Kein Zusammenschluss von Vonovia und Deutsche Wohnen - Was die gescheiterte Mega-Fusion für Berlin bedeutet

Rolf Buch (l), Vorstandsvorsitzendem der Vonovia SE, und Michael Zahn, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Wohnen SE (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Aus Vonovia und Deutsche Wohnen wird vorerst nicht der größte Immobilienkonzern Europas. Besonders der Mieterstadt Berlin hatten beide Konzerne ihren Plan schmackhaft gemacht. Doch das Scheitern ist kein Drama für die Hauptstadt. Von Thorsten Gabriel

Wer sich in den vergangenen Monaten im landespolitischen Berlin umhörte, traf selten auf Leute, die sich von dem Mega-Deal von Vonovia und Deutsche Wohnen euphorisiert zeigten. Allenfalls die mit dem Geschäft verknüpften Zusagen an Mieterinnen und Mieter sowie ans Land wurden positiv gewertet: mittelfristige Mietenstabilität und 20.000 Wohnungen als Kaufangebot ans Land. Das tauchte die Pläne in ein sanftes, verlockendes Licht. Vor allem aus Marketingsicht war das für beide Konzerne ein wichtiger Schachzug.

Denn um den Ruf der großen Immobilienkonzerne ist es schlecht bestellt - nicht erst, seit die Initiative "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" die Bildfläche betreten hat. Schon davor waren es längst nicht nur Politikerinnen und Politiker links der Mitte, die aus ihren Wahlkreisen unschöne Geschichten von Mietern zu erzählen wussten.

Auch CDU-Politiker, denen ansonsten gern eine Nähe zu den Konzernen nachgesagt wird, berichteten einem unter der Hand von Fällen, in denen Mieterinnen und Mieter quasi aus ihren Wohnungen saniert wurden. Immer wieder entstand der Eindruck, dass die Unternehmen ihren Aktionären näher stehen als ihren Mietern.

Imagepflege angesichts von Enteignungsplänen

Die Deutsche Wohnen wurde zwar nicht müde zu betonen, wie günstig man in ihren Immobilien wohne - doch ihr schlechtes Image konnte sie damit nicht abstreifen. Auch deshalb hatte das Unternehmen schon vor etlicher Zeit die "Flucht nach vorn" angetreten: Noch vor Inkrafttreten des mittlerweile gescheiterten Mietendeckels machte die Deutsche Wohnen ihren Mietern Zusicherungen bei Härtefällen und versprach stabile Mieten.

Da nahm die Initiative "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" gerade Fahrt auf. Die Aktivisten skizzierten das Bild von Großkonzernen, die auf Kosten von Mietern ihre Anleger befriedigen und deshalb enteignet werden sollten. Über die Frage, ob Enteignungen ein geeignetes Mittel wären, um die Probleme auf dem Wohnungsmarkt zu lösen, wird seitdem leidenschaftlich diskutiert - und mündet Ende September in einem Volksentscheid.

In Umfragen zeigte sich zuletzt rund die Hälfte der Berlinerinnen und Berliner solchen Plänen nicht abgeneigt. Das allein belegt eindrucksvoll, wie sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt zugespitzt hat.

Vonovia und Deutsche Wohnen sind keine Übermacht in Berlin

Dass die Nummer Eins auf dem deutschen Immobilienmarkt nun nicht mit der Nummer Zwei zum größten Immobilienkonzern Europas verschmilzt, ist so gesehen also keine Tragik. Die Machtanhäufung, die manche befürchtet hatten, findet erstmal nicht statt.

Doch auch bei einer Fusion hätte das auf dem Berliner Wohnungsmarkt keine großen Veränderungen bedeutet: Zusammen halten beide Unternehmen mit ihren rund 150.000 Wohnungen in der Hauptstadt gerade mal rund zehn Prozent des Bestands. Die landeseigenen Wohnungsgesellschaften besitzen mehr als doppelt so viele.

Erfreulich für Mieterinnen und Mieter ist, dass sowohl Vonovia als auch die Deutsche Wohnen noch vor dem endgültigen Scheitern zusicherten, dass sie an den zugesagten Mietbegrenzungen trotzdem festhalten würden. Auch hier ist das Signal der beiden Unternehmen klar: Seht her, wir sind nicht die Bösen, für deren Enteignung ihr stimmen müsstet.

