Auf der Oberbaumbrücke haben sich bei einer Tarifkundgebung der IG Metall zur Angleichung der Arbeitsbedingungen im Osten Gewerschaftsmitglieder versammelt. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Audio: 88.8 | 26.04.2021 | Juliane Kowollik | Bild: dpa/Christophe Gateau

Angleichung Ost-West-Tarife - Zahlreiche Metall-Beschäftigte an Streikaktionen beteiligt

In der Metall- und Elektroindustrie sind am Montagvormittag zahlreiche Beschäftigte in Berlin, Brandenburg und Sachsen erneut auf die Straße gegangen. Sie haben für gleiche Arbeitsbedingungen in Ost und West gestreikt.

In Berlin haben die Streikenden an der Oberbaumbrücke ein Zeichen gesetzt. Die Mitarbeiter von Daimler, Siemens und GE kritisierten, dass Angestellte im Osten der Stadt drei Stunden in der Woche mehr arbeiten als ihre Kollegen im Westen. Das mache acht Prozent weniger Gehalt aus.

Streik nach vier ergebnislosen Verhandlungstagen

Auf der Kundgebung in Friedrichshain trat auch der Berliner Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf und zeigte sich solidarisch mit den Streikenden. Die Mauer sei bereits vor über 30 Jahren gefallen, so Müller: "Aber die Mauer muss eben überall weg, wo sie noch trennt. Und dass sie ausgerechnet im Arbeitsleben noch trennt, ist eine Schande und muss jetzt beendet werden."

Dem Streik ging zuvor die vierte Verhandlungsrunde mit dem Verband der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg (VME) voraus, die ergebnislos geblieben war. Die Gewerkschaft IG Metall teilte mit, dass nach vier Verhandlungstagen noch immer kein konkreter Vorschlag auf dem Tisch liege.

IG Metall: Gehaltsunterschied von 8,5 Prozent zwischen West und Ost

Auch in Brandenburg beteiligen sich Metall-Beschäftigte an dem Streik. So legen unter anderem auch beim Maschinenbau-Unternehmen Schaeffler in Luckenwalde die Beschäftigten die Arbeit nieder sowie dem Filtersystemhersteller Mahle in Wustermark. Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall steht der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke hinter den Forderungen.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten kämpft die IG Metall für die 35-Stunden-Woche im Osten, denn so lange gibt es diese schon in den westdeutschen Bundesländern. Laut Gewerkschaft arbeiten die Beschäftigten in den Ost-Bundesländern für das gleiche Gehalt drei Stunden mehr. Berechnet auf den Stundensatz liegt der Gehaltsunterschied bei 8,5 Prozent, wie die IG Metall mitteilte. Diesen Prozentsatz fordere die Gewerkschaft nun nach.

Zwar umfasst der zuständige Gewerkschaftsbezirk die drei Bundesländer Sachsen, Brandenburg und Berlin. Doch wird in Sachsen separat verhandelt.

Sendung: 88.8, 26.04.2021, 8 Uhr

7 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 7.

    Das kommt mindestens 20 Jahre zu spät und nicht nur in der Industrie sodern auch explizit im Handwerk. Dort gilt eigentlich auch der IG Metall Tarif wird aber oft durch die christliche Gesellschaft ausgehebelt. Wie eben auch in Berlin, wo die Kreishandwerkerschaft mit dieser kooperieren. Ich bin allerdings seit Jahrzehnten IG Metall Mitglied, Arbeitgeber seit Jahren nicht mehr im Arbeitgeberverband oder erkennen nur die christliche G.
    an..Fuer mich wohne in Westberlin, durch Betriebverlegung, Arbeit im Osten, ergibt weniger Geld
    und laenge Fahrzeiten.

  2. 6.

    Leider nur eine Branche von vielen, wo es solche Ungerechtigkeiten gibt. Ich stehe voll hinter den Forderungen.

  3. 5.

    Hm, zugegeben grössere Betriebe werden bestreiten. Doch wie viele Beschäftige arbeiten in den Betrieben insgesamt, in denen der Tarifvertrag gilt und wie viele ohne Tarifvertrag?

  4. 4.

    Solidarität mit Streikenden!

  5. 3.

    Ich bin nicht neidisdch, ich sehe nur der Realität ins Auge, im übrigen wohne und arbeite ich seit 20 Jahren in den alten Bundesländern und arbeite für gutes Geld dort, jeder der jammert muss nur den Weg gehen aber viele sind zu bequem.

  6. 2.

    neidisch weil Ihr Arbeitgeber nicht tarifgebunden ist? Warum soll es 31 Jahre nach der deutschen Einheit nicht gleiche Löhne gezahlt werden. Sogar in Berlin gibt es 2 Tarifgebiete. Finde ich unverschämt

  7. 1.

    Ja ja, gleichen Lohn wie im Westen haben wollen, weniger Arbeiten und früher in Rente gehen, das will wohl jeder, jetzt aber diese Forderungen zu stellen ist völlig überzogen, dann wandern noch mehr Firmen nach Osteuropa ab und die Leiharbeit wird gestärkt.

Nächster Artikel