Vonovia und Deutsche Wohnen - Immobilienriesen bieten Berlin rund 20.000 Wohnungen zum Kauf an

Wohnhäuser in der Siemensstadt (Quelle: Bildagentur-online/Schoening)
Video: Abendschau | 25.05.2021 | 19:30 Uhr | Bild: Bildagentur-online

Berlin will den Zusammenschluss der Immobilienriesen Vonovia und Deutsche Wohnen nutzen, um Tausende Wohnungen zu kaufen. Der Berliner Mieterverein befürchtet, dass der Druck auf die Mieten durch die Fusion noch steigen wird.

Die geplante Fusion der beiden Wohnungsunternehmen Vonovia und Deutsche Wohnen bietet Berlin die Möglichkeit, rund 20.000 Wohnungen zu kaufen. Ein entsprechendes Angebot bestätigte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag auf einer Pressekonferenz.

Mehr Wohnungen in kommunaler Hand würden mehr Einfluss auf den Wohnungsmarkt und sozialverträgliche Mieten bedeuten, begründete Müller das kommunale Interesse. "Das ist die Größenordnung einer eigenen Wohnungsgesellschaft."

Daher werde nun mit den Beteiligten im Detail besprochen, um welche Bestände es sich genau handele. "Mir liegen soziale Brennpunkte am Herzen, mir liegen Großsiedlungen am Herzen", sagte Müller. Als Beispiele nannte der die Thermometer-Siedlung in Lichterfelde und das Falkenhagener Feld in Spandau. Nach Angaben von Finanzsenator Matthias Kollatz (ebenfalls SPD) befinden sich die meisten der in der Debatte befindlichen Wohnungen außerhalb des S-Bahn-Rings, eine "vierstellige Zahl" aber auch in Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte.

Kaufpreis bei mindestens 2,1 Milliarden Euro

Momentan verfügt Berlin über 340.000 kommunale Wohnungen. Müller zufolge strebt der rot-rot-grüne Senat einen kommunalen Wohnungsbestand von 400.000 Einheiten an. Mit beiden Unternehmen sei der Senat schon länger im Gespräch und habe vor allem von der Deutsche Wohnen bereits einige Tausend Einheiten erworben.

Wie Kollatz weiter erläuterte, will das Land die neuen Wohnungen "ungefähr zum Ertragswert" kaufen. Wenn die Prüfungen dazu zu einem positiven Resultat führten, "werden wir zwei, maximal drei Monate brauchen, um zu einem Ergebnis zu kommen". Gestemmt werden soll der Deal demnach von den sechs kommunalen Wohnungsgesellschaften - und zwar außerhalb des Landeshaushalts über Eigenmittel und Kredite.

Kaufsummen wurden nicht genannt. Es gehe aber für die kommunalen Wohnungsgesellschaften um "Belastungen, die die Unternehmen auch schultern können", sagte Kollatz. Die Kosten würden "hier eher noch etwas mehr" betragen als die 2,1 Milliarden Euro, die für den Rückkauf des Stromnetzes aufgewendet wurden, so Kollatz weiter.

In der rbb-Abendschau versicherte Müller, Berlin werde keinen überhöhten Preis bezahlen.
Mit dem Ankauf erhöhe das Land seinen Einfluss auf dem Wohnungsmarkt und damit auch auf die Entwicklung der Mietpreise.

Immobilienkonzerne wollen fünf Jahre Mieterhöhungen stark deckeln

Am Montagabend war bekanntgeworden, dass der größte deutsche Immobilienkonzern Vonovia SE dem Branchenzweiten Deutsche Wohnen SE ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot im Gesamtwert von rund 18 Milliarden Euro oder 53,03 Euro je Deutsche-Wohnen-Aktie macht. Die Spitze der Deutschen Wohnen unterstützt die Offerte.

Für Berlin, wo die Mieten seit Jahren stark steigen, hätte die Mega-Fusion erhebliche Auswirkungen: Vonovia besitzt hier momentan 40.000 Wohnungen, die Deutsche Wohnen 110.000. Zusammen macht das 150.000 - etwa neun Prozent aller 1,67 Millionen Mietwohnungen in der Stadt. Auch im Falle eines Verkaufs von 20.000 Einheiten wäre der Konzern mit Abstand größter privater Vermieter in der Stadt viel Marktmacht.

Die Vorsitzenden der beiden Konzerne kündigten allerdings einen "Zukunfts- und Sozialpakt Wohnen" an, nach einer Fusion sollten zum Beispiel starke Mieterhöhungen in Berlin vorübergehend ausgeschlossen werden. In den ersten drei Jahren dürften die Mieten höchstens um ein Prozent angehoben werden; in den beiden darauf folgenden Jahren dürften Erhöhungen nicht höher ausfallen als die Inflationsrate.