20.000 Wohnungen als Wahlkampf-Zankapfel

Was das Angebot an Berlin angeht, den beiden Unternehmen 20.000 Wohnungen abzukaufen, gilt weiterhin, was auch schon vorher galt: Augen auf beim Immobilienkauf. Darauf zumindest drängen Grüne und Linke in der rot-rot-grünen Koalition. Sie standen der Offerte ohnehin von Anfang an skeptisch gegenüber, weil die SPD mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller dieses Geschäft quasi als ihren Solo-Erfolg verkündete und die Koalitionspartner dabei auf der Zuschauertribüne platzierte.

Ob es am Ende dazu kommt, dass Berlin die Wohnungen kauft, ist für die Entspannung des Wohnungsmarkts eher nachrangig. Absehbar ist, dass die Koalition in der heißen Phase des Wahlkampfs darüber noch ins Streiten geraten könnte. Gerade erst erneuerte die SPD ihre Aussage, wie wichtig der Ankauf für die Stadt sei. Es ist ein Pfund, mit dem die Sozialdemokraten bei den Wählerinnen und Wählern wuchern wollen - was sich Grüne und Linke allerdings kaum widerstandslos gefallen lassen dürften.

Sendung: Abendschau, 26.07.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Thorsten Gabriel

24 Kommentare

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  1. 24.

    Mehr Staat ist ein absoluter Alptraum. Der Staat kann nicht die Themen der Privatwirtschaft erfüllen. Ist auch nicht seine Aufgabe!

  2. 23.

    Also mich nervt dieses Thema auch. Es sind viel zu wenig Menschen betroffen. Berlins Lokalpolitiker sollen sich auf die wirklichen Probleme der Stadt fokussieren. Davon gibt es mehr als genug!

  3. 22.

    Der Wohnungskauf ist echt kein Wahlkampfthema. Hört auf, die Stadt weiter zu spalten mit so einem Mist. Und trotzdem: Die SPD erneuerte ihre Aussage, wie wichtig der Ankauf für die Stadt sei. Es ist ein Pfund, mit dem die Sozialdemokraten bei den Wählerinnen und Wählern wuchern wollen - was sich Grüne und Linke allerdings kaum widerstandslos gefallen lassen dürften.

  4. 21.

    Ja, gerne wird hier verallgemeinert. Wäre ja auch zu viel verlangt, wenn man die Gruppe der Vermieter mal differenziert betrachten würde. Bei Mietern sind ja auch nicht alle einfach nur asoziale Schmarotzer und Mietpreller.

  5. 19.

    Die Prozentzahlen sind hier reine Stimmungsmache, wenn man sich die absoluten Zahlen anschaut ist Berlin immer noch billig im Metropolenvergleich. Wenn seit Jahren die Mieten nicht erhöht wurden, ist es kein Wunder, wenn das jetzt nachgeholt wird.

  6. 18.

    Die beiden Herren auf dem Foto leben übrigens überdurchschnittlich gut von der Miete ihrer Mieter. Jeder Aktionär hält auch die Hand auf. Wohnungsverwaltungen leben alle gut von der Miete ihrer Mieter. Werden sie Wohnungswirtschaftler. Es lohnt sich.

  7. 17.

    Grundsatz: Mieten müssen erst mal kostendeckend sein. Was darüber hinaus geht ist aber auch nicht der Reingewinn des Vermieters. Aber; wer vermietet schon mit Verlusten ? Was kostete früher eine Handwerkerstunde ? Können sie mit dem Wort INSTANDHALTUNGSRÜCKLAGE etwas anfangen ? Der Verwalter will auch bezahlt werden. Grunderwerbssteuer kassiert die Gemeinde oder Stadt.

  8. 16.

    Könnte es sein, dass diese Anwälte schon desöfteren die genannten Wohnungsunternehmen vor Gericht vertreten haben ? Wofor hätten die denn sonst "Angst".? Was hält sie so an Berlin ? In LOS u.MOL sind so viele preisgünstige Eigenheime entstanden; ehemalige Berliner nutzten den damals günstigen Grundstückpreis.

  9. 15.

