Folge der Corona-Krise - Berliner Hotels und Gaststätten klagen über Personalmangel

Symbolbild: Ein Mann stellt Stühle an einem Café am Weigandufer auf. (Quelle: dpa/F. Juarez)
Audio: Inforadio | 29.06.2021 | Franziska Ritter | Bild: dpa/F. Juarez

Die Corona-Lockerungen lassen es zu: Die Gastronomen in Berlin können wieder Gäste bewirten. Doch nach Monaten des Lockdowns sind vielen die Mitarbeiter weggelaufen. Auch werden viel weniger Ausbildungsplätze angeboten. Von Franziska Ritter

Schon vor Beginn der Pandemie war das Personal im Hotel- und Gaststättengewerbe knapp. Doch die Corona-Krise hat die Situation verschärft. Nach 15 Monaten Kurzarbeit, in denen Beschäftigte auf große Teile ihres bereits überschaubaren Lohns und Trinkgeld verzichten mussten, haben viele Fach- und Hilfskräfte der Branche den Rücken gekehrt.

Gerrit Buchhorn vom Berliner Landesverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) formuliert es vorsichtig: "Wie viele Leute insgesamt die Branche verlassen haben, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Stand Mai sind laut Arbeitsagentur 13.000 Menschen aus der Branche arbeitslos geworden. 23.000 haben sich arbeitssuchend gemeldet." Ob diese Beschäftigte in die Branche zurückkehren oder sich anders orientieren, müsse man am Ende des Tages sehen.

"Viele haben sich längt etwas neues gesucht"

Sebastian Riesner, Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, befürchtet, dass die Gastronomie und Hotellerie in Berlin mindestens ein Viertel – wenn nicht gar ein Drittel – ihres Personals verloren haben. Oft blieben die Versuche von Gastwirten, ihre Mitarbeiter zurückzuholen ohne Erfolg. Viele hätten sich längt etwas neues gesucht, sagt Riesner.

"Viele Beschäftigte geben uns auch eine Rückmeldung, dass sie keine Perspektive im Hotel- und Gaststättengewerbe sehen und sich in den letzten Monaten um neue Arbeitsplätze bemüht und umgeschult haben. Diese Beschäftigte werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht wieder in die Branche zurückkommen." Schließich ist die Tätigkeit oft mit Arbeit bis tief in die Nacht und Diensten an Wochenenden und Feiertagen verbunden. Das wünschen sich die wenigsten zurück.

Personalmangel vor allem in Biergärten

In den Biergärten sei der Personalmangel am deutlichsten zu sehen, heißt es vom Dehoga Landesverband. Die Job-Portale sind voller Stellengesuche.

Dazu kommt: 2019, vor Beginn der Corona-Krise, hatten im Juli bereits 1.600 junge Menschen einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Aktuell sind es laut Gerrit Buchhorn gerade mal 200. "Das Problem ist, dass die Ausbildungsbetriebe nicht ganz so viele Ausbildungsstellen anbieten. Einfach aufgrund der Tatsache, dass sie nicht genau wissen, wie sich die Lage im Sommer entwickelt. Wenn ich nicht weiß, was im September beziehungsweise im Oktober ist, stelle ich auch keinen Azubi ein."

Außerdem hätten sich junge Menschen in den vergangenen Monaten nicht so über Berufe informieren können wie sonst, fügt er hinzu.

Der Personalmangel in der Hotellerie und Gastronomie dürfte sich zuspitzen – spätestens, wenn der Tourismus in der Stadt wieder anzieht. Die Arbeitgeber plädieren deshalb für mehr Planungssicherheit und weiterhin finanzielle Unterstützung von Land und Bund.

Sendung: Inforadio, 29.06.2021, 10:35 Uhr

22 Kommentare

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  1. 22.

    Nächtlich im Party-Park sitzt potentielles Personal.

  2. 21.