Mieterverein spricht von "heißer Luft"

Der Berliner Mieterverein befürchtet, dass durch die Refinanzierung des 18-Milliarden-Euro-Kaufpreises der Druck auf die Mieten wachsen wird. "Besonders leidtragend werden die Wohnungssuchenden sein. Denn bei Wiedervermietung machen beide Konzerne derzeit ein dickes Geschäft, weil sie die Ausnahmen von der Mietpreisbremse nutzen", sagte der Vorsitzende Reiner Wild. Den angekündigten "Zukunfts- und Sozialpakt Wohnen" wertete Wild als "heiße Luft". Denn es sei kein über das Mietrecht hinausgehendes Mieterschutzangebot erkennbar.

Die CDU sieht die Fusion dagegen als Chance für die Mieterstadt Berlin. Der "Zukunfts- und Sozialpakt" sei ein Lösungsansatz für Berlins Wohnungs- und Mietenproblem. "Es zeigt vor allen Dingen, dass die Immobilienwirtschaft bereit ist, an den Problemen mitzuarbeiten und dass man in Gesprächen mit der Immobilienwirtschaft ganz offenkundig viel erreichen kann", sagte der Berliner CDU-Chef Kai Wegner am Mittwoch im rbb-Inforadio.

Die Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch mahnte verbindliche Vereinbarungen zu Themen wie Mieterhöhungsstopp, bezahlbarem Neubau und einem stärker gemeinwohlorientierten Wohnungsmarkt in Berlin an.

Der Bezirksbürgermeister von Neukölln, Martin Hikel (SPD), räumte ein, dass in den letzten Jahrzehnten mit dem Verkauf von Wohnsiedlungen viele Fehler in der Wohnungspolitik gemacht worden seien. Der Kauf von 20.000 Wohnungen sei eine "einmalige Chance, Fehlentscheidungen der letzten Jahre zumindest teilweise im Sinne der Mieterinnen und Mieter zu revidieren".

Enteignungsinitiative hält an Plänen fest

Die Berliner Initiative "Deutsche Wohnen und Co. enteignen" will auch nach der angekündigten Übernahme Vonovia an ihrem Volksbegehren festhalten. "Es ändert sich nichts", sagte Sprecherin Jenny Stupka am Dienstag. "Auch der fusionierte Wohnungskonzern wäre von einer Vergesellschaftung aller Wohnungsunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin betroffen, wie sie die Initiative Deutsche Wohnen Co. enteignen anstrebt", teilte die Initiative weiter mit.

Sendung: Abendschau, 25.05.2021, 19.30 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 25.05.2021 um 20:36 Uhr geschlossen

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81 Kommentare

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  1. 81.

    Ich kann es nicht mehr lesen, wie alle von Mietsenkungen etc. faseln. Wenn man mehr bauen würde, hätte man das Problem nicht!

  2. 80.

    Zahlungsbereitschaft ! Ich schmeiß mich weg. Wollen Sie damit andeuten, dass viele Berliner nicht bereit sind, höhere Mieten zu zahlen? Liegt es nicht eher an der mangelnden Zahlungsbereitschaft von Arbeitgebern, dass gar keine höheren Mieten gezahlt werden können?

  3. 79.

    Als ich 1986 nach Westberlin zog, sahen die Mietshäuser in vielen Bezirken nicht wesentlich anders aus, als im Osten: Außenklo, Ofenheizung, zugige Fenster, dreckige Hinterhöfe. Nur die Mieten waren wesentlich teurer, allerdings damals auch durch Studenten noch bezahlbar.

  4. 78.

    Angebot und Nachfrage - eine goldene Regel des Kapitalusmus. Deshalb sanken zur Jahrtausendwende auch die Mieten bei Neuvermietungen.

  5. 77.

    Was wissen Sie davon, oder wollen darüber wissen, wie die Häuser im kapitalistischen Kreuzberg der 60er 80er Jahre aussahen? In welchen Bruchbuden Menschen im Ruhrgebiet wohnten? Was es heisst in einem West-Plattenbau in der Nordweststadt Frankfurt/M. in Ratingen West bei Düsseldorf VOR die Stadt verbannt zu wohnen?
    Befleißigen Sie sich erst mal eines sachlichen, historisch-kritisch redlichen Diskurses. Bevor Sie hier mit öden Kalte-Kriegs-Kamellen brillieren.
    Fakt ist: Kein "Sozialismus" hat die letzen 3 Jahrzehnte die Privatwirtschaft, "den Markt" daran gehindert Wohnraum, bezahlbar gemessen am mittleren Einkommen der Hälfte der Erwerbstätigen zu bauen. Stattdessen hinterlässt deren Börsen- und Rententätigleit öde Innenstädte und Plattenbau der nicht nur uniform hässlich ist, sondern - jetzt neu!! - dazu noch unbezahlbar. Beweisen Sie erst Mal mit Ihrer Ideologie wie Sie bezahlbaren Wohnraum erreichen - wie er zum Beispiel noch Heute für 10-Tausende (!) fussläufig am Alex möglich.

  6. 76.

