Gewerkschaft fordert 4,5 Prozent mehr Lohn - Beschäftigte des Einzelhandels legen Arbeit nieder

Streik von Verdi im Einzelhandel am 02.07.2021 in Berlin. (Quelle: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 02.07.2021 | Ronald Schleif | Bild: rbb

Beschäftigte des Einzelhandels in Berlin und Brandenburg sind am Freitag in einen Warnstreik getreten, um die Forderung der Gewerkschaft Verdi nach höheren Löhnen zu unterstützen. Die Arbeitgeberseite kritisierte die Arbeitsniederlegungen.

Mit ersten Warnstreiks im Berliner und Brandenburger Einzelhandel hat die Gewerkschaft Verdi am Freitag ihren Forderungen Nachdruck verliehen. Etwa 350 Verkäuferinnen und Verkäufer aus beiden Bundesländern sowie Beschäftigte aus den Lagern seien am Vormittag zum Wittenbergplatz in der Berliner City West gekommen, wie Verdi mitteilte. Aufgerufen waren Beschäftigte der Handelsketten Rewe, Edeka, Kaufland, Penny, Ikea sowie Galeria.

Handelsverband: Streiks zu diesem Zeitpunkt "völlig unüblich"

Nach Angaben des Handelsverbands Berlin-Brandenburg standen Verbraucher nirgendwo vor geschlossenen Supermärkten oder Geschäften. Die Arbeitgeberseite bedaure die Aktionen, sagte Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen. Ein Warnstreik zu diesem Zeitpunkt sei "völlig unüblich". "Wir sind am Start der Verhandlungen und erst seit 24 Stunden aus der Friedenspflicht raus."

Verdi fordert für Zehntausende Verkäuferinnen und Verkäufer und Lagerbeschäftigte in Berlin und Brandenburg 4,5 Prozent mehr Geld, außerdem 45 Euro zusätzlich pro Monat. In der Branche soll außerdem ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde gelten.

Streik von Verdi im Einzelhandel am 02.07.2021 in Berlin. (Quelle: rbb)
Beschäftigte von Thalia streiken mit. | Bild: rbb

Verdi verweist auf acht Prozent Wachstum

Die Arbeitgeberseite wies das Forderungspaket in der ersten Verhandlungsrunde am Freitag vor einer Woche als zu hoch zurück. Allein Berliner Einzelhändler müssten ihren Beschäftigten damit insgesamt zehn Prozent mehr bezahlen, kritisierte der Handelsverband.

Verdi argumentiert, dass der Lebensmittelhandel im vergangenen Jahr mit acht Prozent Wachstum den höchsten Umsatzanstieg seit Beginn der statistischen Aufzeichnung vor 27 Jahren erwirtschaftet habe. Der Umsatz beim stationären Einzelhandel sei um drei Prozent gestiegen. "Die Unternehmen konnten durch milliardenschwere Wirtschaftshilfen und den Erlass der Sozialversicherungsbeiträge beim Kurzarbeitergeld ihre pandemiebedingten Verluste abfedern. Die Beschäftigten nicht", so die Gewerkschaft.

Der Gewerkschaft zufolge arbeiten in Berlin rund 141.000 und in Brandenburg 78.000 Beschäftigte im Einzelhandel.

Sendung: Brandenburg aktuell, 02.07.2021, 19:30 Uhr

23 Kommentare

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  1. 23.

    Die Gewerkschaften setzen sich für ihre Mitglieder ein, die wirklich bedürftigen Arbeiter müssen sich eben organisieren und in Gewerkschaften eintreten. Gemeinsam sind wir stark.

  2. 22.

    2,5 % von was ?
    - Warum sind 2,5 % realer als 4,5 % ?
    Oder ist Ihnen Ihre Arbeit nicht mehr wert ?

  3. 21.

    Warum fordert verdi nicht reale Lohnerhöhungen, 2,5 %, und das ganze geht dann sicherlich ohne Streik.

  4. 19.

    Lohnsteigerungen sind grundsätzlich nicht zulässig. In guten Zeiten nicht, man soll ja den Aufschwung nicht stören, in schlechten Zeiten nicht, da gibt es ja, weiß Gott wichtigeres. Und jetzt muß ja erst mal der arbeitsplatzschaffende Mittelstand Corona verkraften.
    Man stelle sich das mal vor: Da ist dem kleinen Mittelstandsfamilienbetriebsarbeitsplatzschaffer Bäcker die Hälfte seiner 2000 "Mitarbeiter" coronamäßig abhanden gekommen und er weiß nicht wo er denn jetzt neue Mitarbeiter herbekommen soll und dann soll er auch noch höhere Löhne zahlen?
    Also das ist ja Sozialismus, DDR 2.0 und was es da sonst noch so alles gibt.

