Wirtschaftliche Lage in der Pandemie - Handelsverband fordert erneut Ausweitung der Sonntagsöffnungszeiten

Fußgänger in der Brandenburger Straße in Potsdam (Quelle: DPA/Britta Pedersen)
Bild: DPA/Britta Pedersen

Der Handelsverband Berlin-Brandenburg will in der Zeit nach der Corona-Pandemie Sonntagsöffnungen in Geschäften zulassen. "Es gehört in eine Phase der Erholung und Wiederbelebung, dass man versucht, den Leuten so viele Freiheiten wie möglich einzuräumen, damit sie überhaupt wieder auf die Beine kommen", sagte Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands, der "Berliner Morgenpost". Die Politik müsse nun den Mut haben, Sonntagsschließungen zumindest befristet zu kippen.

Bereits im April hatte sich Busch-Pedersen für Sonntagsöffnungszeiten ausgesprochen, um die Folgen der Pandemie abzufedern.

Verdi spricht von neuem Argument für eine alte Forderung

Die Gewerkschaft Verdi sagte, dass die Corona-Pandemie nun als Argument für eine alte Forderung des Handelsverbands herhalten müsse. Gewinner von einer Liberalisierung der Verkaufszeiten wären vor allem große Firmen, teilte Frank Wolf, Landesbezirksleiter für Berlin und Brandenburg bei Verdi. "Wir fürchten, dass viele kleinere Händler da nicht mithalten können." Ihnen fehle dafür das Personal, so Wolf. "Am Ende würde aus unserer Sicht eine Wettbewerbsverzerrung stehen."

Die wirtschaftliche Situation im Einzelhandel werde nach der Pandemie nicht einheitlich sein, so Verdi. Dies werde auch nicht durch ausgeweitete Sonntagsöffnungszeiten ausgeglichen werden können. Wolf wies außerdem darauf hin, dass im Einzelhandel über 70 Prozent Frauen tätig sind. "Der weitaus größere Teil von Ihnen in Teilzeit. Das Arbeiten am Wochenende behindert das Familienleben und erschwert soziale Kontakte", so Wolf.

Sendung: Radioeins, 19.06.2021, 19.40 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    Stichwort: Heiliger Konsumtempel.
    Da die Kirchen Sonntags eh geöffnet haben, könnten die doch -neben Oblaten und Wein- auch Waren des täglichen Bedarfs, wie: Schrippen, Kartoffeln, Quark, Zeitschriften, eine tolle CD, Badehose und natürlich Klopapier und Kondome verkaufen.
    So wären die Kirchen mal wieder gerammelt voll und es kommt auch noch ordentlich Geld in die Kollekte. ;o)

  2. 13.

    Es wird doch wohl Möglich sein, diesen gesamten Ladenschlußgesetzesirrsinn abzuschaffen. Wir sind derart Überreguliert.
    Das ist doch Sowas von einfach, die Kaufleute, die ihr Geschäft rund um die Uhr geöffnet halten möchten, mögen das für sich organisieren. Dafür braucht es weder Kirchen noch andere Sozialromantiker, die sich hier ständig für "Ausgebeutete" stark schwätzen.

    Wer Sonntags oder Nachts nicht arbeiten möchte, wird dazu wirklich nicht gezwungen.
    Die Lieben von Verdi werden mit ihrem Gießkannenprinzip auch bald verstehen, dass sie damit keinem mehr hinterm Ofen vorziehen werden. Das mit der eigenen Verantwortung wäre mal was fürs tatkräftige anfassen. Allerdings lässt ma hier ja lieber für sich entscheiden.... Weil Jammern ist einfacher...

  3. 12.

    Also dass alle in einem laizistischen Staat leben wird hier mit breitem Schwell gern angeführt. Dass wir in einer Kultur leben, wozu auch eine Rhythmisierung von Alltag und Ruhe gehört, seit biblischer Zeit, scheint schon weitgehend aus dem Bewusstsein getilgt. Armes Konsumentendasein!

  4. 11.

    Ich gehe gern Sonntags einkaufen. Es würde mir aber ausreichen, wenn auch die Einkaufs- und Warenhäuser morgens um 07 Uhr öffnen würden. Also gleich nach Schrippen, Kartoffeln, Quark und Zeitschriften eine tolle CD und eine Badehose kaufen. ( Sonst haben der Bau-/Gartenmarkt und das Internet mehr im Regal als die Mode- und Warenhäuser. )
    Bisher ist das ja eher Verschwendung von Lebenszeit, nach dem Frühstück zu warten, bis Mittags um 10 Uhr die Heiligen Kosumtempel öffnen.
    - Sonntags einkaufen und Mittwoch ab 11 Uhr schließen, wie der Hausarzt ? - Was liegt Sonntag im Regal, was da Mo-Sa nicht liegt ?

  5. 10.

    Ich hoffe, mit dieser Einstellung suchen Sie niemals an einem Sonntag die Gastronomie, einen Freizeitpark etc auf, denn auch diese Menschen haben ja das Recht auf einen freien Sonntag, den Sie für Ihr Entertainment opfern müssen.

  6. 9.

    Trennung Kirche — Staat, aber die gesetzlichen ( christlichen Feiertage) werden gerne in Anspruch genommen ! Ja?

