Abgasaffäre - Berliner Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Ex-VW-Chef Winterkorn

Archivbild: Martin Winterkorn. (Quelle: dpa/M. Schrader)
Audio: rbb | 09.06.2021 | David Donschen | Bild: dpa/M. Schrader

Wegen des Vorwurfs der Falschaussage hat die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage gegen Martin Winterkorn erhoben. Sie habe Beweise dafür, dass der ehemalige VW-Konzernchef früh von der illegalen Abschalteinrichtung in Dieselautos wusste. Er hatte dies zuletzt verneint.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn Anklage erhoben. Ihm wird vorgeworfen, im Bundestags-Untersuchungsausschuss zur Abgasaffäre bewusst falsche Angaben gemacht zu haben.

Konkret gehe es darum, zu welchem Zeitpunkt der 74-Jährige über den Einsatz einer Software zur Erkennung und Manipulation der Abgaswerte im Testbetrieb unterrichtet worden sei.

Prozess auch vor Landgericht Braunschweig

Winterkorn hatte bislang bestritten, vor Bekanntwerden des Dieselskandals im September 2015 von den Manipulationen gewusst zu haben. Die Staatsanwaltschaft Berlin soll aber Beweise haben, wonach Winterkorn bereits im Mai 2015 von der illegalen Abschalteinrichtung erfahren hat.

Aus dem Umfeld des Managers wurde die Veröffentlichung der Anklage als Wahlkampfgeplänkel bezeichnet. Alle Punkte seien bereits Bestandteil des Verfahrens in Braunschweig und würden auch dort geklärt, hieß es.

Winterkorn muss sich auch vor dem Landgericht Braunschweig wegen des Dieselskandals verantworten. Der Diesel-Betrugsprozess soll im September losgehen. Insgesamt sind mehr als 130 Verhandlungstage angesetzt.

Winterkorn war vor mehr als fünfeinhalb Jahren zurückgetreten, nachdem der Skandal in den USA ans Licht gekommen war. Nach seiner Darstellung erfuhr er von den Manipulationen erst kurz vor dem Bekanntwerden in der Öffentlichkeit. Vor einem Untersuchungsausschuss des Bundestages sagte er 2017: "Es ist nicht zu verstehen, warum ich nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden bin."

Der Skandal um die illegale Abgastechnik in Millionen VW-Fahrzeugen war im Herbst 2015 aufgeflogen. Damals kam ans Licht, dass die Stickoxid-Emissionen des Motorentyps EA189 viel höher waren, als Tests auf dem Prüfstand zeigten. Verantwortlich war eine Software, die die volle Abgasreinigung nur auf dem Prüfstand aktivierte.

Sendung: Inforadio, 09.06.2021, 14:00 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    ich war auch berechtigt Abgas Untersuchungen für LKW sowie PKW durch zu führen. Und ehrlich gesagt es sind Fahrzeuge durchgewunken worden, ob bei Privat oder Kommunalunternehmen die hätten erst ein mal eine Komplette Wartung und Durchsicht, sowie eine Neu Abgasanlage benötigt . Aber wer gut schmiert ob mit Geld oder Aufträge der Kommt weiter und man muss auch beachten das die Existenz von Autohäuser in Gefahr waren problematisch, wenn es sich um staatseigene( kommunal) Fahrzeuge handelt. Würde ich heute oder bei Beginn des Einbau der Abschaltautomatik noch ASU machen würde mir auffallen das der Test abgebrochen würde, weil das Fahrzeug im Stillstand den Motor ausschaltet, ich könnte also nur noch denn Test auf einen Rollenprüfstand ( Bremse) durchführen um so denn Stillstand des Fahrzeuges und den Abbruch des ASU Test vorzubeugen. Verzerrung der Werte im ausgeschalteten Zustand. Die Motorsteuerung Lambda 0,95 einspritzen, also mehr Benzin als Luft um wieder starten.

  2. 7.

    Eine kleine Strafe vielleicht. Doch ist das nicht das einzige Verfahren (s. hier im Artikel) wie es auch zivilrechtliche Anspreche gegen ihn gibt. Bei denen von VW gibt es dazu einen Vergleichsvorschlag.

  3. 6.
    Antwort auf [Mattheis, E] vom 10.06.2021 um 10:44

    Als angeblicher kFz-Mechniker wissen Sie aber garantiert auch, wie bis vor einigen Jahren der Schadstoffausstoß getestet werden musste, oder?

  4. 5.

    Es war halt nicht möglich, die politisch vorgegebenen Grenzwerte mit den technischen Möglichkeiten in Übereinstimmung zu bringen. Da war der technische Erfindergeist bei der Abgasprüfung gefragt.
    Leider hat niemand der Manager den Mut gehabt, diesen nicht machbaren politischen Forderungen zu widersprechen. Wie heute mit den festgeschriebenen Umweltzielen. Unabhängig davon tut es Herrn Winterkorn nicht weh, bei dem Tagessatz von ca. 3000 € Pension eine kleine Strafe zu bezahlen.

  5. 4.

    Nicht zu vergessen der Quitscheentchen Scheuer.
    Ein Skandal reiht sich an den anderen. Ich wähle nie wieder eine Unionspartei.
    P.s. Blau braun schon gar nicht.....

  6. 3.

    Mir fehlen in dem ganzen Thema noch die Verantworltichen auf Seiten der Politik und vor allem der des Kraftfahrtbundesamtes.

    Immerhin sitzt der MP von Niedersachsen im Aufsichtsrat.
    Es ist wohl mehr als unglaubwürdig, dass dieser nichts gewusst haben wollen.

  7. 2.

    Schönen Gruß von der PTB... die Messergebnisse waren nicht falsch sondern die Software die dafür gesorgt hat, dass die Umgebung der Messung manipuliert wurde.

  8. 1.

    Schönen Gruß von der PTB... die Messergebnisse waren nicht falsch sondern die Software die dafür gesorgt hat, dass die Umgebung der Messung manipuliert wurde.

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