Stillgelegtes Kongresszentrum - ICC wird vorerst nicht saniert

Das Berliner ICC am Messedamm in Berlin-Charlottenburg am 14.09.2019. (Quelle: dpa/Schoening)
Audio: Inforadio | 25.05.2021 | Christoph Reinhardt | Bild: dpa/Schoening

Die Zukunft des stillgelegten Kongresszentrums ICC bleibt weiter ungewiss. Eine Sanierung wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein Verkauf ist laut Wirtschaftsverwaltung nicht ausgeschlossen.

Der Berliner Senat will das marode ICC bis auf Weiteres nicht sanieren. Darauf haben sich die Finanz- und die Wirtschaftsverwaltung verständigt, wie ein Sprecher der Wirtschaftssenatorin am Dienstag bestätigte. Zuvor hatte die "Berliner Morgenpost" darüber berichtet.

Die rot-rot-grüne Koalition hatte 2016 vereinbart, dass das ICC saniert und wieder als Kongresszentrum genutzt werden sollte. Näher sei man dem Ziel jedoch nicht gekommen, hieß es aus der Wirtschaftsverwaltung. Auch habe das Vorhaben keine Priorität mehr.

Man wisse derzeit einfach nicht, wie sich das Kongressgeschäft nach der Krise entwickeln werde, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Der Verkauf an einen privaten Investor sei nicht ausgeschlossen, eine Entscheidung über die weiteren Schritte werde es aber erst nach den Wahlen in der nächsten Legislaturperiode geben.

CDU spricht von "Armutszeugnis"

Die Berliner CDU-Fraktion übte Kritik an der Entscheidung und sprach von einem "Armutszeugnis" des rot-rot-grünen Senats.

Es sei ein Fehler und ein schlimmes Signal für den Messe- und Kongress-Standort, "die Sanierung des Kongresszentrums auf den St. Nimmerleins-Tag zu verschieben", erklärte Stefan Evers, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU am Dienstag. Die CDU fordert eine Sanierung in öffentlich-privater Partnerschaft.

Unterschiedliche Pläne für die Nachnutzung

Der denkmalgeschützte Bau am Funkturm war 2014 nach 35 Jahren geschlossen worden - unterbrochen nur von einer Nutzung als Flüchtlingsunterkunft. Es gab zahlreiche Interessenten mit unterschiedlichen Plänen für die Nachnutzung, darunter ein gigantisches Gewächshaus, Hochhäuser, eine Biosphäre und ein Museum. Zuletzt forderte die Berliner Linke eine Teilöffnung für Kunst und Kultur. Damit sollte Kunstschaffenden fehlender Raum in Berlin zur Verfügung gestellt werden.

Sendung: Radioeins, 25.05.2021, 13:00 Uhr

44 Kommentare

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  1. 44.

    Das ICC kostet ja weiterhin Millionen. Für den laufenden Unterhalt und die notwendige Asbestsanierung vor Umbau oder Abriss. Hier bleibt nur Verschenken mit der Auflage einer Sinnhaftigkeit der Nachnutzung der Immobilie

  2. 43.

    "Man weiß nicht, wie sich der Bedarf (an Messen) entwickeln wird..." Na ja, wenn es nach den "Erfolgen" bestimmter Ideologen, wie Frau Popp, geht schon: keine IAA, kein Tesla, Kein Dax-Unternehmen mehr, wie die Deutsche Wohnen usw. Die Entwicklung zeigt: hin zum Umverteilen, bis es nichts zum verteilen mehr gibt...selbst die (nicht)haltbare, umweltschädliche gelbe Farbe für (Popup)Radwege muss noch erfunden werden - wer soll das machen, wenn Leistung vergrämt wird? Messen in Berlin; für wem; warum?

  3. 42.

    Moin, also ich wäre für Abriss und sozialen Wohnungsbau! Bis das Gebäude fertig wäre ist auch das neue Funkturm Kreuz 2032 + X Jahre fertig. Ob dann noch Autos durch Berlin rollen steht in den Sternen. Es könnte also preiswerter Wohnraum in bester Citylage entstehen. Aber ich denke, da niemand Entscheidungen treffen möchte, es wird vor sich hin gammeln bis es irgendwann einstürzt!

  4. 40.

    Ja in der Deutschlandhalle. Die waren legendär. Konzerte im ICC habe ich immer gemieden.

  5. 39.

    Was für ein Kommentar. Aber es stimmt. Bis zu einen bestimmten Punkt war die“Insel“ Westberlin einfach geil damals. Im ICC liefen super Konzerte und die riesige Skulptur an den Haupteingängen machte deutlich, das mehr drinsteckt in dieser Stadt. Ließ auch hoffen, was alles noch zukünftig in Berlin und mit Berlin zu schaffen ist. Heute kräht kein Hahn mehr nach dem ICC. Aus diesem Gebäude könnte man wieder zukunftsweisend eine Umgestaltung schaffen, von denen andere Städte nur träumen. Wie ich hier schon erwähnt habe, es gibt sehr gute Vorschläge hierzu. Man muß nur wollen.

  6. 38.

    Genau. Mir aus dem Herzen gesprochen. Bloss nicht noch eine Katastrophenbaustelle. Und mit Palast und Deutschlandhalle haben Sie auch Recht.

  7. 37.

    In Berlin wird scheinbar gar nichts mehr saniert, nur noch e.V. sind wichtig, Radwege und Sozialhilfe.

  8. 36.

    Abreißen. Mit dem Palast der Repubik und der Deutschlandhalle hatte Berlin doch auch kein Problem....Ach nee, geht ja nicht. Das ICC stammt aja aus der goldenen und "guten" Zeit West-Berlins.

  9. 35.

