Archivbild: Mitarbeiter stehen als Streikposten an einer Zufahrt (Quelle: dpa/Frank Rumpenhorst)
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Arbeitsniederlegungen in mehreren Werken - Weitere Warnstreiks der IG Metall in Brandenburg und Berlin

Am Donnerstag starten die Verhandlungen der Metaller für den Tarifbezirk in eine neue Runde. Mit Arbeitsniederlegungen in Berliner und Brandenburger Werken unterstreicht die IG Metall ihrer Forderungen nach einer Ost-West-Angleichung 30 Jahre nach der Wende.

Im Tarifkonflikt der Metallindustrie haben am Mittwoch Arbeitnehmer in Unternehmen der Metallbranche in Berlin und Brandenburg mit Warnstreiks ihre Forderungen vor allem nach einer Lohn- und Arbeitszeitangleichung unterstrichen.

Nach Angaben der IG Metall legten etwa 120 Beschäftigte in Wustermark (Landkreis Havelland) sowie 300 Beschäftigte in Luckenwalde (Landkreis Teltow-Fläming) ihre Arbeit für 24 Stunden nieder.

In Berlin traten Mitarbeiter von Siemens Mobility, GE-Power und Thales in einen dreistündigen Warnstreik. Den Angaben zufolge beteiligen sich dort am Vormittag rund 400 Menschen an einer Kundgebung vor Siemens.

Erst am Donnerstag soll die Arbeit weiter gehen

Auch vor den Toren der Werke von Schaeffler und Mahle Filtersysteme seien im Laufe des Tages Kundgebungen geplant. "Wir wollen ein Zeichen in der aktuellen Tarifrunde setzen", sagte Tobias Kunzmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. Mit Ausnahme der Notbesetzung sowie der Auszubildenden im Werk von Schaeffler sollen die insgesamt über 400 Beschäftigten ihre Arbeit nach Angaben der IG Metall erst am Donnerstagmorgen wieder aufnehmen.

Hintergrund der Arbeitskämpfe ist unter anderem das von der Gewerkschaft geforderte Tarifliche Angleichungsgeld. Im Osten erhalten die Beschäftigten 32 Jahre nach der Wende laut IG Metall rund 8,5 Prozent weniger Entgelt in der Stunde als im Westen aufgrund der höheren Wochenarbeitszeit. 38 Stunden beträgt die tarifvertraglich Regelung für den Osten, 35 Stunden für den Westen.

Die IG Metall fordert zudem ein Volumen von vier Prozent für Entgelterhöhungen oder zur Beschäftigungssicherung. Außerdem geht es um Zukunftstarifverträge sowie tariflich verbesserte Übernahmeregeln für Ausgebildete.

Nächste Tarifrunde am Donnerstag

Die IG Metall teilte am Mittwochvormittag mit, dass die nächste Tarifrunde für Berlin und Brandenburg für Donnerstagnachmittag vereinbart wurde. Parallel zum Start der Gespräche am Nachmittag kündigten die Arbeitnehmervertreter Proteste vor dem Haus der Wirtschaft in Nachbarschaft zum Schillertheater an.

Dass die Tarifgespräche auch nach dem Pilotabschluss Ende März in NRW weiter andauern, ist ungewöhnlich, weil oft in den Tarifrunden zuvor solche Pilotabschlüsse für die anderen Tarifbezirke als Vorbild für Abschlüsse dienen. Die Forderung nach Angleichung in den Osttarifbezirken allerdings unterscheidet hier deutlich von den Lohnforderungen der Arbeitnehmer in den der westdeutschen Tarifbezirken.

Sendung: Inforadio, 21.04.2021, 7.20 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Hundertprozentige Zustimmung „Neo“!
    Leider ist es auch so, dass alle diesbezüglichen Regelungen den Tarifparteien überlassen werden. Das hat dann einen Arbeitskampf unausweichlich zur Folge. Von allein kommt Industrie und Wirtschaft nicht drauf.
    So lange es nicht gefordert wird, machen die auch diesbezüglich nichts. Parallelen zur Pandemiebekämpfung, nur so viel Umsetzen, was auch wirklich per Gesetz notwendig ist. Auf den Wegen zur Dienststelle, in den Werkhallen aufeinanderhocken, aber nächtliche Ausgangssperren !? Es gibt Firmen deren Umsätze sind derzeit „historisch“.

  2. 5.

    Sie meinen also ein Arbeitnehmer der in Berlin-Tempelhof wohnt und in Berlin-Treptow arbeitet hat 8,5 % niedrigere Lebenshaltungskosten als einer der Treptow wohnt und in Tempelhof arbeitet?
    Hier kleinteilig nach Standorten zu differenzieren macht einfach keinen Sinn, es muss gelten: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!

  3. 4.

    doch weil Sie im Leben mehr Vollzeit gearbeitet haben und meistens 1 Jahr nach der Geburt wieder im Arbeitsleben standen. In der BRD war es ja bis Ende der 70er üblich das die Frau zu hause ist bzw. nur Teilzeit arbeitet. Das ist der grund der teilweise höheren Renten in bei Frauen in Ostdeutschland

  4. 3.

    Dieses ganze gequatsche von Ost/West Angleichung kann man schon nicht mehr hören. Wer hat denn in Berlin, München oder Hamburg das gleiche für die selbe Arbeit verdient? Das hängt mit den Lebenshaltungskosten der jeweiligen Regionen zusammen. Warum bekommen die Rentnerinnen im Osten im Schnitt mehr Rente als im Westen. Nun bitte nicht weil sie mehr gearbeitet haben.

  5. 2.

    leider ist mein Arbeitgeber auch ganz groß dabei alles zu verlagern um "Ostlöhne" zu zahlen. Ist auch schlimm das es immer noch innerhalb Berlins 2 Tarifgebiete gibt.

  6. 1.

    Traurig, dass 30 Jahre nach der "Deutschen Einheit" immer noch die Arbeitsleistung im Osten Deutschlands geringer entlohnt wird. Das ist Geringschätzung der Menschen, die die selbe Leistung wie im Westen der Republik leisten.
    Es ist auch ein Armutszeugnis, was Unternehmen, die vornehmlich im Westen den Stammtsitz haben, ihrer Belegschaft zumuten und zutrauen.
    Und dass heute immer noch vom "Beitrittsgebeit" oder den "neuen Ländern" gesprochen wird - meist aus der Politik, ist ebenso traurig.
    Viele Grüße von einem ehem. Westberliner......

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