Kritik vom Fahrgastverband IGEB - BVG stellt neues Straßenbahn-Modell vor

Neue Straßenbahn-Generation der BVG (Quelle: rbb/Thorsten Gabriel)
Video: Abendschau | 29.07.2021 | Bild: rbb/Thorsten Gabriel

Neue Straßenbahnwagen sollen künftig in Berlin mehr Menschen befördern, das Modell - noch aus Holz - hat die BVG am Donnerstag vorgestellt. Laut dem Fahrgastverband IGEB verschenken die Verkehrsbetriebe mit der neuen Tram-Generation Potential.

Der Modellentwurf für eine der neuen Berliner Trams ist am Donnerstag vorgestellt worden. Das lebensgroße Modell steht auf dem BVG-Betriebshof Weißensee.

Es ist aus Holz gefertigt, zeigt aber schon die moderne Technik, die verbaut werden soll. Monitore, Türtaster oder der Fahrersitz sind in dem Modell zu sehen. Bevor die Produktion startet, sollen Design und Funktionalität laut BVG sorgfältig geprüft werden. So kann laut BVG beispielsweise die genaue Anordnung und Größe der Sitze noch variiert werden. An dem Modell könnten die Varianten ganz praktisch durchgespielt werden.

Neue Straßenbahn-Generation der BVG (Quelle: rbb/Thorsten Gabriel)
Innenansicht der neuen Berliner Tram | Bild: rbb/Thorsten Gabriel

Auftrag für 117 neue Bahnen

Geplant sind Straßenbahnen in zwei Längen: Zum einen 30-Meter-Züge, wie sie bisher schon eingesetzt werden, und erstmals Wagen von 50 Metern Länge. Diese langen Züge sollen auf der laut BVG besonders stark nachgefragten Linie M4 eingesetzt werden, die vom Hackeschen Markt in Mitte bis zum Ortsteil Falkenberg (Lichtenberg) beziehungsweise zur Zingster Straße in Hohenschönhausen fährt.

Bis zu 117 Fahrzeuge sollen den Angaben nach geliefert werden, mindestens 350 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Die ersten neuen Fahrzeuge kommen ab Ende 2022 nach Berlin. Lieferungen aus dem Rahmenvertrag erfolgen anschließend bis 2033.

Fahrgastverband: Neue Züge zehn Meter zu kurz

Kritik kommt vom Berliner Fahrgastverband IGEB. Die Haltestellen auf wichtigen Strecken seien inzwischen gut 60 Meter lang, so der Verband. Die hochmoderne Straßenbahngeneration nutze die Infrastruktur daher nicht voll aus. "Aufgrund der prognostizierten Fahrgastzunahme insbesondere im wachsenden Bezirk Pankow wäre es konsequent gewesen, künftig 60-m-Fahrzeuge zu bestellen", hieß es weiter.

Zudem könne die neue Generation der 30-Meter-Wagen nicht zu langen Zügen gekoppelt werden. Die BVG nutze mit der neuen Straßenbahngeneration nicht die Möglichkeiten der Infrastruktur, "obwohl der Ausbau des Straßenbahnnetzes bei der Erschließung bestehender und neuer Wohngebiete zurecht eine zentrale Bedeutung hat."

Die BVG wies die Kritik zurück. Die 50-Meter-Züge würden mehr Plätze bieten als derzeit zwei gekoppelte 30-Meter-Wagen. "Wir haben ja jetzt zweimal-30-Meter-Fahrzeuge, bei denen ein Großteil der 60 Meter durch die Kupplung und zwei Führerstände verbraucht wird. Die neuen Fahrzeuge sind durchgängig“, sagte der Straßenbahn-Chef der BVG, Rico Gast dem rbb.

Noch keine Lösung für die Kopplung der neuen Züge

In den neuen 50-Meter-Zügen sollen 313 Fahrgästen Platz finden, in den gekoppelten 30-Meter-Zügen sind es laut BVG 300. 60m-Wagen seien zwar machbar, sagte Gast. Er gab aber zu bedenken, dass längere Züge beispielsweise mehr Zeit benötigten, um eine Kreuzung zu überqueren: "Da sollte dann auch das erste Auto, das Grün hat, nicht noch das Bremslicht der Straßenbahn sehen müssen."

Gast räumte ein, dass es bislang noch keine Lösung für den Umstand gebe, dass sich die neuen 30-Meter-Züge nicht koppeln lassen. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werde, bis die neuen Züge in Betrieb gehen. "Die ersten 30-Meter-Fahrzeuge werden in 2024 da sein, sie werden relevant 2025 in den Einsatz gehen. Und zu diesem Zeitpunkt werden wir auch in der Lage sein, entsprechend flexibel zu reagieren, wenn der Bedarf da ist", so Gast.

Von der Pferdebahn bis zur BVG-Tram

Sendung: rbb UM6, 29.07.2021, 18 Uhr

28 Kommentare

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  1. 28.

    Richtig; der Regio nach Rostock ist aber von einem der teuersten Bahnhöfen in Berlin abgefahren. Sagen sie mal jemanden, dass der die verdreckten Schuhe nicht auf den Sitz gegenüber aufzulegen hat. Viele haben heute ein Messer und drehen durch wenn man es wagt auf irgend etwas hinzuweisen. Früher gab es so etwas nicht.

  2. 27.

    Sie sieht furchtbar aus, wenn man in die anderen Städte blickt wo ebenfalls eine Flexitiy fährt. Aber das mag auch an dem Gelb liegen, die BVG bräuchte mal ein Corporate Design Overhaul. Langsam wirds langweilig mit den OPEL Farben...