    Wenn ich nur an die ganzen schönen Konzerte dort denke ...
    https://www.rockinberlin.de/index.php?title=ICC
    ... träum.

  10. 34.

    Stümperei insbesondere von der SPD

    Dass ICC ammelt seit Jahren vor sich hin. Damit es nicht völlig zusammenfällt, kosten Heizung, Lüftung und Objektschutz an die 2 Millionen im Jahr.

  11. 33.

    Könnte man. Aber es gibt in Berlin schon so viel Arme, Sozialhilfeempfänger und auch Obdachlose. Andere EU-Länder sagen : NO und halten dennoch die Hand auf. Es gibt nur eine Lösung: Den Menschen in Afrika endlich richtig helfen bei ihrer Existenzsicherung. Afrika ist ein so toller Urlaubskontinent. Afrikas Bauern züchten lieber selbst statt von Gefrierfleischplunder aus...ja, auch von hier..keinen Absatz zu haben. Kriege in Afrika kann man ganz schnell beenden.

  12. 32.

    Die gleichen Argumente hätten auch für den "Palast der Republik“ gegolten, aber der wurde ja aus politiscben Gründen plattgemacht

  13. 31.

    ...und dass das ICC (noch) kein urbanes Gebäude ist, liegt vor allem an seiner Lage inmitten monströser Asfaltbänder der von Ihnen zu recht kritisierten autogerechten Stadt. Durch eine geeignete Gestaltung des Umfelds könnte man das ICC aber durchaus menschennäher in eine wirklich moderne, human-urbane Stadt einbinden. Wichtig ist halt, dass Stadtplaner*, Architekt*n und Entscheider* sich in die geplante Wirklichkeit im Maßstab 1:1 einfühlen können - und nicht bloß auf fesche Modelle und Bildschirmsimulationen abfahren.

  14. 30.

    Herr Krüger, Ihre Abneigung zum ICC ist hinlänglich bekannt. Ich bin gegen ein Abriss. Schon weil es so gar nicht, wie Sie es bezeichnen, in die urbane Stadt passt. Denn das war’s noch nie und deshalb mag ich diese Architektur ja auch. Zudem gibt es bereits herausragende Vorschläge von Architekten, die beweisen, was man noch alles mit diesem „Raumschiff“ anstellen könnte. Ideen dazu gibt es also zu genüge. Fragt sich nur wer letztendlich den Zuschlag erhält und was dann passiert.

  15. 29.

    Schallschutzfenster und Schallschutzwände ? Wie, wo ? Auf dem Dorf wußte früher alles über jeden. In der Stadt, etwa Berlin ? So oft Messerstecherattacken; neeeee, da hört ja niemand mehr den Hilfeschrei.

  16. 28.

    Herr Krüger, das hier ist das richtige Leben, und weder Sim City noch Brasilia noch Germania noch Karlsruhe - noch sonst irgendeine am Reißbrett entworfene Retortenwelt. Wir können es uns schlicht nicht leisten, nach aktuellen Trends einfach mal Gebäude wegzukloppen, in denen Unmengen Energie, Rohstoffe, Arbeitskraft, Geist und auch Erinnerungen stecken. Das verbietet sich aus ökonomischen und ökologischen Gründen, aber auch aus Respekt vor Mensch und Natur.

  17. 27.

    Früher stand vor dem ICC ein wahnsinns Skulptur. ` Der Mensch baut seine Stadt ´ Über Geschmack lässt sich nicht streiten, aber das ICC ist ein Bauwerk der späten 70-er Jahre. 1 Milliarde DM kostete es damals. Man sollte es unbedingt stehen lassen. Selbst die Plattenbauten in der Leipziger stehen jetzt unter Denkmalschutz. Finden Sie die schön? Aber sie sind auch ein Zeugnis der70-er Jahre. Wohnungen kann man im Umland bauen. In Berlin sind die Mieten eh zu hoch.

  18. 26.

    Ich stimme Ihnen zu, allerdings eher aus entgegengesetzten Gründen: Ich halte sowohl den Abriss der Palastes der Republik für vollkommen richtig wie auch den Abriss des ICC.

    Des Palastes der Republik nicht, weil die DDR ihn gebaut hat, sondern weil er der Straße Unter den Linden, die in großer Einigkeit wieder rekonstruiert wurde, nicht den Auftakt geben konnte. Dazu war der Bau in seiner Formensprache schlichtweg nicht geeignet.

    Beim ICC ist es so, dass der Bau allenfalls als Mahnmal einer zu Recht untergegangenen städtebaulichen Vorstellung steht: Derjenigen des absoluten Vorrangs des Autoverkehrs - das Foto zeigt es ja überdeutlich - und der Hintenansetzung jeglicher Urbanität. Auf dem Mond, auf dem Mars und hier auf der Erde in der Wüste würde ich das ICC für ein sehr gelungenes Bauwerk halten, nur nicht in einer urbanen Stadt.

  19. 25.

    Auf dem Luftbild wird es ausgesprochen deutlich: Das ICC war und ist Teil eines verkehrlichen Gesamtensembles, das Autofahrende über alles, Radfahrende und zu Fuß Gehende aber quasi als nichts betrachtet. Alle wesentlichen Verbesserungen zugunsten der letztgenannten Gruppen geschahen erst später, bspw. die ebenerdige Radwegführung entlang des Messedammes über die Kreuzung Messedamm / Neue Kantstr. / Masurenallee hinweg. Zu Anfang und i. S. der Planungsidee mussten Radfahrende ihr Rad an der besagten Kreuzung herunter und wieder hinauftragen.

    Anders als zu einem Mahnmal ist das ICC zu nichts nutze. Dafür allerdings sind die Erhaltungskosten m. E. zu hoch.

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