Satelliten für schnelleres Internet - Warum Musks "Starlink"-Projekt Fluch und Segen sein kann

Archivbild: Satelliten des Satellitennetzwerkes Starlink zeichnen sich am Nachthimmel ab. (Quelle: imago images/F. Gaertner)
Video: rbb|24 | 16.06.2021 | Material: Brandenburg aktuell, zibb | Bild: imago images/F. Gaertner

Es sind keine Ufos, diese hellen Punkte über Brandenburg, sondern das neue Großprojekt von Elon Musk: Das "Starlink"-Projekt soll Internet in entlegene Gebiete bringen. Kann Brandenburg davon profitieren? Von Nils Hagemann

Es ist ein kleiner Punkt, der langsam am Himmel durch die Dämmerung schwebt. Dann noch einer. Fast könnte man meinen, kleine Sterne sausen dicht an der Erde vorbei. Und noch einer. Eine ganze Reihe kleiner heller Punkte zieht sich jetzt über den Nachthimmel. Was im ersten Moment erscheint wie eine außerirdische Spezies, die nun doch endlich auf kleinen Ufos die Erde besucht, ist in Wahrheit eine Kette von Satelliten.

Sie gehören zum "Starlink"-Projekt des amerikanischen Unternehmers Elon Musk. Das Satelliten-Netzwerk soll schnelles Internet überall auf der Welt ermöglichen. 1.663 sind - stand Ende Mai - schon in der Umlaufbahn. Fast zwei Mal im Monat schickt die Musksche Raketenfirma "Spacex" ein neues Satellitenpaket ins All. Bis zum Jahr 2027 will "Starlink" 42.000 Satelliten in den Orbit bringen. Gut ein Drittel davon wurden von der US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) bereits genehmigt.

Über den Clouds muss das Internet grenzenlos sein

Die Satelliten kommunizieren per Laser. Daten werden mit Lichtgeschwindigkeit übertragen. Zusammen sollen sie ein weltumspannendes Netz bilden, das Internet auch in entlegene Gebiete bringt. Der entscheidende Vorteil: Für Internet aus dem All braucht es keine Kabel. Anders als heute üblich, müssen Häuser und Handymasten also nicht mehr per Kupfer- oder Glasfaserkabel ans Netz angeschlossen werden, es reicht ein Empfangsgerät, welches das Internet aus dem All empfängt.

Internet für entlegene Gebiete. Das klingt wie ein Heilsbringer für Brandenburg. In Realität kann Brandenburg jedoch nur schwer von "Starlink" profitieren. "Gerade was auf dem Boden in den nächsten Jahren passieren wird, wird eine mächtige Konkurrenz gegenüber einem Satellitennetzwerk sein", sagt André Göbel, Geschäftsführer der Digitalagentur Brandenburg. Durch den Netzausbau in den kommenden Jahren wird das Internet in Brandenburg also schlicht zu gut sein, als dass "Starlink" zur Massenalternative werden könnte. Aber natürlich könne "Starlink" für Brandenburg eine Chance sein "insbesondere in Naturschutzgebieten oder in entlegenen Einzelfällen", sagt Göbel.

Kosten nicht unklar

Zudem ist "Starlink" noch immer in der Erprobungsphase. Nur ein Bruchteil der geplanten Satelliten ist bisher im Orbit, die wirkliche Auswirkung auf das Internet in Brandenburg ließen sich deshalb heute noch nicht abschätzen, meint Göbel. Klar ist auch: Die Internet-Versorgung Brandenburgs ist nicht das erste Ziel des Satelliten-Internets. Im Fokus stehen vor allem Entwicklungsländern oder Gebieten, in denen zum Teil noch gar kein Internet zur Verfügung steht und die Infrastruktur fehlt.

Hier könnte "Starlink" ein wichtiges Puzzleteil sein. Entscheidend ist, wie viel das neuartige Internet am Ende wirklich kostet. "Starlink" lässt das bisher offen.

