40 Millionen Salatköpfe im Jahr - Hightech-Salat-Fabrik in Pritzwalk geplant

So soll die High-Tech-Salatfabrik einmal aussehen. In einem riesigen Gewächshaus sollen die Salatpflanzen teils über mehrere Ebenen übereinander angebaut werden. (Quelle: Spies PPP)
Bild: Spies PPP

Nicht nur Elektroautos könnten bald in Brandenburg in hochmodernen Fabriken produziert werden, sondern auch Salat. In Pritzwalk in der Prignitz soll für 45 Millionen Euro ein High-Tech-Gewächshaus entstehen. Von Björn Haase-Wendt

Noch liegt das Feld brach im Gewerbegebiet Falkenhagen bei Pritzwalk. Ab dem Sommer kommenden Jahres könnten hier aber zwischen Windrädern und Industrieunternehmen Salatköpfe in riesigen Mengen produziert werden. "Geplant sind 40 Millionen im Jahr mit festen Abnehmerverträgen mit den üblichen Einzelhändlern, die man so kennt", sagt Projektkoordinator Bernd-Georg Spies. Die erste Hürde hat das 45-Millionen-Euro-Projekt genommen. Am Mittwochabend haben die Pritzwalker Stadtverordneten einer notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt. Heißt: Auf den Gewerbeflächen ist künftig der Salatanbau möglich - aber nicht so, wie man es kennt.

Anbau auf bis zu 14 Ebenen übereinander

Ein deutsch-niederländischen Konsortium will auf einer Fläche von über 30 Hektar ein riesiges Gewächshaus errichten. Die Macher setzen auf das sogenannte "Vertical Farming". Die Zucht und der Anbau der Salatpflanzen geschieht nicht klassisch im Erdboden, sondern in industriellen Schienensystemen auf bis zu 14 Ebenen übereinander. Hinzu kommen spezielle LED-Licht-Kammern, in denen die Pflanzen 18 Stunden am Tag mit Licht versorgt werden. "Das kann man Wetterunabhängig machen und bekommt damit eine Kontinuität in den Produktionsprozess", erklärt Spies.

Stadt und Investoren haben das 45-Millionen Euro-Projekt in Pritzwalk vorgestellt. (Quelle: rbb/Haase-Wendt)
Stadt und Investoren stellen das Projekt in Pritzwalk vor | Bild: rbb/Haase-Wendt

Der Anbau ist laut den Projektmachern so in gleichbleibender Qualität und Menge möglich, auch weil den Hauptteil der Arbeit Industrieroboter übernehmen. Trotzdem sollen in der Salatproduktion rund 100 neue Arbeitsplätze entstehen. "Vor allem im Bereich Logistik und Verpackung", sagt Klaus Pinter, der ebenfalls am Projekt beteiligt ist. Vor allem Menschen, die es bisher schwer auf dem Arbeitsmarkt haben, hätten hier eine Chance in Lohn und Brot zu kommen, ist sich Pritzwalks Bürgermeister Ronald Thiel sicher.

Eigener Solarpark geplant

Neben dem riesigen Gewächshaus soll noch ein Wasserrückhaltebecken und ein Solarpark entstehen. Damit soll zum einen das Werk autark mit Energie versorgt werden, zum anderen soll so Regenwasser und überschüssiges Wasser aus der Produktion aufgefangen und aufbereitet werden, um es weiter nutzen zu können. Dabei sei der Wasserbedarf durch den Einsatz der Vertical-Farming-Technik bis zu 90 Prozent geringer als beim konventionellen Anbau von Salaten in diesen Größenordnungen, so die Projektkoordinatoren. Außerdem will die Fabrik die Wärme der benachbarten Gewerbebetriebe nutzen.

Hightech-Salat-Fabrik könnte ab kommendem Winter gebaut werden

Die Investoren haben sich nach zwei gescheiterten Versuchen in Franken und Sachsen-Anhalt nun bewusst für Pritzwalk als Produktionsstandort und Firmensitz entschieden. Entscheidend war die Lage an der Autobahn 24 zwischen den Metropolen Berlin und Hamburg. "Das ist entgegen der landläufigen Meinung eine großartige Lage. Wenn man sich die Großräume anschaut, haben wir ein Einzugsgebiet von acht Millionen Menschen", sagt Projektleiter Spies, der selbst in der Prignitz lebt. Auch könne von Pritzwalk aus der stark wachsende Markt rund um das polnische Stettin beliefert werden.

Noch ist das ambitionierte Projekt nicht am Ziel. Zunächst muss der Prignitzer Kreistag noch den geplanten Flächenankauf genehmigen und es fehlt die Baugenehmigung. Liegt sie vor, dann könnte ab dem kommenden Winter der Bau der Hightech-Salat-Fabrik starten.

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Beitrag von Björn Haase-Wendt

22 Kommentare

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  1. 22.

