Einkommensmillionäre - 255 Brandenburger verdienen rund 700 Millionen Euro im Jahr

Haus am See (Foto: imago images / CHROMORANGE)
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Brandenburg hat die Einkommensmillionäre mit den höchsten Pro-Kopf-Einkommen im Osten - und sie sind im Schnitt auch reicher als die Berliner. Die Zahlen befeuern die Diskussion um höhere Steuern für Reiche. Von Thomas Bittner

255 Einkommensmillionäre leben in Brandenburg. Das zeigt eine Auswertung der jüngsten Steuerstatistik durch den Bundestagsabgeordneten Norbert Müller (Die Linke), die dem rbb vorliegt. Einkommensmillionäre sind Steuerpflichtige, die im Jahr Einkünfte von einer Million Euro und mehr versteuern.

Die Steuerstatistik stammt aus dem Jahr 2017. Sie erscheint mit Verzug, da sie auf den realen Steuererklärungen beruht. Einbezogen ist nur das zu versteuernde Einkommen, nachdem steuerliche Abzüge geltend gemacht wurden. Diese 255 Personen hatten in jenem Jahr gemeinsam ein Einkommen von etwa 700 Millionen Euro und zahlten 290 Millionen Euro an Einkommenssteuer.

Brandenburgs Einkommensmillionäre haben das höchste Pro-Kopf-Einkommen im Osten

Laut der Statistik haben die Brandenburger Super-Verdiener zuletzt durchschnittlich 2,71 Millionen Euro Einkommen versteuert. Das ist der höchste Durchschnittswert im Osten und deutlich mehr als in Berlin. Sie meldeten dem Finanzamt im Schnitt Einkommen von 2,45 Millionen Euro.

Unter den ostdeutschen Bundesländern steht Brandenburg an dritter Stelle, was die Anzahl der Einkommensmillionäre angeht. Führend ist Berlin, hier leben 936 von ihnen. Es folgt Sachsen (376). An vierter Stelle steht Mecklenburg-Vorpommern (192), dann Sachsen-Anhalt und Thüringen (je 142). Die meisten Einkommensmillionäre Deutschlands (5.700) leben in Bayern, aber das Durchschnittseinkommen bayrischer Millionäre liegt mit 2,68 Millionen Euro noch unter dem brandenburgischen Schnitt.

Wiedereinführung der Vermögenssteuer wird Wahlkampfthema

Angesichts dieser Zahlen fordert Linken-Politiker Norbert Müller die Erhöhung des Spitzensteuersatzes und die Wiedereinführung der Vermögenssteuer. "Diese Menschen bekommen so viel Geld in einem Jahr, wie die Allermeisten ihr ganzes Leben nicht sehen", sagt er. "Solche Einkommen werden nicht durch eigene Leistung erwirtschaftet, sondern auf dem Rücken der Arbeit anderer und auf Basis der öffentlichen Infrastruktur."

Im Entwurf für das Wahlprogramm der Linken ist von einem Spitzensteuersatz von 75 Prozent für Einkommen über einer Millionen Euro die Rede. Die Partei fordert zudem eine ansteigende Vermögenssteuer von ein bis fünf Prozent ab einem Vermögen von einer Million Euro. Müller kandidiert im wohlhabenden Wahlkreis 61 rund um Potsdam für den Bundestag. Im selben Wahlkreis treten auch die Kanzlerkandidaten Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) und Olaf Scholz (SPD) an.

Sozialdemokraten wollen Wohlhabende ebenfalls höher besteuern

Auch die SPD hat in ihrem Wahlprogramm die Wiedereinführung der Vermögenssteuer versprochen. Sie will hohe Vermögen mit einheitlich einem Prozent besteuern. Verheiratete mit mehr als einer halben Million Euro Einkommen im Jahr sollen künftig einen Aufschlag von drei Prozentpunkten zur Einkommenssteuer zahlen. Auf Anfrage vom rbb teilt Kanzlerkandidat Scholz mit: "Nach dieser Pandemie ist es nur fair und richtig, wenn diejenigen mit sehr, sehr hohen Einkommen und Gewinnen etwas mehr zahlen." So könnten Arbeitnehmer und Selbstständige mit kleineren und mittleren Einkommen entlastet werden, findet Scholz.

CDU generell gegen Steuererhöhungen

Skeptischer sind die konkurrierenden Christdemokraten. Der brandenburgische CDU-Spitzenkandidat Jens Koeppen sagte auf Anfrage, er sei generell gegen Steuererhöhungen. Es gehe eher darum, die Menschen zu entlasten. Über eine Steuer für Vermögen könne man reden, aber am Ende dürfe nicht das Betriebsvermögen besteuert werden. Der Bundesfinanzminister müsste doch wissen, wie schwierig es sei, Privatvermögen und Sachvermögen auseinanderzudividieren, so Koeppen. Zur aktuellen Vermögenssteuer-Diskussion meint Koeppen: "Das jetzt im Wahlkampf zu fordern, halte ich eher für eine populistische Maßnahme." Ihr Wahlprogramm will die Union im Juli vorstellen.

