Tarifstreit - GDL schließt Bahnstreiks am Pfingst-Wochenende nicht aus

Regionalbahn der Deutschen Bahn bei der Einfahrt in den Bahnhof von Oranienburg (Quelle: Picture Alliance/Daniel Lakom)
Audio: Inforadio | 18.05.2021 | Karsten Zummack | Bild: Picture Alliance/Daniel Lakom

Keine Verhandlungsgrundlage: Die Lokführergewerkschaft GDL hat im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn ein erstes Angebot des Konzerns vorerst zurückgewiesen. Nun drohen den Fahrgästen Warnstreiks - möglicherweise schon an den Pfingstfeiertagen.

Der Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) spitzt sich zu: Die Gewerkschaft wies am Dienstag ein erstes Angebot der Arbeitgeberseite zurück. Es biete keine Verhandlungsgrundlage, sagte GDL-Chef Claus Weselsky einen Tag nach der dritten Gesprächsrunde in Berlin.

"Wir sind nicht nur nicht zufrieden mit dem Angebot, sondern wir werden es entsprechend beantworten", betonte Weselsky. "Ich möchte an der Stelle sagen, dass die Wahrscheinlichkeit von Arbeitskämpfen mit diesem Angebot angestiegen ist."

Konkrete Ankündigungen machte Weselsky nicht. Allerdings schloss er für mögliche Warnstreiks keinen Zeitraum aus, auch nicht Pfingsten (23./24. Mai). Er betonte, dass Reisende rechtzeitig über mögliche Einschränkungen informiert würden. Bis zum 24. Mai will sich die GDL zum weiteren Vorgehen äußern.

Bahn wirft GDL Verantwortungslosigkeit vor

Die Bahn hatte am Vortag ein Angebot vorgelegt und sich dabei am Abschluss orientiert, den sie im September mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) abgeschlossen hatte. Es beinhaltet eine Lohn- und Gehaltssteigerung von 1,5 Prozent ab dem kommenden Jahr sowie eine Laufzeit bis 2023. Darüber hinaus will der Konzern für die Vertragszeit betriebsbedingte Kündigungen ausschließen und in diesem und kommendem Jahr "auf hohem Niveau" neue Beschäftigte einstellen.

Der Konzern bleibt damit aus Sicht der GDL deutlich hinter den Forderungen zurück. Die Gewerkschaft hatte unter anderem 4,8 Prozent mehr Geld sowie eine einmalige Corona-Prämie von 1.300 Euro gefordert. "Das Unternehmen hält weiter daran fest, dass die Führungsetage sich bereichert und der kleine Eisenbahner mit Minusrunden abgespeist werden soll", sagte Weselsky.

Bahn: GDL nimmt Schaden für Kunden in Kauf

Die Bahn kritisierte die Aussagen des Gewerkschaftschefs. "Seit heute ist belegt: Verantwortung für Beschäftigte und Arbeitsplätze hat der GDL-Chef offenbar wenig im Sinn", sagte eine Sprecherin. "Die GDL-Führung nimmt mit ihren Drohungen Schaden für Kunden und Bahn in einer Zeit bewusst in Kauf, in der Deutschland wieder hochfährt."

Aus Sicht der Deutschen Bahn gibt es für ein anderes Angebot keinen Spielraum. Der Konzern verweist auf die hohen Schäden, die die Corona-Krise anrichtete. Der Konzern hatte im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 5,7 Milliarden Euro eingefahren. Der Bund als Eigentümer hat Milliardenhilfen in Aussicht gestellt. Rund zwei Milliarden Euro muss die Bahn selbst einsparen.