    Wir alle kennen Wintertomaten aus den Niederlanden. Wir wissen auch um die Empfehlung im Winter lieber sonnengereifte Dosentomaten zu verwenden. Ich selbst bin erfahrener Gewächshausbenutzer. Aber, dieser "synthetische" Salat wird nach nix schmecken und ist wirklich gewährleistet, dass diese dort dann produzierte Mengen Absatz finden ? Haben sie schon mal selbst gezogene Kohlrabi gegessen ? Ob Gaststätten diesen Kunstzuchtsalat ihren Gästen anbieten werden ? Warum haben andere abgesagt ?

  2. 20.

    Für den gleichen Freiflächenertrag dürften weit über 14x30x irgendwas, also weit über 500ha Nutzfläche notwendig sein.
    Also Flächenverbrauch günstiger. Regenwasser wird vollständig genutzt.
    Minimaler Wasserbedarf, da keine Versickerung.
    Düngemittel optimal auf den Bedarf der Pflanzen und ohne Eintrag ins Grundwasser.
    Energiebilanz mit Ökostrom, Abwärmenutzung und weniger Transporten aus Südeuropa sehr gut.
    Und schließlich alter Hut. Das Gemüse in der Kaufhalle kommt überwiegend aus ähnlicher Produktion. Neu sind nur die 14 Etagen.
    Also wo ist das Problem. Wer niemandem traut muss sein Zeug selbst im Garten anbauen.

  3. 19.

    Tut er. Ist doch schließlich bio. Das geht alles. Sogar derartige Landschaftsverschandelung

  4. 18.

    Grüße gehen raus an das Verkehrsministerium, das seit Jahrzehnten eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene blockiert.

  5. 17.

    das muss man nicht kommentieren.
    Kann sich jeder denken, das so was Mist ist.

  6. 16.

    Wird uns jetzt noch mehr LKW-Verkehr auf der A24 angedroht? Passend dann wohl der Spruch: da haben wir den Salat.

  7. 15.

    Die Nachfrage ist rhetorischer Natur und hoffentlich nicht wirklich Ernst gemeint? Sonst müsste man hier noch einmal ganz am Anfang bei Adam & Eva anfangen mit dem Lückenschluss.

  8. 14.

    30 ha Flächenversieglung durch Glasdächer finden Sie ökölogisch?

  9. 13.
    Antwort auf [Netti] vom 06.05.2021 um 20:37

    Salat schreit im Allgemeinen nicht. Salat produziert auch keine Tonnen an Gülle die dann ins Grundwasser sickern müssen.

  10. 12.

    Ist doch egal, ie ein Gemüse schmeckt--hauptsache : Umsatz
    ABER- die Form und Farbe der "Gemüse"sorten ist wenigstens unterschiedlich
    ausserdem gibt es ja noch Gewürze zum Geschmacksverstärken

  11. 11.

    1. Alles unter Folie- wie viele wichtigen Nährstoffe sind da überhaupt noch ? 2. Monokultur schreit nach Krankheiten, das erfordert wiederum Chemie. 3. Weitere Versiegelung von Flächen.

  12. 10.

    Nein das scheint mir nicht so der Kollege glaubt scheinbar wirklich, dass ein privater Investor aus der Lebensmittelbranche sein Geld in Kitas und Schulen stecken soll, ohne Chance auf Rendite. Willkommen im Kapitalismus. Das wäre genauso Unsinn wenn ein Reifenhersteller meint nun Gurken zu züchten.
    Irgendwer muss in diesem System das Geld erwirtschaften bzw. die Steuerzahler entlohnen, um dem Staat das Geld für Kitas und Schulen geben zu können. Von nix kommt nix. Nur mit Geld drucken und neuen Schulden geht auf Dauer nicht.

  13. 9.

    Das war wohl etwas anderes gemeint, als Sie es aufgefasst haben.

  14. 8.

    Der Salat wird dann genau den gleichen Geschmack haben, wie der Kohlrabi, die Tomaten, die Gurken und die anderen frischen Gemüse aus solchen Anlagen. Danke für dieses Angebot aber ich bevorzuge Gemüse mit dem typischen Eigengeschmack seiner jeweiligen Art...

  15. 7.

    Wieso Unsinn??? Was ist falsch daran, wenn die Investoren das Geld in marode Kitas und Schulen investieren???

  16. 6.

    Das Gewächshaus mag für die Landschaft nicht das Highlight sein, aber aus ökologischer Sicht ist es das.
    Geringer Wasserverbrauch, Energieversorgung durch Solar und Nutzung von Abwärme ergeben eine sichere und effiziente Erzeugung von Nahrungsmitteln.
    Und von der unteren Etage können aich Kitakinder naschen. ;)

  17. 5.

    "Vor allem Menschen, die es bisher schwer auf dem Arbeitsmarkt haben, hätten hier eine Chance in Lohn und Brot zu kommen"...
    Na ja, das sind doch wieder nur unterbezahlte Jobs. Mit dem Lohn werden die Menschen sicher nicht glücklich und froh, da hilft auch das Brot nicht.

  18. 4.

    Und was hat ein Lebensmittelhersteller von Kitas, sollen die Kinder den Salat züchten?

  19. 3.

    Na dann, gehen Sie doch mit gutem Beispiel voran und spenden Ihrer Kommune Geld.
    Denken Sie, Pritzwalk gibt 45 Millionen € aus? Wie kommen Sie auf solchen Unsinn?

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