Sanierung am Bestandsgebäude - Karstadt-Gebäude am Hermannplatz soll doch nicht abgerissen werden

Blick auf ein Karstadt-Kaufhaus in Berlin-Neukölln. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Bild: dpa/Jörg Carstensen

Das Vorhaben war umstritten, nun wurde es begraben: Das Karstadt-Gebäude am Hermannplatz in Berlin-Neukölln soll doch nicht abgerissen und neu gebaut werden. Die geplante Sanierung soll nun am Bestandsgebäude durchgeführt werden.

Das historische Karstadt-Gebäude am Hermannplatz in Berlin-Neukölln wird nicht abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die geplante Sanierung soll am Bestandsgebäude vorgenommen werden. Das teilte der Bauherr Signa am Freitag auf einer Pressekonferenz im Karstadt-Gebäude mit.

Dafür müsse das Haus komplett entkernt werden, hieß es weiter. Der Aufbau soll in Holzbauweise vorgenommen und die historische Fassade mit Ziegeln nachempfunden werden. Stararchitekt David Chipperfield wolle durch Erhalt und Ergänzung des Bestands neue Akzente an dem historischen Ort setzen, hieß es.

Zuletzt hatte Signa geplant, das Gebäude abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Der Neubau sollte an die Tradition des größten Warenhauses Europas der 1920er-Jahre anknüpfen.

Modell des Karstadt-gebäudes am Hermannplatz in Berlin-Neukölln. (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Pläne waren von Kritik begleitet

Die Neubau-Pläne waren umstritten, im vergangenen Jahr hatte es Protest gegen eine Vereinbarung zwischen dem Berliner Senat und der Unternehmensgruppe gegeben. Zuvor hatte der Berliner Senat eine Vereinbarung mit Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) zum Erhalt mehrerer Warenhäuser getroffen. GKK hatte eingewilligt, satt sechs vorerst nur zwei seiner elf Berliner Warenhäuser zu schließen. In seiner Absichtserklärung sicherte der Senat zu, große Bauvorhaben des Unternehmens mit seinem Mutterkonzern Signa in Berlin zu unterstützen. Daran hatte es auch aus dem Kreis der rot-rot-grünen Koalition deutliche Kritik gegeben - von einem "schlechten Deal" war die Rede.

Auch Anwohner hatten gegen die Neubau-Pläne demonstriert, weil sie steigende Mieten fürchteten.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) begrüßte auf der Pressekonferenz die neuen Pläne. "Wir haben große Diskussionsprozesse hinter uns. Nicht nur positive Reaktionen, auch Sorgen und Ängste und sie haben das in herausragender Weise berücksichtigt", sagte Giffey. Es sei eine neue Art von Bestandsentwicklung nach allen Klimaschutzzielen und solle dem Online-Handel etwas entgegensetzen.

Sendung: Abendschau, 14.05.2021, 19:30 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Neukölln hat mit ca 16% Arbeitslosenquote nach Bremen Stadt die höchste, die es in Deutschland gibt und das soll jetzt das Maß der Dinge sein woran sich die Entwicklung der Stadt orientiert damit man in der Billigesten Großstadt / Metropole der Welt weiter die billigsten Mieten zahlt?
    Weil sich in Neukölln die sozialen Probleme konzentrieren, gerade wegen der günstigen Mieten, darf sich der Bezirk nicht weiter entwickeln?

  2. 6.

    Klasse, jetzt müssen nur noch die ganzen Störer und Blokierer da wegziehen, die meinen, für ihre viel zu billigen Mieten dürfe in der Stadt nichts mehr verändert oder saniert werden. Hauptsache Sie machen selbst ein Schnäppchen auf Kosten anderer und der Allgemeinheit.
    Dann geht auch konsequent gegen Radwege und ÖPNV Verlängerungen auf die Straße. Demnächst fährt auch eine Tram über den Vorplatz, ich bin schon gespannt auf die Proteste die fremde Leute und Kaufkraft in den Stadtteil bringen.
    Gibt es eigentlich Untersuchungen, wieviele der protestierenden dort selbst erst hingezogen sind und dadurch andere verdrängt und die Mieten strapaziert haben?
    Früher wollte dort ja niemand wohnen aber die Zeiten haben sich geändert.

  3. 5.

    Hallo Florian (Schmidt), wo bleibt deine Verhinderungsstrategie um das wertvolle Umfeld vor den bösen Gentrifizieren zu verteidigen?

  4. 4.

    Soll denn nun die ursprüngliche Geschoßzahl wiederhergestellt werden? Der Artikel ist hier etwas schwammig formuliert, finde ich.
    Falls aufgestockt werden soll: Ist Holz bei den statischen Dauerbelastungen, die in einem vielstöckigem Warenhaus zu erwarten sind, tatsächlich der richtige Baustoff? Wie lange hält eine solche Holzkonstruktion? Ist das tatsächlich nachhaltiger als Stahlträger und Stein?

  5. 3.

    @rbb Was heisst denn dann "müsse komplett entkernt werden" für die "geplante Sanierung"?!
    Wird "nur" der Neubau aus den 50er Jahren bis auf die tragenden Strukturen bis in den Keller abgerissen und auf diesen in den bisher geplanten Dimensionen "in Holzbauweise" zur alten Größe aus den 20er Jahren aufgestockt?
    Ist die wiederholt angekündigte Umgestaltung des Hermannplatz jetzt wieder auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben?

  6. 2.

    Hm, ein Aufbau in Holzbauweise und eine Fassde aus Ziegeln. Hoffentlich sieht das vernünftig aus...

  7. 1.

    "Das historische Karstadt-Gebäude am Hermannplatz" worden 1945 weitgehend zerstört. Die wenigen Reste wurden Anfang der 50er durch einen Neubau ergänzt.

    Das beste an dem Bau ist dabei der direkte Zugang zur U-Bahn. Der Hermannplatz oben gibt sich wenig einladend.

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