

    Natürliche Produkte, ohne Umwandlung und Manipulation durch Chemiker, Biologen und andere Lebensmittel Kreaturen sind meiner Meinung nach gesünder. Fleisch bleibt Fleisch und Pflanzen bleiben Pflanzen. Wenn ich Appetit auf Fleischprodukte habe, dann kaufe ich auch diese und wenn ich Obst und Gemüse haben will, greife ich da zu. Ich brauche kein Kunstfleisch oder eine Ersatzmilch usw. um mein Gewissen zu beruhigen. BIO ist an vielen Stellen schon abkassieren und bei den Kunstprodukten wird noch einmal zu gelangt. Von Wirkungen auf den menschlichen Körper wird in diesem Zusammenhang überhaupt nicht gesprochen. Meine Mutter hat mir beigebracht, mit Essen spielt man nicht

  6. 42.

    Bei ihrer Vorliebe für solche Getränke sollten sie auch mal zur Kenntnis nehmen das es keine Hafermilch gibt. Der Begriff Milch ist glücklicherweise gesetzlich geschützt und kommt ausschließlich vom Tier.

  7. 41.

    Als wir 1996 Möbel kauften kam nur Murks aus dem Westen obwohl teuer. Erst bei Höffi bekamen wir unsere hülsta-spectrum in angemessener Qualität. So ein Mist zuerst von Möbel-Walter-jetzt Kraft.

  8. 40.

    So alt ist ihr Haus schon ? Da steckt ja viel Brandenburger Kiefer drin. Nnu ? Unser Haus mit 11 ETW ist Baujahr 1996. Ihr Rewe oder ALDI hat doch auch nur Massenzuchtfleisch made in Gesamtdeutschland. Ich hatte früher eine Puch.

  9. 39.

    Ja, gerade die Discounter waren ganz heiß auf das billige Fleisch wie auch Möbel und MZ bei Neckermann ein Renner gewesen sind.
    Mein Keller wurde schon gebaut, als Berlin nicht mehr zu Brandenburg gehörte und ist deshalb trocken.

  10. 38.

    Berliner Keller sind doch nass und muffig. Mein Tapetenkleister steht in einer Kissenbox- bestens alle Renoviersachen aufbewahrt dort.

  11. 37.
    Antwort auf [Brandenburger] vom 06.04.2021 um 11:50

    Wozu würden sie sich zählen ? Bin auch Brandenburger. Meine Frau ist einkaufen und ich bin nicht so grummelig wie sie aus Brandenburg. Geht es ihnen nicht gut ?

  12. 36.

    Ostschweine waren eben gefragter als Westschweine. Kaffeemix habe ich nie getrunken. Hat man ja auch schnell wieder eingestellt. Der heute wertvolle Vietnamkaffee wurde mit Hilfe der DDR angebaut.

  13. 35.

    Hier exemplarisch die Zutatenliste eines vegetarischen Schnitzels:
    "Trinkwasser, Weizenmehl, 11% Sojaproteinkonzentrat, Weizengluten, Rapsöl, 4% Sojaproteinisolat, Kochsalz, Verdickungsmittel: Methylcellulose, Branntweinessig, Maismehl, natürliches Aroma, Weizenstärke, Zucker, Gewürze, Traubenzucker, Hefe". Ich finde darin auch das Verdickungsmittel interessant. Das haben ich auch im Keller noch rumstehen. Tapetenkleister steht auf der Packung.

  14. 34.

    Schrieb ich dich: Bequemlichkeit! Das Umsteigen ist Ihnen zu lästig. Die Tram 88 ist schließlich auch mit anderen Verkehrsmitteln verknüpft.

  15. 33.

    Haben Sie das wirklich? Was war in Ihrer Ostbulette drin? Die Schweine wurden jedenfalls gerne gegen Devisen exportiert.
    https://www.spiegel.de/politik/immer-nur-huhn-a-7c00b3ba-0002-0001-0000-000014353281
    Wurde nicht bei Ihnen damals schon Erbsenmehl dem Kaffeepulver hinzugefügt?

  16. 32.

    Auf ein Auto will auch kaum einer verzichten.
    Da Interessiert es auch keinen wenn Seen,Flüsse ect.vergiftet werden.Da geht es auch um Bewusst sein.



  17. 31.

    Wenn Milch und Käse nicht mehr von der Kuh kommen.
    Dann ist es auch keine Milch oder Käse mehr.
    Ganz einfach!
    Aber das ist halt wieder ein Milliardengeschäft.

  18. 30.

    Klar, denn rich white kids zahlen so ziemlich jeden Preis, wenn sie sich dadurch hip und „voll im Trend“ fühlen können (letzteres wird ihnen durch ihre offenbar zahlreichen Freunde in den Medien bestätigt, die eifrig daran arbeiten, uns einzureden, eigentlich würde kaum noch jemand Fleisch essen wollen), und außerdem natürlich als bessere Menschen, die richtig „etwas getan“ haben – für sich und für die Rettung der Welt.

    Und wenn’s denn bloß ihrer Ideologie entspricht, stopfen sie auch unglaublichen Chemiefraß in sich hinein statt einfach mal die Zutatenliste von Margarine mit der von Butter zu vergleichen.


  19. 28.

    Denke schon, dass meine Frau eine tolle Köchin ist. Gelernt bei Mutti und Oma und aus den vielen Büchern. Noch niemand hat nicht geschwärmt. Dennoch; ich abends zur Fortbildung; mehrere Jahre-mit Hunger an die B.-Bude und das hat geschmeckt mit MOSTRICH ! Unser Bäcker hier ist ja nicht mal an ALDI dran. Der kann es nicht. A-Schrippen sind hier die besten.

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