Konkurrenz mit Gewerkschaft EVG

"Wir akzeptieren die Zahlen", sagte Weselsky am Dienstag. Doch die Verluste seien Sache des Bundes. Die Bewältigung der Schäden dürfe nicht auf die Beschäftigten abgewälzt werden, die den Betrieb auch während der Corona-Zeit am Laufen gehalten hätten. Weselsky fordert deshalb einen größeren Beitrag der rund 3.500 Führungskräfte im Konzern, an deren Boni-Zahlungen aus seiner Sicht kaum gerüttelt wird.

Der GDL-Chef verknüpft außerdem ein weiteres Thema mit den Tarifverhandlungen: Im Bahn-Konzern ringt die GDL mit der größeren EVG um Macht und Einfluss. Allerdings sieht sich Weselsky wegen des Tarifeinheitsgesetzes benachteiligt, das der Konzern seit April anwendet. Damit kommt in den rund 300 Betrieben nur der Tarifvertrag der jeweils stärkeren Gewerkschaft zur Anwendung. Laut Bahn ist das in den allermeisten Betrieben die EVG. Nur bei 16 Unternehmen werden demnach die Tarifverträge der GDL angewendet. Die Gewerkschaft geht nach eigener Aussage gerichtlich gegen diese Festlegung vor.

Bis Ende vergangenen Jahres hatte ein Grundlagenvertrag zwischen GDL und Konzern dafür gesorgt, dass auch die Verträge der kleineren Gewerkschaft angewendet werden. Doch dieser lief Ende 2020 aus. Eine Anschlussregelung gibt es noch nicht.

Sendung: Inforadio, 18.05.2021, 13 Uhr

22 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 22.

    Weselsky sagt ,die bahner hätten den Betrieb trotz corona hochgehalten ,das haben alle Arbeitnehmer Deutschlands, egal in welchem Betrieb auch gemacht
    Man muss da vor allem ans Krankenhaus Personal oder altenheimpersonal denken ,und die haben solche unverschämte Forderungen nicht gestellt ,die haben sich solidarisch gezeigt ,

    Was ist mit denen ,die monatelang kurzarbeitergeld bekommen haben ,an die Leute denkt die gdl nicht
    Weselsky geht's nur um seine Macht, dafür nimmt er Kunden und Mitarbeiter und rinnen in Geiselnahme
    Er denkt an nichts anderes ,als sich gross darzustellen
    Wer Personalabbau fordert ist kein Gewerkschafter
    Er spaltet die Kollegen der DB ,und bringt Unfrieden in den Betrieb
    So wenig verdient man bei der DB auch nicht ,und andere müssen auch nachts ,wochenend ,und feiertagsschichten Arbeiten
    Seit solidarisch ,und zeigt Weselsky die kalte Schulter, er meinte nicht ehrlich mit euch ,den Angestellten der DB

  2. 21.

    Seit 1983 bin ich im Schichtdienst Früh, Spät, Nachtschicht. Seit 5 Jahren keine Lohnanpassung. Zinsen gleich null und tolle Inflationsraten. Also real habe ich immer weniger Geld zum ausgeben. Das ist nun mal Fakt. Es ist eine Frechheit die Lohnverhandlungen mal wieder auf dem Rücken der Reisenden auszutragen. Ich nehme halt das Auto und werde der Bahn ganz den Rücken kehren.

  3. 20.

    Meine Sympathie gilt ganz klar der GDL. Eine Gewerkschaft, die den Namen verdient. Nicht wie andere, die zu groß und arbeitgebernah geworden sind.

    Und zum Thema der "Kunden": Rumheulen, wenn das Streikreicht wahrgenommen wird, frei nach dem Motto: ICH, nur ICH bin wichtig ... Und die Interessen der anderen dabei Konsequent vergessen bzw. verdrängen. Wenn dann aber kein Zug fährt, weil es kein Personal gibt ... Ja dann wird auch gemeckert und gehetzt. Ach, ich liebe diese Doppelmoral so sehr.

  4. 19.

    Zum Glück gibt´s noch das Auto!

  5. 18.

