150.000 Wohnungen im Großraum Berlin - Vonovia und Deutsche Wohnen vereinbaren Fusion

Sonnenuntergang in Berlin-Mitte am 21.05.2021. (Quelle: imago images/Dirk Sattler )
Audio: Inforadio | 25.05.2021 | Bianca von der Au | Bild: imago images/Dirk Sattler

Milliardendeal am späten Montagabend: Die Immobilienfirmen Vonovia und Deutsche Wohnen wollen fusionieren. Mit dann über 500.000 Einheiten könnte Europas größter Konzern für Wohnimmobilien entstehen. Für Berlin gibt es eigene Überlegungen.

Hinweis: Diese Meldung wird nicht fortgeschrieben. Den aktuellen Stand finden Sie hier: "Immobilienriesen bieten Berlin rund 20.000 Wohnungen zum Kauf an"

Die beiden Immobilienkonzerne Deutsche Wohnen und Vonovia haben sich auf einen Zusammenschluss geeinigt. Wie beide Unternehmen am Montagabend mitteilten, soll es ein öffentliches Übernahmeangebot der Vonovia an die Aktionäre der Deutsche Wohnen geben.

Sollten die Kartellbehörden zustimmen, entstünde durch den Zusammenschluss Europas größter Konzern für Wohnimmobilien.

Deutschlands größte Wohnungsvermieter

Die Deutsche Wohnen hat im Großraum Berlin - inklusive Potsdam - rund 113.000 Wohnungen und ihren Sitz in der Hauptstadt. Vonovia gehören mehr als 400.000 Wohnungen, davon rund 43.000 in Berlin. Vonovia ist Deutschlands größter Wohnungsvermieter, die Deutsche Wohnen die Nummer zwei auf dem Markt.

Zusammen kommen die beiden einzigen Immobilienkonzerne im Leitindex Dax auf Wohnimmobilien im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro und einen Börsenwert von 48 Milliarden Euro. Vor fünf Jahren war Vonovia mit einem 14 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebot für die Deutsche Wohnen am Unwillen der Aktionäre gescheitert, die nicht in ausreichender Zahl ihre Papiere verkaufen wollten.

Vonovia will Aktien für 18 Milliarden Euro aufkaufen

Am Montagabend gab Vonovia die Absicht bekannt, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot im Gesamtwert von rund 18 Milliarden Euro oder 53,03 Euro je Deutsche-Wohnen-Aktie abzugeben. Das entspreche einer Prämie von knapp 18 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag und von 25 Prozent auf den volumengewichteten Drei-Monats-Durchschnittskurs. Anders als bei den bisherigen Versuchen konnte sich Vonovia die Unterstützung der Deutsche-Wohnen-Spitze sichern.

Beide Konzerne unterzeichneten eine Grundsatzvereinbarung über den Zusammenschluss. Zur Finanzierung der Übernahme will Vonovia neue Aktien für bis zu acht Milliarden Euro ausgeben. Vonovia selbst kommt an der Börse derzeit auf einen Marktwert von knapp 30 Milliarden Euro. Durch den Zusammenschluss sollen die jährlichen Kosten um 105 Millionen Euro gedrückt werden. Das Sparziel soll bis Ende 2024 erreicht werden.

Die Offerte stehe unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmequote von 50 Prozent aller ausstehenden Deutsche-Wohnen-Aktien, der Erteilung der fusionskontrollrechtlichen Freigabe "sowie weiterer üblicher Bedingungen". Beide Unternehmen erwarteten, dass die
fusionskontrollrechtliche Freigabe vor Ende der Annahmefrist des geplanten Übernahmeangebots erfolge, hieß es. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen begrüßten das Übernahmeangebot und beabsichtigten dieses, vorbehaltlich der Prüfung der finalen Angebotsunterlage, zu unterstützen und den Aktionären die Annahme zu empfehlen.

Unternehmen wollen Wohnungen an Berlin verkaufen

"Jetzt ist der richtige Moment, die erwiesene Leistungsfähigkeit und Stärken beider Unternehmen zu vereinen", sagte Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn. Deutsche-Wohnen-Finanzvorstand Philip Grosse übernimmt den gleichen Posten bei Vonovia.

Den Berliner Senat um den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), der in den vergangenen Jahren gegen steigende Mieten und Privatisierungen gekämpft hatte, versucht Vonovia-Chef Rolf Buch mit Zugeständnissen auf seine Seite zu ziehen. "Im Zuge des Zusammenschlusses bieten beide Unternehmen für die angespannte Mietsituation in der Bundeshauptstadt dem Berliner Senat einen 'Zukunfts- und Sozialpakt Wohnen' an", erklärte er.

In den nächsten drei Jahren sollen demnach die Mieten in Berlin maximal um ein Prozent pro Jahr steigen, in den beiden darauffolgenden Jahren nicht stärker als die Inflationsrate, berichten mehrere Medien. Zudem sollen die Kosten für die Sanierung des Wohnungsbestandes zum Energiesparen nicht voll auf die Mieter umgelegt werden. Vonovia und Deutsche Wohnen bieten Berlin zudem an, "eine signifikante Anzahl an Wohnungen" aus ihren Beständen zu kaufen.

