Messenger-Dienst - Das bedeuten die neuen Nutzungsbedingungen bei Whatsapp

Audio: Inforadio | 14.05.2021 | Ann Kristin Schenten | Bild: dpa

Ab Samstag gelten bei Whatsapp neue Nutzungsbedingungen. Kritiker fürchten die Weitergabe von Daten an Facebook. Wer nicht zustimmt, wird den Messenger-Dienst wohl bald nur noch eingeschränkt nutzen können. Von Ann Kristin Schenten

Der Volkspark Friedrichshain ist voll an diesem Tag. Schaut man sich so um zwischen den Menschen, fällt auf, dass kaum jemand auf den Bänken in die Gegend schaut – sondern fast alle aufs Smartphone.

Wir chatten viel und gern, und viele tun es per Whatsapp. Laut einer Online-Studie von ARD und ZDF nutzen 78 Prozent der Deutschen diesen Messenger-Dienst täglich. [ARD-ZDF-onlinestudie] Kein anderer Messenger ist so beliebt. "Alle sind dort und ich, ich bin jetzt Mitte 30, beschäftige mich nicht so sehr mit Alternativen", sagt eine junge Frau im Volkspark.

Dass so viele bei Whatsapp sind, liegt vor allem daran, dass der Messenger-Dienst Jahre vor der Konkurrenz – nämlich 2009 - auf dem Markt war. Als der nächste große Mitbewerber Threema 2012 startete, chatteten schon alle munter mit Whatsapp.

Datenaustausch mit Facebook

Seit es Whatsapp gibt, ist es einfacher, mit den Großeltern, der Cousine und sogar dem entfernten Onkel aus dem Kaff in Bayern in Kontakt zu bleiben. Die Kommunikation läuft dort vielleicht vor allem über semi-lustige Memes oder kaum verständliche Sprachnachrichten, aber immerhin wird überhaupt kommuniziert. Whatsapp gilt als praktisch und wirbt mit einer sicheren Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit der Chats nicht einsehbar sein sollen.

Eigentlich könnte die Whatsapp-Welt also perfekt sein, wäre da nicht die jahrelange Liaison mit Facebook, inklusive regen Datenaustauschs. Diese Verbindung kritisieren Datenschützer schon seit Jahren. Facebook hat beispielsweise Zugriff auf die Telefonnummern von Whatsapp- Nutzerinnen und -Nutzern.

Funktionen nach und nach eingeschränkt

Und jetzt möchte Whatsapp den Kontakt zu Facebook noch enger gestalten: Unternehmen auf Facebook sollen über Whatsapp mit Kundinnen und Kunden kommunizieren können. Es soll eine Shopping- und Bezahlfunktion geben. Dafür müssen die Datenschutzbestimmungen geändert werden - am 15. Mai soll es so weit sein.

Bereits in den vergangenen Wochen bat Whatsapp also seine Nutzerinnen und Nutzer per Pop-up- Nachricht um die Akzeptanz dieser Bestimmungen. Wer bis zum 15. Mai nicht akzeptiert, werde auf lange Sicht mit Einschränkungen rechnen müssen, sagt das Unternehmen. Ab einem – bis jetzt noch unbekannten – Zeitpunkt sollen die Funktionen der App dann nicht mehr wie gewohnt genutzt werden können. So werden Nutzerinnnen und Nutzer etwa keinen Zugriff mehr auf ihre Chat-Liste haben, wie Whatsapp in einem Blogbeitrag erläuterte. Zunächst werde man aber noch eingehende Audio- und Videoanrufe annehmen und über die Benachrichtigungen auch Chat-Nachrichten beantworten können. Einige weitere Wochen später werde Whatsapp dann weder Anrufe noch Nachrichten an ihre Smartphones schicken.

Eigentlich sollten schon im Februar Nutzer, welche die Nutzungsbedingungen nicht akzeptieren, den Dienst nicht mehr verwenden können - nach Kritik und Abwanderungen von Nutzern hat der Messenger-Dienst diesen Schritt auf Mai verschoben und aufgeweicht.

