Keine flächendeckende Lösung - 35-Stunden-Woche wird in Berlin und Brandenburg Sache der Betriebe

Ein Mitarbeiter bedient in einer Produktionshalle eine Maschine zur Verarbeitung von Metall. (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)
Bild: dpa/Monika Skolimowska

Seit Jahrzehnten streitet die IG Metall für die 35-Stunden-Woche im Osten. Eine flächendeckende Lösung mit den Arbeitgebern kam nie zustande. Doch eine neue Vereinbarung ermöglicht nun die Angleichung der Arbeitszeit auf betrieblicher Ebene.


Für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie im Osten rückt die Angleichung ihrer Arbeitszeit an den Westen ein Stück näher. Die Tarifpartner haben eine Öffnungsklausel für die Flächentarifverträge in Berlin-Brandenburg und Sachsen unterzeichnet, wie IG Metall und Arbeitgeber am Montag mitteilten. Damit könnten nun in den einzelnen Betrieben jeweils entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen werden, um die Arbeitszeit schrittweise zu verkürzen.

Bislang sehen die Flächentarifverträge im Osten drei Stunden mehr Regelarbeitszeit als im Westen vor.

Verhandlungen zwischen Betriebsräten und Arbeitgebern in Betrieben

Die Regelarbeitszeit flächendeckend zu ändern war auch bei den jüngsten Tarifverhandlungen im Frühjahr nicht gelungen - obwohl es viele Warnstreiks gab. Stattdessen einigten sich beide Seiten darauf, im Juni einen tariflichen Rahmen zu vereinbaren, innerhalb dessen Lösungen auf der Betriebsebene gefunden werden können.

Dieser sieht nun vor, dass Betriebsräte und Arbeitgeber in den Betrieben aushandeln können, ob ab dem kommenden Jahr stufenweise weniger lange gearbeitet werden soll. Dafür soll eine zeitlich befristete Teilkompensation möglich werden: Beschäftigte müssten dann für einige Zeit beispielsweise auf einen Teil ihres Weihnachts- oder Urlaubsgelds verzichten.

"Man verzichtet eine Zeit lang auf einen Teil der Leistung und ab einem bestimmten Zeitpunkt X besteht der Anspruch dann wieder zu 100 Prozent", sagte am Montag Birgit Dietze, IG-Metall-Bezirksleiterin für Berlin, Brandenburg und Sachsen. Den Verhandlungsergebnissen in den Betrieben müssten am Ende zudem Gewerkschaft sowie die Arbeitgeberverbände zustimmen. Die nun gefundene tarifliche Regelung gelte bis Ende 2023.

Schon jetzt sei in einigen Betrieben die 35-Stunden-Woche stufenweise umgesetzt worden, darunter bei VW Sachsen, dem Autozulieferer SAS im sächsischen Meerane sowie ZF in Brandenburg an der Havel, erklärte Dietze. Sie gehe davon aus, dass künftig für etwa 80 Prozent der Beschäftigten in Berlin, Brandenburg und Sachsen entsprechende Betriebsvereinbarungen getroffen werden könnten.

Die Arbeitgeberverbände für Berlin, Brandenburg und Sachsen bezeichneten die Einigung mit der IG Metall am Montag als "Durchbruch". "Die Betriebe erhalten die Möglichkeit, im Rahmen des
Flächentarifvertrages auf ihren Bedarf hin zugeschnittene Arbeitszeitregelungen zu vereinbaren", teilte der Verhandlungsführer des Verbands der Metall- und Elektroindustrie Berlin und Brandenburg (VME), Stefan Moschko, mit. "Hiermit wird gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zur Stärkung des Flächentarifvertrages geschaffen."

4 Kommentare

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  1. 4.

    Es erschließt sich mir nicht, was die Regenbogenfahne mit Arbeitsrechten zu tun hat, außer, es geht um Diskriminierung. Das soziale Politik, die du ja vermisst, ausgerechnet von anderen Parteien kommen soll, halte ich für einen Irrtum. Die Arbeit hat ein Problem damit, die eigene Arbeitskraft so teuer wie möglich anzubieten. Das ist seit der Agenda 2010 möglich, heißt aber nicht, dass man sich als Arbeiter:innen nicht zusammenschließen und gemeinsam dagegen kämpfen kann. Die Grundlage dafür immer wieder soziale Parteien, Gewerkschaften, Betriebsräte.

  2. 3.

    Und was ist wenn die Linksgrünen selber Arbeitgeber sind? Die machen es bei Polizei, Feuerwehr, Pflegern und Lehrern seit 30 Jahren vor, wie man im Osten benachteiligt in Lohnhöhe, Arbeitszeit, Einstufung, Beförderung und Renten, wie mehrfach verlorene Gerichtsprozesse für Mindestbezahlung zeigen. Und das aller Dreiste: lebt man im Osten und kommt aus dem Westen ist es verrückt mit anzusehen was passiert, wenn man im Westen lebt und aus dem Osten kommt. Berlin ist da das Brennglas...Wo sind denn da die Gender, Diversen, Regenbogenfahnen usw?

  3. 2.

    Auf dem Foto ist doch noch viel aus DDR-Zeiten zu erkennen. Allein der Maschinenschraubstock sieht doch sehr nach Kombinat "Fritz Heckert" aus. Qualitätsarbeit eben. Der DDR-Lack ist aber spurenweise noch zu erkennen. Habe selbst den kleineren Bruder im Keller- nur optisch fast wie neu. Der Kollege hat mit den Fingern da nichts zu fummeln. Stellt endlich eine gesunde Relation zu Politikergehältern her. Wer hat wohl zuviel ?

  4. 1.

    Hier wird Lohndumping betrieben. Ihr könnt eure Arbeit behalten für 38 Stunden Arbeit und 35 Stunden Geld. Oder 35 Stunden arbeiten für 33 Stunden Geld. - Eine Lüge ? Wartet 3 Jahre und wertet die Lohnverhandlungen aus.

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