Technologie-Ansiedlung in Brandenburg - Frankfurt (Oder) und Lausitz als Standort für Chipfabrik von Intel im Gespräch

Symbolbild: Ein Prozessor-Chip des Herstellers Intel. (Quelle: dpa/M. Ciftci)
Video: Brandenburg Aktuell | 02.06.2021 | Andreas Rausch | Bild: dpa/M. Ciftci

Der Technologie-Konzern Intel sucht nach einem Standort in zentraler Lage in Europa. Voraussetzungen dafür gäbe es auch in Frankfurt (Oder) und der Lausitz. Doch Pläne für eine Chipfabrik mussten in der Region schon einmal begraben werden.

Der IT-Konzern Intel plant den Bau neuer Chipfabriken in Europa. Sollte sich das US-Amerikanische Unternehmen für ein Werk in Deutschland entscheiden, sei auch Frankfurt (Oder) oder die Lausitz als möglicher Standort im Gespräch.

Frankfurt weiß um Standort-Vorteile

Das bestätigte Frankfurts Pressesprecher Uwe Meier am Mittwoch gegenüber dem rbb. Dennoch warnte er vor zu hohen Erwartungen. "Erst wenn eine Entscheidung für einen Standort in Deutschland gefallen sein sollte, hätte Frankfurt gute Karten und Aussichten. Wir haben mit unserer Stadt eine Jahrzehnte lange Tradition in Zukunfts-Technologien."

Bereits heute hätte man in Sachen Technologien mit dem IHP-Institut für innovative Mikroelektronik vom Institut der Leibniz-Gemeinschaft einen sehr guten Stand in der Stadt, sagte Meier. "Dazu kommt die Nähe zu Tesla und Berlin, die guten Wege von Frankfurt aus überall nach Europa. Das sind schon Punkte, mit denen man – wenn es denn so weit wäre - Frankfurt sehr gut positionieren kann."

Pläne für Chipfabrik in Frankfurt schon einmal gescheitert

Auch das Brandenburger Wirtschaftsministerium hat auf Nachfrage positiv auf Pläne für eine Chipfabrik in der Region reagiert.

Auf Intel angesprochen, sagte Landeswirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) dem rbb: "Zu solchen Verhandlungen äußere ich mich im laufenden Prozess nicht. Es war ein Vorteil, dass eine solche Vorab-Meldung bei Tesla nicht in der Presse war und hoffe, dass es kein Nachteil wird. Eine Verknüpfung der beiden Projekte gibt es definitiv nicht."

Für weitere Aussagen sei es im Moment noch zu früh, heißt es aus dem Brandenburger Wirtschaftsministerium. Man wolle nicht über "ungelegte Eier" sprechen. Schließlich scheiterten die Pläne für eine Chipfabrik in Frankfurt (Oder) schon einmal. Vor 18 Jahren hatte die Landesregierung nach langem Ringen um die Finanzierung das Aus für das Projekt verkündet. Die Hürden für die geforderten Bürgschaften von Bund und Land waren zu hoch.

Auch damals wollte sich die Firma Intel an der Chipfabrik beteiligen. Das Werk in Frankfurt (Oder) sollte ursprünglich 1.300 Arbeitsplätze bieten und mit dem dort ansässigen Institut für Halbleiterphysik zusammenarbeiten. Dieses könnte auch bei einem neuen Anlauf für eine Chipfabrik ein Standortvorteil für die Stadt sein.

Doch entschieden ist noch längst nichts. Und auch dieses Mal fordert Intel Milliarden-Subventionen: Firmenchef Pat Gelsinger spricht von Baukosten von insgesamt 20 Milliarden Euro für zwei Chipfabriken in Europa, acht Milliarden davon sollten laut Gelsinger Staatshilfen sein.

Wirtschaftsförderer Wilke: "Der Bär muss erlegt werden, bevor man das Fell verteilt"

Frankfurts ehemaliger Oberbürgermeister und freier Wirtschaftsförderer in Brandenburg Martin Wilke sagte, dass eine Standort-Diskussion aktuell kontraproduktiv sei. "Wenn Unternehmen nach Standorten suchen, sollte man sich als Region eher ruhig verhalten und seine Chancen im Hintergrund sammeln und nutzen. Der Bär muss erlegt werden, bevor man das Fell verteilt." Zudem sollten keine Hoffnungen geweckt werden, die später enttäuscht würden.