Whatsapp: keine erweiterte Datenweitergabe an Facebook

Whatsapp hatte stets betont, dass mit der Aktualisierung keine erweiterte Datenweitergabe an Facebook verbunden sei. Bei den Änderungen gehe es vor allem darum, bessere Möglichkeiten für Kommunikation mit Unternehmen zu schaffen. An der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit der Chat-Inhalte nur für die teilnehmenden Nutzer im Klartext sichtbar sind, werde nicht gerüttelt.

EU-Richtlinie beschränkt Facebook

Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar schritt dennoch ein und erließ vororglich eine Anordnung, mit der Facebook die Verarbeitung von Wahtsapp-Daten deutscher Nutzer untersagt wird. Sie gilt für drei Monate, weil in Europa für Facebook die irische Datenschutz-Behörde zuständig ist. Whatsapp entgegnet, die Anordnung basiere "auf einem grundlegendem Missverständnis von Ziel und Folgen des Updates."

Zugleich betonte Whatsapp, dass der Nachrichtenaustausch mit Unternehmen anders laufe als mit Familie oder Freunden. "Wenn du mit einem Unternehmen über Telefon, E-Mail oder Whatsapp kommunizierst, kann es die Informationen aus diesen Interaktionen mit dir für eigene
Marketingzwecke verwenden. Dies kann auch Werbung auf Facebook einschließen", hieß es in einer Erläuterung.

Messenger-Dienste werden häufig parallel genutzt

Zwar entscheiden sich immer mehr Menschen für Alternativen wie Telegram, Threema oder Signal - letztere hat im Januar 2021 einen Rekordzuwachs von 50 Millionen Neunutzerinnen und Nutzern erzielt. Aber permanent zu anderen Diensten zu wechseln, bleibt für viele schwierig. Die beste Freundin kann man vielleicht noch leicht von einem Wechsel zu Signal überzeugen. Die Eltern interessieren sich eventuell für Datenschutz und sind bei Threema. Aber den gesamten Familien-Chat oder die Kita-Gruppe davon zu überzeugen, Whatsapp zu löschen, ist ein Kunststück.

"Mit unserer Schulgruppe wollten wir schon lange zu Telegram umziehen, haben wir dann aber doch nicht gemacht", sagt eine Abiturientin im Volkspark Friedrichshain, und eine Studentin sagt: "Würde ich jetzt meine Studierenden-Gruppe auf Whatsapp verlassen, dann würde ich etwas verpassen."

Ob man die neuen Datenschutzbestimmungen von Whatsapp akzeptieren will, muss jeder und jede selbst entscheiden. Auf dem Handy kann man sich alternativ Platz für die zweite, dritte oder vierte Messenger-App machen. Die AGBs sollte man dabei aber in jedem Fall lesen – egal bei welcher App.

Sendung: zibb, 14.05.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Ann Kristin Schenten

14 Kommentare

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  1. 13.

    Wo muss ich denn zustimmen? Ich bin im Telefonzellenalter geboren, und komme nur mit Hilfe und Geduld meiner Enkelkinder in das Thema!

  2. 12.

    Auch die Personen, die Whatsapp nicht nutzen, werden ausspioniert. Sobald die eigene Telefonnummer im Adressbuch eines Handys mit Whatapp steht wird die Info weitergegeben, (was gegen deutsches Recht verstößt, aber niemand verklagt seinen Freund/Bekannten), weil Whatsapp spioniert das ganze Handy aus.

  3. 11.

    Herr Plate, das finde ich interessant, aber wo finde ich RCS- muss ich in den Einstellungen etwas ändern oder ist es eine App? Oder gibt es das nur auf den neuesten Geräten? Danke schon vorab.
    Ich hatte übrigens noch nie WA und beobachte, dass jetzt viele wechseln zu Signal oder threema. Und tatsächlich: die Leute sind überrascht und erfreut, wenn sie auch mal etwas Handgeschriebenes wie Brief oder Karte bekommen. Das macht auch mehr Mühe und gibt mehr Wertschätzung ...