  7. 8.

    Sonntagsöffnung ja, aber nur durch Haupt- und andere Geschäftsführer. Oder Ladeninhaber und deren Familienangehörigen. Es geht hier nicht um Umsatz, es geht um das Recht auf den freien Sonntag. Warum denn nicht auch die Bürgerbüros am Sonntag öffnen, nur mal so als Beispiel. Oder die Friseursalons. Und Zuschläge gibt es im Handel schon lange nicht mehr.

  8. 7.

    Wie immer ist die Forderung nach Ausweitung der Sonntagsöffnung im Einzelhandel ein zweischneidiges Schwert; einerseits der nach Ruhe und Erholung - dieser wird aber( zumindest teilweise auch schon vor Corona) durch diverse Ausnahmegenehmigungen (Stadtteilfeste, irgendwelche Messen u.ä), Sonderbehandlungen von Tankstellen, Bahnhofsgeschäften und dergleichen ausgehebelt. Andererseits schreien alle , daß man dem starken Internet-/Onlinehandel dringend was entgegensetzen muß. Warum dürfen die Inhaber - egal ,ob Inhabergeführt, Familienunternehmen oder eben große Filialisten - nicht selber entscheiden, wann sie öffnen wollen oder können ?! Bei einem Überangebot wird sich sicherlich der Markt von selbst regulieren. In anderen Ländern klappt es doch auch. Übrigens, ich kann privat jeden € nur einmal ausgeben - entweder in der Woche oder eben Sonntags.
    Bevor sich da wieder einige selbstherrlich beschweren; ich arbeite seit einigen Jahren selbst in einem Blumenladen und wir haben regelmäßig Sonntags geöffnet. Seinerzeit habe ich mich bewusst dafür entschieden und gewusst, auf was ich mich einlasse. Ich denke, DAS wissen die meisten derjenigen, die im Handel arbeiten.
    Eine schöne kommende Woche an alle.

  9. 6.

    1. Grundsätzlich ist der Sonntag frei, weil den Kirchen viel zu viel Einfluss gegeben wird, in einem Land, in dem angeblich eine Trennung von Kirche und Staat besteht.

    Schaut man am Beispiel Portugal / Madeira, dann lässt sich das auch sehr gut mit geöffneten Geschäften am Sonntag vereinbaren.

    2. da gibt ja darüberhinaus schon große Ausnahmen, was wiederum die Frage aufwirft, warum dann nicht alle gleich behandelt werden.

    3. ABER, was genau verspricht sich der Verband davon? Wer heute schon an den 6 Tagen einkaufen geht, der wird es vermutlich auch nicht am Sonntag machen.

  10. 5.

    Wir leben in einem land, in dem - zumindest noch theoretisch - eine Trennung von Kirche und Staat herrschen (soll).

    Wer in seiner Religion vorsieht, dass sonntags nicht einzukaufen ist, kann ja zu Hause bleiben.

  11. 4.

    Wir leben hier im christlichen Abendland und sollten uns daher daran erinnern, wozu der liebe Gott den Sonntag geschaffen hat.

  12. 3.

    Grundsätzlich wäre ich Ihrer Meinung. Sie übersehen aber, dass durch die Pandemie und zahlreiche Lockdowns der Einzelhandel eine dramatische Wende erlebt hat und, wenn man jetzt nix dagegen tut, möglicherweise noch mehr Umsatz zugunsten von Online-Plattformen verliert. Was im Klartext bedeutet: es wird keinen Einzelheiten bis wenige Maßnahmen und Nischen mehr geben. Mit all den bekannten Folgen: Verödung und Verwahrlosung der Innenstädte, Arbeitslosigkeit bei Beschäftigten, Verlust der Kaufkraft, massive Steuerverluste (Herr König von Schuhe-König hat keine Niederlassung auf Kayman-Inseln und zahlt brav seine Steuer - Internetgiganten aber nicht). Und denken Sie bitte an die Umwelt: online Shopping ist unter dem Strich viel umweltbelastender als Einzelhandel.

  13. 2.

    Ist doch nicht so problematisch. Die Mitarbeiter bekommen doch sicher + 100% für den Tag und einen Tag frei in der Woche. Oder?
    Da werden doch sicher zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Oder?
    Werden alle nur noch mehr arbeiten für das gleiche Geld?
    Da wird die Politik doch sicher Arbeitnehmerfreundlich reagieren.
    Ganz bestimmt.
    Oder?

  14. 1.

    Soll doch der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes am Sonntag arbeiten, wenn er unbedingt will. Aber er soll bitte andere Leute damit in Ruhe lassen - vor allem die schlecht bezahlten Angestellten im Einzelhandel, die sich nicht auch noch am Sonntag ausbeuten lassen wollen ("freiwillig", wie es ja dann oft noch nachgeschoben heißt). Warum sollte jemand unbedingt einen Fernseher oder ein Fahrrad am Sonntag kaufen wollen, wenn er die ganze Woche über - inklusive Samstag, den viele Menschen frei haben, dafür Zeit hat? Und wer dringend noch das Stück Butter und das Sonntagsfrühstücksei braucht, wird i. d. R. im Späti fündig.

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