Satelliten gefährden Wissenschaft

Doch schon jetzt können die Satelliten zum Problem werden. "Sie nehmen uns ein wenig den Eindruck des wirklichen Nachthimmels", sagt Tim Florian Horn, Planetariums Direktor der Stiftung Planetarium Berlin. Dabei sind die Satelliten mit bloßem Auge nur selten zu sehen. Denn damit wir sie von der Erde erkennen können, müssen sie von der Sonne angestrahlt werden. Der Winkel von Erde zu Sonne erlaubt das nur in der Dämmerung oder in den Morgenstunden. Nur dann sind ist die leuchtende Lichterkette für uns sichtbar.

Zudem haben die kleinen Satelliten einen Antrieb eingebaut, der sie nach dem Aussetzten im All langsam von der Erde wegfliegen lässt. Mit der Zeit werden sie dann noch schwieriger von der Erde zu erkennen sein. Was aber für den Hobby-Beobachter mit der Zeit zur seltenen Abend- oder Morgenbeobachtung wird, kann für Astronominnen und Astronomen ein wirkliches Problem bei der Arbeit werden. Bei wissenschaftlichen Beobachtungen des Nachthimmels sind die Satelliten oft im Weg. "Die Satelliten werden jede längere Beobachtung beeinflussen und zum Teil auch die wissenschaftlichen Daten vernichten", sagt Horn.

"Starlink" wird wohl ein Himmelsspektakel bleiben

Wie so oft, ist auch das "Starlink"-Projekt Fluch und Segen zugleich. Fluch für diejenigen, bei denen die wissenschaftliche Arbeit erschwert wird. Und Segen für diejenigen, die die Möglichkeit auf schnelles Internet bekommen.

Für die meisten Brandenburgerinnen und Brandenburger werden die kleinen, leuchtenden Punkte am Himmel wohl weiterhin ein seltenes Himmelsspektaktel bleiben. Für das es sich vielleicht sogar lohnt, mal ein wenig früher aufzustehen, um die Satelliten im Morgengrauen zu beobachten.

Sendung: 14.05.2021, Inforadio

Beitrag von Nils Hagemann

17 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 17.

    Die Angabe Daten werden mit Lichtgeschwindigkeit übertragen sagt gar nix. Das werden Sie eigentlich immer dann, wenn es elektrisch oder optisch funktioniert.
    Selbst 1 Bit/Jahr wird mit Lichtgeschwindigkeit übertragen.
    Geschwindigkeit ist nicht Übertragungsrate. Übertragungsrate ist aber das was vorrangig zählt.
    Im Glasfaserkabel (200.000km/s) ist die Geschwindigkeit sogar geringer als im Kupferkabel oder Vakuum (300.000km/s) aber die mögliche Übertragungsrate (Bit/s) trotzdem deutlich größer.

  2. 16.

    "Auch ist die Nutzung tausender Satelliten ein weiterer Beitrag zum Weltraumschrottproblem. Man koennte einwenden, das Weltall sei gross. Aber der erdnahe Orbit ist dies nicht. Eine Kollision ausser Kontrolle geratener Satelliten kann eine Kettenreaktion, das sogenannte Kessler-Syndrom- zur Folge haben. "

    Danke für die Aufklärung. Nachdem wir also die Erde zugemüllt haben dürfen Konzerne mit Profitabsicht auch noch das Weltall zumüllen. Tolle Aussichten.

  3. 14.

    Auf dem Mond könnte man vielleicht bald schon besser mobil kommunizieren als in der Funklochwüste Deutschland:
    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/nokia-mond-mobilfunknetz-101.html

  4. 13.

    Ich befürchte auch, dass damit eine gewaltige Umweltverschmutzung einhergeht. So viele Raketenstarts. Was die erwähnten Radiowellen angeht kenne ich mich nicht aus, aber Elon Musk setzt auch in Grünheide eher auf Profit als auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

  5. 12.

    Wie war Das mit dem ökologischen Fußabdruck ? Raketen und Sateliten subventionieren und Lkw mit Kabeltrommeln und Baggern bezahlen Extra-Maut ! Und die Arbeitsplätze entstehen in China und Indien. Daumen Hoch, so geht Deutschland.

  6. 11.

    Kann ich mich nur anschließen. Im Gegensatz zum restlichen Europa sieht es hier doch sehr mau aus, was das Internet betrifft. Ich hoffe nur, dass der Mond nicht eines Tages rot ist und Coca Cola drauf steht... :)

  7. 10.