    Wer niedrige Löhne und unsichere Arbeitsplätze (Hire and Fire) bietet, wundert sich doch nicht ernsthaft darüber, dass sich niemand bewirbt. Gute Arbeitgeber haben ihr Personal während der Pandemie gehalten bzw. haben vorher schon gute Löhne bezahlt. Ich zahle gerne mehr für mein Essen bzw. Getränke, wenn ich weiß, dass das Geld auch bei den Mitarbeitern ankommt. Leider ist das zu selten der Fall.

  3. 20.

    Hotels und Gastgewerbe sind teuer genug, nur schlägt sich das nicht bei den Loehnen nieder, Vollzeitarbeitsplaetze sind auch nicht immer an der Tagesordnung und schon gar nicht solche die das Leben sichern, also auch noch Hilfe vom Amt
    Kann man dann uebel nehmen das sich die Leute was sicheres, besser bezahltes suchen.

  4. 19.

    Wieso müssen? Die Preise sind bereits gestiegen und das war völlig klar, die Gastronomie muss die Ausfälle kompensieren. Aber nicht nur die Gastronomie, Reisen, Freizeit..alles ist oder wird teurer, die Nettolöhne sinken. Uns hat man keinen Cent geschenkt den man an Hilfen etc verteilt hat, da kommen wir Steuerzahler noch Jahrzehnte für auf

  5. 18.

    Alle die mehr Gehalt fordern für die Beschäftigten, sind doch die ersten die rumschreien, wenn das Bier dann 8 € kostet.

  6. 17.

    Falls ein Hotel z.B. nach Night Auditor sucht, und anbietet, dass Schichten 7 Nächte am Stück und dann 7 Nächte frei, usw., dann würde ich persönlich es interessanter finden wieder solchen Job zu machen, auch wenn je Schicht 9-10 Stunden, womit im Schnitt bei 35-Stundenwoche. Und für weitere Personen wäre Stelle an Hotelrezeption vielleicht interessanter wenn Nachtschichten nicht Teil dessen, wie es in manchen Hotels läuft.

    Die Anzahl solcher Stellenangebote scheint derzeit jedoch noch ziemlich gering, mit gerade erst diese Woche mehr Stellenangebote als eine Handvoll, und in Berlin nun Low-Season. Daher gehe ich davon aus, dass es wohl noch ein bißel dauern wird bis ein Hotel eventuell solches Arbeitszeitmodell anbietet. Bin jedoch schon so erreichbar.

  7. 16.

    Kein Mitleid von meiner Seite. Und ich hoffe sehr, dass der Staat nicht dafür aufkommt, dass das Gastgewerbe einfach richtig mies bezahlt und seine Leute mies behandelt. Die ganzen aufstockenden Kellner, Zimmermädchen und Köche kann doch keine Lösung sein.
    Könn wa gleich staatliche Hotels und Biergärten aufbauen.

  8. 15.

    Wer im Niedriglohnsektor Gastro arbeitet, ist dochbselber schuld. Mehr kann man dazu nicht sagen.

  9. 14.

    Bin ich gern dabei. Wenn die Löhne dann sind wie im Westen. In München würde ich auch vierstellig im Monat mehr verdienen. Und wohnen ist hier auch teuer.

  10. 13.

    Sollte der Steuerzahler zahlen wäre das ja Sozialismus und den haben wir in Deutschland: Gewinne werden privatisiert, Schulden verstaatlicht. In der DDR war es genau anders herum...

  11. 12.

    Na wenn das schon für Sie Kommunismus ist. Du liebe Güte. Aber wenn Sie sich Kapitalist nennen ist es Ihnen natürlich lieber der Steuerzahler zahlt für die Aufstockung.

  12. 11.

