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Audio: Antenne Brandenburg | 15.04.2021 | Björn Haase-Wendt | Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt

Warnstreik bei Vion Perleberg

Mitarbeiter fordern mehr Lohn in der Fleischindustrie

Dumping-Llöhne und Solidarität mit den ausländischen Kollegen: Mitarbeiter von Vion Perleberg, einem der größten Fleischverarbeitungsbetriebe Ostdeutschlands, haben nun einen Warnstreik eingelegt. Von Björn Haase-Wendt

Mit einer Sirene ist am Donnerstag der Warnstreik am Perleberger Vion-Schlachthof gestartet. Rund 120 Mitarbeiter haben für zwei Stunden die Arbeit niedergelegt, um für gerechtere Löhne zu kämpfen – auch Rene Wilde. "Wir kriegen grad unsere Mieten noch gezahlt, weil alles steigt", sagt er. "Nur die Löhne und Gehälter steigen nicht oder so minimal, dass die sagen, ihr habt doch erst eineinhalb Cent gekriegt. Und sowas ist traurig."

Gewerkschaft will den Druck auf die Tarifverhandlungen erhöhen

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will den Druck auf die bundesweiten Tarifverhandlungen in der Fleischindustrie erhöhen. Sie fordert einen Mindestlohn von 12,50 Euro in der Stunde, der nach kurzer Einarbeitung auf 14 Euro steigen soll. Für Facharbeiter fordert sie 17 Euro Stundenlohn. Die Arbeitgeber haben zuletzt 10,50 Euro geboten – bis Ende 2023 dann 12 Euro. Das sei zu wenig, sagt Jörg Dahms von der Gewerkschaft. "Vion Perleberg streikt das allererste Mal. Auch wir sind natürlich froh, dass es heute geklappt hat", sagt Dahms weiter. "Wir zeigen mit diesen Streiks, dass die Beschäftigten das auch wirklich wollen."

Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt

Solidarität mit ausländischen Kollegen

Den Perleberger Mitarbeitern geht es aber auch um die Solidarität mit ihren ausländischen Kollegen – aus Rumänien und Polen. Sie verdienen bis zu 500 Euro weniger im Monat, so die Gewerkschaft. Ein Unding sei das, sagt der Prignitzer Landtagsabgeordnete Thomas Domres (Linke). "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Von daher ist es egal, woher der Mensch kommt, der hier arbeitet. Jeder soll das Gleiche verdienen."

Zeit für eine faire Bezahlung

Grund für die ungleiche Bezahlung sei das Verbot von Werkverträgen, sagt Vion-Sprecher Daniel Brandt. Viele Mitarbeiter sind jetzt direkt bei den Fleischproduzenten angestellt. Bei denen fallen zusätzliche Kosten an, etwa für Sprachkurse. Eine Mammutaufgabe, bei der nicht nur auf den Lohnzettel geschaut werden darf, sagt Brandt: "Es geht ja nicht nur darum, die Arbeitsverträge zu ändern, sondern die Menschen auch zu integrieren. Das geht von Sprachkursen bis hin zur Bereitstellung von Wohnungen. Das sind ganz viele Punkte."

Die Gewerkschaft lässt das Argument nicht gelten - es sei Zeit für eine faire Bezahlung. Ende April soll weiterverhandelt werden.

Beitrag von Björn Haase-Wendt

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