    Meine uneingeschränkte Sympathie gild der GDL.
    Streik ist immer ein Mittel im Tarifkampf.
    Und @Alice:
    "Na voll toll ... vom Lockdown in den "Streikdown"- NEIN, in den Klimalockdown. ;-))

  6. 17.

    Nach dem Tarifeinheitsgesetz hat die GDL gerade in 16 von über 700 Betrieben der Deutschen Bahn die Mehrheit. Wie es dieser Sachverhalt rechtfertigen soll, die nach Corona wiedergewonnene Mobilität der Bundesbürger willkürlich einzuschränken, ist mir unergründlich. Herrn Weselskys Profilierungsversuche sind keine Legitimation dafür, die Bundesbürger in Geiselhaft zu nehmen.

  7. 16.

    GDL ist das nicht die Truppe wo die Funktionäre die Interessen ihrer Mitglieder vertreten.?
    Bei anderen Gewerkschaften bin ich mir nicht so sicher.

  8. 15.

    @ Christian:
    Ich finde eher, dass die weniger gut bezahlten Berufsgruppen ihrerseits entsprechende Forderungen stellen sollten. Geld ist ohne Ende da. Ich lese permanent von immer reicher werdenden Menschen und Unternehmen, viele Aktienkurse steigen von der Pandemie ungerührt weiter munter an.


    Der Witz an einem Streik ist ja genau der, dass wenn möglich neuralgische Punkte der Allgemeinheit getroffen werden. Sollte z.B. die Müllabfuhr, wenn sie denn mal streiken sollte, währenddessen bitteschön weiterhin den Müll abholen?!

    Die GDL ist eine starke Gewerkschaft, von der andere sich gerne mal eine Scheibe abschneiden könnten. Ich wünsche ihnen bei den Verhandlungen viel Kraft, Ausdauer und letztlich Erfolg.

  9. 14.

    ""löhnen und Klappe halten" ist z.B. nicht mein Ding." Das ist auch nicht das Ding der Lokführer. Deswegen streiken sie dann wohl. Wenn niemand streiken dürfte, weil irgendwer auf Bequemlichkeiten verzichten muss, dann hätten wir heute Gehälter wie 1827 einmal. Streiken ist ein Druckmittel und macht wenig Sinn im Feierabend auf ner Wiese im Nirgendwo.
    Ihr regt euch über hohe Mieten und steigende Preise auf aber andererseits wenn Firmen angemessene Gehälter zahlen sollen auch... komisches Volk.

  10. 13.

    Richtig, grade wir sollten kommentieren, wir sind die Kunden.
    Und mich in meiner Eigenschaft als Kunde zählt das Ergebnis, das Angebot, was die Bahn MIR macht.
    Was die Firma da innerbetrieblich macht oder nicht macht, ist ihre Sache, meine Meinung.

  11. 12.

    "Die Leute die nicht verstehen wie Bahnbetrieb überhaupt funktioniert sollten lieber nicht kommentieren."
    Doch gerade die sollten mal einen raushauen. Die nennt man auch "Kunden" - und "löhnen und Klappe halten" ist z.B. nicht mein Ding.

  12. 11.

    Die Forderungen der GdL sind zwar berechtigt. Aber vom Arbeitskampf versteht die GdL absolut gar nichts. Denn sie bestreikt immer die Falschen. Die Reisenden können gar nichts für das schlechte Angebot und die Arbeitsbedingungen der GdL-Mitglieder. Ein Streik gegen die Kunden funktioniert nur dort, wo die Chefs und die Eigentümer ausbleibende Kunden direkt im eigenen Portemonnaie spüren. Aber bei der DB wird der Eigentümer vom Bundestag und der Bundesregierung repräsentiert. Die dort vertretenen Parteien belommen ihr Geld nicht von den Bahnreisenden, sondern als Parteispenden von der Autoindustrie, Deshalb muß sie von der GdL bestreikt und lahngelegt werden. Dann werden die Forderungen der GdL sofort erfüllt. Wenn die GdL weiterhin den Zugverkehr und damit nur die Reisenden bestreikt, muß sie sich nicht wundern, dass sie erfolglos bleibt und stattdessen die Kunden abwandern, während sich die Auto-Konkurrenz als Streikfolge über mehr Absatz freut.