  5. 17.

    Komisch warum Tarifbeschäftigte immer mehr verdienen als der Rest. Mal schlau machen wie ein Tarifvertrag entsteht. ;-)

  6. 16.

    Mit 12,50 € Mindestlohn kann man sich keine großen Sprünge leisten !

  7. 15.

    Fairer Lohn ist wichtig. Gerade jetzt war ersichtlich, welche Bereiche der Wirtschaft existenziell sind und 12,50 ist kein Luxus und keine überzogene Forderung.
    Allerdings sollte man das Corona-Argument mal in der Tasche stecken lassen. Kurzfristige Veränderungen sollten keine Begründung sein.

  8. 14.

    Weil das die Menschen waren, die immer präsent sind und waren. Die schlechte Laune und Bemerkung anderer Menschen ertragen müssen und Schichten schieben nur weil andere unbedingt massenweise Klopapier horten mussten

  9. 13.

    wer es immer noch nicht weiß: Jede (auch erstreikte) Gehaltsanhebung hebt das allgemeine Einkommens-Niveau, was sich dann auch steigernd auf Renten und Pensionen auswirkt. Wer streiken doof findet, sollte konsequent Steigerungen seiner Renten- und Pensionseinkünfte verweigern, denn das ist ja (igittigitt) Gewerkschaftsgeld. (mal bei einer Gewerkschaft anrufen und dieselbe Auskunft bekommen).

  10. 11.

    Die Lohnforderungen sind sogar noch viel zu niedrig.
    Angesichts der angedrohten Preissteigerungen durch die demokratischen Parteien hätte die Forderung nach einem Mindestlohn von 20 Euro pro Stunde kommen müssen. Chance vertan.
    Nicht die Mieten sind das Problem, sondern das Einkommen.

  11. 10.

    Fängt bei den Neidbürgern jetzt das Corona-Klattschen wieder an ?
    Die Forderung der Gewerkschaft, deckt gerade mal die Corona-Lobhudelei von Politik und Unternehmern. Wäre also nur die Einlösung der Unternehmerversprechungen, Wertschätzung, Zuverlässigkeit. Ich drück die Daumen !

  12. 9.

    Kann ich nur unterstützen.
    Damit endlich statt diesem verlogenen Klatschen die Leute was von ihrer harten Arbeit haben!
    Viel Erfolg!
    Am besten unangekündigt!
    Damit die Leute mal sehen, wie wichtig Ihr seid für unser Leben.
    Danke!!!

  13. 8.

    Warum wollen eigentlich immer genau diese Gruppen streiken, die in der Coronazeit keine Einbußen hatten/haben. Es gibt so viele, die es nötiger gehabt hätten, wenn sich die Gewerkschaften mal für die wirklich Bedürftigen einsetzen würden.

  14. 7.

    Geh ich eben zu Netto!

  15. 6.

    Beim Einzelhandel für Lebensmittel kann ich das noch nachvollziehen..... ABER Galeria und der normale Einzelhandel.... ?

    Wriss Verdi eigentlich was die da tun?
    Viele hatte lange Zeit keine Einnahmen und dann sollen sie mehr Gehalt zahlen

  16. 5.

    Der Kabarettist Volker Pispers stellte in einer seiner Shows vor Jahren die Frage, was wohl passieren würde, wenn morgen alle Investmentbänker tot umfallen? Richtig, gar nichts. Die selbe Frage bezogen auf Krankenschwester, Pfleger, Polizisten, Feuerwehr, und Dienstleister, und die Antwort sähe anders aus. Diese Leute haben alles am Laufen gehalten. Und eine Aufwertung dieser Tätigkeiten ist mehr als gerechtfertigt. Vor allem vor dem Hintergrund der satten Gewinne im Handel. Für Beifall und nette Worte kann man nichts kaufen.

  17. 4.

    Jeder Mensch hat das Recht, seine Arbeitskraft so teuer wie möglich zu verkaufen. Holt das Beste für euch raus, viel Erfolg. Mit einem Mindestlohn von 12.50€ würde man immer noch als arm gelten und aus der Armutsschleife nicht herauskommen. Wenn man bis 67 arbeitet und dann in die Grundsicherung fällt, ist das eine Folge des Absenkens des Rentenniveaus unter 50% und der Schaffung eines Billiglohnlandes Deutschland durch Altkanzler Schröder und den GRÜNEN.

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