Als Zeichen sei das Interesse für die Region aber positiv zu deuten. Auch Wilke verweist auf die Nähe zu IHP. Darüber hinaus habe die Stadt bereits in den vergangenen Jahren im Rahmen der auch gescheiterten Projekte eine attraktive Infrastruktur entwickelt. Dazu zählten etwa die Wasser- und Stromversorgung bis hin zur logistischen Anbindung.

Gemeinsames Projekt, statt einem Standort?

Wilke befürwortet allerdings dezentrale Lösungen für eine mögliche Ansiedlung. "Man könne insgesamt die Möglichkeiten von Brandenburg, Sachsen und Berlin einbringen. Da kann man auch die polnischen Möglichkeiten mitnutzen. Wir haben Universitäten in Posnan und Zielona Gora, und natürlich in Cottbus und Dresden, sowie das extreme Potential für Forschung und Entwicklung in Berlin." Alles zusammen mache die Region attraktiv. Wilke zufolge seien amerikanische Firmen aufgrund der deutschen Bürokratie bisher eher zurückhalten gewesen. Dies könne sich durch Tesla in Grünheide (Oder-Spree) geändert haben.

Prinzipiell wäre Intel eine Chance. Im Hinblick auf die zunehmende Technologisierung und drahtlose Kommunikation, sei es wichtig, dass Europa über entsprechende Bezugsquellen verfügt. "Alleine bei der Mobilität reden wir von 5G. Was da an Chips in den Autos und der Infrastruktur gebraucht wird, ist enorm."

Zukünftig sieht Wilke so wieder mehr Produktionen in Europa, die in den vergangenen Jahren verstärkt nach Asien abgewandert sind. "Wenn die Technologien komplizierter werden, ist das mit Ausrüstung von der Stange nicht machbar. Da braucht es Spezial-Wissen sowie Forschung und Entwicklung."

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.06.2021, 14:30 Uhr

29 Kommentare

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  1. 29.

    Ich bin damals vor 10 Jahren von Fürstewalde nach Berlin gezogen, weil es dort keine angemessen bezahlte Arbeit gab und die Stadt bis auf die Pendler immer älter wurde. Deshalb schlägt mein Herz für Ostbrandenburg. Toll dass die Region dank Tesla aus dem Jammertal rauskommt. Ich setze mich für jeden Investoren ein, egal woher er kommt.








  2. 28.

    Wenn doch die Schlaumeierberliner endlich mal die Klappe halten würden. Die leben doch vielfach von Brandenburg und seien es nur die Erdäpfel, das edle Kiefernholz und der Spargel aus Belitz. Geld bekommen die Berliner wohl alle durch Arbeit im "Büro". Da bauen die doch gerade einen halben km Aufentshaltsräume zum "arbeiten". Der Neumann verteilt sogar schon Wohnungen in einer Kalkgemeinde für Teslamitarbeiter. Das Wasser für die kommt wohl direkt von Tesla ? Denn, wir haben nüscht. Aber einen halb leeren Straussee.

  3. 27.

    Aber Josti; ich kann nicht mal bellen. In Brandenburg beobachtet man aber bestimmte Berliner und so viele fragen sich warum die Schuldenweltmeisterstädter so an Brandenburger Arbeitsplätze interessiert sind. Sagen sie nicht aus Sorge um Brandenburg. Diese Belastung durch die Betonstadtbewohner spürt auch das Klima. Haltet doch einfach mal die Klappe. Was leistet übrigens ein Josti für Brandenburg ? NIX. Kapito ?

  4. 25.

    Hamster oder Hamsterer ? Die letzten kamen schon früher aus Berlin weil die sonst verhunget wären. Der Josti- wie immer primitiv. Wartet nur ab ihr Teeslanarren; verkauft die Batteriekisten erst mal gewinnbringend und nicht noch lange den Steuerzahlern in die Tasche greifen. Als Deutscher und Europäer kauft man kein Teslaschnüffelauto.

  5. 24.

    Irgendein Hamster, Schlingnatter oder Zauneidechse wird sich schon finden. Wollen wir wetten?

  6. 23.

    Diesesmal etwas weniger Seltsamkommentare aus Berlin, selbst lebensunfähig. Ohne Brandenburg wären die noch weniger. Brandenburg wird zugreifen wenn Intel hier produzieren will. Ich hatte es mir früher so von SIEMENS gewünscht hier in DE ( damals BRD ) diese Technologie weiter zu entwickeln. Die DDR war so stolz als von VEB Mikroelektronik Dresden der 1. !MB-Speicher gelang. Es waren aber nur 2 mit halber Kapazität. Unglaublich wie enorm die Entwicklung voran geschritten ist. Mit intel beginnt hier der Fortschritt.