Das künftige Unternehmen soll dann den Namen Vonovia SE führen, wie mitgeteilt wurde. Der Sitz soll in Bochum bleiben, das Unternehmen aber aus Bochum und Berlin geführt werden. Außerdem haben die Parteien vereinbart, dass sie im Zusammenhang mit der Transaktion keine betriebsbedingten Kündigungen zu früher als 1. Januar 2024 aussprechen werden.

Sendung: Inforadio, 25.05.2021, 06:00 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 25.05.2021 um 20:43 Uhr geschlossen

Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

71 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 71.

    Hallo "Erich", bitte schreibe hier mal was du an Aufwendungen für die Werterhaltung hast. Nun deckt man ja nicht alle 20 Jahre das Dach aber immer wieder ist etwas an der Heizung defekt oder man benötigt ein en neuen Spülkasten oder Teile vom Innenleben. Um als Vermieter nicht zuzuzahlen muss dies ja alles bei der Kaltmiete berücksichtigt werden. Wärmeisolierung ist ein Posten, der geht hart ins Geld. Allerdings sollte ja ein Mieter danach geringere Heizkosten haben was ja konform mit dem Klimaschutz geht.

  2. 70.

    Überhauot nicht wichtig, die beide zusammen kommen deutschlandweit gerade mal auf 2% Anteil. Die Deutsche Wohnen hat 113.000 Wohnungen im Großraum Berlin, bei Vonovia sind es nur etwa 43.000 Wohnungen. Bei insgesamt derzeit 1,63 Millionen Mietwohnungen in Berlin wird das Thema von Einzelnen viel zu sehr wie die Sau durchs Dorf getrieben. Erschreckend wie es einige wenige verstehen, sich vor den politischen Karren der Parteien im Wahlkampf spannen zu lassen.

  3. 69.

    Die Aussage, dass die geltenden Vorschriften es nicht möglich machen, "normal" zu bauen, also faktisch hochwertig bauen zu müssen ... ist das nachvollziehbar mal dargestellt ... haben Sie eine Quelle?

    Auch, um mal die Einfluss im Vergleich zu den von Ihnen ebenfalls genannten Bodenpreisen einschätzen zu können ... den ich eher als das Problem sehen würde.

    Und vielleicht auch, um zu differenzieren zwischen Vorschriften, die politisch änderbar sind und Regeln der Technik, die eher den technischen Fortschritt widerspiegeln.

  4. 68.

    Die Gewinnmaximierung ist sinnvoll durch die Mietpreisbremse bereits gut beeinträchtigt. Anpassungen kann man hier bestimmt noch vornehmen. Und in Neubaugebieten 30% Sozialwohnungen bauen zu müssen ist ebenso sinnvoll.

    Die Eingriffe vom Statt müssen aber verhältnismäßig sein und nicht einseitig zu Gunsten den Mietern oder Vermietern.

    Zumal ein großes Potenzial von Einsparmöglichkeiten beim Neubau liegt, hier könnte man am Beginn des Lebenszyklus schon mit günstigeren Mieten einsteigen.

    Jedoch bei den Vorschriften, Auflagen und teures Bauland rechnen sich keine Wohnhäuser mit wenig Ausstattungsmerkmalen. Daher erhält jeder Neubau bodentiefe Fenster, großen Balkon, Aufzug, hochwertigen Bodenbelag, elektrische Rollläden, Gegensprechanalge mit Kamera usw..

    Die Politik müsste Vorschriften reduzieren und einfacheres Bauen wieder ermöglichen.

  5. 67.

    Wenn die Gewinnmaximierung privater Anbieter mit gesellschaftlichen Zielen nicht zusammenpasst, kann (muss) eine Regierung den Ordnungsrahmen anpassen (ein Grundzug der sozialen Marktwirtschaft unseres Landes). Das kann beispielsweise beim Thema Wohnen die Verpflichtung zum Bau eines Anteils günstiger Wohnungen sein, wie beim Berliner Modell.

    Hinter Ihren Worten steht dann auch die - immer wieder und unverblümt - vorgebrachte Forderung nach mehr Subventionen und Anreizen, dann würde es der Markt schon richten. Dieses Modell, darauf bezogen sich meine Worte, ist im ehemaligen West-Berlin nicht erfolgreich gewesen. Mit Auswirkungen bis heute.

  6. 66.

    Die Inflation und die Mietpreisentwicklung (allerdings nur Mietspiegel) kann man im Netz nachlesen. Die Mathematik, die ich benutzt habe, ist auch nicht hochkomplex.

    Das Thema ist auf der Agenda der Politik und die Mietunternehmen wissen, dass sie schlecht dastehen wenn sie weiter so pressen. Die angebliche Wirtschaftsleistung wird von anderen Menschen erbracht, denen dann wiederum das Geld fehlt um sich selbst Eigentum zu schaffen und die eigene wirtschaftliche Weiterentwicklung voranzutreiben.