  3. 26.

    Sehr richtig erkannt! Danke sowas von richtig.
    Der Senat sollte mal schauen wieviele Fahrgäste abends in der Straßenbahn sitzen, nahe NULL!

  4. 25.

    Wann hört endlich die Diskussion auf das Berlin Strassenbahn braucht! Berlin braucht die U-Bahn damit die Verkehrsflächen entlastet werden und vor allem P+R vor der Stadt mit schnellen Anbindungen in die Stadt ( so was geht nicht mit Strassenbahn).

  5. 24.

    Hier geht es um das Mockup der neuen Straßenbahn für Berlin, nicht um verdreckte Eisenbahnzüge.

  6. 23.

    Wir sind mal zu Mehdornzeiten mit einem sehr verdreckten Regio nach Rostock gefahren. Dazu die beiden naheliegenden Toiletten so mit Graffiti besprüht. So ekelig war es später nie- Ich muss mal wieder den RE-1 loben; derartige Dinge nie erlebt.

  7. 22.

    Lahm und gefährlich ist wohl übertrieben. Wichtig ist ein eigenes Gleisbett-abgetrennt von der Fahrbahn. Zuglängen von 60 m ist schon was in einer Stadt mit Querungen und Ampeln. Hier in Bln. aber sogar wie der Herr Neumann an 100m langen Zügen zu denken ist unpassend. Natürlich wäre in der Greifswalder eine U-Bahn wünschenswert aber auch eine erhebliche Kostenfrage . Dann denken sie mal an die Probleme während der Bauphase. Die Frontansicht hat sich international so "eingebürgert". Innen ist es mir zu triest. Wenn ich da an unsere 3 Bahnen der Baureihe Artic-Trans; 2 härtegetestet in Helsinki denke-mit roten Kunstledersitzen und viel weiß-viel angenehmer. Auch die Lichtfarbe. Die Sitze sind hier ähnlich aufgebaut; irgendwie gekonnter.

  8. 21.

    Da sollte sich die deutsche Bahn mal ein Beispiel nehmen mit ihren alten doppel decken Züge wenn mann die von außen sieht und dann rein kommt bekommt mann das brechen hauptsache die Loks sind neu

  9. 20.

    *lol* genau, dann wäre ein Kuhfänger vorne dran aber besser. Dann gibt es weniger Lackschäden wenn man wieder einer vor die Bahn rennt oder ein Auto im Weg steht.

  10. 19.

    "Bevor die Produktion startet, sollen Design und Funktionalität laut BVG sorgfältig geprüft werden. So kann laut BVG beispielsweise die genaue Anordnung und Größe der Sitze noch variiert werden. An dem Modell könnten die Varianten ganz praktisch durchgespielt werden." schrieb dazu der RBB, was ich aber auch zwischendurch verdrängt hatte.

  11. 18.

    Platzverschwendend sind die vielen breiten Autotrassen in der Stadt und die vielen Parkflächen für Autos aber sicher nicht eine Straßenbahnstrecke in der Greifswalder Straße !!

  12. 17.

    Die soll andere Verkehrsteilnehmer abschrecken, da die zwei Linien auf dem Boden und die Fahrwegmarkierung über der Strecke viele nicht davor abhält, vor den Zug zu laufen/fahren. ;-)

  13. 16.

    Gebe ich Ihnen absolut Recht.
    Das Lichtambiente lässt in den modernen und modernisierten Zügen arg zu Wünschen übrig. Da nützt der beste durchgestylte Innenraum nichts, wenn der durch das kalte Licht irgenwie nach Eispalast dann aussieht.
    Lichtambiente trägt sehr zum Wohlfühlfaktor bei, auch wenn es wie im Fall einer Strapazenbahn nur ein Zweckaufenthalt ist.

  14. 15.

    Die neuen Bahnen verfügen über Wechsellicht. Das ist Temperaturabhängig. Über 20 Grad Kaltes Weiß, unter 20 Grad Warmes Weiß. Das Ganze ist in Leipzig sogar schon getestet.

  15. 14.

    Ganz so entrig wie der Donald Duck in der Bildergalerie sieht sie nicht mehr aus.

  16. 13.

    Der Fahrgastverband… Tja, es kommt halt nicht auf die Länge an ;-) Sondern auf die Menge der Fahrgäste.

  17. 12.

    Anderer Vorschlag: U-Bahn, der Tunnel Richtung Weißensee ist von Alexanderplatz teils vorhanden. Weißensee ist auch die einzige Gegend ohne richtige Bahn. Reißt die platzverschwendende Tram aus der Greifswalder Str. heraus und baut die U-Bahn -Verlängerung (U3) samt Betriebswerkstatt Darßer Str. wie in den Senatsvorgaben von 1995!
    Die Tram ist maximal als Zubringer von Vorteil, in der Stadt zu anfällig, lahm und gefährlich!

  18. 11.

    Dass Autos Rücklichter sehen als Argument gegen lange Straßenbahnen als Chef der Straßenbahnen anzubringen hat den Charakter von Satire und lässt bei mir nur einen Schluss zu: Der gute Herr fährt selbst nur Auto.

  19. 10.

    Das finde ich garnicht, es geht außerdem auch darum, dass der Fahrer gute Sicht hat.

  20. 9.

    Uff die sieht von vorne aber furchtbar aus die Bahn, was ist das denn für eine optische Entgleisung?

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