    Von der Unsicherheit der mittelfristigen Lage mal ganz abgesehen, würde das aber auch bedeuten, dass die Preise in der Gastronomie und den Hotels steigen müssen um die Kostensteigerung zu kompensieren. Im Vergleich zu westdeutschen Städten ist Berlin da noch recht preiswert, aber ich höre jetzt schon den Aufschrei, wenn das Bier im Biergarten dann 5-6 EUR kostet. Die Wirte werden es durch Gewinnverzicht nicht stemmen können, haben aber wenigstens noch den kleinen Vorteil, dass Amazon und Co. keine Biergartenplätze online liefern.

  13. 10.

    "Menschen müssen von ihrer Arbeit sicher leben können."

    Sind Sie ein Kommunist?

  14. 9.

    Weder der Staat ist dafür zuständig noch sonst jemand der fachkräftemangel in Deutschland ist hausgemacht jahrelang haben sich Betriebe von der teuren Ausbildung verabschiedet und wollten lieber Quereinsteiger die schon ausgebildet sind dafür kann keiner was deswegen liebe Betriebe einfach mal etwas mehr austreten dann habt ihr auch genug Personal hinzu kommt natürlich die arbeitsbedingungen

  15. 8.

    Eine Branche mit ungewisser Zukunft verliert an Attraktivität. Wer weiss wie lange diese Pandemie noch weiter geht und wie oft wir noch in den Lockdown müssen, die vierte Welle im Herbst ist doch schon vorprammiert durch das jetzige Verhalten von uns. Sobald es kälter wird und man nicht mehr draussen sitzen kann sinkt auch der Personalbedarf wieder.

  16. 7.

    Na die Löhne dürften ja nun auf jeden Fall zunächst steigen.
    Bevor es dann ab Oktober die Delta-Schließung gibt.

  17. 6.

    Der Ruin ist wohl kaum noch aufzuhalten.
    Aber der Moderne Berliner hat sich ja eh dafür entschieden, Touristen völlig aus der Stadt zu graulen und trägt die Politische Abwicklung mit.
    Folgen: Milliardenschulden und eine Megapleite mit einer dauerhaften Verarmung Berlins. Ohne Steuereinnahmen wird hier einiges den Bach runtergehen.
    Gruselig.

  18. 5.

    Schließich ist die Tätigkeit oft mit Arbeit bis tief in die Nacht und Diensten an Wochenenden und Feiertagen verbunden. Das wünschen sich die wenigsten zurück."
    So is dat halt, wenn man die Wurzel des Problems darin erkennt, daß die Leute einfach zu faul sind. Da wollen die doch einfach nicht ihre gesamte Lebensplanung in den Dienst ihres Patrons stellen.
    Da bleibt den Herrschaften doch gar nix anderes übrig, wenn man das Problem mal so richtig grundsätzlich-langfristig angehen will einfach weniger auszubilden. Denn wer heute nicht ausgebildet wird, kann der Branche nicht Morgen den Rücken kehren.
    Und dann gibt es ja auch noch die ultimative Waffe der Branche-sauschlechte Löhne.
    Damit werden die das Problem schon in den Griff bekommen.

  19. 4.

    Die meisten wollten wohl nicht in Kurzarbeit und wenn es im Herbst eventuell wieder mit Lockdown losgehen sollte, fängt ja alles wieder an. Ausserdem sind die Löhne in der Gastronomie nicht gerade üppig und müssen oft mit Trinkgeld aufgebessert werden. Wenn dies bei der Steuer und den Sozialversicherungen nicht angegeben wird oder viele nur € 450 Jobs haben, gibts natürlich weniger AG KG. Komme selbst aus der Gastro und weiss wovon ich rede!

  20. 3.

    Sicher zahlen sie Tariflohn, Mindestlohn und geben feste Verträge und Vollzeitjobs? Kann ein Familienvater von dieser Tätigkeit langfristig seine Familie ernähren? Alles andere ist doch nur die Suche nach billigen und beliebig austauschbaren Hilfskräften, die keine Arbeitnehmerrechte beanspruchen können. Menschen müssen von ihrer Arbeit sicher leben können.

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