    Und die Aussage bleibt falsch! Noch mal ganz langsam zum Nachvollziehen: Wenn ein Zuzügler in eine neu geschaffene Wohnung zieht, bezieht dieser keine Bestandswohnung, somit kommt es nachfragetechnisch zur Entlastung, weil Menschen mit höherer Zahlungsbereitschaft Neubau bevorzugen. Ebenso verhält es sich übrigens, wenn Menschen, die es sich leisten können aus einer bestehenden Wohnung in eine Neubauwohnung umziehen. Hoffentlich fällt auch im Steinwerk, wo noch gemeißelt wird, hier mal der Groschen! Vielleicht doch noch mal die Zusammenhänge bei Wikipedia als ihrer Stammquelle nachlesen?

  7. 75.

    Jetzt ja jeder Demonstrant eine Wohnung kaufen.

  8. 74.

    Hier von Marktmacht zu sprechen ist absoluter Unfug! Die beiden Firmen kommen zusammen gerade mal auf etwa 156.000 Wohnungen in Berlin. Die Deutsche Wohnen hat 113.000 Wohnungen im Großraum Berlin, bei Vonovia sind es nur etwa 43.000 Wohnungen. Bei insgesamt derzeit 1,63 Millionen Mietwohnungen in Berlin kann man hier nicht wirklich als seriöser Verein, der der Mieterverein doch eigentlich sein möchte, nicht wirklich sprechen. Das ist Irreführung und Angstmache!. Erschreckend finde ich eher, wie es einige wenige verstehen, sich vor den politischen Karren der Parteien im Wahlkampf und Mietervereinlobbyisten spannen zu lassen.

  9. 73.

    Und zum Mitmeißeln, Neubau senkt keine Bestandsmieten, im Gegenteil! Wie mit kleinen Kindern... man muß das immer wieder wiederholen...

  10. 72.

    Man sollte überschuldete Genossenschaften entweder Zwangsversteigern oder verkaufen müssen, damit es finanziell nicht am Steuerzahler hängen bleibt. Ich zahle meine Wohnkosten schließlich auch selbst und möchte nicht noch für andere bezahlen müssen - das wäre ja unsozial!

  11. 71.

    Es sind in Summe in Berlin nur ca. 150.000 Wohnungen, die die Deutsche Wohnen und Vonovia haben, nicht 550.000. Nur zur Klarstellung.

  12. 70.

    Was den Ausbau des ÖPNV ins Umland betrifft, gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Nur was sollen die Deutschen in Spanien oder Frankreich ;)

  13. 68.

    Statt 20.000 alte Wohnungen zu kaufen, würde ich doch sinnvoller 20.000 neue bauen weil es dann 20.000 mehr Wohnungen für alle gibt.
    So schmeiße ich das Steuergeld raus, damit ein bestimmtes Klientel 20 oder 30 € im Monat spart. Es muss ja nicht nur das Geld zurückgezahlt sondern die Immobilien auch unterhalten werden und das mit Dumpingmieten?

  14. 67.

    Sie sollten Wohnungsgenossenschaft von Wohnungsgesellschaft unterscheiden können. Hier sind aber beide gesund. ;=)

  15. 66.

    Wohnungsgenossenschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften - beide gehören zu den Guten, sind aber nicht dasselbe. Und das mit dem Bauland - da wurde schon unter der CDU jeder Menge regelrecht verhökert, und danach bis zu Wowereits und Sarrazins Zeiten. Bauen, wo es eine Lücke gibt, das gibt´s nur bei bei der FDP. Wie es um Verkehrs-, Wasser-, Abwasser- oder Energieanschlüsse steht, ist egal. Oder um Kitas, und Schule braucht seit Corona niemand, geht auch per Zoom.

  16. 65.

    Der Senat knickt lieber vor Lobbygruppen ein als neu zu bauen - s. z.B. gerade erst 115 Kleingartenparzellen statt 7.000 Wohnungen samt Schulen und Kitas etc.

  17. 64.

    Klar doch, immer mehr Flächen versiegeln und die Verkäuferin, die sich die Horrormieten in Berlin nicht mehr leisten kann lassen wir vor Arbeitsbeginn aus Frankreich einfliegen.

    Wir müssen wieder zurück zu bezahlbaren Mieten und deshalb gehören Vermiter, die aus Profitgier vermieten enteignet. Damit meine ich ausdrücklich auch die privaten Abzocker und Schmarotzer, die auf Betongold gesetzt haben.

    Ich weiß, gleich kommen wieder die dummes Aureden von Alterssicherung usw. Alterssicherung geht auch ohne Abzocke und von dem Geld anderer zu leben.

  18. 63.

    Hier in Berlin beginnen bei den Genossenschaft oft bei 14 bis 15 Euro bei einem Neubau Erstvermietung. Preistreiber ist neben den Bauvorschriften das Land Berlin selber beim Kaufpreis für das Grundstück. Es gab dazu in dieser Legislaturperiode mehre Brandbriefe von Genossenschaften. Manche hatten sich sogar ganz aus Projekten zurückgezogen.

  19. 62.

    Dan versuchen Sie sich mal nicht zu winden und führen den Artikel der Berliner Landesverfasung an, der eine Vergesellschaftung vorsieht. Darüber hatte es übrigens 1995 ein Volksabstimmung gegeben. Schauen Sie auch mal ins GG Art. 142.

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