Sendung: Fritz, 31.05.2021, 15:30 Uhr

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61 Kommentare

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  1. 61.

    Kleiner Schreibfehler Ihrerseits: "... die Gebenden noch weiter stärkt" ... nach den Geschenken der letzten Jahrzehnte.

  2. 60.

    Eine erhöhte Verbrauchssteuer trifft jene, die es sich nicht leisten können, ihr Vermögen zu verschieben (anders also als die scheuen Rehe, denen man ja nach gängiger Meinung nicht zuviel auferlegen sollte).

    Sie ist asozial, da der Konsum i.d.R. nicht proportional zum Einkommen steigen kann und belastet die unteren Einkommen überproportional.

    Genauso wie die gedeckelten Sozialbeiträge.

  3. 59.

    Als der Spitzensteuersatz auf 42% gesenkt wurde hieß der Kanzler Kohl und der Vizekanzler Genscher- was genau hat die Spd damit zu tun? An dem ist die Erhöhung des Spitzensteuersatzes und eine Vermögenssteuer bislang gescheitert? An der CDU-FDP. Aber Hauptsache über die Spd schimpfen

  4. 58.

    Also ich bin selbstständig, habe Arbeitsplätze geschaffen und lasse nicht um vier den Hammer fallen- dennoch bin ich der Meinung das Millionäre angemessen besteuert werden. Es kann nicht sein das ein Facharbeiter bis 40% Steuern zahlt und ein Millionär auf Einkommen auf Zinsen usw nur 25%. Ich habe Kunden die selber zugeben das sie als Millinär weniger Steuern zahlen als ihre Mitarbeiter. Und das nicht gut finden.

  5. 57.

    Sie haben, mit Verlaub, überhaupt keine Ahnung. Die Mehrwertsteuer ist eine der ungerechtesten Steuern überhaupt. Auch Geringverdiener müssen Lebensmittel, Geräte wie TV und Waschmaschinen kaufen, zum Frisör und tanken z.B. Auf das alles ist Mehrwertsteuer fällig- das dass bei einem geringeren Einkommen stärker durchschlägt muss man wohl nicht erklären.

  6. 56.

    Ist doch völlig egal,woher das Gesetz kommt. Es geht darum,dass es Steuerflucht unbrauchbar macht.

    Was du zur Anhebung des Mindestlohns schreibst,wurde auch schon vor Einführung dessen geunkt. Die Wirtschaft hat es verkraftet.

  7. 55.

    Die Arbeitnehmer arm zu halten,damit sich die Güter nicht verteuern.
    Das ist eine arbeitnehmerfeindliche Einstellung, die hat in unseren System nichts zu suchen.

  8. 54.

    Schöner Gedanke, der Denkfehler ist nur, dass es durch den Versuch einer Steuermehrbelastung nicht unbedingt auch zu Steuermehreinnahmen beim Staat kommt. Klingt für einen Laien wie Sie erst mal komisch, passiert aber oft in der Praxis. Dann doch lieber eine höhere Verbrauchssteuer wie hier bereits auch schon geschrieben wurde. Das hier bereits zitierte Beispiel Frankreich, kann ich übrigens bestätigen. Mit Steuersätzen von bis zu 75 Prozent trieb die sozialistische Hollande-Regierung reiche Franzosen im Jahr 2015 nach Belgien, u.a. hier in der Süddeutschen Zeitung nachzulesen: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vermoegenssteuer-in-frankreich-flucht-zum-kleinen-nachbarn-1.1554221

  9. 53.

    Die Einzahlenden sind die Leistungsträger...Eine Vermögenssteuer lockt kein Kapital an, es wandert ab...Irgendwann ist das Geld der Anderen aufgebraucht, um linksgrüne Versprechen der Umverteiler zu finanzieren. Dann ist der Gutverdiener einer der überhaupt Arbeit hat - und da lohnt es sich richtig "abzukassieren"...Sozialer ist es, wenn man die Gebenden stärkt. Weder die Linken noch die Grünen sagen, was das eigentliche Ziel genau ist (Auflistung von vagen Maßnahmen ist kein Ziel), wer es bezahlen soll und in welchem Zeitraum das stattfinden soll. Also so wie immer...Der Wahl-O-Mat und der eigene Geldbeutel (!) können bei der Wahlentscheidung helfen. Und wenn die Linksgrünen selber Arbeitgeber sind, dann ist die jämmerliche Lohn/Gehaltspolitik ein Hinweis auf ...