  13. 10.

    Die Sicherheitsanforderungen sind leider so, dass man dann alle Bahnstrecken einzäunen müsste. Wird also nicht passieren. Das Einsparungspotential für die Bahn ist auch bescheiden, weil man ja trotzdem noch Personal auf dem Zug braucht, nur halt keine Lokführer. Im Nahverkehr sieht das anders aus. Selbstfahrende U-Bahnen zum Beispiel kommen bestimmt in den nächsten Jahrzehnten.

  14. 9.

    Mir egal bis 18 Juni sowie so SEV und außerdem ist das Fahrgastaufkommen stark gesunken. Die Aktion könnte diesmal verpuffen.

  15. 8.

    Die Leute die nicht verstehen wie Bahnbetrieb überhaupt funktioniert sollten lieber nicht kommentieren. Man muss auch hinter die Kulissen schauen. Viele andere große Betriebe wie Daimler, Kaufland usw. haben ihren Mitarbeitern eine Coronapramie gezahlt. Aber bei der Bahn wird der ganze Mist der letzten Jahre Einsparplan an die Mitarbeiter abgewälzt obwohl sie permanent den Eisenbahnbetrieb am laufen gehalten haben 365/24/7. Respekt und Anerkennung sollten die Mitarbeiter bekommen. Die Führungskräfte packen sich die Taschen voll in unglaublichem Ausmaß und der kleine Eisenbahner soll bluten. Ist das Fair?

  16. 7.

    Es gibt Berufsgruppen, die müssen auch an Pfingsten arbeiten, nicht nur die Lokführer. Und jetzt in der Krise mehr Geld verlangen ist unverschämt. Zeigt Solidarität mit weniger gut bezahlten Berufsgruppen.

  17. 6.

    GDL? Ist das nicht die Gewerkschaft, die ihre dicken Lohnforderungen auf dem Rücken der zahlenden Fahrgäste austrägt?
    Der DB-Mitarbeiter verdient schon jenseits von Gut und Böse im Vergleich zu den Mitbewerbern und dann wird dieses Machtspielchen auf dem Rücken derer ausgetragen, die viel Geld für ein Ticket zahlen. Schämt Euch... und dann noch eine CORONA-Prämie verlangen! Wofür? Für Unpünktlichkeit, geschlossene Bahnhöfe und z.T. verkeimte Regionalzüge?

  18. 5.

    Im Inforadio wurde dazu vorhin gesagt, daß mit einer Inflationsrate von 3% gerechnet wird. Das sollte man zu den angebotenen 1,5% und geforderten 4,8% in Relation setzen.

  19. 4.

    Also ich möchte nicht solche familienunfreundlichen Arbeitszeiten haben. Dafür sollte es mindestens auch eine angemessene Entlohnung und Entschädigung geben. Auch für alle anderen die so ein Leben haben. Man hat den Job zwar gewählt aber nicht dafür, dass es gehaltsmäßig nicht voran geht.
    Alles wird teurer und wenn RRG kommt, dann explodiert es erst mal richtig z.B mit der CO2 Steuer. Heizen, Benzin, Strom und alles wo CO2 im Spiel ist.
    Noch was anderes konträres.. ich verstehe nicht, warum bei der Bahn nicht längst autonomes fahren die Regel ist. Günstigere Bedingungen als da auf der Schine mit all der Sicherungstechnik geht es doch kaum.

  20. 3.

    Wann kommt eigentlich das autonome Fahren auf der Schiene in Deutschland? Dann hätten wir diese Probleme nicht.

Nächster Artikel