    Naja und das Thema mit den Wohnungen wird wirklich spannend, wenn ich auf so 1 Mark Treuhand Verkäufe wie das SEZ schaue. Ähnlich günstig wurde ja auch der Berliner Wohnungsbestand verkauft. Der Verkauf des Bestandes hat übrigens die Union als Ursache falls sie sich wundern warum kaum ein Berliner sie gerne wählt.

  7. 65.

    Private Vermieter sind nicht verpflichtet sozial verträglichen Wohnraum zu schaffen. Private Vermieter schaffen freifinanzierte Wohnungen, die ohne staatliche Hilfen angemietet werden sollen. Bestandsmieter sind durch das BGB gegenüber Mieterhöhungen und Modernisierungsumlagen gut geschützt.

    Der soziale Wohnungsbau ist alleine die Aufgabe des Landes und RRG entzieht sich ihrer Verantwortung. Es werden kaum Sozialwohnungen gebaut und die staatlichen Unterstützungen für den Sozialwohnungsbau von privaten Vermietern ist zu uninteressant.

    Man versucht lieber mit verfassungswidrigen Instrumenten die Bürger aufzuhetzen und folgt Linken-Aktivisten blind für Wählerstimmen.

    Somit machen die beiden Unternehmen aus ihrer Sicht alles richtig. Wohnungspolitik kann man nur gemeinsam gestalten, leider ist dies bei vielen noch nicht angekommen.

  8. 64.

    Das "Wohl der Allgemeinheit" zielt nicht auf die Zahl der Mieter ab, eher auf "Gemeinwohl" im Sinne des "öffentlichen Interesses".

    So ist wohl bspw. auch der Rahmen des Vorkaufsrechtes begründet, auch hier geht es ja oft nur um eine im Vergleich der Gesamtbevölkerung kleine Gruppe.

    (https://www.anwalt24.de/lexikon/gemeinwohl).

  9. 63.

    "Außerden schadet es allen übrigen und zukünftigen Mietern."

    Inwiefern? Die Wohnungen bleiben auf dem Markt.
    Und Allgemeinheit ist auch schwierig. Die meisten Menschen in diesem Land verfügen nicht über Wohneigentum. Was soll also Allgemeinheit heißen in dem Zusammenhang? Die muss nämlich im Einzelfall konkret definiert werden.

    Art 14 GG Abs. 2
    "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."

  10. 62.

    Nee, lieber Hilfe zur Selbsthilfe, damit die Menschen Eigentümer werden. Dann kommt auch endlich Sachverstand in dieses Thema!

  11. 61.

    Der Titel ist ja auch schon völlig am Thema vorbei. Da kan nichts rauskommen. Nun können die Enteigner sich lieber Aktien kaufen und gemeinsam Einfluss auf den Unternehmenskurs nehmen. Statt 100te von Millionen in Entschädigungen zu pumpen.

  12. 59.

    Ach, wenn diesem zum Scheiben verurteilten "Ansinen" doch nur nicht die Realität entgegen stünde... Grundgesetz, Entschädigungssummen usw.

  13. 58.

    Für diese Behauptungen hätte ich doch gern mal eine nachvollziehbare Quelle zum Check der Fakten. Behaupten ohne z belegen kann man ja alles! Und das klingt hier doch ein wenig zu viel.

  14. 56.

    Ja, wenn jetzt die Politik den Mietmarkt manipuliert und die Preise künstlich drückt, um in der Gunst des Wählers zu steigen, lassen sich die Menschen hier gern verdummen. Dieser Sumpf aus Landesregierung und Mietervereinen gehört ein Riegel vorgeschoben. Außerdem sollten die Politiker für ihr Tun wirtschaftlich zur Verantwortung gezogen werden.

  15. 55.

    Die IAA hat sich gegen Berlin entschieden, gegen einen offenkundigen Autohass-Senat und gegen gewaltbereite Irre und nicht dafür.

  16. 54.

    Diese Initiative wird scheitern, da das Grundgesetz solche Enteignungen ausdrucklich ausschließt. Jeder kann das nachlesen.. wenn er will. Man kann aber auch irgendetwas behaupten wenn man Stimmung machen will.
    Übrigens Art 14 GG Abs. 3 Satz 1
    (3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig.
    Die paar Mieter der betroffenen Firmen stellen nicht die Allgemeinheit dar sondern eine begrenzte Minderheit. Außerden schadet es allen übrigen und zukünftigen Mietern.

  17. 53.

    Die IAA ist aus Frankfurt verschwunden und nicht nach Berlin gekommen. Nach München, wo die Automobilindustrie großer Arbeitgeber, das scheint dann doch eher ein Grund gewesen zu sein.

  18. 52.

    Wenn ich mal antworten kann.. eine bessere Strategie wäre vielleicht Investoren und Ausrichter, Firmen, Unternehmen sowie auch Berliner selbst nicht am laufenden Band gegen sich aufzubringen, dann wären auch solche Veranstaltungen wie unter anderem die genannte IAA nicht aus Berlin verschwunden.

Nächster Artikel