    Internet für Entwicklungsländer, oder halt Deutschland. Dank geht raus an das Verkehrsministerium, das ja für den Netzausbau zuständig ist (warum eigentlich?). Keine Sorge, das Internet ist nur eine von diesen Modeerscheinungen, das vergeht auch wieder.

  8. 8.

    Hallo, leider bringt jede Innovation ein Nachteil keiner kümmert sich um den Müll danach . Es ist gut wenn Firmen neues erproben und realisieren. Aber zu jeder Zulassung zu Produkten und Systemen sollte die Entsorgung mit Bedingung sein . Wenn man genug Geld damit verdient hat und das System alt ist kümmert sich in den seltensten Fällen die Firma um die Beseitigung sonder wir alle sollen danach nochmal bezahlen.

  9. 7.

    Astrologinnen und Astrologen --> Aua!

    Den Sternenhimmel beobachtende Menschen sind Astronominnnen und Astronomen. Astrologie ist Sterndeutung - also der Versuch, ueber Horoskope in die Zukunft zu sehen und voellig unwissenschaftlich. Das sollte im Text unbedingt geaendert werden. Ein beliebter Fehler ...

    Zum Impakt von Starlink: Auch wennd die Satelliten fuer das blosse Auge nicht immer sichtbar sind: Sie beeintraechtigen Beobachtungen mit Teleskopen und hochempfindlichen Detektoren, wie sie fuer die astronomische Forschung an lichtschwachen (beispielsweise extragalaktischen) Objekten benoetigt werden. Desweiteren erzeugen sie Radiowellen, die die Radioastronomie erschweren. Auch ist die Nutzung tausender Satelliten ein weiterer Beitrag zum Weltraumschrottproblem. Man koennte einwenden, das Weltall sei gross. Aber der erdnahe Orbit ist dies nicht. Eine Kollision ausser Kontrolle geratener Satelliten kann eine Kettenreaktion, das sogenannte Kessler-Syndrom- zur Folge haben.

  10. 6.

    Das Projekt ist mehrfach problematisch. Zunächst lässt sich der gesamte Orbit mit internationalen Gewässern auf der Erde vergleichen: Alle können sie theoretisch nutzen, aber niemand übernimmt weder de jure noch de facto Verantwortung für Verschmutzung oder andere Folgen. Wer Satelliten in den Orbit bringt, sollte zuvor Rückholstrategien belegen, die funktionieren - weltweit noch nicht existent. Der Weltraumschrott mitsamt seiner kleinsten Teilchen wird schon per Wahrscheinlichkeitsrechnung zunehmen, je mehr Satelliten dort oben sind - und das Problem entsprechend potenzieren.

    Ferner ist das eine globale Internet eine überholte Idee. Einflussnahme und Regulierung des Internets sind notwendig und machbar, nicht der Ausbau weiterer deregulierter Märkte.

    Denn es wird dem z.B. im Kongo zum Abbau v. Koltan gezwungenen Kind nicht viel nützen, dass es Internet hätte, könnte es sich das leisten. Es ist ein Ungleichgewicht von Macht, das nicht behoben, sondern ausgebaut wird.

  11. 5.

    Das Projekt finde ich fantastisch. Wie eine Perlenschnur, die durch den Nachthimmel fliegt. Schade für mich, dass die neuen Iterationen schwarz gestrichen sind, sodass sie nicht mehr zu sehen sein werden =( Freut mich aber für die Forschung.

  12. 4.

    Ernsthaft? Astrologinnen und Astrologen führen Ihrer Meinung nach wissenschaftliche Beobachtungen am Nachthimmel durch? Wofür? Zur Horoskoperstellung? Oder kennt Ihr Autor den Unterschied zwischen Astrologie und Astronomie nicht?

  13. 3.

    "Diesen Mist braucht man doch nicht."...
    Nur weil Du darin keinen Sinn siehst, ist es noch lange kein Mist.

    Ansonsten mal ein wenig überlegen. Den Kommentar schreiben, TVschauen .... ist a.u. nur wegen solchen "Mist" möglich.

  14. 2.

    Kleiner Fehler, es sind Astromen und keine Astrologen.

  15. 1.

    Ich sehe mir lieber Sterne und Planeten an als Schrott im Weltall. Diesen Mist braucht man doch nicht.

Nächster Artikel