  7. 22.

    Hoffentlich baut man zumindest diesmal nicht in einem ausgewiesenen Trinkwasserschutzgebiet !

  8. 21.

    Wollen wir hoffen, dass mit der Ankündigung nicht schon gleich der Investor verschreckt wird. Diese Investition würde Ostbrandenburg und die Lausitz voranbringen.

    Sollte diese kommen, sehe ich jetzt schon die Wutbürger in den Bürgerinitiativen gegen zu hohen Wasserverbrauch, Zerstörung wertvoller Natur, zu viele Ausländer, Ruhestörung und die bösen Kapitalisten im Allgemeinen.

  9. 20.

    Hilfe, Veränderung steht ins Haus - da bin ich dagegen!

  10. 19.

    Diese mathematische Rechnung läßt außer acht, dass die Firma für den Bau ersteinmal 20 Milliarden aufwenden muss, und diese Ausgabe muss abgetragen werden, erst dann wird tatsächlich Geld verdient, vieviel ist offen. Das nennt man unternehmerisches Risiko.

  11. 18.

    Alle wissen was der Industrie gerade fehlt. Die Autoindustrie leidet unter dem Mangel. Alle reden von G% und G6 klopft schon stark. GSM bleibt bald für viele der letzte..., ja, der. Intel inside made in lausitz wird zwar nicht drauf stehen. Aber die Welt ist wachsam und bekommt alles mit. Auch die neue Lausitzer Hochgeschwindigkeit. Wenn es doch nur wahr werde. Gebt doch Deutschland nicht auf. Die Digitalisierung ist keine Kamelkarawane. Zugreifen wenn es aktuell wird.

  12. 17.

    Oh je, so schön das auch wäre. Schaut in die Augen der Leute hier. Nüscht dahinter, ganz bestimmt zu wenig für Höchsttechnologie. Hier will man Diesel fahren, Impfungen vermeiden und Gurken essen. Hallo Intel, schaut besser woanders. In Asien findet ihr tolle, schlaue, gut ausgebildete und motivierte Arbeitskräfte.

  13. 16.

    Sie mögen Recht haben aber ohne diese 8 Milliarden gehen die vielleicht woanders hin. Würde ich auch so machen, ich bin meiner Firma verpflichtet und nicht den politischen Wünschen einer Region oder Protestgruppe. Ohne soviele Auflagen, Bürokratie und Bürgerinitiativen. Man braucht sich ja nur mal das arme Tesla angucken, was die über sich ergehen lassen müssen von Leuten die einfach nur ein Hobby suchen weil ihnen sonst langweilig ist. Dann haben Sie die 8 Milliarden in der Tasche aber müssen sie für Arbeitslosigkeit und anderes ausgeben.
    So haben Sie Jobs, Konsum, "Alle" sind beschäftigt, die Gegend blüht und wächst und lockt andere an. Und 20 Milliarden fließen zum größten Teil in die ansässigen Firmen für Bau Ausstattung etc. Macht eine "Wirtschaftshilfe" von Intel für die Gegend von 12 Milliarden €
    Also 8 geben und 12 bekommen.. da wünschte ich meine Bank machte das auch so auf meinem Tagesgeldkonto. Jetzt kann ich ja froh sein wenn ich das wieder bekomme was ich draufpacke.

  14. 15.

    Haushalte oder der geschlossenen abthipigebe Bewuchs im Virgarten? Und warum brauchen, die am lautesten jammern, 70% mehr *Trink*wasser als ein paar Orte weiter?

  15. 14.

    Wäre toll für die Region aber wird eh nicht kommen und wenn, dann bleiben diese Firmen eh nur bis Ablauf der Subventionen. Wir brauchen endlich eigene Unternehmen mit dem Know-How in Europa. So werden wir Steuerzahler nur weiter für die Gewinne globaler Riesen ausgenommen.

  16. 13.

    Es wäre zwar schön diese Arbeitsplätze zu haben, aber einem Unternehmen das im letzten Jahr 2.7 Milliarden Euro Gewinn eingefahren hat nochmal 8 Milliarden hinterherzuwerfen ist unlogisch.

  17. 10.

    Wenn man dort nicht wieder den Bürgern das Wasser streitig macht, ist alles gut. Die Versorgung der privaten Haushalte mit Wasser muss aber Vorrang haben.

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