  10. 52.

    Schöne Zahlen ... natürlich werden nur jene des Singles genannt, weil sie in das Konzept der Aussage passen.

    Und natürlich wird nicht verglichen, was der propagierten hohen Abgabenlast an Gegenleistung gegenübersteht, bspw. im Sozialsystem.

  11. 51.

    Zwei Sachen, die direkt nichts miteinander zu tun haben ... keine Mehrbelastung für Vermögende bitte, da Geringverdiener arm bleiben.

    Merkwürdiger Ansatz. Vielleicht helfen Steuermehreinnahmen aber auch beim Ausbau von Betreuungsangeboten, bei der Verbesserungen in der Bildung, beim Ausbau der Infraamstruktur. Davon haben alle etwas. Auch alle, die sich private Zusatzangebote nicht leisten können.

  12. 50.

    Ergänzende Zahlen aus 2020: Die durchschnittliche Belastung durch Steuern und Sozialabgaben lag im vergangenen Jahr bei 39,3 Prozent in Deutschland. Im OECD-Durchschnitt waren es 25,9 Prozent. Das heißt, dass einem Single hierzulande 60,7 Prozent des Bruttolohns bleiben, im OECD-Durchschnitt dagegen 74,1 Prozent. Familien bleibt unter dem Strich mehr.

  13. 49.

    Das ist ein leider so nicht ganz korrekt. Wenn der Mindestlohn weiter angehoben wird, verteuern sich zeitversetzt nur weiter die Preise aller Güter der Volkswirtschaft und auf der Strecke bleiben die Geringqualifizierten, weil irgendwann die Automatisierung günstiger ist als der Mensch. Ganz zu schweigen von den Lohnnebenkosten, die der Arbeitgeber jetzt bereits schultern muss (Sozialabgaben, Umlagen etc.).

  14. 48.

    Die Akzeptanz der Demokratie steht ohnehin schon auf der Kippe, wie da eine noch höhere Besteuerung helfen soll ist mir schleierhaft. Zuerst sollte man den SOLI für alle Steuerzahler abschaffen.

  15. 47.

    Nicht wirklich ihr Ernst, oder? Also ich möchte mich nicht nur bei Steuerfragen nicht an den USA orientieren, die sind kein wirkliches Vorbild, wenn ich u.a. an Trumps Steuererklärung denke.

  16. 46.

    Was haben die zu Dumpinglöhnen arbeitenden Bevölkerungsschichten von einer stärkeren Besteuerung?
    Sie bleiben trotzdem relativ arm, und das auch im alter, trotz 40 Jahre arbeit. Was ist daran gerecht?

  17. 45.

    Oder einfach nur für eine stärkere Besteuerung?

    Über eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen, die natürlich respektiert werden.

  18. 44.

    Eine soziale Gerechtigkeit ohne angemessene Löhne für alle Arbeitnehmer wird es nicht geben.
    Dies ist das Rezept zur Verhinderung des sozialen Rückbaus, und auch der Altersarmut.
    Die Dumpinglöhne sind das eigentliche Problem.

  19. 43.

    Dieses Problem kann man leicht lösen,einfach an den USA orientieren. Wer ins Ausland zieht,muss trotzdem die Differenz zahlen und hat somit keine Vorteile. Wer die Staatsbürgerschaft ändern will,hat eine Austrittsgebühr zu zahlen.

  20. 42.

    Vielleicht sollte man bei der Gelegenheit gleich noch den Mythos angehen, dass die s.g. Leistungsträger (was für ein Euphemismus!) schließlich, weil sie Arbeitsplätze schaffen, weniger Neid und angeblich steuerliche Überbeanspruchung erwarten dürfen.

    Wenn ich zur Umsetzung meiner Idee, Hilfe in Anspruch nehme, muss ich diese auch bezahlen. Unternehmer gerieren sich hier gerne als Gönner (u.a. bei Nico Montag, 31.05.2021, 23:23 Uhr, nachzulesen...). Nur, jemanden zu bezahlen, der meine (oder einen Anteil an meiner) Arbeit macht, um meinen ganz persönlichen Traum von Wohlstand zu erfüllen, rechtfertigt m.M.n. nicht, dass ich mich fortan über die Schaffung von Arbeitsplätzen definiere. Ich vermisse hier allzu oft Demut und Respekt vor dem eigentlichen Leistungserbringer. Und btw auch davor, dass ein Unternehmer (und je größer, desto mehr) die Teile steuerfinanzierter Infrastruktur um ein Vieles mehr beansprucht als Otto-Normal-Verbraucher.

    D.M.

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