  4. 10.

    Kann mir jemand dies erklären:
    Whatsapp wirbt mit der Verschlüsselung, beteuert, sie würden nicht mitlesen.
    Nun bekam ich aber vor einiger Zeit unter dem Absender eines Bekannten, mit dem ich gelegentlich Texte austausche eine Mail, ich sei für 3 Tage wegen " Nichtbeachtung der Gemeinschaftskriterien" gesperrt worden.

    Dummerweise hatte ich in den besagten 3 Tagen und auch noch etwas länger nicht auf den Absender getippt , so dass mir nicht klar ist, auf welchen Text von mir sich das bezog.
    Nur bleit die Frage: wie ist das möglich, wenn sie dank end zu end Verschlüsselung nicht mitlesen? Übrigens habe ich keinen facebook Account.

  5. 9.

    Danke Alice. Habe eine Sammlung Spaßpostkarten, von denen ich nur allzuoft welche versende an Freunde.

  6. 8.

    Einfach den Kommunikationsstandard RCS benutzen. Ist der Nachfolger von SMS und funktioniert genau wie ein Chat in einen anderen Messer über das Internet und ohne zusätzliche Kosten.

    Ermöglicht eine Kommunikation von Haus aus, ohne dass eine Insellösung durch den Download einer Drittanbieter-App benötigt wird.

  7. 7.

    "Es geht! Traut euch!"
    Dem kann ich nur zustimmen - und um seine "Kontakte" total zu verwirren ... schreib' mal 'ne Postkarte (ernstgemeint).

  8. 6.

    Facebook hat beispielsweise Zugriff auf die Telefonnummern von Whatsapp- Nutzerinnen und -Nutzern.
    Und wo ist jetzt das Problem? Dann dürfte man keine App mehr installieren. (Zugriff auf Standort, Kamera und Mikrofon etc.)Das interessiert den Nutzer dann auch nicht. Selbst bei 20,30 + Apps auf dem Handy.

  9. 5.

    10 Leute... jeder sagt er könne nicht wechseln, weil die anderen 9 beim alten bleiben. Also wenn nicht mal einer anfängt, dann wird sich nie etwas ändern. Redet doch mal darüber in AW, dafür habt ihr doch WA.
    Ich weiß nicht was ihr für Freunde habt, aber meine haben sich alle Telegram installiert als ich mich dafür entschieden hatte. Bei meinen Lieblingskollegen war das auch nicht anders. WA hatte ich noch nie, genau aus diesen Gründen habe ich es von Anfang an schon strikt agbelehnt.
    Jeder von euch gibt seinen Freunden selbst den Anlass dort zu bleiben.

  10. 4.

    Beste Zeit um endlich zu wechseln!

    Habe seit ein, zwei Jahren kein Whatsapp mehr und biete meinen Kontakten die Auswahl zwischen Signal, Threema und Telegram. Das funktioniert gut, nur zwei Kontakte müssen jetzt über SMS laufen. Oder man ruft eben an oder schreibt ne Email.

    Es geht! Traut euch!

  11. 3.

    Mit einem Klick auf einen Button kann man die neuen AGB ablehnen. Der Button heißt "Deinstallieren"
    Ihr wollt alles erwachsene Menschen und frei sein und lasst euch dann sowas aufzwingen. Die Macht der Verbraucher könnte die Regeln bestimmen aber genau da versagt der Verbraucher.
    Deine Freunde warten längst (heimlich) auf dich bei Signal oder Telehram.

  12. 2.

    Wie kann man denn jetzt noch zustimmen. Mein ganzer Ver- und Bekanntenkreis ist bei WhatsApp. Ich habe nichts gefunden und habe keine Ahnung.

  13. 1.

    Wie kann man denn jetzt noch zustimmen. Mein ganzer Ver- und Bekanntenkreis ist bei WhatsApp. Ich habe nichts gefunden und habe keine Ahnung.

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