    "Das Thema "Enteignung"wird nur von Medien und Lokalpolitikern "leidenschaftlich" diskutiert. Der normale Berliner ist eher genervt angesicht der Tatsache, dass es unter 10% der in Berlin zur Verfügung stehenden Wohnungen überhaupt betrifft"

    mmh, denke ich eher nicht. Sonst würden nicht so viele Sympathien für die Enteignungsinitiative haben:

    "In Umfragen zeigte sich zuletzt rund die Hälfte der Berlinerinnen und Berliner solchen Plänen nicht abgeneigt"

    Und auch die trotz Corona bei einer Volksabstimmung höchsten je erreichten Unterschreiber des Volksbegehrens sprechen eine andere Sprache. Ist ja auch nicht weiter verwunderlich- das Anliegen des Volksbegehrens geht weit über die direkt betroffenen Mieter hinaus. Erste Wirkungen (siehe Beitrag) hat es ja bereits entwickelt- jetzt heißt es, Nägel mit Köpfen zu machen. Was spricht denn über eine Begrenzung der maximal zulässigen Mietsteigerung innerhalb von drei Jahren statt wie jetzt 20/15% auf Inflationshöhe?

  10. 14.

    Gerne! Einfach beim Volksentscheid für die Vergesellschaftung privater Wohnkonzerne stimmen und die neu zu schaffende Anstalt öffentlichen Rechts wird ihren Standort sofort ausbauen. Win-Win für alle.

  11. 13.

    Ach so, wenn Sie das so einleuchtend erklären, zahlen natürlich ab jetzt alle freudestrahlend ihre hohen Mieten.
    Ist ja nebenbei auch super für die Berliner Wirtschaft insgesamt, wenn ein großer Teil der Bevölkerung im Alltag für andere Dinge immer weniger ausgeben kann, weil nach Abzug der Lebenshaltungskosten kaum noch was übrig ist.

    Zum Glück denken nicht alle so wie Sie und die Wähler*innen können sich beim Volksentscheid überlegen, auf welcher Seite sie stehen.

  12. 11.

    Das Thema "Enteignung"wird nur von Medien und Lokalpolitikern "leidenschaftlich" diskutiert. Der normale Berliner ist eher genervt angesicht der Tatsache, dass es unter 10% der in Berlin zur Verfügung stehenden Wohnungen überhaupt betrifft und sich das Land Berlin die zu zahlenden Entschädigungen sowieso nicht leisten könnte. Von der Auswirkung auf den zukünftigen Wohnungsbau ganz zu schweigen.

  13. 10.

    Es ist wie bei der CO2-Abgabe, der Staat mutet Vermietern und Mietern immer mehr zu. Wenn die Klimaziele erreicht werden sollen, dann muss der teilweise überalterte Bestand saniert werden und dann müssen nicht zuletzt auch die Mieter an den Kosten und Aufwendungen zur Erreichung der Klimaziele ihre Geldbörse öffnen.

  14. 9.

    Dem Stimme ich vollkommen zu. Man kann ja immer noch die Wohnfläche pro Haushalt verringern. Wenn man zuvor 80 qm hatte, kosten 60 qm dann auch nicht mehr 40% vom Einkommen. Lustig in Berlin ist immer, dass der Flatscreen, das e-bike und das Leasingauto mit den Ausgaben okay sind, aber eine Miete schnell als zu teuer eingestuft wird.

  15. 8.

    Ich finde es gut, dass wir eines der Wohnungsunternehmen in Berlin behalten werden. Hier sollte der Standort weiter ausgebaut werden.

  16. 7.

    Mathias :
    Bei den Mieten geht es immer nur ach oben. Was ist in 20 Jahren, gilt 2.500,-€ als normale Untergrenze.? Eigenentumswohnungen treiben die Preise nach oben, z. B. Sehr gute Lage usw.
    Faktoren, die bei einer Berechnung der Miete, an Hand des Mietspiegels, sich negativ auswirken, wurden still und heimlich gestrichen.
    Nehmt einfach maldie Mieten von Eigentumswohnungen raus, für die Berechnung des Mietspiegels.

  17. 6.

    40 % des Einkommens für Miete ist zuviel?
    Nein, ist es nicht. So langsam muss jeder verstanden haben, dass die Zeiten der billigen Mieten in Berlin vorbei sind.

  18. 5.

    Die Grunderwerbsteuer hätte Berlin sowieso nicht bekommen, also bedeutet es nichts!

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